Branchencheck

29.05.2019

Branchencheck - China (Mai 2019)

Inhalt

Wachstum verlangsamt sich in Kernbranchen / Von Corinne Abele und Stefanie Schmitt

Beijing/Shanghai (GTAI) - In vielen Branchen spüren Unternehmen die schwächere Konjunktur. In anderen bleibt die Stimmung jedoch aufgrund neuer Trends verhalten optimistisch.

Maschinenbauindustrie: Sparten entwickeln sich heterogen

Der Maschinenbau scheint sich zunehmend heterogen zu entwickeln. Während Automatisierung und Umwelttechnik weiterhin gut laufen, spüren andere Bereiche deutlicher den Konjunkturabschwung, vor allem solche, die von der Nachfrage der Kfz-Industrie abhängig sind. Sollte sich der Handelskonflikt mit den USA weiter verschärfen, könnte sich eine geringere Maschinennachfrage starker Exportbranchen wie der IKT- und Elektronikindustrie im 2. Halbjahr 2019 auch verstärkt auf den Maschinenbau auswirken. Die Brancheninvestitionen entwickelten sich dennoch auch im 1. Quartal 2019 einstellig positiv.

Chemieindustrie: Verhaltender Optimismus

Obwohl bereits 2018 die Konjunkturabkühlung einsetzte, verlief das Jahr für die Branche positiv. Sie zeigt sich 2019 nur verhalten optimistisch. Ihr machen steigende Umweltauflagen und die schwächere Nachfrage in einigen wichtigen Abnehmerbranchen wie dem Kfz-Sektor zu schaffen. Andererseits sind umweltverträglichere Produkte zunehmend gefragt, wie in der Agrarchemie oder bei Farben und Lacke. Langfristig wird weniger Treib- und mehr Kunststoff benötigt, wodurch neue Raffinerie-Petrochemie- sowie Rohöl-zu-Chemikalien (COTC)-Komplexe in China entstehen. Multinationale Chemiegiganten wie BASF, ExxonMobil oder SABIC investieren.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Chinas Chemieindustrie erwartet 2019 schwächeres Wachstum

https://www.gtai.de/MKT201905088002

China will Produktion von Ethylen ausweiten

https://www.gtai.de/MKT201905068001

Im Süden Chinas entstehen petrochemische Großkomplexe

https://www.gtai.de/MKT201809268000

Energiewirtschaft: Weg von der Kohle hin zum Gas

Chinas große Energienachfrage steigt weiter. Um den Verbrauch zu decken, stellt sich das Land in allen Sparten breiter auf. Der Kohleanteil am Energiemix soll zwischen 2018 und 2020 von 59 auf 58 Prozent sinken. Trotzdem werden weiter neue Kohlekraftwerke errichtet. Wichtigstes Substitut für Kohle ist Erdgas mit einem geplanten Anteilsausbau von 7,8 auf 10 Prozent im selben Zeitraum; der Anteil nicht-fossiler Energieträger soll von 14,3 auf 15 Prozent steigen. Bei der Stromerzeugung decken "grüne" Energiequellen bereits fast ein Drittel. Eine Herausforderung bleibt der Ausbau von Speicherkapazitäten.

Weitere Informationen:

China setzt Ausbau erneuerbarer Energieträger fort

https://www.gtai.de/MKT201904098003

China strukturiert Energiemix weiter um

https://www.gtai.de/MKT201904038005

Bauwirtschaft: Einbruch in weiter Ferne

Nach einem gewinnträchtigen Baujahr 2018 blickt die Branche angesichts sich abkühlender Wirtschaftsdynamik als Ganzes etwas verunsichert in die Zukunft. Allerdings haben die meisten Firmen nach wie vor gut zu tun. Denn der Binnenmarkt ist - nicht zuletzt wegen fehlender Anlagealternativen - noch lange nicht saturiert. Auch der Urbanisierungsschub hält weiter an. Entsprechend setzen Bauentwickler 2019 und 2020 konsequent auf den Bau von Wohnimmobilien, während Büro- und Handelsflächen rückläufig sind. Im Tiefbau stützt der Staat durch hohe Infrastrukturinvestitionen. Davon profitieren auch die Bauzulieferer.

Weitere Informationen:

Branchenanalyse: Chinas Baubranche erwartet 2019 schwächere Dynamik https://www.gtai.de/MKT201905228009

China treibt Eisenbahnausbau voran

https://www.gtai.de/MKT201904058005

Urbanisierung lässt Chinas Bauwirtschaft weiter wachsen

https://www.gtai.de/MKT201904048003

Tiefbauinvestitionen stützen auch 2019 Chinas Wirtschaft

https://www.gtai.de/MKT201904038004

Gesundheitswirtschaft: Branche zeigt sich krisensicher

China baut seine Gesundheitsversorgung weiter aus und um: Private Einrichtungen (Krankenhäuser, Pflegeheime) nehmen zu, ebenso private Zusatzversicherungen - vor allem in der Mittelschicht. Diese fragt immer mehr nach moderner hochwertiger Krankenversorgung; das Angebot wächst. Um die Kosten im Griff zu halten, fördert China die inländische Generikaproduktion mit gleichen Erstattungssätzen wie für ein Medikament vom Originalhersteller, treibt E-Health voran und investiert in die Digitalisierung der Krankenhäuser. Kenner rechnen weiterhin mit einem Wachstum des Gesundheitsmarktes von knapp 20 Prozent im Jahr 2019.

