Branchencheck

28.03.2019

Branchencheck - Argentinien (März 2019)

Inhalt

Erste Konjunkturtriebe nach tiefer Rezession / Von Carl Moses

Buenos Aires (GTAI) - Die Rezession trifft fast alle Branchen. Die Industrie arbeitet bloß mit halber Kapazität. Doch der Agrarsektor bringt Hoffnung. Gleichzeitig kommt die Digitalisierung voran.

Maschinenbauindustrie: Aufschwung für Landtechnik

Der Maschinenbau ist von der Krise besonders stark getroffen, die Produktion sank 2018 um bis zu 30 Prozent. Für 2019 wird lediglich eine selektive Erholung erwartet. Die besten Wachstumschancen haben die Hersteller von Landtechnik. Gut läuft auch das Geschäft mit Ausrüstungen für die Öl- und Gasindustrie sowie für die Erzeugung von erneuerbaren Energien. Auftrieb durch die Peso-Abwertung erhält der Absatz von Maschinen für exportorientierte Branchen wie die Nahrungsmittelindustrie. Die Stärke der heimischen Maschinenbauer liegt in maßgeschneiderten Lösungen für die lokale Industrie.

Chemieindustrie: Aufholpotenzial für Agrarchemie

Die Chemieindustrie war 2018 stark von der Rezession betroffen, der Ausstoß sank um 6 Prozent. Für 2019 ist bestenfalls eine moderate Erholung zu erwarten. Besonders großes Aufholpotenzial hat die Agrarchemie, die 2018 unter dem dürrebedingten Einbruch der Landwirtschaft litt und 2019 von besseren Ernten profitieren dürfte. Die Peso-Abwertung und die Erholung in Brasilien könnten Impulse für den Export bringen. Die Wiederöffnung des EU-Marktes hilft der Biodieselproduktion. Konsumnahe Sparten, die für den Inlandsmarkt arbeiten, haben es noch schwer.

Energiewirtschaft: Erneuerbare Energien verzögert

Der Ausbau der erneuerbaren Energien kommt langsamer als erwartet voran. Es fehlt an Finanzierungen für geplante Projekte, auch für den Bau von Übertragungsleitungen zum Abtransport der oft weit von den Verbrauchszentren entfernt erzeugten Energie. Die in den ersten beiden Ausschreibungsrunden des Programms RenovAr (2016 und 2017) vergebenen Projekte für insgesamt 4.400 Megawatt (vornehmlich Wind und Fotovoltaik) haben sich zum Teil erheblich verzögert. Die dritte Ausschreibungsrunde beschränkt sich darum auf Kleinprojekte. Der Abbau der Energiesubventionen lässt die Energiepreise für Verbraucher steigen.

Weitere Informationen:

Frischer Wind in Argentinien

http://www.gtai.de/MKT201707268004

Bauwirtschaft: Schwere Rückschläge

Die vor einem Jahr noch blühende Baukonjunktur erlebt schwere Rückschläge. Hohe Inflation und noch höhere Zinsen haben den gerade erst entfachten Boom der Hypothekenkredite wieder abgekühlt. Das stark erhöhte Länderrisiko erschwert internationale Finanzierungen. Gewaltige Korruptionsskandale belasten seit August 2018 die größten Bauunternehmen des Landes, auch viele Mittelständler gerieten inzwischen ins Fadenkreuz der Ermittler. Banken halten darum Abstand. Öffentlich-private (PPP-) Projekte, die große Hoffnungsträger waren, sind derzeit kaum realisierbar.

Weitere Informationen:

Branchenanalyse: Schwieriges Umfeld für Argentiniens Bauwirtschaft

http://www.gtai.de/MKT201812148000

Gesundheitswirtschaft: Leere Kassen

Die Rezession erfasst auch die Gesundheitswirtschaft, denn Patienten zahlen einen Teil der Ausgaben aus eigener Tasche. Sinkende Realeinkommen und rückläufige Beschäftigung reduzieren zudem die Beiträge zu den Sozialkassen. Auch der Staat ist klamm. Die Regierung setzt auf Digitalisierung, um die bestehende Infrastruktur effizienter zu nutzen. Branchenunternehmen berichten von Zahlungsproblemen einiger Kunden. Zudem leidet die Rentabilität, da der Effekt der Peso-Abwertung durch Preiserhöhungen nicht kompensiert werden kann. Die Pharmaproduktion sank 2018 um 5,5 Prozent.

Weitere Informationen:

Im Fokus: Argentinien hält Reformkurs

http://www.gtai.de/PUB201806278000

Landwirtschaft: Rekordernte erwartet

Nach den dürrebedingten Rekordverlusten des Vorjahres erwarten die Landwirte 2018 eine Rekordernte von bis zu 140 Millionen Tonnen Getreide und Ölsaaten (+25 Prozent). Allein die Sojaproduktion soll um mehr als 50 Prozent auf 54 Millionen Tonnen steigen. Von der guten Ernte werden starke Multiplikatoreffekte auf die gesamte Wirtschaft ausgehen, insbesondere für die Produktion von Agrarchemikalien und Landtechnik. Allein auf der Agrarmesse Expoagro sollen Geschäfte für 1,2 Milliarden US-Dollar (US$) vereinbart worden sein. Die Landwirtschaft gehört in Argentinien zu den Vorreitern der Digitalisierung.

