Branchencheck

26.07.2018

Branchencheck - Deutschland (Juli 2018)

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Produktmärkte bleiben auf Wachstumskurs / Von Günter Maier

Berlin (GTAI) - Die deutsche Wirtschaft expandiert. Die Prognosen bis 2019 für Industrie und Handel fallen günstig aus. Allerdings schwächen Kapazitätsengpässe die Wachstumsdynamik. Die Unternehmen und Fachverbände erwarten mittelfristig eine hohe Nachfrage auf den Produktmärkten.

Maschinenbauindustrie: Gut ausgelastet bei günstiger Konjunkturlage

Der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland erwartet für 2018 ein wertmäßiges Produktionswachstum von mindestens 3 Prozent. Viele Maschinenbauunternehmen treiben die Digitalisierung und Vernetzung der Wirtschaft voran. 30 Prozent des Maschinenimports kommen aus China, der Schweiz und den USA. Der Auftragseingang im deutschen Maschinenbau lag im Mai 2018 um 1 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Der Inlandsumsatz stieg um 1 Prozent. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) prognostiziert für 2018 bei Robotik und Automation ein Branchenwachstum von 9 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro. Die Produktion im Maschinen- und Anlagenbau ist in circa 5.300 Unternehmen mit insgesamt 1,35 Millionen Erwerbstätigen hochgradig diversifiziert.

Chemieindustrie: Weiter Wachstumsdynamik aufgrund hoher Nachfrage

Die Produktion in Deutschlands Chemieindustrie stieg im 1. Halbjahr 2018 um 5 Prozent, der Umsatz um 5,5 Prozent. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) rechnet für 2018 insgesamt mit einem wertmäßigen Produktionsplus um 3,5 Prozent. Der Umsatz soll bei leicht steigendem Preisniveau von 4,5 Prozent auf mehr als 204 Milliarden Euro steigen. Handelspolitische Konflikte trüben die Perspektive am Weltmarkt. Das hohe Strompreisniveau und das Anziehen der Ölpreise belasten die Branche. Die chemisch-pharmazeutische Industrie investiert circa 7 Milliarden Euro jährlich in Deutschland. Sie produziert in circa 2.000 Unternehmen in Deutschland und 1.500 Betrieben im Ausland vor allem Vorleistungsgüter. Nur 23 Prozent der Chemieprodukte gehen direkt an den Endverbraucher.

Energiewirtschaft: Ausbau der erneuerbaren Energien prioritär

Der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch soll in Deutschland von 32 Prozent (2017) auf 40 bis 45 Prozent (2025) steigen. Windenergie an Land und auf See hat einen Anteil von rund 12 Prozent an der Stromerzeugung. Die großen überregionalen Übertragungsnetze und die lokalen Verteilnetze müssen ausgebaut werden. Die Digitalisierung schafft eine hohe Nachfrage nach intelligenten Stromzählern, die koordinieren und Einsparpotentiale erschließen. Die Plattform SMARD informiert über Entwicklungen am Strommarkt: https://www.smard.de/home

Bauwirtschaft: Digitalisierung und Wohnungsbau als treibende Kraft

Der Wohnungsbau, wichtigste Sparte mit rund 61 Prozent an den Bauinvestitionen, expandiert auch 2018 deutlich. Der Öffentliche Bau macht knapp 12 Prozent der Bautätigkeit aus, der Wirtschaftsbau 27 Prozent. Bei den kumulierten Bauinvestitionen (2017: +2,7 Prozent) erwarten die Wirtschaftsforschungsinstitute 2018 einen Zuwachs um 2,1 Prozent und für 2019 knapp 3 Prozent. Gleichzeitig klettern die Baupreise, da die hohe bauwirtschaftliche Nachfrage an Kapazitätsgrenzen führt. Die Institute rechnen für den Deflator der Bauinvestitionen mit einem Anstieg von 3,9 Prozent 2018 beziehungsweise von 3,7 Prozent für 2019. Mehr als 60 Prozent der Bauunternehmen nutzen digitale Technologien zur Planung und Steuerung betrieblicher Abläufe.

Gesundheitswirtschaft: Mikroelektronik belebt das Geschäft

Die industrielle Gesundheitswirtschaft zählt in Deutschland rund eine Million Beschäftigte und erreicht einen Gesamtumsatz von 77 Milliarden Euro. Wachstumsmärkte bleiben Life Sciences und digital Healthcare. Gefragt sind anwenderfreundliche Produktneuheiten. Der Umsatz im eHealth-Markt beträgt 2018 etwa 491 Millionen Euro. Er soll bis 2020 das Niveau von 662 Millionen Euro erreichen. Der Großhandelsumsatz mit pharmazeutischen, medizinischen und orthopädischen Erzeugnissen soll laut Statista von circa 120 Milliarden Euro (2016) auf 126 Milliarden Euro 2018 zulegen. Der Umsatzanstieg für medizinische und zahnmedizinische Apparate und Materialien (2016: 24 Milliarden Euro) wurde auf 25,1 Milliarden (2017) beziehungsweise 26 Milliarden Euro (2018) prognostiziert.