Weitere Informationen:

Chinas Arzneimittelmarkt weiterhin dynamisch

https://www.gtai.de/MKT201809258003

Öl/Gas: Nationale Pipeline-Gesellschaft in Gründung

Gegenwärtig konsolidiert sich der Ausbau des chinesischen Gas- und Öl-Röhrennetzes. Mit neuem Schub ist erst wieder durch die für dieses Jahr erwartete Gründung einer nationalen Erdöl- und Gasunternehmung zu rechnen. Sie erhält die Pipeline-Anlagen der Staatsriesen China National Petroleum Corporation, Sinopec und China National Offshore Oil Corporation und wird zusätzlich mit staatlichen Investitionsmitteln und Privatkapital ausgestattet, um neue Pipeline-Projekte zu finanzieren. Umgekehrt sollen sich die Fördergesellschaften mehr auf ihr Kerngeschäft der Rohstoffexploration konzentrieren.

Weitere Informationen:

Branchenanalyse: Chinas Baubranche erwartet 2019 schwächere Dynamik https://www.gtai.de/MKT201905228009

Nahrungsmittelindustrie: Digitalisierung schreitet voran

Chinas erfolgsverwöhnte Nahrungsmittelindustrie spürt das Abflauen der Konjunktur. Ähnlich wie 2018 dürfte auch 2019 und 2020 der Umsatz um 6 bis 6,5 Prozent zugenommen haben. Generell ist mit den anhaltend steigenden Einkommen auch für die Zukunft von stabilen Steigerungen auszugehen. Im Vergleich zur Umsatz- und Gewinnentwicklung bleiben die Investitionen aber niedrig. Der Trend geht dahin, Verpackungen respektive Produkte mit digitalen Apps zu verbinden. Diese ermöglichen eine Nachverfolgung zum Hersteller und beinhalten etwa Rezeptvorschläge sowie Produktinformationen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Chinesen stellen höhere Ansprüche an die Ernährungsbranche

https://MKT201903198000

Textil- und Bekleidungsindustrie: Neue Investitionen unausweichlich

Chinas Textil- und Bekleidungswirtschaft steht unter Druck. Die steigenden Personalkosten, die anspruchsvolleren Inlandskunden und die schärfere Umweltgesetzgebung zwingen zu weiterer Automatisierung. In der Folge vergrößert sich der Markt für Hightech-Textilmaschinen - eine Nachfrage, die die lokale Produktion noch nicht erfüllt. Andererseits sind gerade die auf den Export hochwertiger Ware spezialisierten Firmen derzeit von den US-Strafzöllen betroffen. Mit einer Verlagerung des Kundenpotenzials etwa für hochwertige Maschinen aus Deutschland in Richtung technischer Textilien ist zu rechnen.

Weitere Informationen:

Chinas Textil- und Bekleidungswirtschaft spürt US-Strafzölle

https://www.gtai.de/MKT201902218012

Chinas Bekleidungsfirmen positionieren sich neu

https://www.gtai.de/MKT201811098004

Umwelttechnik: Deutsche Technik in Spezialbereichen gefragt

Die Urbanisierung zieht weiter große Projekte der Trinkwasseraufbereitung oder Abwasserreinigung nach sich. Für deutsche Firmen gibt es lediglich noch Chancen als Zulieferer (Pumpen, Zentrifugen, Ventile), sofern eine Fertigung vor Ort besteht. Ähnlich sieht es aus bei der Müllverbrennung. Neues Potenzial entsteht bei der Abfallsortierung und im Recycling (wie Kunststoff, Altbatterien, Elektroschrott und Bauschutt). Speziell den Bereich Bauschutt hat die Politik stärker in den Fokus gerückt. Landesweit ist ein Ausbau von Recycling-Zentren zu erwarten. Ebenfalls im Kommen sind Biogasanlagen.

Weitere Informationen:

Chinas Müllberge wachsen in den Himmel.

https://www.gtai.de/MKT201904048004

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Vorbereitungen für 5G laufen auf Hochtouren

Noch 2019 will die staatliche Telefongesellschaft China Mobile die ersten 5G-fähigen Smartphones auf den Markt bringen. Diese können dann in 18 Städten (darunter Beijing, Shanghai oder Chongqing) ausprobiert werden. Massentauglich soll die Technik ab 2020 werden. Auch die beiden anderen nationalen Telefonbetreiber stehen in den Startlöchern. Für die Politik hat die Erforschung, Entwicklung und Anwendung von Big Data und künstlicher Intelligenz einschließlich "Internet Plus" höchste Priorität. Als Voraussetzung muss die Übertragungsgeschwindigkeit der Daten enorm gesteigert werden.

Weitere Informationen:

Branchenanalyse: Chinas Baubranche erwartet 2019 schwächere Dynamik https://www.gtai.de/MKT201905228009

IKT-Sektor in China zieht technologisch nur teilweise davon

https://www.gtai.de/MKT201904308003

Kfz-Markt: Erste Erholungszeichen bleiben bislang aus

Erstmals seit 1990 schrumpfte der Kfz-Absatz 2018 um 2,8 Prozent. Mittelfristig erwarten Branchenkenner Erholung, doch zunächst bleibt die Situation schwierig. Der Markt befindet sich in einer Umbruchphase: Der Gebrauchtwagenmarkt gewinnt merklich an Gewicht, ab 2019/20 greift die Elektroautoquote für Pkw-Hersteller und ab 2020 gilt verbindlich der durchschnittliche Flottenverbrauch von 5 Litern pro 100 Kilometer. Inländische und ausländische Hersteller investieren kräftig in E-Mobilität und autonomes Fahren. Die Risiken steigen - vor allem für die zahleichen Start-ups in diesem Bereich.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Chinas Kfz-Markt schrumpft erstmals seit Jahrzehnten

https://www.gtai.de/MKT201902268000

Chinesische Kfz-Zulieferer holen auf

https://www.gtai.de/MKT201808018006

Dieser Artikel ist relevant für:

China Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

Funktionen

Kontakt

Katharina Viklenko

‎+49 228 24 993 323

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche