Branchencheck

26.06.2018

Branchencheck - Gambia (Juni 2018)

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Chancen vor allem im Bausektor / Von Carsten Ehlers

Banjul (GTAI) - Der politische Wechsel im Jahr 2017 bringt der Wirtschaft erstmals wieder Freiheit und damit auch einen vorerst zarten Aufschwung. In diversen Sektoren dürften die Geschäftsmöglichkeiten zunehmen. Das Gros der Bevölkerung verharrt jedoch nach wie vor in Armut. An der Konsumbereitschaft hat sich daher bislang nur wenig geändert. Sehr vielversprechend hingegen sind die Aussichten im Bausektor durch steigendes Engagement von privater Seite und der Geberorganisationen.

Energiewirtschaft: EU stellt 25 Millionen Euro für Solarprojekte bereit

Eine große Anzahl von Aktivitäten und Pläne bringen zahlreiche Beteiligungschancen. Die Stromversorgung ist derzeit äußerst schlecht und der Sektor muss neu aufgebaut werden. Seit Anfang 2018 liegt im Hafen Banjuls ein Schiff der türkischen Karpower, von dem aus ein 30-Megawatt-Schwerölgenerator zusätzlichen Strom liefert. Größte Geber im Sektor sind die EU und die Weltbank. Unter anderem soll der Stromversorger National Water & Electricity Company (NAWEC) entschuldet und umstrukturiert werden. Zudem soll das Übertragungsnetz ausgebaut und die veralteten Schwerölgeneratoren in Kotu und Brikama modernisiert werden. Im Rahmen des European Development Funds (EDF) werden von der EU 25 Millionen Euro für Solarprojekte bereitgestellt, an deren Implementierung auch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) beteiligt sein soll.

Bauwirtschaft: Boom im privaten Wohnungsbau deutet sich an

Deutlich steigende Aktivitäten sind im Baugewerbe zu erwarten. Dies gilt jetzt bereits für den privaten Wohnungsbau. Die Grundstückspreise im Großraum Banjul sind deutlich gestiegen. Durchführer sind hier vor allem lokal ansässige Bauunternehmen wie Pinacle, Gai Enterprise, Swami oder Construct. Hinzu kommen dürften mittelfristig geberfinanzierte Infrastrukturvorhaben, wie der Ausbau des Hafens sowie die Erweiterung der Strom- und Wasserversorgung. Hierfür kommen in der Regel ausländische Baufirmen auf Projektbasis ins Land. Baumaschinendistributoren gibt es in Banjul nicht, einige bedienen den Markt von Dakar in Senegal aus. Werkzeuge, Armaturen und Baustoffe können über den in ganz Westafrika mit Filialen vertretenen Baufachmarkt Bâtimat vertrieben werden.

Gesundheitswirtschaft: Geber und Regierung erstellen Fahrplan für Projekte

Aktivitäten in Gambias Gesundheitssektor könnten in Zukunft aufgrund vermehrten Engagements der Geber wieder zunehmen. Der in Westafrika bis vor 15 Jahren vorbildliche Sektor ist zuletzt deutlich zurückgefallen. Dies gilt insbesondere für die medizinische Grundversorgung für Mütter und Kinder, in dem sich die Weltbank mit einem Projekt engagiert. Wohin in den kommenden Jahren das Geld der Geber fließen soll, erörtern führende Geber wie USAid, die Weltgesundheitsorganisation und die Weltbank mit dem Gesundheitsministerium. Ende 2018 soll dann eine Roadmap für die Maßnahmen im Gesundheitssektor stehen. Mit Afrimed und Medicare gibt es seit einigen Jahren auch zwei private Kliniken.

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Reisanbau wird vorangetrieben

Mit zunehmenden Aktivitäten ist auch in der Landwirtschaft zu rechnen. Weil der Sektor den lokalen Nahrungsmittelbedarf nicht decken kann, finanzieren Geber zahlreiche Maßnahmen, die Bestellungen an Landtechnik, Saatgut, Bewässerungstechnik oder Agrochemie nach sich ziehen können. Unter anderem finanzieren die Weltbank und die EU den Bau von Bewässerungsanlagen im Reisanbau. Reis ist das wichtigste Grundnahrungsmittel und muss bislang in großen Mengen importiert werden. Exportfarmen für Früchte und Gemüse sind Radville (Mangos, Chillies, Babymais), Gambia Horticultural Enterprises (GHE, Mangos) und Tropinga (getrocknete Mangos). Diese Firmen benötigen regelmäßig hochwertige Importgüter und bieten sich auch für Kooperationen bei Ausbildungsprojekten an.

Bergbau: Mineralsande werden vorerst nicht abgebaut

Bergbauaktivitäten auf kommerzieller Ebene gibt es derzeit nicht. Daher ist kurzfristig auch nicht mit Geschäftschancen wie der Zulieferung von Technik zu rechnen. Gleichwohl gibt es Bodenschätze in Gambia, die den Abbau möglich machen. Im Jahr 2005 ist ein australisch-chinesisches Joint Venture in Batukunku, Kartung und Sanyang auf Mineralsande an den Stränden südlich von Banjul gestoßen. Hierbei handelt es sich um Ilmenit, Zirkon und Rutil. Eine beantragte Abbaulizenz hat das Unternehmen nie erhalten. Unter anderem gab es Proteste seitens der Bewohner gegen den Abbau, weil dieser mit dem Tourismus kollidieren würde.

