Branchencheck

09.07.2019

Branchencheck - Belarus (Juni 2019)

Inhalt

Industrieproduktion stagniert / Von Fabian Nemitz

Minsk (GTAI) - Die Lage in einigen Branchen der belarussischen Industrie hat sich 2019 eingetrübt. Die geringere Auslandsnachfrage ist spürbar. Internationale Geber unterstützen Infrastrukturprojekte.

Maschinenbauindustrie: Schwierigere Marktbedingungen in Russland belasten

Die Produktion im Maschinenbau ist in den ersten fünf Monaten 2019 real um 5,2 Prozent gesunken. Die Exporte von Kapitalgütern gingen von Januar bis April um 7,4 Prozent zurück. Die Aussichten für die exportorientierte Branche hängen stark von der Nachfrage in Russland ab, wo sich der Wettbewerbsdruck wegen der schwachen Konjunktur, der Bevorzugung lokaler Hersteller und dem Aufbau von Produktionsstätten westlicher Anbieter erhöht hat. Die Firmen richten ihren Blick auf neue Absatzmärkte in Schwellenländern. Der Schienenfahrzeugbauer Stadler erweitert sein Werk bei Minsk. Amkodor hat das Projekt zum Bau einer neuen Fabrik für Kommunaltechnik gestoppt.

Chemieindustrie: Russisches "Steuermanöver" setzt Petrochemie unter Druck

Die Produktion der Petrochemie ist in den ersten fünf Monaten 2019 real um 9,1 Prozent gesunken. Die Raffinerien Masyr und Naftan leiden unter dem mit Chloriden verunreinigten Öl, das Russland im April 2019 durch die Drushba-Pipeline gepumpt hatte. Anlagen wurden beschädigt. Aufgrund von Änderungen bei der Besteuerung in der russischen Ölbranche ("Steuermanöver") steigt der Importpreis von Erdöl bis 2024 auf Weltmarktniveau. Dies setzt die Margen der Petrochemie unter Druck. Grodno Azot plant den Bau eines neuen Stickstoffdünger-Werks für 1,6 Milliarden US-Dollar (US$).

Weitere Informationen:

Belarussischer Düngemittelhersteller baut neues Werk

HYPERLINK "https://www.gtai.de/MKT201902058000"https://www.gtai.de/MKT201902058000

Energiewirtschaft: Regierung sucht Möglichkeiten zur verstärkten Stromnutzung

Ein großer Teil der landesweiten Investitionen fließt in den Bau des Atomkraftwerks in Ostrowez. Die beiden 1.200-Megawatt-Blöcke sollen Ende 2019 beziehungsweise im Sommer 2020 in Betrieb gehen. Die Wirtschaftlichkeit des 11 Milliarden US$ teuren Projekts ist fraglich. Pläne zum Export des Stroms in EU-Länder treffen auf wenig Gegenliebe. Entsprechend arbeitet die Regierung an Möglichkeiten zur verstärkten Nutzung von Strom im Inland, etwa zu Heizzwecken oder zum Aufbau energieintensiver Betriebe. Der Stromversorger Belenergo verfolgt ein umfangreiches Investitionsprogramm, darunter für den Bau von Spitzenlastkraftwerken.

Weitere Informationen:

Belarus plant Bau von Spitzenlastkraftwerken

https://www.gtai.de/MKT201901258005

Bauwirtschaft: Hohe Investitionen in den Ausbau der Verkehrswege

Der Umfang der Bauarbeiten ist in den ersten fünf Monaten 2019 real um 3,3 Prozent gestiegen. Nur der Wohnungsbau ging zurück (-6 Prozent). Im Rahmen der Östlichen Partnerschaft der Europäischen Union (EU) ist in Belarus die Umsetzung von zwölf Verkehrsinfrastrukturprojekten mit einem Gesamtwert von 1,25 Milliarden Euro vorgesehen, für die Entwicklungsbanken Gelder bereitstellen. Der Großteil der Vorhaben entfällt auf den Ausbau von Straßen und ein Projekt zur Elektrifizierung einer 143 Kilometer langen Bahnstrecke. In Minsk läuft die Erweiterung der U-Bahn. Knauf investiert in die Modernisierung der Tochterfirma Belgips.

Weitere Informationen:

Belarussische Hauptstadt baut U-Bahn-Netz aus

https://www.gtai.de/MKT201809148001

Gesundheitswirtschaft: Joint-Ventures mit Medizintechnikfirmen aus China

Die Gesundheitsbranche wurde in jüngster Zeit von Korruptionsskandalen erschüttert. Der neue Minister Wladimir Karanik will dagegen vorgehen, unter anderem bei den zentralen Beschaffungsstellen. Mehr Produkte sollen künftig direkt bei den Herstellern gekauft werden. Die Berliner SF Medical Products will im Industriepark "Great Stone" Katheter, Spritzen und Injektionsnadeln produzieren. Das staatliche Medtechnozentr (http://scbmt.by) hat mit den chinesischen Firmen Biolight und Medeco Industry Memoranden zur Produktion von Medizintechnik geschlossen. Die Weltbank unterstützt Projekte in der Gesundheitsbranche.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Belarussischer Pharmamarkt wächst

