Branchencheck

07.01.2019

Branchencheck - Frankreich (Dezember 2018)

Inhalt

Technologischer Wandel und staatliche Maßnahmen bringen 2019 zusätzlichen Schwung / Von Peter Buerstedde

Paris (GTAI) - Eine robuste Konjunkturentwicklung treibt 2019 in vielen Branchen in Frankreich die Nachfrage an. Hinzu kommen punktuelle Impulse durch staatliche Initiativen und Programme.

Maschinenbauindustrie: Sonderabschreibungen dürften zusätzlichen Schwung geben

Die Aussichten für den Maschinenbau stehen 2019 weiter gut. Die Investitionsbereitschaft im Inland ist auf mittlere Sicht stark, die Auslastungsgrade hoch und die Konjunkturlage in wichtigen Abnehmerbranchen gut. Zudem hat die Regierung für kleine und mittlere Unternehmen für die Anschaffung bestimmter Ausrüstungen zur Digitalisierung bis Ende 2020 eine neue Sonderabschreibungsmöglichkeit geschaffen (Suramortissement numerique). In einer Befragung des Statistikamts Insee vom Oktober 2018 gaben Industrieunternehmen an, 2019 ihre Investitionen im Durchschnitt um 3,7 Prozent ausweiten zu wollen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Gute Aussichten für Maschinenbau in Frankreich

http://www.gtai.de/MKT201812198000

Höherer Absatz von Landmaschinen in Frankreich erwartet

http://www.gtai.de/MKT201805188004

Chemieindustrie: Produktion dürfte 2019 steigen

Nach verhaltenem Wachstum 2018 haben sich 2019 mit der globalen Konjunkturabkühlung für die exportorientierte chemische Industrie die Vorzeichen geändert. Zunächst hatten 2018 höhere Ölpreise bei fallender Produktion die Umsätze gestützt. Seit Oktober ließen die Orders stärker nach und die Umsätze dürften durch fallende Ölpreise zurückgegangen sein. Nach planmäßigen Abschaltungen in einigen Raffinerien, wird der Ausstoß der Chemieindustrie 2019 wieder ansteigen, auch wenn die Umsatzentwicklung höchst unsicher ist. Der Staat will ab 2019 Projekte zur CO2-Rückführung unterstützen und das Regelwerk für Chemieplattformen vereinfachen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Nach starkem Aufschwung fällt Produktion in der Chemieindustrie wieder zurück

http://www.gtai.de/MKT201810308022

Energiewirtschaft: Rückbau der Kernenergie und Ausstieg aus der Kohle

Die Regierung hat im November 2018 die lang erwartete Energiestrategie bis 2023 veröffentlicht. Die vier letzten Kohlekraftwerke sollen bis 2022 geschlossen werden. Zwei gehören der deutschen Firma Uniper. Längerfristig soll der Kernenergieanteil an der Stromerzeugung bis 2035 von 70 auf 50 Prozent zurückfallen, mit der Schließung von zunächst zwei Blöcken bis 2020. Im Gegenzug ist geplant, die Kapazitäten aus erneuerbaren Quellen bis 2023 um 50 Prozent auf 74 GW zu steigern. Details der Umsetzung werden erst in den kommenden Monaten festgezurrt. Nach einer Konsultationsphase soll die Strategie 2019 angenommen werden.

Weitere Informationen:

Frankreich erleichtert Selbstversorgung mit Solarstrom

http://www.gtai.de/MKT201807208005

Frankreich fördert Wasserstoffwirtschaft mit 100 Millionen Euro

http://www.gtai.de/MKT201806208008

Bauwirtschaft: Tiefbau zieht an

Der Tiefbau wird sich 2019 kräftig entwickeln. Das Großprojekt zum Ausbau der Metronetze im Großraum Paris nimmt weiter Fahrt auf. Hierfür sind Investitionen im Umfang von 3,5 Milliarden Euro vorgesehen sowie 4,5 Milliarden Euro 2020. Hinzu kommen diverse staatliche Vorhaben zur Instandsetzung der Bahn- und Straßennetze. Der Wohnungsbau dürfte 2019 zunächst schwächeln, da die Baugenehmigungen im 2. Halbjahr 2018 zurückgegangen sind. Erleichterungen durch ein Wohnungsbaugesetz (Loi Elan) und Kaufkraftzuwächse 2019 könnten dem Sektor aber neuen Schwung geben.

Weitere Informationen:

Studie: Chancen für Handwerker - Denkmalschutz in Frankreich

http://www.gtai.de/PUB201812068000

Metroausbau in Pariser Region könnte sich weiter verzögern

http://www.gtai.de/MKT201810198005

Frankreich investiert mehr für Instandsetzung von Straßen

http://www.gtai.de/MKT201810028006

Gesundheitswirtschaft: Öffentliche Gesundheitsausgaben legen 2019 stärker zu

Die reformfreudige Regierung unter Präsident Emmanuel Macron hat sich 2018 auch des Gesundheitssektors angenommen. Die Behandlung einiger chronischer Krankheiten wird ab 2019 durch Fallpauschalen vergütet, die immer stärker die Einzelleistungsvergütung ersetzen sollen. Bis 2021 wird die Sozialhilfe die Kosten für Hörgeräte, Sehhilfen und Zahnersatz übernehmen. In unterversorgten Landstrichen soll die Versorgung durch den Ausbau regionaler Kliniken und eine bessere Koordinierung unter Ärzten verbessert werden. Für die Veränderungen wird den Krankenhäusern etwas Luft gegeben. So dürfen die Ausgaben 2019 um 2,5 Prozent steigen nach 2,3 Prozent 2018.