Weitere Informationen:

Argentiniens grüner Motor

http://www.gtai.de/MKT201706278005

Argentiniens Agrarwirtschaft nutzt Technologie-Potenziale

http://www.gtai.de/MKT201701208010

Bergbau: Glück auf!

Der Bergbau gehört zu den wenigen Branchen, die nicht nur langfristig, sondern auch bereits auf kurze Sicht eine gute Entwicklung erleben könnten. Die jährlichen Investitionen in die Exploration haben sich seit 2015 nahezu verdoppelt (240 Millionen US-Dollar 2018). Im Vergleich zu den Nachbarländern hat Argentiniens Bergbau noch großes Aufholpotenzial. Besonders gute Perspektiven hat die Lithiumproduktion, die auch ins Blickfeld deutscher Investoren geraten ist. Die Exporte von Gold, Silber, Lithium und Kupfer brachten 2018 mit 3,3 Milliarden US$ bereits 5,3 Prozent der Gesamtausfuhr Argentiniens ein.

Öl/Gas: Schieferöl sprudelt

Kurzfristig bestehen besonders gute Chancen für die Ausweitung der Produktion von Erdöl aus nichtkonventionellen Quellen. Sehr ergiebige Bohrungen erlaubten 2018 eine Ausweitung der Schieferölproduktion um 46 Prozent. Wächst die Förderung in diesem Tempo weiter, wird 2019 bereits ein Viertel der Ölproduktion aus Schiefervorkommen stammen. Beim Schiefergas herrschte aufgrund von Konflikten über die staatliche Preisregulierung zuletzt etwas Zurückhaltung unter den Investoren. Die Inlandsnachfrage nach Gas ist stark zyklisch, für den Export fehlt noch die Infrastruktur.

Nahrungsmittelindustrie: Wieder ein Hoffnungsträger

Die Nahrungsmittelindustrie litt 2018 unter den klimabedingten Ausfällen der Landwirtschaft und einer konjunkturbedingt rückläufigen Inlandsnachfrage. Auf Basis besserer Ernten, einer Erholung der Inlandsnachfrage und günstiger Exportperspektiven wird Argentiniens größter und wettbewerbsfähigster Industriezweig 2019 wieder in Schwung kommen. Vor allem das berühmte Rindfleisch aus der Pampa setzt seine Aufholjagd auf dem Weltmarkt fort. China ist dafür ein neuer Markt. Auch die Milchverarbeitung und die Obst- und Gemüsezubereitung wachsen trotz der Schwäche des Inlandsmarktes.

Metallindustrie: Stahl mit Wachstum

Die Stahlindustrie gehört zu den wenigen Branchen, deren Kapazitäten noch recht gut ausgelastet sind. Wachsende Nachfrage kommt vor allem aus der Öl- und Gasindustrie. Die Metallverarbeitung blieb von der Rezession jedoch nicht verschont.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Pick-ups for Export

Die Kfz-Industrie setzt Hoffnungen auf die Erholung ihres wichtigsten Exportmarktes Brasilien. Der Inlandsabsatz ist allerdings eingebrochen und dürfte vorerst kaum Impulse bringen. Investitionsprojekte werden darum auf die lange Bank geschoben, so etwa die geplante Produktion des Pick-up-Modells X-Klasse durch Mercedes-Benz. Das Pick-up-Segment, für das ein exportstarkes Produktionscluster herangewachsen ist, bleibt dennoch ein Hoffnungsträger. Das Pick-up-Modell Toyota Hilux war 2018 das meistverkaufte Auto Argentiniens. Auch der VW-Pick-up Amarok schaffte es in die Top Ten.

Umwelttechnik: Projektpipeline verstopft

Der Ausbau der Wasserversorgung und der Kanalisation sind eine Priorität der Regierung. Bis 2022 sollen 85.000 Kilometer Rohre verlegt oder erneuert werden, um bis dahin 100 Prozent der Haushalte an das Trinkwassernetz und 75 Prozent an die Kanalisation anzuschließen. Viele in der Wasserwirtschaft geplante PPP-Projekte liegen aufgrund der Finanzturbulenzen und der Auswirkungen von Korruptionsskandalen unter der Vorgängerregierung jedoch vorerst auf Eis. Großprojekte wie der Abwasserkanal im Riachuelo-Gebiet und der Bau eines zweiten Abwasserkanals für den Vega-Fluss laufen unterdessen weiter.

Weitere Informationen:

Schwieriges Umfeld für Argentiniens Bauwirtschaft

http://www.gtai.de/MKT201812148000

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Digitalisierung auf der Agenda

Im Rahmen der Ende 2018 beschlossenen Digitalisierungsagenda 2030 forciert die Regierung kurzfristig vor allem die Entwicklung des E-Government. Mit für den Bürger spürbaren Verbesserungen wie den elektronischen Führerschein kann sie im Wahljahr 2019 trotz der Wirtschaftskrise punkten. Die Regierung plant zudem eine Ausweitung der Steuervorteile für die Softwarebranche und andere wissensbasierte Dienstleistungen. Die entsprechenden Exporte sollen von 6,5 Milliarden US$ bis 2030 auf 15 Milliarden steigen. Die vorübergehend wieder eingeführten Exportsteuern sind jedoch eine Belastung.

Weitere Informationen:

Agrarsektor ist in Argentinien ein Vorreiter der Digitalisierung

http://www.gtai.de/MKT201902278041

Dieser Artikel ist relevant für:

Argentinien Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

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