https://www.gtai.de/MKT201903118000

Belarussische Pharmaunternehmen investieren

https://www.gtai.de/MKT201903018000

Bergbau: Projekte im Kalibergbau sind im Gang

Zwei Großvorhaben zur Erschließung von Kalivorkommen und zum Bau von Produktionsstätten für Kalidünger bestimmen die Investitionstätigkeit im weißrussischen Bergbau. Der Staatskonzern Belaruskali investiert rund 1,7 Milliarden US$ in die Lagerstätte Petrikow, Slavkaliy rund 2 Milliarden US$ in das Vorkommen Starobin. Zu den Auftragnehmern von Slavkaliy zählt die Dortmunder Deilmann-Haniel. Für die Finanzierung des Projekts stellt die China Development Bank ein Darlehen über 1,4 Milliarden US$ bereit. Die für 2019 geplanten Investitionen belaufen sich auf 600 Millionen US$.

Nahrungsmittelindustrie: Unternehmen wollen neue Absatzmärkte erschließen

In den ersten fünf Monaten 2019 ist die Nahrungsmittelproduktion real um 1 Prozent gestiegen. Die Bedingungen auf dem wichtigen russischen Absatzmarkt sind in den vergangenen Jahren schwieriger geworden. Russland weitet die Eigenversorgung mit Lebensmitteln aus. Während Russland belarussischen Firmen die Umgehung der Sanktionen auf Nahrungsmittel aus dem Westen vorwirft, klagen letztere über eine Abschottung und Willkürmaßnahmen der russischen Lebensmittelkontrollbehörden. Belarus bemüht sich um eine Diversifizierung der Absatzmärkte, darunter für Fleisch und Milch in China.

Textil- und Bekleidungsindustrie: Branche muss wettbewerbsfähiger werden

Die Textil- und Bekleidungsindustrie hat in den ersten fünf Monaten 2019 real um 3 Prozent weniger produziert. Die Exporte der Branche gingen im 1. Quartal nominal um 5,2 Prozent zurück. Alle führenden Unternehmen sind Teil des Staatskonzerns Bellegprom. Eine große Zahl der Textilunternehmen arbeitet mit Verlust und produziert auf Lager. Die Branche fordert mehr Schutz vor Importen. Die Kapitalinvestitionen der Bellegprom-Unternehmen betrugen 2018 rund 24 Millionen US$. Automatisierung rückt stärker in den Fokus. Die Branche strebt eine Diversifizierung der Exporte an. Zielmarkt Nummer eins ist Russland.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Chinesische Investoren sind sehr aktiv

Das belarussisch-chinesische Joint Venture BelGee will 2019 rund 22.000 Geely-Pkw montieren. Davon sind 15.000 für den Export nach Russland bestimmt. Der Lokalisierungsgrad soll von etwa 50 auf 60 Prozent steigen. Geely erwägt, die Produktion von Kfz-Teilen im Industriepark "Great Stone" aufzunehmen. MAZ und Weichai Power bauen dort bereits schwere Dieselmotoren. Künftig könnten Getriebe gefertigt werden. Unison verfolgt Pläne zur Montage von Elektroautos des chinesischen Herstellers Zotye. MAZ, das Flaggschiff der belarussischen Kfz-Branche, schreibt rote Zahlen. Von Januar bis Mai 2019 produzierte die Kfz-Industrie 14.623 Traktoren, 2.083 Lkw, 946 Anhänger und Sattelauflieger, 1.256 Muldenkipper, 575 Busse.

Umwelttechnik: Internationale Geber stellen hohe Summen bereit

Internationale Geber weiten ihr Engagement in der Umweltbranche aus. EBWE, EIB und Weltbank stellen hohe Summen für Wasser- und Abfallwirtschaftsprojekte bereit. Kläranlagen in Minsk, Witebsk und Lida haben Ausschreibungen gestartet. Im Rahmen des E5P-Programms der Östlichen Partnerschaft der EU erfolgt die Sanierung einer Mülldeponie in Pukhavichy. Künftig soll sie - als bislang landesweit erste - EU-Standards entsprechen. Die Stadt Minsk verfolgt Pläne zum Bau einer 300 Millionen Euro teuren Müllverbrennungsanlage. Die Regierung will bis 2020 ein Pfandsystem einführen. Partner hierbei ist Remondis.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Hightech-Park ist beliebt

Die IKT-Branche ist wichtiges Zugpferd der belarussischen Wirtschaft. Zentrum der IT-Industrie ist der Hightech-Park in Minsk (HTP, http://www.park.by). Für die Residenten des HTP gilt ein besonderes Steuer- und Rechtsregime. Mit dem Ende 2017 verabschiedeten Präsidialerlass Nr. 8 "Über die Entwicklung der digitalen Wirtschaft" haben sich die Bedingungen weiter verbessert. Die Zahl der Residenten ist von knapp 200 Ende 2017 auf aktuell 563 Firmen gestiegen. Die Exporte von IT-Dienstleistungen legten im 1. Quartal 2019 um 29,7 Prozent auf 443 Millionen US$ zu - nach einem Plus von 35,2 Prozent im Jahr 2018.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Belarus sind unter http://www.gtai.de/belarus abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Weißrussland, Belarus Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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