Branchencheck

14.06.2018

Branchencheck - Brasilien (Juni 2018)

Inhalt

Brasiliens Wirtschaft erholt sich, aber nur sehr langsam / Von Gloria Rose

São Paulo (GTAI) - So gut wie alle Wirtschaftszweige befinden sich auf dem Kurs einer allmählichen Erholung. Die einzige Branche, deren Rückgang sich auch im ersten Quartal 2018 fortsetzte, ist die Bauwirtschaft. Verschiedene Faktoren verlangsamen die Wiederaufnahme des Wachstums. Das größte Investitionshindernis ist die Unsicherheit über die zukünftige Regierung und Wirtschaftspolitik des Landes.

Maschinenbauindustrie: Verkauf am Inlands- und Auslandsmarkt steigt

In den ersten vier Monaten 2018 stieg die Nachfrage nach Maschinen um 3,6 Prozent. Die brasilianische Maschinenbauindustrie konnte den inländischen Verkauf um 5,4 Prozent und den Export um 28,7 Prozent steigern. Die Importe nahmen unter anderem infolge der Verteuerung durch den Wechselkurs um 15,5 Prozent zu, wobei China als wichtigstes Lieferland vor den USA und Deutschland weiter Marktanteile gewinnt. Die Verunsicherung bezüglich der Wahlen steigt. Viele Investitionsprojekte werden wohl auch 2018 in der Schublade bleiben. Unter den Abnehmerbranchen verzeichnen die Kfz-Industrie und die Elektroindustrie besonders gute Wachstumsaussichten. Nach vier Jahren des Rückgangs erwartet der Branchenverband Abimaq für 2018 ein Umsatzwachstum um mindestens 5 Prozent.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Brasiliens Maschinenmarkt von Krise gebeutelt

http://www.gtai.de/MKT201704048002

Chemieindustrie: Stolpersteine auf dem Weg zur Erholung

Das Jahr 2018 läuft für den Chemiesektor nicht so gut wie erwartet. Produktionsstopps und eine überhöhte Lagerhaltung beeinträchtigten den Output. Er ging in den ersten vier Monaten um 6,6 Prozent zurück. Noch stärker sank die Inlandsnachfrage nach Industriechemikalien, nämlich um 10,1 Prozent. Die Importe verteuerten sich durch den Wechselkurs und verloren Marktanteile. Aber auch der Export nahm ab. Darüber hinaus wurden die Unternehmen an den Petrochemie-Standorten und die Zuckerrohrindustrie stark von dem Dieselstreik Ende Mai getroffen. Branchenverband Abiquim erwartet, dass die Investitionen 2018 noch niedriger ausfallen als im Vorjahr. Eine positive Meldung ist die Wiederaufnahme des Baus der Erdgasverarbeitungsanlage UPGN Itaboraí am Petrochemie-Standort Comperj.

Weitere Informationen:

Brasiliens Chemieindustrie setzt wieder mehr um

http://www.gtai.de/MKT201805098015

Brasiliens Kosmetikmarkt hat hohe Erwartungen

http://www.gtai.de/MKT201802208005

Brasiliens Chemieindustrie verliert im internationalen Wettbewerb

http://www.gtai.de/MKT201711298003

Energiewirtschaft: Privatisierung und erneuerbare Energien sind Haupttrends

Die brasilianische Elektrizitätswirtschaft durchläuft einen Wandel. Die Abkehr von großen Wasserkraftwerken erfordert den verstärkten Zubau über andere erneuerbare Energien und Gasturbinenkraftwerke sowie den Ausbau und die Modernisierung der Netze. Versteigerungen von Konzessionen für Übertragungsleitungen und von neuen Stromlieferverträgen laufen sehr erfolgreich. Durch Privatisierungen und den Eintritt multinationaler Investoren verändert sich die Unternehmenslandschaft. Angetrieben durch den steigenden Strompreis gewinnen zudem Energieeffizienz, der freie Strommarkt und die dezentrale Erzeugung an Bedeutung.

