Branchencheck

27.06.2019

Branchencheck - Dänemark (Juni 2019)

Inhalt

Digitalisierung sorgt für Wachstum / Von Michal Wozniak

Stockholm (GTAI) - Die meisten dänischen Branchen werden 2019 ein verhaltenes Wachstum verzeichnen. Umweltschutz und Digitalisierung geben branchenübergreifend den Ton an.

Maschinenbauindustrie: Automatisierung gefragt

Die sinkende Dynamik der Unternehmensinvestitionen auf dem heimischen und europäischen Markt bremst auch die dänischen Maschinenbauer aus. Gute Geschäfte sollten weiterhin Partner und Zulieferer von Ausstattern der Windenergiebranche machen. Diese profitieren von großen Projekten in Skandinavien. Große Sprünge hat in den letzten Jahren der dänische Roboter- und Automatisierungssektor gemacht. Die etwa 8.500 Direktangestellten generierten 2018 einen Umsatz in Höhe von 3,7 Milliarden Euro. Laut Prognosen soll sich die Angestelltenzahl bis 2025 verdreifachen und der Umsatz verdoppeln.

Chemieindustrie: Wachstum trotz Brexit-Sorge

Nach Angaben des dänischen Statistikamtes DST konnte die Chemiebranche ihre Produktion in den ersten vier Monaten 2019 um 3 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum steigern. Die Biogasfirma Nature Energy startete im März 2019 eine Zusammenarbeit mit der Technischen Universität und der Süddänischen Universität zur Herstellung von Flugzeugtreibstoff aus Essensresten. Laut der dänischen Nationalbank würde ein ungeregelter Brexit die Chemie- und Medizinbranche am härtesten treffen. Demnach könnten im schlimmsten Fall beide Branchen jeweils etwa 20 Prozent ihres Umsatzes einbüßen.

Energiewirtschaft: Ausbau der Windenergie dominiert

Die dänische Wirtschaft verfolgt das Ziel, bis 2050 fossilfrei zu sein. Vor diesem Hintergrund soll der Fernwärmesektor elektrifiziert werden. Siemens sieht in diesem Zusammenhang großes Potenzial für Wärmepumpen. Großflächig ausgebaut wird auch die Windenergie. Die Regierung fördert ein Testbed für den Sektor. Ferner wurden neue Seegebiete mit Platz für bis zu 15 Windparks und 12 Gigawatt Kapazität identifiziert. Im Laufe des Jahres 2019 sollen Lizenzen für Windfarmen mit 800 Megawatt im Nissum Fjord vergeben werden. Im Oktober beginnt Siemens Gamesa im Rahmen des Projekts Thorup-Sletten mit der Installation von 18 Turbinen.

Bauwirtschaft: Der Höhepunkt ist erreicht

Der dänische Branchenverband Dansk Byggeri prognostiziert für 2019 ein leichtes Wachstum der Baubranche. Die Anzahl neu begonnener Wohnungsbauten soll auf etwa 33.500 steigen. Geringfügig zunehmen soll 2019 auch der Wert der Vorhaben im Energie- sowie Infrastrukturbau. Allerdings ist dann der Höhepunkt erreicht, für 2020 ist mit Rückgängen zu rechnen. In Kopenhagen steht der Abriss der Bispeengbuen bevor. Die Neugestaltung des Verkehrs und freiwerdender Flächen könnte die Stadt allein 130 Millionen Euro kosten. Immer wichtiger wird "Zero Waste" im Bau. Für entsprechende Forschung gibt es Fördermöglichkeiten.

Gesundheitswirtschaft: Neue Strategie für IT-Sicherheit

Die Umstrukturierung der landesweiten Krankenhauspflege wird fortgesetzt. Weitere neue Vorhaben stehen in den Startlöchern. Unter anderem sollen bis Mitte 2020 Krankenhäuser in Kopenhagen (Bispebjerg, BorneRiget) sowie in Koge ausgebaut werden. Kopenhagen fördert 2019 Forschung im Gesundheitsbereich mit knapp 3 Millionen Euro und eröffnete ein neues Zentrum für Start-ups aus der Branche: http://www.healthtechhub.org. Um die Risiken der fortschreitenden Digitalisierung besser zu adressieren, wurde eine neue Strategie für IT-Sicherheit erarbeitet: http://sum.dk/Aktuelt/Nyheder/Digitalisering/2019/Januar/~/media/Filer%20-%20Publikationer_i_pdf/2019/A-strengthened-collective-cyber-and-information-security-effort/Cyber-og-Informationssikkerhed-UK.pdf

Umwelttechnik (Abfall/Luft): In Zukunft stärker im Fokus der Regierung

Im 4. Quartal 2019 wird die dänische Landwirtschaftsagentur (https://eng.lbst.dk)

Fördermittel für die Verbesserung der Umweltbilanz in der Landwirtschaft in Höhe von 6,7 Millionen Euro ausschreiben. Drei Viertel der Mittel sind für die Viehzucht vorgesehen. Stena Recycling und Vestforbraending wollen die weltweit erste Testanlage zur Rückgewinnung von Metallen aus Gasreinigungsasche bauen. Dieses Verfahren soll die von Biogas dominierte dänische Wärmewirtschaft sauberer machen. Der Umweltschutz war eines der Topthemen im Parlamentswahlkampf und wird auch die Politik der künftigen Regierung beherrschen.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Schwerpunkt auf künstlicher Intelligenz

Im März 2019 stellte die dänische Regierung ihre neue Strategie für künstliche Intelligenz (KI) vor. Die Schwerpunkte liegen dabei unter anderem auf ethischen Aspekten, der Entwicklung von KI-Lösungen in dänischer Sprache sowie einem breiteren Zugang zu öffentlichen Daten für Unternehmen. Zudem sollen einige Leuchtturmprojekte in der öffentlichen Verwaltung durchgeführt werden. Über vier Jahre werden rund 3 Millionen Euro zusätzliche Fördermittel für die Entwicklung von KI zur Verfügung gestellt.

Weitere Informationen:

Dänemark zählt in der Digitalisierung zur Weltspitze

http://www.gtai.de/MKT201902278035

Nahrungsmittelmarkt: Trend zu Bio und Bequemlichkeit

Trotz steigender Einkommen wachsen die dänischen Haushaltsausgaben für Nahrungsmittel nur geringfügig. Dennoch werden in einigen Bereichen hohe Zuwächse verzeichnet. Hersteller von Säften und Mineralwasser profitieren vom wachsenden Gesundheitsbewusstsein. Auch die Nachfrage nach Convenience Food steigt. Das größte Absatzplus generieren allerdings Bio-Lebensmittel. Der Umsatz mit Bioprodukten lag 2018 bei über 1,7 Milliarden Euro und steigt jährlich weiter im unteren zweistelligen Prozentbereich. Die Lebensmittelimporte nehmen zu. Deutschland bleibt wichtigste Bezugsquelle, der Anteil an den Importen sinkt allerdings.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Dänische Ernährungswirtschaft profitiert vom Bio-Trend

http://www.gtai.de/MKT201906138016

Dieser Artikel ist relevant für:

Dänemark Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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