Kfz-Industrie: Mit voller Fahrt in die technologische Zukunft

Die mittelfristige Geschäftslage für die deutsche Automobilzulieferindustrie gilt als günstig. Der Umsatz im Segment Automobile beträgt am deutschen Markt 2018 schätzungsweise 351,1 Milliarden Euro. Bis 2021 soll das Marktvolumen circa 374,5 Milliarden Euro erreichen. Besonders die Nachfrage nach digitalen Lösungen (Connected car, Internetzugang etc.) steigt. Ein Hauptthema bleibt der Ausbau der Elektromobilität. Laut Prognose von Statista wird die Herstellung von Kfz-Teilen wie Bremsen, Getrieben, Achsen, Sitzen voraussichtlich von circa 126 Milliarden (2016) auf 131 Milliarden Euro (2019) steigen. Die Herstellung elektrischer und elektronischer Ausrüstungen für Kfz soll sich im Zeitraum 2016 bis 2018 von 8,3 Milliarden auf circa 8,4 Milliarden Euro erhöhen.

Umwelttechnik: Mehr Bewegung in der Kreislaufwirtschaft

Deutschland bleibt Vorreiter der Kreislaufwirtschaft. Das beweist der globale Marktanteil von 18 Prozent (2016). Die Branche stellt 100.000 Arbeitsplätze und erzielt eine Bruttowertschöpfung von 25 Milliarden Euro pro Jahr. Mit einem geschätzten Wachstum von 5,7 Prozent pro Jahr steigt das Marktvolumen bis 2025 voraussichtlich auf 32 Milliarden Euro. Strengere ordnungspolitische Rahmenbedingungen fordern Industrie und Handel immer wieder heraus. Für Anbieter innovativer Recyclingtechnologien eröffnen sich so neue Geschäftschancen. Ab dem 1. Januar 2019 gilt ein neues Verpackungsgesetz, das höhere Recyclingquoten, zum Beispiel für Kunststoffverpackungen, vorschreibt. Bei diesen steigt die Quote von 36 Prozent bis 2022 auf 63 Prozent.

Elektroindustrie: Wachstum bleibt stabil

Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) prognostizierte am deutschen Markt für elektrotechnische und elektronische Erzeugnisse für 2018 eine Zuwachsrate um real 2 Prozent. Am Inlandsmarkt erwartete der Verband ein Umsatzplus um 4 Prozent. Die Auftragseingänge übertrafen im Mai 2018 ihren Vorjahreswert um 0,6 Prozent. Die Inlandsbestellungen blieben unverändert auf Vorjahresniveau. Die Auslandsbestellungen legten um 1,1 Prozent zu. 59 Prozent der Unternehmen schätzten im 1. Halbjahr 2018 ihre gegenwärtige wirtschaftliche Situation als gut ein, 33 Prozent als stabil und nur 8 Prozent als schlecht. Für die zweite Jahreshälfte gehen 22 Prozent der Firmen von einem anziehenden, 63 Prozent von gleichbleibendem und 15 Prozent von rückläufigem Geschäftsvolumen aus.

Elektronische Sicherheitstechnik: Der Markt boomt

Unternehmen im Bereich der elektronischen Sicherheitstechnik haben am deutschen Markt gute Konjunktur. 2017 notierten sie einen Umsatzanstieg um 6 Prozent auf circa 4,2 Milliarden Euro. Vielseitige Wachstumsperspektiven bieten die Digitalisierung und Vernetzung der Sicherheitstechnik mit anderen Wirtschaftszweigen und im Servicegeschäft. Die Pflicht zur Anbringung von Rauchwarnmeldern in Privatwohnungen in den Bauordnungen der Bundesländer ist zum Beispiel Triebkraft für die Sparte Brandmeldetechnik. Bei Zutrittsmanagementsystemen gab es 2017 ein Umsatzplus von circa 7 Prozent auf knapp 330 Millionen Euro. Auch Videotechnik und Sprachalarmierungstechnik sind gut gefragt.

Weitere Informationen zu Deutschland finden Sie unter http://www.gtai.de/deutschland

Dieser Artikel ist relevant für:

Deutschland Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Elektronik, allgemein

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