Weitere Informationen:

Brasiliens Stromübertragung im Visier ausländischer Investoren

http://www.gtai.de/MKT201707128002

Branche kompakt: Solarenergie gewinnt in Brasilien an Boden

http://www.gtai.de/MKT201706078007

Bauwirtschaft: Geförderter Wohnungsbau läuft, Erholung insgesamt erst ab 2019

Allmählich verbessern sich die Zahlen am Immobilienmarkt und die Baugesellschaften arbeiten immer mehr neue Projekte aus. Noch verhindert der hohe Leerstand, dass die Entwicklung Fahrt aufnimmt. Insbesondere bei Luxuswohnungen wird es dauern, bis der Markt neue Projekte realisiert. Für den sozialen Wohnungsbau stellt der Staat wieder mehr Förderkredite zur Verfügung. Begünstigend wirken zudem die Zinssenkungen für Immobilienkredite. Im Gegensatz zum Hochbau liegt der Infrastrukturausbau weiter am Boden. Im Wahljahr besteht wenig Hoffnung auf eine Belebung der Investitionen in die Transportinfrastruktur. Auch die vorzeitigen Verlängerungen der Hafen- und Schienenkonzessionen kommen sehr schwerfällig voran. Insgesamt hofft der Sektor für 2018 auf ein Wachstum um 2 Prozent.

Weitere Informationen:

Branchenanalyse: Brasilianische Bauwirtschaft sieht erste Anzeichen für eine Besserung

http://www.gtai.de/MKT201801098001

Gesundheitswirtschaft: Sparzwang erfordert neue Konzepte

Sowohl das öffentliche, als auch das private Gesundheitswesen wirtschaften mit sehr begrenzten Mitteln. Die Rezession brachte viele Dienstleister in finanzielle Schwierigkeiten. Darüber hinaus spricht die Marktöffnung für ausländische Investoren für eine Konsolidierung des privaten Sektors. Medizintechnik und neue Geschäftsmodelle, die Gesundheitsdienstleistungen erschwinglich und zeitnah verfügbar machen, liegen im Trend. Dazu gehören Apps und Telemedizin. Die Anbieter von komplexer Medizintechnik setzen zunehmend auf den Verleih von Geräten oder auch auf ein erweitertes Angebot von kompletten Dienstleistungen. Am Pharmamarkt konnten die Generika in der Rezession Marktanteile gewinnen.

Weitere Informationen:

Brasiliens Pharmamarkt wächst weiterhin zweistellig

http://www.gtai.de/MKT201802208007

Branche kompakt: Brasiliens Markt für Medizintechnik hat Tiefpunkt überschritten

http://www.gtai.de/MKT201802268012

Vielfältige Chancen für Naturheilmittel und Naturkosmetik in Brasilien http://www.gtai.de/MKT201805118003

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Wachstumsgarant in Brasilien

Der Bund für Land- und Viehwirtschaft CNA erwartet für 2018 ein erneut hohes Wachstum der Bruttowertschöpfung um 5,5 Prozent. In der Berechnung sind die Verluste durch den Lkw-Streik jedoch nicht berücksichtigt. Betroffen waren insbesondere die Sektoren der Milchwirtschaft sowie die Hähnchen- und Schweinefleischproduktion, die bereits vor dem Streik durch die EU-Einfuhrstopps geschwächt worden war. Im Erntejahr 2018/2019 dürfte Brasilien erstmals die USA als weltweit größter Sojaproduzent ablösen. Der Zellstoffsektor konsolidierte weiter und zwei asiatische Gruppen stiegen in die Produktion in Brasilien ein.

Weitere Informationen:

Brasiliens Zellstoffsektor wächst weiter

http://www.gtai.de/MKT201712128015

Bergbau: Umweltauflagen und Image erfordern Investitionen in Sicherheit

Die Umweltkatastrophe nach dem Staudammbruch in Mariana wirkt nach. Neue Technologien zur Entsorgung von Bergematerial sowie Messtechnik gewinnen stark an Bedeutung. Die Branche leidet in Brasilien unter einem sehr schlechten Image. Im März 2018 sorgte ein undichtes Pipelinesystem und das Ausweichen belasteter Schlämme im Projekt Minas-Rio von Anglo American für einen erneuten Aufruhr in der Bevölkerung und der Presse. Der Großkonzern Vale hält sich nach dem Megaprojekt SD11 mit neuen Investitionen zurück. Eine erste Wiederaufnahme von Investitionen zeichnet sich über drei Projekte im Bundesstaat Rio Grande do Sul ab, darunter das bedeutendste von Nexa. Weitere Projekte liegen derzeit auf Eis. Umweltlizenzen und Unsicherheiten über den neuen Rechtsrahmen gelten als größte Hürden.

Weitere Informationen:

Brasiliens Bergbau investiert in umweltschonende Verfahren

http://www.gtai.de/MKT201712208004

Öl/Gas: Dynamik aus 2017 setzt sich fort

Seit 2017 erleichtert Brasilien ausländischen Konzernen die Entwicklung der Pré-Sal-Ölfelder. Erstmals treten damit multinationale Player verstärkt in Brasiliens Öl- und Gas-Sektor ein. Der halbstaatliche Großkonzern und Branchenführer Petrobras erholt sich und steigert die Investitionen wieder. Die neuen Bedingungen stimulieren den internationalen Wettbewerb und bieten deutschen Unternehmen mehr Chancen. Im April ersteigerte die BASF-Tochter Wintershall Explorationslizenzen für sieben Felder. Im Zuge der Dieselsubventionierung nach dem Lkw-Fahrer-Streik und des Wechsels in der Konzernführung brach der Börsenwert von Petrobras stark ein. Dennoch verlief die vierte Pré-Sal-Versteigerungsrunde am 7. Juni sehr erfolgreich. Drei der vier Blöcke wurden vergeben.

Weitere Informationen:

Brasiliens Öl- und Gas-Sektor erlebt neuen Investitionszyklus

http://www.gtai.de/MKT201712228008

Nahrungsmittelindustrie: Hersteller rechnen für 2018 mit stärkerem Wachstum

Nach einem realen Umsatzwachstum um 1 Prozent im Vorjahr erwartete der Branchenverband Abia für 2018 einen deutlicheren Zuwachs um 2,6 Prozent. Auch der Export soll erneut zulegen. Nach Einschätzung des Verbandes gefährden die hohen Verluste während des Streiks der Lkw-Fahrer die Erholung. Darüber hinaus erwartet Abia aufgrund der politischen Unsicherheit ebenso wie 2017 eher verhaltene Investitionen und relativ wenige Übernahmen und Fusionen im Sektor. In der Getränkeindustrie kündigten die Branchenriesen Coca-Cola und Ambev der InBev-Gruppe ehrgeizige Strategien für die Umstellung auf wiederverwertbare Verpackungen an.

Weitere Informationen:

Brasilianer kaufen wieder mehr Nahrungsmittel und Getränke

http://www.gtai.de/MKT201802208006

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Intensive Erholung setzt sich fort

Die Kfz-Nachfrage steigt weiter. Begünstigend wirken sich die niedrigeren Leitzinsen aus. Die Autobanken können derzeit deutlich günstigere Kredite anbieten. Nach dem Ablauf des Programmes Inovar-Auto Ende 2017 drängen mehr Importe auf den Markt und erhöhen den Wettbewerb. Die brasilianische Kfz-Industrie steigerte in den ersten vier Monaten die Produktion um 20,7 Prozent und den Export um 7,5 Prozent. Investiert wird in die Modernisierung der Anlagen sowie in neue Modelle. Der Kfz-Herstellerverband Anfavea erwartet für 2018 ein Absatzwachstum um 12 Prozent. Für die Branche der Kfz-Zulieferer sagte der Verband Sindipeças ein Wachstum des Umsatzes um 7,3 Prozent und der Investitionen um 23,7 Prozent voraus.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Brasiliens Automobilsektor erholt sich

http://www.gtai.de/MKT201802278004

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Sektor braucht mehr private Investoren

Die Verantwortung für die Wasserwirtschaft und Abfallentsorgung obliegt den Städten und Gemeinden, denen jedoch die Mittel zur Umsetzung der nationalen Auflagen fehlen. Es entstehen immer mehr Projekte in öffentlich-privaten Partnerschaften, sogenannte PPP. Diese Entwicklung setzt sich auch in diesem Jahr fort, da die Wahlen der Städte- und Gemeinderegierungen erst 2020 anstehen. Über die Konzessionierungen der bundesstaatlichen Wassergesellschaften wird jedoch frühestens 2019 entschieden. Die zunehmende Beteiligung privater Dienstleister eröffnet Chancen auf Investitionen in moderne Technologien.

Weitere Informationen:

São Paulo setzt auf Technologie und private Investoren

http://www.gtai.de/MKT201805178004

Branche kompakt: Abfallwirtschaft in Brasilien belebt sich endlich etwas

http://www.gtai.de/MKT201805088006

Brasilien vergibt Konzessionen in der Wasserwirtschaft

http://www.gtai.de/MKT201710108000

Dieser Artikel ist relevant für:

Brasilien Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

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