Branchencheck

24.09.2018

Branchencheck - Bahrain (September 2018)

Inhalt

Zahlreiche Infrastrukturprojekte geplant / Katrin Pasvantis

Dubai / Manama (GTAI) - Die Projektpipeline ist gut gefüllt. Allerdings gilt für Bahrain der Finanzierungsvorbehalt. Es ist besonders auf GCC-Fördergelder und private Investoren angewiesen.

Maschinenbauindustrie

Die lokale Maschinenbauindustrie ist sehr klein. Es liegen keine statistischen Angaben zu diesem Sektor vor. Es werden von einigen kleineren Unternehmen Pumpen für den Öl- und Gassektor in Saudi-Arabien montiert.

Chemieindustrie: Ausschreibung für Aromatenkomplex erwartet

Bapco plant den Bau eines 1,5 Mrd. $ Aromatenkomplexes als EPC-Projekt. Die Anlage soll in die Raffinerie in Sitra integriert werden und ihren Feedstock von der Raffinerie beziehen. Die Aufforderung zur Abgabe der Interessensbekundungen wird für das vierte Quartal 2018 erwartet, die Ausschreibung des Hauptauftrags Ende des Jahres. Die Anlage soll Sekundärprodukte erzeugen und dem Vernehmen nach ist eine Kapazität von 1,44 Jato geplant. Ein Investor für das Projekt wird noch gesucht. Ursprünglich sollte das Projekt mit der Kuwait Petroleum Corporation umgesetzt werden, bevor Mitte 2017 Meldungen zufolge die Suche auf externe Partner aus Südkorea oder Japan verlegt wurde. Der geplante Ausbau der GPIC Ammoniak- und Harnstoffsynthese in Sitra wird derzeit nicht weiter verfolgt.

Energiewirtschaft: Investitionen erforderlich

Bahrain erwartet zwischen 2016 und 2030 nahezu eine Verdopplung seiner Spitzenlast von 3.418 MW auf 6.500 MW, denn der Bedarf der privaten Haushalte und der Industrie steigt. Die aktuellen Kapazitäten reichen nicht aus und es müssen neue Stromwerke gebaut werden (Stand 2016: 6 Kraftwerke haben eine Kapazität von 3.918 Megawatt). Der Großteil der Investitionen soll vom Privatsektor kommen, auf den auch heute schon rund 80 Prozent der installierten Kapazität entfällt. Gleichzeitig muss der Staat kräftig in Übertragung und Distribution investieren, damit die Netze die neuen Kapazitäten auch aufnehmen können. Künftig sollen auch Erneuerbare Energien (EE) zur Stromerzeugung genutzt werden. Bis 2025 sollen 225 Megawatt an Solarenergie installiert werden und bis 2030 sollen weitere 475 Megawatt über Sonne, Wind und Müllverbrennungsanlagen hinzukommen. Die EE-Projekte sollen als PPP umgesetzt werden.

Bauwirtschaft: Projektpipeline gut gefüllt

Die Projektpipeline ist gut gefüllt. Zur Finanzierung ist Bahrain jedoch in hohem Maße auf Finanzspritzen der GCC-Länder und private Investitionen angewiesen. Im Mai präsentierte Bahrain Infrastrukturprojekte im Wert von 26 Milliarden US$, für die es private Investoren sucht, der Großteil könnte direkt umgesetzt werden. Außerdem will Bahrain Projekte im privaten und öffentlichen Sektor im Wert von 32 Milliarden US$ besonders schnell vorwärts bringen, darunter Vorhaben aus den Bereichen Fertigung, Logistik, Infrastruktur, Gesundheitswirtschaft, Bildung und Tourismus . Zu den größten laufenden Projekten zählen die Modernisierung der Bapco Raffinerie in Sitra (5,5 Milliarden US$, geplante Fertigstellung: November 2022) und die Expansion der Alba Aluminiumhütte mit einer neuen Produktionslinie (Linie 6: 3 Milliarden US$; Januar 2019), der Modernisierung alter Linien und einem neuen Kraftwerk (1,3 Milliarden US$; Mai 2019).

