Branchencheck

15.01.2019

Branchencheck - Belarus (Januar 2019)

Inhalt

Zahlreiche Projekte mit chinesischen Partnern geplant / Von Fabian Nemitz

Kiew (GTAI) - Die belarussische Wirtschaft hängt stark von Russland ab, doch die Firmen wollen ihre Absatzmärkte diversifizieren. Internationale Geber stellen Kredite in vielen Branchen bereit.

Maschinenbauindustrie: Unternehmen wollen Exporte diversifizieren

Der Maschinenbau steigerte seine Produktion in den ersten elf Monaten 2018 real um 13,9 Prozent. Die Aussichten für die exportorientierte Branche hängen stark von der Nachfrage in Russland ab, die sich 2019 abschwächen dürfte. Die Firmen richten ihren Blick immer mehr auf neue Absatzmärkte, darunter in Afrika und Asien. Gleichzeitig bauen sie Montagekapazitäten im Ausland auf. Im Inland rechnet der Vizeminister für Industrie, Sergei Gynko, bis 2020 mit Investitionen in den Maschinenbau von knapp 1,2 Milliarden US-Dollar (US$). Die deutsche SMS Group ist am Bau eines neuen Metallverarbeitungswerks in Mjory beteiligt.

Chemieindustrie: Russisches "Steuermanöver" setzt Petrochemie unter Druck

Die Produktion von chemischen Erzeugnissen ist in den ersten elf Monaten 2018 real um 6,3 Prozent gestiegen. Die Petrochemie legte um 3,1 Prozent zu. Die zum Staatskonzern Belneftekhim gehörenden Raffinierien Masyr und Naftan investieren in die Modernisierung ihrer Anlagen. Grodno Azot plant den Bau einer neuen Anlage zur Produktion von Stickstoffdünger. Aufgrund von Änderungen bei der Besteuerung des Ölsektors in Russland ("Steuermanöver") muss Belarus Erdöl ab 2024 zu Weltmarktpreisen beziehen. Dies würde die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Petrochemie in Belarus sehr unter Druck setzen.

Energiewirtschaft: Regierung sucht Möglichkeiten zur verstärkten Stromnutzung

Ein großer Teil der landesweiten Investitionen entfällt auf den Bau des Atomkraftwerks in Ostrowez. Die beiden 1.200-Megawatt-Blöcke sollen Ende 2019 beziehungsweise im Sommer 2020 in Betrieb gehen. Die Wirtschaftlichkeit des 11 Milliarden US$ teuren Projekts ist fraglich. Pläne zum Stromexport in EU-Länder treffen auf wenig Gegenliebe. Entsprechend arbeitet die Regierung an Möglichkeiten zur verstärkten Nutzung von Strom im Inland, etwa zu Heizzwecken oder dem Aufbau energieintensiver Betriebe. Der Stromversorger Belenergo verfolgt ein umfangreiches Investitionsprogramm, darunter zum Bau von Spitzenlastkraftwerken.

Bauwirtschaft: Energetische Wohnraumsanierung rückt in den Fokus

Die Bauleistung ist in den ersten elf Monaten 2018 real um 5,3 Prozent gestiegen. Weiter rückläufig war allerdings der Wohnungsbau (-7,5 Prozent). Die Regierung will die energetische Sanierung von Wohnraum vorantreiben. Mit Unterstützung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) und der Weltbank sollen in den kommenden zehn Jahren 30 Millionen Quadratmeter Wohnraum besser gedämmt werden. In Minsk läuft die Erweiterung der U-Bahn. Der Ausbau von Teilstrecken der Schnellstraße M-10 soll im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft (PPP) realisiert werden. Es gibt Pläne zum Bau eines Flusshafens am Dnjepr. Knauf investiert in die Modernisierung der Tochter Belgips.

Weitere Informationen:

Belarussische Hauptstadt baut U-Bahn-Netz aus

https://www.gtai.de/MKT201809148001

Gesundheitswirtschaft: Deutsche Firma investiert in Produktion von Medizinartikeln

Die Regierung will 2019 mehr Mittel für den Gesundheitssektor bereitstellen. Geplant sind Investitionen in Krankenhäuser in Minsk, darunter der Bau einer Augenklinik, die Errichtung von Kinderkliniken in Baryssau und Schodsina sowie von Einrichtungen in weiteren Städten. E-Health-Dienste rücken in den Fokus. Die Berliner SF Medical Products hat sich im Oktober 2018 im Industriepark Great Stone registiert. Künftig will die Firma dort Katheter, Spritzen und Injektionsnadeln produzieren. Die Anfangsinvestitionen belaufen sich auf über 5 Millionen US$. Die Weltbank stellt 2017 bis 2022 insgesamt 125 Millionen US$ für Projekte im Gesundheitssektor bereit.

