Branchencheck

18.09.2018

Branchencheck - Argentinien (September 2018)

Inhalt

Hoffnungen ruhen auf Schiefergas und Erholung der Agroindustrie / Von Carl Moses

Buenos Aires (GTAI) - In vielen Branchen ist 2019 eine Besserung nach dem jüngsten Konjunktureinbruch zu erwarten. Argentiniens Agroindustrie, die 2018 unter einer schweren Dürre litt, dürfte sich am stärksten erholen.

Maschinenbauindustrie: Speziallösungen für Öl und Gas

Die Produktion des Maschinen- und Gerätebaus (inklusive Hausgeräte) lag im 1. Halbjahr 2018 noch um 1 Prozent über Vorjahr, verzeichnete zuletzt jedoch starke Einbußen (Juni und Juli 2018 minus 12 Prozent gegenüber Vorjahr). Die besten Wachstumschancen für 2019 haben die Hersteller von Landtechnik sowie von Ausrüstungen für exportorientierte Branchen wie die Nahrungsmittelindustrie. Weitere Treiber für den Maschinenabsatz sind die Investitionspläne der Kfz-Hersteller sowie der Öl- und Gasindustrie. Die Stärke der heimischen Maschinenbauer liegt in maßgeschneiderten Lösungen für die lokale Industrie.

Chemieindustrie: Erholung der Agrarchemie erwartet

Der Chemiesektor geriet 2018 in den Sog der Rezession, hat aber gute Aussichten für eine moderate Erholung 2019. Besonders gut sind die Chancen für die Agrarchemie, die 2018 unter dem Einbruch der Landwirtschaft litt. Die Produktion von Grundstoffen folgt einem positiven Trend, der sich durch bessere Exportchancen nach der Peso-Abwertung festigen könnte. Investitionen konzentrieren sich auf die Verbesserung der Produktionsprozesse. Auf längere Sicht könnte die Erschließung der Schiefergasreserven in Patagonien die Basis für einen Ausbau der Petrochemie schaffen.

Energiewirtschaft: Erneuerbare Energien in Verzug

Der Ausbau der erneuerbaren Energien kommt langsamer als erwartet voran. Es mangelt an Finanzierung für geplante Projekte und an Übertragungsleitungen für den Abtransport der oft weit von den Verbrauchszentren entfernt erzeugten Energie. Die dritte Ausschreibungsrunde des Programms Renovar wird sich auf Kleinprojekte beschränken. In den ersten beiden Runden (2016 und 2017) waren Zuschläge für insgesamt 4.400 Megawatt erteilt worden (vornehmlich Wind und Fotovoltaik). Gegen wachsende Widerstände setzt die Regierung den Abbau der Energiesubventionen und entsprechende Preiserhöhungen für die Energieverbraucher fort.

Weitere Informationen:

Frischer Wind in Argentinien

http://www.gtai.de/MKT201707268004

Bauwirtschaft: Unerwartete Finanzierungsprobleme

Die Bauwirtschaft hat ruckartig von Wachstum auf Rückgang umgeschaltet. Stark erhöhte Zinsen und der Anstieg der Inflation haben das gerade erst einsetzende Wachstum von Baufinanzierungen vorerst wieder abgewürgt. Niedrigere Baukosten auf Dollarbasis könnten privaten Bauherren einen Impuls geben. Die Hoffnungen für den Ausbau der Infrastruktur ruhen vornehmlich auf den angekündigten Projekten in Form öffentlich-privater Partnerschaften. Die Aufdeckung von Korruptionsskandalen erschwert für zahlreiche Zuschlagnehmer und Bewerber allerdings die Finanzierung, die schon durch die Finanzkrise ins Stocken geraten war.

Weitere Informationen:

Im Fokus: Argentinien hält Reformkurs

http://www.gtai.de/PUB201806278000

Branchenanalyse: Die argentinische Bauwirtschaft ist wieder auf Wachstumskurs

http://www.gtai.de/MKT201711228004

Gesundheitswirtschaft: Innovation gefragt

Die Gesundheitswirtschaft ist vom Konjunktureinbruch weniger stark betroffen. Der Sektor befindet sich im Umbruch. Strukturelle Veränderungen bieten eher Chancen für neue Anbieter als das magere Nachfragewachstum. Die staatliche Gesundheitspolitik setzt auf Qualität statt Quantität. Digitalisierung soll zu mehr Effizienz in der Nutzung der bestehenden Infrastruktur führen. Ein stark zunehmender Wettbewerb schmälert die bisher üppigen Margen im Pharma- und Zuliefergeschäft. Die lokale Arzneimittelproduktion sinkt 2018. Potenzial bietet die Biotechnologie, mit starken argentinischen Playern.

Weitere Informationen:

Im Fokus: Argentinien hält Reformkurs

http://www.gtai.de/PUB201806278000

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Auf zur Aufholjagd

Die Landwirtschaft wird 2019 aller Voraussicht nach auf ihren steilen Wachstumspfad zurückfinden. Nach den durch eine schwere Dürre bedingten hohen Ernteeinbußen im Agrarjahr 2017/18 wird für die nächste Ernte mit einer entsprechend kräftigen Erholung auf 130 Millionen Tonnen Getreide und Ölsaaten gerechnet. Vor allem die Produktion von Mais und Weizen holt auf. Die Renaissance der Viehzucht setzt sich fort. Auch Sparten wie der Obst- und Weinbau profitieren von der Peso-Abwertung. Die Wiedereinführung der Exportsteuern schöpft allerdings einen Teil der Abwertungsgewinne gleich wieder ab.

Weitere Informationen:

Argentiniens grüner Motor

http://www.gtai.de/MKT201701208010

Argentiniens Agrarwirtschaft nutzt Technologie-Potenziale

http://www.gtai.de/MKT201706278005

Bergbau: Hoffnungsträger Lithium

Der Bergbau gehört trotz der neuen Exportsteuern zu den größten Profiteuren der Peso-Abwertung. Eine steigende Förderung von Gold und Lithium ist für den Anstieg der Bergbauexporte verantwortlich (plus 13 Prozent). Die Bedeutung der Lithiumproduktion wird aufgrund der laufenden Entwicklung mehrerer Investitionsprojekte stark zunehmen. Bis 2021 könnten sich Produktion und Export verdreifachen, so die Prognosen. Andere Bergbauprojekte sind aus unterschiedlichen Gründen zum Teil erheblich verzögert. Angekündigt sind Projekte für 11 Milliarden US-Dollar (US$).

Öl/Gas: Magnet für Investitionen

Die Öl- und Gasindustrie ist der größte Investitionsmagnet Argentiniens. In den letzten drei Jahren haben in- und ausländische Ölkonzerne Vorhaben im Gesamtwert von 49 Milliarden US$ angekündigt. Davon sind bisher 14 Prozent realisiert, 36 Prozent befinden sich in der Durchführungsphase. Vor allem die Erschließung der Schiefergaslagerstätten in Patagonien kommt in Fahrt. Die Förderung macht bereits 34 Prozent der gesamten Gasproduktion aus. In Kürze soll der Gasexport nach Chile wieder anlaufen. Der Gesamtwert der Brennstoffexporte lag 2018 (bis Juli) um 92 Prozent über Vorjahr.

Nahrungsmittelindustrie: Alte und neue Märkte für Rindfleisch

Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, Argentiniens größter und wettbewerbsfähigster Industriezweig, litt 2018 unter den klimabedingten Ausfällen der Rohstoffproduktion und einer konjunkturbedingt schwachen Inlandsnachfrage. Auf Basis besserer Ernten, einer Erholung der Inlandsnachfrage und günstiger Exportperspektiven wird die Branche 2019 wieder in Schwung kommen. Die Fleischverarbeitung setzt ihre Aufholjagd fort. Sie gewinnt nicht nur die durch die Exportrestriktionen der Vorgängerregierung verloren gegangenen Exportmärkte zurück. Neue Chancen winken in China und Japan.

Weitere Informationen:

Argentiniens grüner Motor

http://www.gtai.de/MKT201701208010

Metallindustrie: Stahlaufschwung stärker als die Rezession

Die Metallindustrie setzt ihren Aufschwung fort. Im 1. Halbjahr 2018 lag die Rohstahlproduktion um 20 Prozent über dem Vorjahr. Der Export von Metallprodukten stieg 2018 bis Juli um 32 Prozent in US$. Die Festigung der globalen Ölpreise treibt im In- und Ausland die Nachfrage nach nahtlosen Stahlrohren, für die Argentinien zu den führenden Herstellern zählt. Im Jahresverlauf 2019 könnten auch inländische Abnehmerbranchen wie Bau, Kfz, Maschinen- und Gerätebau wieder besser in Fahrt kommen. Auch die Produktion von Aluminium zieht wieder an (plus 1,4 Prozent im 1. Halbjahr 2018).

Weitere Informationen:

Argentiniens Stahlindustrie heizt die Öfen an

http://www.gtai.de/MKT201708178000

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Export nimmt Fahrt auf

Der Inlandsabsatz und die Importe von Kfz brachen zur Jahresmitte 2018 ein. Ursachen waren die Peso-Abwertung und stark erhöhte Zinsen. Dagegen kommen Export und Produktion endlich wieder in Fahrt. Mit der Erholung der Nachfrage in Brasilien finden dort wieder 40 Prozent der lokalen Produktion ihren Absatz. Die Investitionen der Hersteller konzentrieren sich auf das aufstrebende Segment der Pick-ups und SUV. Die Zölle für OEM-Teile, die nicht lokal hergestellt werden, sanken auf 2 Prozent. Die Messe Frankfurt Argentina veranstaltet eine neue Fachmesse für die wachsende Motorradindustrie.

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Belastete Betreiber

Argentinien plant für die für die nächsten 15 Jahre Investitionen von 44 Milliarden US$ in die Wasserwirtschaft. Schwerpunkte sind der Ausbau der Trinkwasser- und Kanalisationsnetze, Bewässerung, Überschwemmungsschutz und Umweltsanierung. Für die Umsetzung zahlreicher Projekte setzt die Regierung auf die Beteiligung von privatem Kapital durch PPP- oder BOT-Verträge. Die jüngsten Finanzturbulenzen und die Auswirkungen der Korruptionsskandale um öffentliche Bauaufträge behindern jedoch auch hier den Fortschritt der Projekte. Zusätzliche Kredite oder Garantien multilateraler Geber könnten helfen.

Weitere Informationen:

Argentinien mobilisiert Kapital für den Ausbau der Wasserwirtschaft

http://www.gtai.de/MKT201710178001

Argentiniens Wasserwirtschaft lockt ausländische Unternehmen

http://www.gtai.de/MKT201710168007

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Upgrade läuft

Mit hohen Investitionen treibt Argentinien das überfällige Upgrade der digitalen Infrastruktur voran. Private Telekom- und Medienkonzerne wollen rund 8 Milliarden US$ in den Ausbau ihrer Netze investieren, schätzt die Regierung. Das Staatsunternehmen Arsat arbeitet mit Kooperativen und privaten Partnern daran, die Endverbraucher an sein Breitbandnetz von 33.000 Kilometer Länge anzuschließen. Die Regierung arbeitet mit Hochdruck an der Digitalisierung von Behörden. Industrie 4.0 steckt dagegen noch in der Anlaufphase.

Weitere Informationen:

Im Fokus: Argentinien hält Reformkurs

http://www.gtai.de/PUB201806278000

Die Zukunft will rein (Markets International 04/18)

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Service/markets-international,t=markets-international-0418,did=1950072.html

Weitere Informationen zu Argentinien finden Sie unter http://www.gtai.de/argentinien.

Dieser Artikel ist relevant für:

Argentinien Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

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