Gesundheitswirtschaft: Nachfrage hält an

Die Bevölkerung ist klein, aber die wachsende Anzahl älterer Einheimischer und eine hohe Verbreitung von Lifestylekrankheiten treiben die Nachfrage an. Mehrere Spezialkliniken sind im Bau und sollen in Bälde fertig gestellt sein, darunter ein Herzzentrum in Awali, ein Onkologiezentrum an der King Hamad Universitätsklinik, ein Militärkrankenhaus und ein Dialysezentrum in Riffa sowie ein Therapiezentrum für Menschen mit Behinderung in A'Ali. In Manama laufen bereits seit Mitte 2017 detaillierte Designarbeiten für den Bau der King Abdullah bin Abdulaziz Medical City (Paket 2: 246 Millionen US$). Im April soll der Bau einer Geburtsklinik in Muharraq ausgeschrieben worden sein (70 Millionen US$). Den Hauptauftrag für den Bau eines Pflegezentrums für Langzeitpatienten in Muharraq hat im Mai Saleh Abdullah Al Muhanna & Partners erhalten (34 Millionen US$.). Bei Medizintechnik ist die Importabhängigkeit hoch.

Öl / Gas: Bahrain verkündet Ölfund

Im April gab Bahrain den Fund eines riesigen Ölfeldes im Khalij al-Bahrain Basin (geschätzt 80 Milliarden Barrel) bekannt. Designarbeiten laufen. Noch 2018 soll eine Pipeline zwischen der einzigen Raffinerie des Landes in Sitra und Saudi-Arabien fertiggestellt werden (350.000 bpd, bis zu 400.000 bpd erweiterbar) und die alte Pipeline (230.000 bpd) ersetzen. Die umfassende Modernisierung der Raffinerie durch ein Joint Venture (JV) von Technip, Tecnicas Reunidas und Samsung Engineering (4,2 Milliarden US$, Kapazitätszuwachs von 267.000 auf 380.000 bpd) hat begonnen. Der Gasbedarf der Industrie, unter anderem bei Alba, steigt. In Bälde soll die Entwicklung des Pre-Khuff Gasfeldes starten (10 bis 20 Billionen Kubikfuß; English: Trillion Cubic Feet; tcf). Ein LNG Importterminal (1 Milliarde US$; Build-Own-Operate-Transfer: BOOT; 800 Millionen cf/d) soll 2019 den Betrieb aufnehmen. Der Ausbau der Banagas Gasanlage durch Japans JGC ist fast fertiggestellt (355 Millionen US$; EPC; 350 Millionen cf/d).

Nahrungsmittelmarkt: Hohe Importabhängigkeit

Angetrieben wird die Nachfrage insbesondere durch den wachsenden Zuzug ausländischer Arbeitskräfte, vor allem aus Asien, aber auch durch Tourismus und steigenden Einkommen. Der Verbrauch von Soft- und Energydrinks, auf die seit Jahresbeginn eine Steuer von 100 Prozent erhoben wird, dürfte zurückgehen. Der Nahrungsmittelkonsum könnte zwischen 2016 und 2021 um durchschnittlich 2,6% pro Jahr auf 0,7 Millionen Tonnen steigen prognostizierten die Analysten von Alpen Capital in 2017. Bahrains Pro-Kopf-Konsum von Nahrungsmitteln ist mit 493 kg (2014) der niedrigste in den GCC, aber über alle Kategorien ausgewogen verteilt. Der Lebensmitteleinzelhandel ist stark gewachsen, um den Bedarf der multikulturellen Bevölkerung zu decken.

Nahrungsmittelindustrie: Lokale Produktion soll steigen

Die Produktion ist noch recht gering, Importe dominieren den Markt. Bahrain will seine Selbstversorgungsquote bis 2020 auf 60 Prozent erhöhen und zum Produktionszentrum für die Region werden. Zur Unterstützung will Bahrain die heimische Agrarwirtschaft mit einem Fonds von 265 Millionen US$ fördern und setzt auf Aquakultur. Die Nahrungsmittelindustrie hat bislang Investitionen von 507 Millionen US$ in 191 Produktionsstätten getätigt. Der Sektor ist stark fragmentiert. Die fünf größten Hersteller, Mondelez International, Awal Dairy, Ahmadi Industries (Getränkesparte), Coca Cola Bottling Company sowie Delmon Poultry, haben laut Ernst and Young einen Marktanteil von 20 Prozent. Mondelez eröffnete im April seine zweite Fabrik, eine Fertigung für Gebäck (Oreo, Barni), und produziert außerdem Cadbury Schokolade, Kraft Käse und Tang Getränkepulver.

