Branchencheck

29.05.2019

Branchencheck - Armenien (Mai 2019)

Inhalt

Nationale Programme, internationale Kredite und Investitionen verleihen dem kleinen Markt Impulse / Von Uwe Strohbach

Eriwan (GTAI) - Modernisierungs- und Ausbauprojekte in den Bereichen Infrastruktur, Ernährungswirtschaft, Energie, Wasserversorgung und Tourismus genießen Priorität.

Maschinenbauindustrie: Ausländische Hersteller von Landtechnik planen lokale Montage

Der kleine Maschinenbau Armeniens bietet wenig Projekte. Ausländische Landtechnikhersteller erwägen Engagements: In Kooperation mit dem litauischen Unternehmen Beltechnika sollen 5 bis 7 Millionen US-Dollar (US$) in die Montage von 3.000 Traktoren pro Jahr fließen. Eine zweite Ausbauphase sieht 10 bis 15 Millionen US$ für bis zu 5.0000 Traktoren jährlich vor. Die iranische Firma Arad Agricultural Machinery will mit einem lokalen Partner Landtechnik auf Basis iranischer Zulieferungen montieren.

Chemieindustrie: Pharmaproduktion soll ausgeweitet werden

Die armenische Pharmaindustrie produzierte 2017 und 2018 Arzneimittel im Wert von jeweils 20 Millionen US$. Die Hälfte davon wurde exportiert. Aktuell gibt es zwei Ausbauprojekte in der Branche: Die AZAD Pharma AG (Schweiz) will 10 Millionen US$ in die Produktion vom Arzneimitteln investieren, so der Vorstandsvorsitzende Mike Baronian. Auch das Vertriebsunternehmen Alpha Pharm plant, gemeinsam mit dem bulgarischen Arzneimittelhersteller Alta Pharmaceuticals Pharmaka in Gjumri herzustellen. Beide Unternehmen wollen dafür bestehende Kapazitäten modernisieren.

Energiewirtschaft: Solarkraft soll stärker genutzt werden

Die Erzeugung, Übertragung und Verteilung von Strom bleibt in den kommenden Jahren einer der wichtigsten Anlagesektoren. Größere Projekte sind: der Bau eines 250-Megawatt-Kombikraftwerks in Eriwan, eines 100-Megawatt-Wasserkraftwerks in Meghri, eines 76-Megawatt-Wasserkraftwerks am Debed (Shnohg), die Modernisierung der Wasserkraftwerkskaskade Worotan, der Ausbau der Stromübertragung in Richtung Georgien und Iran sowie die Modernisierung des Verteilernetzes. Bis 2023/24 sollen 10 Prozent des Energieverbrauchs durch Solarkraft gedeckt werden. Heute sind es noch weniger als 1 Prozent.

Weitere Informationen:

Neuer Einspeisetarif heizt Armeniens Solarbranche an

http://www.gtai.de MKT201810058008

Armenischer Stromsektor winkt mit Projekten von über 1 Milliarde US-Dollar bis 2021

http://www.gtai.de/MKT201801298014

Bauwirtschaft: Wohnungs-, Tourismus- und Infrastrukturbau beleben Branche

Nach langjährigen Einbrüchen verbuchte der armenische Bausektor 2017 und 2018 wieder reale Zuwächse von 3,1 und 1,6 Prozent. Dieser Trend dürfte sich 2019 und 2020 fortsetzen. Hierfür sprechen der rege Wohnungsbau, touristische Projekte (Tourismus-Komplex Alidzor nahe des Tatev-Klosters, Ausbau der Halbinsel Sewan zu einem Tourismusmagnet mit Hotel- und Freizeitobjekten, Hotelkomplex in Areni), die Modernisierung der Flughäfen in Eriwan (2019 bis 2022) und Gjumri (2019 bis 2020), Stadtentwicklungsprojekte in Eriwan und der fortgesetzte Bau des Nord-Süd-Straßenkorridors nach Iran.

Weitere Informationen:

Armenien sucht Investoren für Tourismusprojekte

http://www.gtai.de/MKT201803088002

Nord-Süd-Achse bleibt Flaggschiff im Straßenbau Armeniens

http://www.gtai.de/MKT201703138000

Gesundheitswirtschaft: Neue Regierung investiert mehr ins Gesundheitswesen

Ein kleiner Markt, knappe Haushaltsmittel und geringe Einkommen der Bevölkerung begrenzen die Absatzchancen auf dem Gesundheitsmarkt. Die neue Regierung will mehr in den Sektor investieren, Hürden für private Anbieter medizinischer Dienste abbauen und die Einführung einer Krankenversicherung voranbringen. Das Gesundheitsministerium wird mittelfristig 52 Millionen US$ in 40 Projekte investieren, darunter in den Bau medizinischer Zentren und in die Modernisierung von Krankenhäusern. Seit Anfang 2019 werden Krebsoperationen vom Staat finanziert. Auf der Prioritätenliste steht ein Programm für die Heilung von Hepatitis C.

Weitere Informationen:

Armenien realisiert Projekte in der Gesundheitswirtschaft für 52 Millionen US$

http://www.gtai.de/MKT201708108002

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Staat fördert Obst- und Weinplantagen sowie Tierzucht

Der Agrarsektor hat entgegen den Erwartungen im Jahr 2018 sein Tief noch nicht überwunden. Die Regierung will die Branche mit neuen Förderprogrammen ankurbeln. Obst- und Weinplantagenbetreiber können Zinszuschüsse für aufgenommene Kredite oder verlorene Zuschüsse in Höhe von 40 bis 50 Prozent der Projektkosten beantragen. Das Ende März verabschiedete Programm für die Entwicklung der Tierzucht (2019 bis 2024) unterstützt Bauern finanziell beim Erwerb von Zuchtvieh im In- und Ausland. Geplant ist der Kauf von bis zu 10.000 Tieren.

Bergbau: Umweltfreundliche Technologie für die Erzgewinnung benötigt

Der Erzbergbau und das Hüttenwesen mit den Hauptprodukten Kupfer-, Molybdän- und Zinkkonzentrat, Schwarzkupfer und Golderze bleiben eine wichtige Säule der Wirtschaft. Ihr Ausstoß erreichte 2018 rund 756 Millionen US$. Die Branche hängt stark von der Wiederinbetriebnahme der aus ökologischen Gründen stillgelegten Gruben Teghut (Kupfer/Molybdän) und Amulsar (Gold) ab. Beide Betriebe müssen erheblich nachgerüstet werden. Auch das Bergbau-Aufbereitungskombinat Kapan (Golderzförderung) soll modernisiert werden. Es befindet sich seit März 2019 im Besitz der Gesellschaft Chaarat Gold.

Nahrungsmittelindustrie: Staat fördert Ausbau und Modernisierung

Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie steht mit einem Ausstoß von 991 Millionen US$ für 42 Prozent der verarbeitenden Industrie Armeniens (2018). Der Staat fördert Ausbau- und Modernisierungsvorhaben mit Zinszuschüssen und Steuervorteilen. Das Unternehmen A & M Rear will 23,8 Millionen Euro in die Produktion und Abfüllung von Mineralwasser investieren. Auch die Produktion und Verarbeitung von Obst, Gemüse und Oliven bietet Geschäftspotenzial. Vorhaben in der Weinproduktion begleitet der Leasinganbieter ACBA Leasing in Kooperation mit Semina Consulting.

Weitere Informationen:

Armenien setzt Projekte in der Lebensmittelbranche um

http://www.gtai.de/MKT201708158004

Textil- und Bekleidungsindustrie: Gute Exportaussichten stimulieren Ausbau

Die Branche entwickelt sich zu einem Exportmotor. Die Ausfuhren von Trikotagen aus armenischer Produktion stiegen 2018 um 88 Prozent auf 55 Millionen US$. Hauptabnehmer ist Russland. Eine Erweiterung ihrer Kapazitäten im Jahr 2019 planen die Unternehmen Satenkar (Ober- und Unterbekleidung, Marke Melante), Tavush Textile (Berufsbekleidung), Alex Textil (Strumpfwaren, Ober- und Unterbekleidung), Armtex Group (Bekleidung), Direk (Unterwäsche und Kinderbekleidung), Ribek (Trikotagen), R. Zakaryan (Jeans, später auch Hemden) und Artik PHK (Garn, medizinische Baumwolle und Verarbeitung von Textilabfällen).

Weitere Informationen:

Armenische Textil- und Bekleidungsindustrie baut Kapazitäten aus

http://www.gtai.de/MKT201708148008

Umwelttechnik: Internationale Geber finanzieren Projekte in der Wasser- und Bewässerungswirtschaft

Das seit 2018 laufende mittelfristige Investitionsprogramm für die Bodenbewässerung ist auf 50 Millionen US$ veranschlagt. Es sieht die Modernisierung von 340 Kanälen und die optimierte Bewässerung von 10.500 Hektar Ackerflächen vor. Parallel dazu wird das Ökosystem des Sewansee für Bewässerungszwecke erneuert. Die Regierung fördert die Tröpfchenbewässerung. Die Gesellschaft Veolia Djur beitreibt das gesamte armenische Wasserversorgungs- und Kanalnetz. Im Zeitraum 2018 bis 2021 investiert das Unternehmen in Kooperation mit Geberbanken 200 Millionen US$.

Weitere Informationen:

Armenien investiert in Umweltprojekte

http://www.gtai.de/MKT201708038002

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Großer IT-Park in Eriwan geplant

Die Entwicklung kundenspezifischer Software für das Ausland bleibt das mit Abstand größte und sich am schnellsten entwickelnde Zugpferd der armenischen IT-Branche. Armenische Start-Up-Unternehmen und Tochterfirmen ausländischer Gesellschaften der IT-Branche zahlen bis Ende 2022 keine Gewinnsteuer. Deren Mitarbeiter kommen zudem in den Genuss einer ermäßigten Einkommensteuer. In Eriwan wird in Kürze ein großer regionaler Park für Innovationen und Technologien errichtet. Hier sollen bis zu 6.000 Experten IT-Produkte für den Bedarf aller Branchen entwickeln und produzieren.

Armeniens IT-Sektor zieht ausländische Unternehmen an

http://www.gtai.de/MKT201801248006

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, und Ausschreibungen in Armenien sind unter http://www.gtai.de/armenien abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Armenien Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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Katrin Kossorz

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