Branchencheck

25.04.2018

Branchencheck - Georgien (April 2018)

Inhalt

Transport, Energie, Hochbau und Ernährungswirtschaft bleiben Investitionsschwerpunkte / Von Uwe Strohbach

Tiflis (GTAI) - Kooperations- und Absatzchancen in Georgien bietet besonders der forciert vorangetriebene Ausbau der Transportinfrastruktur und der Stromwirtschaft. Nicht minder interessant sind die Geschäftsfelder Tourismus und Agroindustrie. Erhebliche internationale Gelder fließen auch in die Modernisierung und den Ausbau der Wasserversorgung und Abwasserwirtschaft.

Maschinenbauindustrie: Neues Waggonbauunternehmen in Sicht

Der Maschinenbau ist in Georgien schwach entwickelt. Die Branche wird auch künftig weitestgehend von Importen bedient. Unter den wenigen fest geplanten Projekten ragt der Bau eines Unternehmens für Waggonbau und die Reparatur von rollendem Material einschließlich von Metrozügen hervor. Hinter dem Vorhaben, das in der georgischen Hauptstadt Tiflis realisiert werden soll, steht der schweizerische Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail AG, Bussnang. Der neue georgische Waggonbauer will seine Produkte und Dienstleistungen künftig auch exportieren.

Energiewirtschaft: Fokus liegt auf Ausbau der Hydroenergetik

Die Stromwirtschaft steht vor einem Investitionsboom. Die jährliche Stromerzeugung soll bis 2020 gegenüber heute von 12 Milliarden auf mindestens 15 Milliarden Kilowattstunden steigen. Etwa 50 Stromerzeugungsprojekte mit einer installierten Leistung von rund 1.600 MW und einem Projektwert von gut 3 Milliarden US-Dollar (US$) befinden sich im Bau, in Projektierung oder in verschiedenen Phasen der Lizenzierung und Erstellung von Gutachten. Das Gros der Vorhaben entfällt auf Wasserkraftwerke. Zur Abdeckung der Nachfragespitzen im Winter ist bis 2020/21 der Bau von zwei konventionellen Kraftwerken geplant. Die Stromübertragungsgesellschaft JSC State Electrosystem will bis 2021 Projekte für 550 Millionen US$ realisieren. Im Focus steht die Anbindung der lokalen Stromerzeuger an das Netz der Anrainerstaaten.

Bauwirtschaft: Milliarden für den Ausbau der Transportwege

Kernelemente des Plans für den Ausbau der Transportinfrastruktur im Zeitraum 2017 bis 2020 sind der Bau von 350 Kilometern Autobahnen, 650 Kilometern Fernstraßen, die erste Bauphase für den Tiefseehafen Anaklia und die weitere Modernisierung der 315 Kilometer langen Bahnmagistrale Tiflis - Batumi/Makhinjauri für insgesamt mehr als drei Milliarden US-Dollar. Dank des boomenden Fremdenverkehrs und der öffentlichen Tourismus-Förderung florieren der Bau neuer Hotels und Herbergen sowie der generelle Ausbau touristisch attraktiver Standorte. Einen Nachholbedarf gibt es vorrangig für gute Drei-Sterne-Hotels. Das Baugewerbe profitiert auch von dem wieder in Gang kommenden Wohnungsbau. Dieser Trend wird nicht zuletzt durch ein größeres Angebot an flexiblen Baufinanzierungen beflügelt.

Gesundheitswirtschaft: Zentren für Notfallmedizin im Aufbau

Anfang 2018 beschloss die Regierung die Errichtung von mehr als 40 Zentren für Notfallmedizin in Städten und Landkreisen. Die ersten Objekte gehen 2018 in Betrieb. Die Georgia Healthcare Group, Hauptakteur im Krankenhaussektor Georgiens, investiert jährlich mehrere Millionen US-Dollar in die Modernisierung und den Ausbau ihrer 37 Krankenhäuser (3.014 Betten) und elf Poliklinik-Cluster (Ärztezentren mit 30 Geschäftsstellen). In den Objekten ist 2018 die Einführung von 50 neuen medizinischen Dienstleistungen geplant. So sollen weitere Fachbereiche für Onkologie, Neurochirurgie und die minimal-invasive Herzchirurgie eingerichtet werden. Das Netz der Ärztezentren wird bis Ende 2019 um bis zu neun Einheiten erweitert.