Bergbau: Projekte im Kalibergbau im Gang

Zwei Großvorhaben zur Erschließung von Kalivorkommen und zum Bau von Produktionsstätten für Kalidünger bestimmen die Investitionstätigkeit im belarussischen Bergbau. Der Staatskonzern Belaruskali investiert rund 1,7 Milliarden US$ in die Lagerstätte Petrikow, Slavkaliy rund 2 Milliarden US$ in das Vorkommen Starobin. Zu den Auftragnehmern von Slavkaliy zählt die Dortmunder Deilmann-Haniel. Für die Finanzierung des Projekts stellt die China Development Bank ein Darlehen über 1,4 Milliarden US$ bereit. Die für 2019 geplanten Investitionen belaufen sich auf 600 Millionen US$.

Nahrungsmittelindustrie: Unternehmen wollen neue Absatzmärkte erschließen

In den ersten elf Monaten 2018 ist der Ausstoß der Nahrungsmittelindustrie real um 3,8 Prozent gestiegen. Wegen immer wieder auftretender Vorwürfe in Bezug auf Qualität und Standards seitens russischer Kontrollbehörden plant Belarus den Bau eines Referenzlabors. Gleichzeitig bemüht sich die Branche um eine Diversifizierung der Exporte. Mehrere Produzenten von Fleisch und Milch haben jüngst Zertifizierungen für den chinesischen Markt erhalten. Mit chinesischer Unterstützung entsteht bei Rudzensk (Gebiet Minsk) ein Komplex zur Produktion von Proteinen (Lysin, Threonin, Tryptophan).

Textil- und Bekleidungsindustrie: Hersteller steigern Exporte

Die Textil- und Bekleidungsindustrie konnte ihren Ausstoß in den ersten elf Monaten 2018 real um 3,9 Prozent steigern. Die Branchenexporte legten von Januar bis Oktober 2018 nominal um 8,6 Prozent zu. Die führenden Unternehmen sind Teil des Staatskonzerns Bellegprom, dessen Ziele im Programm zur Entwicklung der Leichtindustrie 2016 bis 2020 festgelegt sind. Gemeinsam mit chinesischen Partnern investiert Mogilevkhimvolokno in einen neuen Polyester-Komplex. Ende 2018 wurde die Produktion von Polyesterfasern aufgenommen. Staatspräsident Lukaschenka fordert eine Steigerung der Effizienz im Leinensektor.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Hohe Aktivität chinesischer Investoren

Das belarussisch-chinesische Joint Venture BelGee will 2019 insgesamt 25.000 Geely-Pkw in seinem neuen Werk in Schodsina montieren. Künftig könnte die Produktion auf bis zu 120.000 Stück steigen. MAZ und Weichai Power (China) haben im November 2018 den Testbetrieb zur Produktion schwerer Dieselmotoren im Industriepark Great Stone gestartet. Im Montagewerk Unison sollen künftig Elektroautos des chinesischen Herstellers Zotye vom Band laufen. Ab April 2019 will Radiovolna die Herstellung von Kabelsätzen für Volkswagen aufnehmen. Die Regierung plant bis 2021 den Bau von 431 Ladestationen für Elektroautos.

Umwelttechnik: Internationale Gelder für Modernisierung von Kläranlage in Minsk

Internationale Geber weiten ihr Engagement im Umweltsektor aus. Die EBWE und die Europäische Investitionsbank (EIB) haben im November 2018 einen Kreditvertrag mit dem kommunalen Wasserversorger Minskvodokanal unterzeichnet. Die Banken stellen 168 Millionen Euro für die Modernisierung von Kläranlagen in Minsk bereit. Im Rahmen des E5P-Programms der Östlichen Partnerschaft der EU erfolgt die Sanierung einer Mülldeponie in Pukhavichy. Künftig soll sie - als bislang landesweit erste - EU-Standards entsprechen. Die Regierung will bis 2020 ein Pfandsystem einführen. Partner hierbei ist Remondis.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Hightech-Park gewinnt viele neue Residenten

Der IKT-Sektor ist wichtiges Zugpferd der belarussischen Wirtschaft. Zentrum der IT-Industrie ist der Hightech-Park in Minsk (HTP, http://www.park.by). Für die Residenten des HTP gilt ein besonderes Steuer- und Rechtsregime. Der Ende 2017 verabschiedete Präsidialerlass Nr. 8 "Über die Entwicklung der digitalen Wirtschaft" hat die Bedingungen weiter verbessert. Von Januar bis September 2018 haben sich 200 neue Firmen in dem HTP niedergelassen. Das ist mehr als in den gesamten zwölf Jahren zuvor. Die Exporte von Computerdienstleistungen sind in den ersten zehn Monaten 2018 um 34,4 Prozent auf 1,2 Milliarden US$ gestiegen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Belarus sind unter http://www.gtai.de/belarus abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Weißrussland, Belarus Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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Kathleen Beger

‎+49 228 24 993 283

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