Metallindustrie: Massiver Ausbau der Aluminiumproduktion

Bahrain strebt den Ausbau der Aluminium Downstreamindustrie an. Aluminium trägt bereits wesentlich zur Wirtschaft des Landes bei. Die in Staatsbesitz befindliche Alba (Aluminium Bahrain) ist einer der größten Aluminiumproduzenten weltweit. Die Alba Schmelzhütte wird ausgebaut und die neue, sechste Produktionslinie soll die Aluminiumerzeugung Bahrains um 50 Prozent auf 1,5 Millionen tpa erhöhen. Avisierte Fertigstellung der Expansion ist Ende 2018. Ein Joint Venture des Staatsfonds Mumtalakat und der indischen Synergies Castings plant den Bau einer Aluminiumgießerei für 140 Millionen US$. Das Projekt kommt aber nur langsam voran und ist seit 2016 in der Studienphase, obwohl sie ursprünglich bereits Mitte 2018 den Betrieb aufnehmen sollte.

Kfz-Markt: Autoabsatz bricht um ein Viertel ein

Die Talfahrt im Kfz-Markt geht weiter. Die schwache Konjunktur, ein getrübtes Konsumklima, eine tendenziell eher geringer werdende Kaufkraft und ein langsames Bevölkerungswachstum beeinträchtigen die Nachfrage. Die Umsetzung der geplanten Infrastrukturprojekte könnte zu einem Anstieg der Nachfrage nach schweren Nutzfahrzeugen (Nfz) führen. Sollte die Mehrwertsteuer Anfang 2019 eingeführt werden, könnte der Absatz von Pkw und Nfz durch vorgezogene Käufe vor Jahresfrist einen Schub erfahren. Die Neuwagenzulassungen gingen 2017 um ein Viertel auf 36.527 Pkw und SUV zurück, nachdem bereits im Vorjahr ein kräftiges Minus eingefahren wurde (2016: -19%). Mittelfristig könnten sich die Absatzchancen wieder verbessern, auch weil die Nachfrage mangels Alternativen wie ÖPNV relativ unelastisch ist.

Umwelttechnik: Muharraq Klärwerk soll ausgeschrieben werden

Bahrains Klärwerke arbeiten an der Kapazitätsgrenze, aber geplante Ausbauten kommen nur langsam voran. Die Kläranlage in Muharraq soll auf 160.000 Kubikmeter pro Tag erweitert werden. Der Investitionsbedarf wird auf 300 Millionen US$ geschätzt und das Projekt soll als Build-Own-Operate (BOO) umgesetzt werden. Die Gebote für die Machbarkeitsstudie konnten bis Januar 2018 erfolgen, eine Zuteilung ist noch nicht erfolgt. Um den Auftrag haben sich MWH Khonji (0,47 Millionen US$), P2M Middle East (0,58 Millionen US$) und Fichtner Consulting Engineers (0,63 Millionen US$) beworben. Das Projekt ist schon länger in der Pipeline und wurde erst im Frühjahr 2017 wiederbelebt, nachdem es zuvor wegen Finanzierungsproblemen zum Stillstand gekommen war. Keine Bewegung gibt es beim geplanten Bau von zwei Klärwerken in Southern City und East Sitra (je 20.000 Kubikmeter/Tag; 50 Millionen US$). Die Gebote für den Beratungsauftrag wurden Mitte 2017 abgegeben, eine Zuteilung ist bislang nicht erfolgt.

Textil- und Bekleidungsindustrie: US-Textilhersteller baut Produktion aus

Der Heimtextilhersteller WestPoint Home (WPH) kündigte im Februar 2018 an, zwei bis drei Millionen US$ in einen weiteren Ausbau seiner Produktion in Bahrain zu investieren. Das US-amerikanische Unternehmen hat seit 2006 bereits über 165 Millionen US$ im Königreich investiert und betreibt vier Werke. Erst im letzten Jahr kamen der Ausbau der Spinnerei, eine zweite Bleichlinie sowie die Installation einer digitalen Druckanlage hinzu. WPH Bahrain produziert für den Export in die anderen GCC-Länder, nach Europa und in die USA. Sämtliche Textilprodukte mit Ursprung in Bahrain können aufgrund eines Freihandelsabkommens zollfrei in die USA eingeführt werden. Andere Textilunternehmen im Land sind MRS, Ambattur und Noble Textilien.

Dieser Artikel ist relevant für:

Bahrain Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

Funktionen

Christian Glosauer Christian Glosauer | © GTAI/Rheinfoto

Kontakt

Christian Glosauer

‎+49 228 24 993 454

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche