Branchencheck

20.03.2019

Branchencheck - Benin (März 2019)

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Staatliche Infrastrukturprojekte bringen Chancen / Von Carsten Ehlers

Cotonou (GTAI) - Der wirtschaftliche Aufschwung in Benin geht in verschiedenen Branchen mit Liefer- und Geschäftsmöglichkeiten einher. Dies gilt derzeit insbesondere im Infrastrukturbau.

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Energiewirtschaft: Deutliche Ausweitung der Erzeugungskapazität

Zahlreiche Aktivitäten im Energiesektor bieten auch deutschen Unternehmen Geschäftschancen. So ist MAN als Zulieferer am gegenwärtig durchgeführten Bau des thermischen Kraftwerks Maria Gleta beteiligt. Weitere Kraftwerke sind geplant. Der US-amerikanische Geber Millennium Challenge Corporation (MCC) stellt im Rahmen des "Benin Power Compact" 375 Millionen US-Dollar (US$) für den Stromsektor zur Verfügung. Die seit 2017 laufenden Projekte sollen die Kommerzialisierung des Sektors inklusive des nationalen Stromversorgers Société Béninoise d'Energie Electrique (SBEE) vorantreiben.

Bauwirtschaft: Viele staatliche Infrastrukturprojekte

Auch der Bausektor verzeichnet eine gute Auftragslage. Allerdings werden die vom beninischen Staat finanzierten Projekte aufgrund seiner inzwischen hohen Verschuldung nur noch vermindert oder verzögert durchgeführt. Bei geberfinanzierten Maßnahmen bestehen für ausländische Consultants Chancen bei Studien oder der Bauaufsicht. Spezialprojekte wie der Küstenschutz oder der Ausbau des Hafens von Cotonou werden gänzlich von ausländischen Firmen durchgeführt. Interessant ist auch der Absatz von Baumaschinen, Lkw und Werkzeugen an die lokalen Baufirmen wie Sogea-Satom (Vinci) und Franzetti (SADE).

Gesundheitswirtschaft: Calavi soll ein neues Krankenhaus bekommen

Branchenkenner sehen seit etwa 2017 deutlich mehr Dynamik im staatlichen Gesundheitssektor. Die Absatzchancen für Medizintechnik sind seitdem gestiegen. Die Regierung legt Wert auf den Ausbau der staatlichen Gesundheitsinfrastruktur. Unter anderem soll ein neues Referenzkrankenhaus mit 430 Betten in Abomey-Calavi für etwa 175 Millionen Euro gebaut werden. Weil es den in staatlichen Krankenhäusern tätigen Ärzten seit Kurzem verboten ist, nebenbei in Privatkliniken zu arbeiten, leiden diese unter Personalmangel. Diverse kleine Kliniken in Cotonou haben seitdem geschlossen.

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Baumwollproduktion steigt rasant

Deutlich gestiegen sind Zuliefermöglichkeiten im Bereich der Landwirtschaft. Seit dem Jahr 2016 hat die beninische Baumwollproduktion um etwa das Dreifache zugenommen. Für 2018/19 werden 700.000 Tonnen angepeilt. Derzeit werden Investitionen getätigt, um die Verarbeitungskapazität zu erhöhen. Dazu zählt der Aufbau einer weiteren Entkörnungsanlage für Baumwolle. Ebenfalls sollen die Produktion sowie die lokale Verarbeitung von Cashewnüssen gesteigert werden, die gegenwärtig überwiegend roh in den Export nach Indien gehen. Für den lokalen Markt gewinnen Reis und Soja an Bedeutung.

Nahrungsmittelindustrie: Kleine Industrie muss Großteil importieren

In der Nahrungsmittelindustrie Benins bieten sich gute Chancen für deutsche Zulieferer. Es gibt nur wenige lokale Hersteller von Nahrungsmitteln, weil viele industriell gefertigte Nahrungsmittel aus Nigeria nach Benin kommen. Gleichwohl gibt es Erzeuger, wie Sobebra und LIBS (beide Getränke), SHB (Speiseöl, Tierfutter) oder Großbäckereien, welche Produktionsanlagen, Zutaten und Verpackungsmaterial nachfragen.

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Neue Projekte im Abwasserbereich

Diverse Projekte im Wasser- und Abwasserbereich bergen großes Geschäftspotenzial. In den Städten Cotonou, Calavi, Sèmè-Kpodji und Porto Nuovo wird die Wasserversorgung ausgebaut. Ausschreibungen wurden im Januar 2019 für den Netzausbau in Cotonou und Calavi veröffentlicht. Auch in den Abwassersektor kommt wieder Schwung: Zwei Abwasseraufbereitungsanlagen sollen gebaut werden. Das Projekt in Calavi (11 Millionen Euro, 600 Kubikmeter pro Tag) wird von der KfW Entwicklungsbank finanziert und die Anlage in Sèmè-Kpodji von der Weltbank. Weitere wichtige Geber im Umweltsektor sind die Niederlande und die Europäische Union.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Digitalisierung genießt Priorität

Die Regierung gibt der Digitalisierung des Landes Priorität. Dementsprechend umfangreich sind die Aktivitäten beim Netzausbau. Mit Unterstützung der KfW Entwicklungsbank wird ein gesondertes Fiberoptiknetz für die Behörden in Cotonou verlegt, das später in die Kommunen erweitert werden soll. Die beiden großen Mobilfunknetzbetreiber MTN und Moov sollen einen starken Konkurrenten bekommen. Die nigerianische Glo, welche jetzt schon im Markt aktiv ist, soll gestärkt werden. Bei der Rechtevergabe für 3G, 4G und 5G soll Glo unter Umständen bevorzugt behandelt werden.

Nahrungsmittelmarkt: Steigender Bedarf durch Bevölkerungswachstum

Chancen für Nahrungsmittellieferungen bestehen wie in den meisten westafrikanischen Ländern auch in Benin. Die lokale Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie schaffen es schon jetzt nicht, die Bevölkerung zu versorgen. Jährlich kommen mehr als 300.000 Einwohner hinzu, die den Nahrungsmittelbedarf weiter nach oben treiben. Fast der gesamte Verkauf wird über die offenen Märkte abgewickelt. Die Produkte müssen dafür haltbar und billig sein. In den wenigen Supermärkten Cotonous wie CKDO dominieren französische Produkte. Hier haben deutsche Waren nur wenig Aussicht auf Erfolg.

Kfz-Markt: Japaner und Franzosen dominieren

Äußerst klein ist in Benin der Markt für Neuwagen. Er beschränkt sich weitgehend auf den Großraum Cotonou, wo Behörden, private Unternehmen, Botschaften und Geberorganisationen die größten Kunden sind. Über den größten Marktanteil verfügen asiatische Marken, allen voran Toyota, die von der Handelsfirma Compagnie Francaise de l'Afrique Occidentale (CFAO) vertrieben werden. Deutsche Marken verfügen vereinzelt über Chancen im Luxussegment. Vertreten sind Mercedes über Centrale de l'Automobile et de Matériel Industriel (CAMIN) und VW über Tunde Motors. Auch der Lkw-Markt ist klein. Es dominieren französische (Renault) und zunehmend chinesische Modelle.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Benin finden Sie unter http://www.gtai.de/benin

Dieser Artikel ist relevant für:

Benin Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Abwasserentsorgung

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