Landwirtschaft: Agrarsektor bleibt ein Hauptempfänger von Fördergeldern

Der georgische Staat fördert 2018 und 2019 mit mehr als 100 Millionen US$ Projekte in den Sektoren Wein- und Teewirtschaft, Nahrungsmittelsicherheit, Pflanzenschutz, Bodenbewässerung, Gründung von Tierzucht-Kooperativen und Beschaffung/Leasing von Maschinen und Ausrüstungen. Im Frühjahr 2018 startete die dritte Phase des EU-Förderprogramms für die ländliche Entwicklung ENPARD (12 Millionen Euro). Die Gelder fließen in den Ausbau von Kooperativen, die Gründung kleiner Agrar- und Verarbeitungsbetriebe sowie in die Aus- und Weiterbildung der Bauern. Mehrere mit Hilfe des staatlichen Partnerschaftsfonds gegründete Agrarbetriebe sind auf der Suche nach ausländischen Beteiligungen (vorrangig Produktion von Obst und Gemüse).

Bergbau: Manganerzförderer investiert in neue Aufbereitungsanlagen

Der Manganerzförderer und Hersteller von Ferrolegierungen, Georgian Manganese, erneuert seine stark veralteten Anlagen für die Förderung und Aufbereitung von Manganerzen in Chiatura. Eine erste neue Aufbereitungsfabrik für die Verarbeitung von 200 Tonnen Erzen pro Stunde soll Ende 2018 in Betrieb gehen (Projektwert: 22 Millionen US$). Die Projektarbeiten für eine zweite Anlage beginnen nach Angaben des Interim-Geschäftsführers, Nikoloz Chikovani, nach Abschluss des ersten Projekts. Ein Teil des Ausrüstungspark in Chiatura soll in naher Zukunft auch modernisiert werden. Das Unternehmen muss als einer der größten Umweltverschmutzer im Land dringend in umweltfreundliche Technik investieren. Georgian Manganese betreibt sieben Minen, acht Steinbrüche und ein Werk für die Produktion von Ferromangan-Silizium.

Nahrungsmittelindustrie: Staat fördert neue und Ausbauprojekte

Die Verarbeitung agrarischer Produkte insgesamt legte 2017 gegenüber dem Vorjahr um fast neun Prozent auf 2,07 Milliarden US$ zu. Chancen für Ausrüster bieten sich vor allem in den exportorientierten und wachsenden Produktsegmenten Wein, Mineralwasser, Spirituosen, Verarbeitung von Obst, Gemüse und Tee, aber auch in den vorrangig für den inländischen Verbrauch bestimmten Produktgruppen Milch, Fleisch, Back- und Teigwaren. Das Unternehmen Coca Cola Bottlers Georgia plant den Bau einer neuen Fabrik und will vor allem die Sparte Mineralwasser ausbauen. Die Gesellschaft Kula hegt für 2018 Pläne für die Aufnahme der Produktion von Biosäften. Viele Projekte in der Nahrungsmittelproduktion erhalten Zuschüsse aus dem staatlichen Förderprogramm Produce in Georgia.