Öl/Gas: Petronas wird Teilhaber an Offshore-Ölfeldern

Es bestehen große Hoffnungen auf erstmalige Ölförderung vor der gambischen Küste. Mehrere Offshore-Blöcke, in denen derzeit ausländische Junior-Explorers bohren, liegen direkt neben dem senegalesischen Sangomar-Ölfeld. Dort waren die Funde in den letzten Jahren vielversprechend und es soll dort bald mit der Produktion begonnen werden. Unter anderem ist die australische FAR mit der malaysischen Petronas eine Partnerschaft eingegangen, in deren Rahmen Petronas 45 Millionen US-Dollar (US$) für das geplante Samo-1-Projekt bereitstellen will und sich damit nach der Explorationsphase die Abbaurechte sichert. FAR hält die Lizenz für die Offshore-Blocks A2 und A5. African Petroleum hielt lange Lizenzen für die Blöcke A1 und A4, die im Jahr 2017 von der neuen Regierung scheinbar nicht verlängert wurden.

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Kaum Geld für dringend benötigte Maßnahmen

Trotz großen Bedarfs tut sich wenig im Umweltbereich. Die in diesem Bereich wichtigen Geber stellen nur vereinzelt Geld und dann vor allem für die ländliche Wasserversorgung bereit. Der Wasserversorger NAWEC hat kein Geld für den Ausbau seines Netzes und muss dringend umstrukturiert werden. Bei Letzterem will die Weltbank aktiv werden, um das Staatsunternehmen für private Partner attraktiver zu machen. Gerade für den schnell wachsenden Großraum Banjul muss dringend das Wasserversorgungsnetz ausgebaut werden. Die Stadt wird bislang über Grundwasser versorgt, weil das Wasser des angrenzenden Gambia-Flusses im Mündungsbereich salzhaltig ist. Mittelfristig könnten Entsalzungsanlagen notwendig werden. Ein Abwassernetz gibt es nicht. Kloaken werden von Lkws abgepumpt und auf der Müllhalde abgelassen.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: 4G breitet sich in Banjul aus

Deutsche Unternehmen sind in diesem, in vielen afrikanischen Ländern dynamischen, Sektor kaum noch aktiv, so auch in Gambia. Die vier Mobilfunknetzbetreiber Africell, Qcell, Comium, und Gamcel (staatlich) investieren immer wieder in neue Technologien. Mohammad Jah, Eigentümer von QCell, investiert gerade in den Ausbau seiner G4-Netze im Großraum Banjul und betreibt darüber hinaus seit einigen Monaten den zweiten Fernsehsender des Landes QTV. Jah ist stark an Kooperationen mit Deutschland insbesondere bei der Ausbildung seines Personals für QTV interessiert. Die marode staatliche Telekom Gamtel soll mit Hilfe von Gebern entschuldet und umstrukturiert werden, um attraktiver für private Partner zu werden.

Nahrungsmittelmarkt: Hoher Nachfragezuwachs erwartet

Der Bedarf an importierten Nahrungsmitteln dürfte in Zukunft steigen. Die Landwirtschaft kann den Nahrungsmittelbedarf bei Weitem nicht decken, weshalb die gesamte Bevölkerung auf importierte Grundnahrungsmittel angewiesen ist. Im Hafen von Banjul kommen jede Woche große Schiffe aus aller Welt an und bringen Fleisch, Getreide, Gemüse, Milchpulver oder andere Nahrungsmittel. Zunehmen dürfte auch die Nachfrage nach hochwertigen beziehungsweise frischen importierten Nahrungsmitteln, da viele internationale Organisationen nach dem politischen Wechsel in Gambia ihre Präsenz deutlich aufstocken möchten. Es dürften daher jede Menge Expats in den nächsten Jahren in das Land kommen. Der Handel wird dominiert von libanesischen Familien. Ausländische Einzelhandelsketten gibt es in Banjul nicht.

Kfz-Markt: Deutsche Gebrauchtwagen dominieren den Markt

Für den Absatz deutscher Neuwagen bietet Gambia nur sehr vereinzelt Absatzchancen. Der Markt verfügt über eine geringe Kaufkraft und ist zudem mit gerade einmal 2,1 Millionen Menschen klein. Mercedes dominiert den gambischen Straßenverkehr. Allerdings handelt es sich nahezu ausschließlich um uralte gebrauchte Taxen oder Kleinbusse. Neuwagen können sich nur die wenigsten leisten. Der Markt ist derart klein, dass bis auf CFAO (Toyota) keiner der größeren Kfz-Distributoren in Gambia präsent ist. Mohammad Jah, der Mercedes in Gambia repräsentiert, berichtet nur von vereinzelten Käufen von Neuwagen durch Botschaften oder reiche Geschäftsleute. Geberorganisationen, Regierung und Militär beschaffen vor allem geländegängige japanische oder koreanische Modelle.

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick--gambia-juni-2018,did=1936140.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Gambia Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Telekommunikationsdienste, Öl, Gas, Abwasserentsorgung, Nahrungsmittel

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