Weitere Informationen:

Krankenkassen in Frankreich übernehmen ab 2021 Kosten für Hörhilfen, Brillen und Zahnersatz

http://www.gtai.de/MKT201810188002

Landwirtschaft: Trotz Dürre steigen die Einnahmen

In der letzten Abstimmung zum Haushalt 2019 wurden Sonderabschreibungsmöglichkeiten für den Kauf von Ausrüstungen zur Digitalisierung in der Landwirtschaft noch gestrichen. Trotzdem sind die Aussichten für Zulieferer 2019 gut. Der Produktionswert in der französischen Landwirtschaft ist 2018 um 4,7 Prozent gestiegen. Geringere Mengen an Getreide, Gemüse und Kartoffeln wurden durch höhere Preise ausgeglichen. Nur bei der Tierhaltung sank der Produktionswert durch niedrigere Preise für Schweinefleisch. Die bessere Ertragslage dürfte 2019 den Anbietern von Maschinen und Agrarchemikalien zugutekommen.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Abkehr vom Diesel schlägt sich in Investitionen nieder

Bei den Investitionen der Kfz-Industrie zeichnet sich eine Verlagerung weg von Dieselfahrzeugen hin zu Benzin- und Elektroantrieben ab. Das Jahr 2018 hatte mit Investitionszusagen von Toyota (400 Millionen Euro), Mercedes (500 Millionen Euro) und Renault (450 Millionen Euro) gut begonnen. Kritisch ist die Lage weiterhin in den Fabriken für Dieseleinspritzpumpen von Bosch in Rodez und von Automatikgangschaltungen von Ford in Blanquefort. Das Werk in Rodez ist ein Opfer der fallenden Nachfrage bei Dieselfahrzeugen und soll im Rahmen einer Produktdiversifizierung auch Flugzeugteile fertigen. Ford will Blanquefort schließen. Die Regierung versucht dies zu verhindern.

Weitere Informationen:

Neue Mobilitätskonzepte erobern Paris

http://www.gtai.de/MKT201810298004

Frankreich will Kaufanreize für Elektroautos bis 2022 verlängern

http://www.gtai.de/MKT201806128004

Frankreich will Vorreiterrolle bei autonomem Fahren einnehmen

http://www.gtai.de/MKT201806088002

Flugzeugbau: Staat fördert Vorhaben für Industrie 4.0

Die kleineren Unternehmen im französischen Flugzeugbau sollen wettbewerbsfähiger werden. Der Staat hat im Dezember 2018 mit dem Verband Gifas eine Übereinkunft geschlossen. Demnach wird die Regierung Digitalisierungsprojekte von 300 Unternehmen zu 50 Prozent bezuschussen. Ziel sind Kostenersparnisse von 10 bis 15 Prozent. Aufgrund der vollen Orderbücher bei Airbus ist der Sektor weiter gut ausgelastet. Das Unternehmen hat im November Studien für ein neues Großraumflugzeug A350Neo sowie ein Schmalrumpfflugzeug gestartet. Letzteres wäre das erste neue Modell seit vielen Jahren.

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Staat will Wasserverluste zurückfahren

In Frankreich geht weiterhin ein Liter von fünf Litern Wasser auf dem Weg zu den Haushalten verloren. Der französische Staat hatte im August 2018 eine rasche Erneuerung der Wassernetze beschlossen. Die Investitionen in den Wassersektor werden von den bisher geplanten 36 Milliarden Euro bis 2024 auf 41 Milliarden Euro angehoben. In ländlichen Gegenden sollen 1.500 Wasserversorger rund 2 Milliarden Euro zusätzlich erhalten, um Reparaturen vorzunehmen. Für mittelgroße Gemeinden mit eigenen Ressourcen sollen Subventionen größere Projekte vorantreiben und an konkrete Fortschritte geknüpft werden.

Elektroindustrie: EU-Staaten planen Batterieproduktion

Deutschland und Frankreich planen unter Beteiligung anderer Staaten der Europäischen Union (EU) die Entwicklung einer Batteriefertigung für die Elektromobilität. Im 1. Quartal 2019 könnten bereits interessierte Konsortien vorgestellt werden. Deutschland will 1 Milliarde Euro bereitstellen. Um Zuschüsse in der Höhe zu ermöglichen, soll das Projekt von der EU-Kommission als besonders wichtig anerkannt und damit von den EU-Beihilferegeln ausgenommen werden. Unternehmen wie Saft, Solvay, Siemens, Manz, BASF, Varta und Ford haben bereits Interesse an dem Vorhaben geäußert.

Weitere Informationen:

Kleinstfahrzeuge gewinnen in Frankreich immer mehr Nutzer

http://www.gtai.de/MKT201810318004

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Netzausbau geht 2019 weiter

Nach den Ende 2017 und Anfang 2018 mit der Industrie geschlossenen Vereinbarungen läuft der Ausbau der Glasfasernetze und der 4G-Mobilfunkabdeckung weiter. Nach 3 Millionen neuen Glasfaseranschlüssen 2018 sollen 2019 etwa 3,5 Millionen hinzukommen. Bei den 4G-Netzen sind 2018 für neue Sendemasten 600 Standorte ausgewiesen worden, 2019 sollen 700 hinzukommen. Mitte 2019 will die Regulierungsbehörde Arcep erste 5G-Lizenzen vergeben. Im Dezember 2018 endete eine Konsultationsphase, um das Interesse der Unternehmen abzuklopfen. Die ersten kommerziellen 5G-Netze sollen nach Plänen der Regierung 2020 an den Start gehen.

Weitere Informationen:

Telekomunternehmen in Frankreich verpflichten sich zum Ausbau der Mobilfunknetze

http://www.gtai.de/MKT201801248010

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Elektronik, allgemein, Luftfahrzeuge

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