Textil- und Bekleidungsindustrie: Mehrere Ausbauvorhaben geplant

Die Bekleidungsindustrie produziert jährlich Erzeugnisse für bis zu 70 Millionen US$. Hergestellt werden vorwiegend Erzeugnisse internationaler Marken für den Export. Einige neue Projekte in der Branche sind in Vorbereitung. So will der türkische Jeanshersteller Baykanlar Textil bis Ende 2018 in Ozurgeti eine Fabrik für die Herstellung von Markenjeans errichten. In das Vorhaben sollen insgesamt 15 Millionen US$ fließen. Das rumänische Unternehmen MGMtex, eine Tochter der Schweizer Firma Ottorose, plant in Kooperation mit einem lokalen Partner die Aufnahme der Produktion von Markenbekleidung in Kutaisi. Die Investitionen für die erste und zweite Projektphase betragen mehr als 1,5 Millionen US$. Für die Beschaffung von Ausrüstungen kommt das Unternehmen in den Genuss von Fördermitteln aus dem staatlichen Programm Produce in Georgia.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Montage von Elektrobussen in Tiflis und Batumi geplant

Georgien verfügt bisher über keine eigene Kfz-Industrie. Ausländische Investoren kündigten jedoch ihr Interesse an der lokalen Montage von Elektrobussen an. So unterzeichnete das georgische Unternehmen Fregobus mit Partnern aus Deutschland (Eurobus) und der VR China (ZTE Corporation) Ende 2017 eine Vereinbarung über die Produktion solcher Busse sowie die Herstellung einiger Baugruppen und Kfz-Teile in Georgien. Die Montage der Elektrobusse ist an einem Standort in der Hauptstadtregion vorgesehen. In der Fabrik sollen etwa 150 Mitarbeiter beschäftigt werden. Nach Angaben der Stadtverwaltung von Batumi (autonome Republik Adscharien) sollen in naher Zukunft auch hier in Kooperation mit einem bisher nicht näher benannten chinesischen Partner Stadt- und Kleinelektrobusse montiert werden.

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Bessere Wasserversorgung für 500.000 Einwohner bis 2020 angestrebt

Die Modernisierungs- und Ausbaupläne in den Sektoren Wasser/Abwasser und Abfallmanagement sehen im Zeitraum 2017 bis 2020 eine spürbare Verbesserung der Wasserversorgung für 500.000 Einwohner und die Umsetzung mehrerer regionaler Projekte in der Abfallwirtschaft vor. Gelder der Asiatischen Entwicklungsbank in Höhe von 99 Millionen US$ fließen in Wasser- und Abwasserprojekte in den Städten Marneuli, Bolnisi und Chiatura. In der Hauptstadt Tiflis werden 2017 bis 2020 etwa 80 Millionen US$ in die Wasserversorgung investiert. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung unterstützen die Errichtung neuer Deponien und die Umsetzung anderer Projekte in der Abfallwirtschaft in den Regionen Imeretien und Nierderkartlien mit insgesamt etwa 36 Millionen Euro.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: MagtiCom bleibt Hauptinvestor

Die drei Mobilfunk-Anbieter Georgiens MagtiCom (Telcell Cellular/Telcell Wireless, USA; 2 Millionen Abonnenten), Silknet (1,8 Millionen Abonnenten) und Beeline (VEON, Niederlande; 1,4 Millionen Abonnenten) sind die Hauptinvestoren in der IKT-Branche.

Silknet ist der neue Eigentümer des Geocell-Netzes (bisherige Betreiber: Telia, Schweden und Turkcell, Türkei) und kann damit ebenso wie sein Konkurrent MagtiCom Festnetz, Mobiltelefonie, Internet und Kabel-TV aus einer Hand anbieten. In den Ausbau und die Erneuerung ihrer Mobilfunknetze wollen die drei Gesellschaften 2018 etwa 30 Millionen bis 35 Millionen US$ investieren. Der Marktführer im Mobilfunk Magticom plant zudem weitere Ausbauprojekte in den Sparten Satellitenfernsehen und Fernsehen über das Internet.

Umfassende Informationen zu Geschäftschancen und Rahmenbedingungen in Georgien finden Sie in unserer neuen Gemeinschaftspublikation mit der Deutschen Wirtschaftsvereinigung Georgien „Georgien - Ein Markt mit Zukunft“: http://www.gtai.de/georgien-markt-mit-zukunft

Dieser Artikel ist relevant für:

Georgien Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Schienenfahrzeuge

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