Branchencheck

28.01.2019

Branchencheck - Ghana (Januar 2019)

Inhalt

Trotz durchwachsener Konjunktur bestehen Chancen in vielen Bereichen / Von Carsten Ehlers

Accra (GTAI) - Die Performance von Ghanas Wirtschaft fällt je nach Branche sehr unterschiedlich aus. Von einem Boom ist das Land weit entfernt.

Chemieindustrie: Ghana will Erdgas für eigene Kraftwerke veredeln

Durch den zunehmenden Abbau von Öl und Gas entstehen Verarbeitungsmöglichkeiten im petrochemischen Sektor. Im Jahr 2018 schloss die ghanaische Regierung mit dem russischen Gaslieferanten Rosneft eine Übereinkunft über den Import von Flüssiggas für die Bedienung der neuen Wärmekraftwerke. Im Hafen von Tema soll ein Regasifizierungsterminal entstehen. Des Weiteren werden Investitionen in den Bereichen Körperpflege und Kosmetika durchgeführt. Eine Reihe regional aktiver Hersteller wie Ghandour siedelten sich in Accra an und versorgen den wachsenden Beauty-Markt mit günstigen Produkten.

Energiewirtschaft: ECG soll kommerzialisiert werden

Im Energiesektor ist mit einem deutlichen Zuwachs an Geschäftschancen in den kommenden Jahren zu rechnen. Der Ausbau der Stromnetze genießt politische Priorität. Bei der Stromerzeugung setzt Ghana seit einigen Jahren überwiegend auf thermische Energie. Mit fast 500 Millionen US-Dollar (US$) an Geberhilfe seitens der Millennium Challenge Corporation (MCC) aus den USA soll der Stromsektor entschuldet und neu strukturiert werden. Der nationale Stromversorger Electricity Company of Ghana (ECG) wird in Kürze durch ein Management-Team aus den Philippinen verstärkt.

Weitere Informationen:

Geber wollen Ghanas Stromsektor auf Erfolgskurs bringen, http://www.gtai.de/MKT201812058009

Bauwirtschaft: In Accra deutet sich ein Rückgang privater Aktivitäten an

Die Aussichten im Bausektor werden von den meisten Branchenvertretern zurückhaltend eingestuft. Privates Kapital fließt in den Ausbau der Häfen in Tema und Takoradi sowie in Kraftwerke. Dem Staat hingegen fehlt Geld für Infrastrukturprojekte. Oft finanzieren ausländische Geber einen Großteil der Investitionen. Insbesondere chinesische Baufirmen kamen über derartige Projekte nach Ghana. Relativ viele Aktivitäten finden nach wie vor von privater Seite im Hochbau in Accra statt. Allerdings deuten die derzeitigen hohen Leerstände von Wohnungen, Büros oder Geschäften auf eine Übersättigung hin.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Ghanas Bausektor durchläuft Phase der Konsolidierung, http://www.gtai.de/MKT201712128003

Gesundheitswirtschaft: Chancen beim Vertrieb von Verbrauchsgütern

Nach wie vor bestehen gute Chancen für den Vertrieb von Medizintechnik in Ghana. Die Präsenz von Lieferanten ist insbesondere bei medizinischen Verbrauchsgütern noch schwach ausgeprägt. Mit guter Beratung können hier Marktanteile hinzugewonnen werden. In den letzten Jahren wurden die staatlichen Krankenhauskapazitäten aufgestockt. Für weitere Projekte fehlt derzeit das Geld. Hingegen fließen noch Mittel aus dem Innen- und dem Verteidigungsministerium in neue Polizei- und Militärhospitäler. Der sich auf Accra konzentrierende private Medizinsektor expandiert und beschafft ebenfalls regelmäßig.

Weitere Informationen:

Ghana baut seinen Gesundheitssektor weiter aus,

http://www.gtai.de/MKT201809128003

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Geber beteiligen sich an "Planting for Food and Jobs"

Ghanas Landwirtschaft stagniert seit Jahren trotz steigender Nachfrage nach Nahrungsmitteln. Ausländische Investoren bleiben fern, vor allem aufgrund der unklaren Rechtslage beim Eigentum von Grund und Boden. Geschäftschancen entstehen regelmäßig im Rahmen von Entwicklungshilfeprojekten. An dem von der Regierung initiierten Projekt "Planting for Food and Jobs" beteiligen sich mehrere Geber. In dessen Rahmen werden Saatgut, Dünger und Landtechnik zu subventionierten Preisen an die Farmer vergeben, um die Agrarproduktion zu unterstützen.

Weitere Informationen:

Ghanas Regierung braucht Geld für die Förderung der Landwirtschaft, http://www.gtai.de/MKT201812108000

Bergbau: Einige bestehende Goldminen werden ausgebaut

Nach schwierigen Jahren in Ghanas Goldbergbau nehmen die Aktivitäten seit kurzem wieder zu. In mehreren Minen werden umfangreiche Erweiterungsinvestitionen durchgeführt. Zum Teil beginnen die Minengesellschaften mit dem Abbau unter Tage, um die Lebensdauer ihrer Minen zu erweitern. Größere Ausbauprojekte sind die von der US-amerikanischen Newmont durchgeführte Ahafo Mine Expansion, der Ausbau der Untertageminen Wassa und Prestea seitens Goldstar sowie das "Project Five Million (P5M)" der südafrikanischen Goldfields in seiner Asanko-Goldmine.

Weitere Informationen:

Goldbergbau und Ölproduktion nehmen in Ghana wieder zu, http://www.gtai.de/MKT201812108005

Öl/Gas: Aker Energy wird fündig in Cape Three Points

Die derzeit stark steigende Öl- und Gasproduktion trägt massiv zum Wirtschaftswachstum in Ghana bei. In Tweneboa-Enyenra-Ntomme (TEN) und Sankofa begannen die Konzessionäre Tullow und Eni kürzlich mit der Produktion. Auch das Jubilee-Ölfeld (Tullow) wird erweitert. In die Suche nach neuen Vorkommen kommt ebenfalls Bewegung: Die norwegische Aker Energy erforscht ihre Konzession Deep Water Tano/Cape Three Points (DWT-CTP) und möchte im Jahr 2021 mit der Produktion beginnen. Anfang 2018 hat zudem ExxonMobil eine Explorationslizenz für das Deep Water Cape Three Points (DWCTP)-Ölfeld erhalten.

Weitere Informationen:

Goldbergbau und Ölproduktion nehmen in Ghana wieder zu, http://www.gtai.de/MKT201812108005

Nahrungsmittelindustrie: Investitionen nehmen wieder zu

Nach Angaben von Branchenkennern haben die Aktivitäten in der Nahrungsmittelindustrie wieder zugenommen. Der Getränkeproduzent Kasapreko baut eine neue Fabrik in Kumasi. Coca-Cola, Unilever und Accra Breweries kündigten zuletzt Modernisierungsinvestitionen an. Deutsche Unternehmen verfügen über sehr gute Zuliefermöglichkeiten in dieser Branche. Im Jahr 2017 verkauften deutsche Produzenten Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen im Wert von etwa 18 Millionen Euro nach Ghana. Krones betreibt seit dem Jahr 2018 eine kleinere Niederlassung in Accra.

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Riesiger Bedarf, aber wenig Geld

Der Bedarf an Investitionen in Ghanas Wasser- und Abwassersektor ist riesig. In einer im Jahr 2018 veröffentlichten Untersuchung seitens der Weltgesundheitsorganisation WHO wurde der Investitionsbedarf im Bereich der Wasserversorgung auf etwa 11,5 Milliarden US$ bis 2025 beziffert. Gleichwohl fließen die Mittel eher spärlich. In der Regel hoffen die ghanaischen Behörden auf ein Engagement ausländischer Geber. Insbesondere im rasch wachsenden Großraum Accra-Tema werden umfangreiche Maßnahmen in den Bereichen Trinkwasserversorgung sowie Abfall- und Abwasserentsorgung immer dringender.

Weitere Informationen:

Accras Wasserversorgung stößt bald an ihre Grenzen, http://www.gtai.de/MKT201812058002

Nahrungsmittelmarkt: Der Bedarf an Nahrungsmitteln wächst rasant

Der Bedarf an importierten Nahrungsmitteln dürfte in den kommenden Jahren weiter steigen. In großem Umfang eingeführt werden unter anderem Reis, Weizen, Milchpulver und Hühnerfleisch. Die Zunahme des Bedarfs erklärt sich vor allem durch den hohen Bevölkerungszuwachs von jährlich etwa 600.000 Menschen. Für die immer noch den Einzelhandel dominierenden offenen Märkte muss die Ware haltbar sein. Hingegen werden in den zunehmend in den Städten entstehenden Supermärkten auch Importprodukte mit Kühlbedarf wie Käse, Sahne, Blaubeeren oder Tomaten vertrieben.

Kfz-Markt: Schwache Wirtschaft stärkt den Gebrauchtwagenmarkt

Nissan und Volkswagen wollen in Ghana Kraftfahrzeuge montieren. Dafür unterzeichneten sie im Jahr 2018 Absichtserklärungen mit der ghanaischen Regierung. Die Umsetzung schätzen Experten als ungewiss ein, da die ghanaische Regierung im Gegenzug die Restriktionen für Gebrauchtwagenimporte verschärfen soll. Importierte Gebrauchtwagen dominieren den Absatzmarkt für Kfz und machen auch einen wichtigen Anteil der deutschen Exporte nach Ghana aus. Der Markt für Neuwagen ist daher klein und litt zuletzt unter der schwachen Kaufkraft.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ghana Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Öl, Gas

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