Branchencheck

24.06.2019

Branchencheck - Ghana (Juni 2019)

Inhalt

Der Öl- und Gassektor gewinnt weiter an Gewicht / Von Carsten Ehlers

Accra (GTAI) - In Ghanas Infrastruktursektor und auch in der Konsumsparte sind Produkte und Dienstleistungen gefragt. Gleichwohl leiden viele Bereiche unter einer flauen Konjunktur.

Chemieindustrie: Kosmetikproduktion wird stetig ausgedehnt

In Ghana gibt es in einige Hersteller von chemischen Erzeugnissen. Diese müssen sowohl ihre technischen Anlagen als auch diverse Vorprodukte importieren. Interessante Kunden für chemische Formeln sind die in Accra ansässigen Kosmetikhersteller wie Ghandour, die den lokalen Markt mit preiswerten Artikeln versorgen. Sie dürften in den nächsten Jahren weiter expandieren. Hinzu kommen Aktivitäten im Petrochemiesektor. Die Ghana National Gas Company und Eni verarbeiten seit Kurzem in ihren Anlagen in Atuabo und Sanzule vor der Küste gefördertes Gas.

Energiewirtschaft: Netzausbau wird vorangetrieben

Die Aktivitäten im Energiesektor dürften weiter hoch bleiben. Durch die 500 Millionen US-Dollar (US$), die von der US-Millennium Challenge Corporation (MCC) im Rahmen des Power Compact zur Verfügung gestellt werden, gibt es reichlich Kapital für die Umstrukturierung des staatlichen Stromsektors. Die Teilprivatisierung der nationalen Electricity Company of Ghana (ECG) soll Anreize für Netzinvestitionen schaffen. Großverbraucher wie die Konsumgüterindustrie investieren zusätzlich in eigene Lösungen, zunehmend in Verbindung mit Solarenergie.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Solarstrom für die Eigenversorgung bietet Chancen in Ghana

http://www.gtai.de/MKT201905038011

Hohe Nachfrage nach thermischen Kraftwerken in Ghana kühlt langsam ab

http://www.gtai.de/MKT201904158019

Ghanas Regierung möchte mehr lokale Beteiligung am Energiesektor

http://www.gtai.de/MKT201904158018

Bauwirtschaft: Vor den Wahlen dürfte es Geld für Straßenarbeiten geben

Im Vorfeld der Wahlen rechnen Marktkenner mit einer kurzfristigen Zunahme der staatlichen Ausgaben für bestimmte Bauprojekte. Insbesondere Straßenreparaturen dürften durchgeführt werden. Ansonsten leidet der Sektor seit einigen Jahren unter den leeren Staatskassen. Wenige Großprojekte ragen heraus, wie der Neubau des Containerhafens in Tema, finanziert von einem privaten Betreiberkonsortium. Ansonsten flacht der private Hochbau in Accra ab. Die hohen Leerstandsraten belegen eine Marktübersättigung.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Ghanas Bauwirtschaft steuert auf Flaute zu

http://www.gtai.de/MKT201902088000

Gesundheitswirtschaft: Staat will Projekte in Ashanti-Region fortführen

Insgesamt fallen die Aktivitäten hier niedriger aus als in den Vorjahren. Einige im Jahr 2015 begonnene und aus Geldmangel abgebrochene staatliche Krankenhausprojekte sollen nun fortgeführt werden. Hierzu zählen nach Angaben der zuständigen Behörde Ghana Health Service (GHS) die 120-Betten-Krankenhäuser in Kumawu und Fomena sowie die 60-Betten-Kliniken in Konongo und Bekwai. Alle Vorhaben werden in der Ashanti-Region um die Stadt Kumasi durchgeführt. Das neue Militärkrankenhaus in Afari (ebenfalls Ashanti-Region) ist nahezu fertiggestellt.

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Mehrere Projekte im Agro-Processing

Die Regierung fördert die Entwicklung im Bereich Agro-Processing. Derzeit investieren die lokalen Unternehmen Premium Foods und Yedent Agro Group in Maisverarbeitungsanlagen in Kumasi und Sunyani. Hingegen gibt es wenige größere Investitionen in neue Farmen. Geschäftschancen entstehen regelmäßig im Rahmen von Vorhaben der Entwicklungszusammenarbeit. An dem von der Regierung initiierten Projekt "Planting for Food and Jobs" beteiligen sich mehrere Geber. Hier werden Saatgut, Dünger und Landtechnik zu subventionierten Preisen an die Farmer abgegeben.

Bergbau: Wiedereröffnung der Obuasi-Goldmine

Die Minengesellschaften beschaffen wieder mehr Gerät, nachdem es in den vergangenen Jahren ruhig war im Goldbergbau. Der Goldpreis pendelt seit etwa 2014 zwischen 1.200 und 1.300 US$ je Feinunze. Einige Minen verlagern ihren Abbau "unter Tage" wie in der Ahafo-Mine von Newmont. Weitere größere Projekte sind der Ausbau der Untertageminen Wassa und Prestea seitens Goldstar, die Anfang 2019 angekündigte Wiedereröffnung der Obuasi-Mine von Anglogold Ashanti sowie das "Project Five Million (P5M)" der südafrikanischen Goldfields in seiner Asanko-Goldmine.

Öl/Gas: Eni findet neues Gasvorkommen

Immer neue Funde von Öl- und Gasvorkommen vor der ghanaischen Atlantikküste dürften dafür sorgen, dass der Sektor in den kommenden Jahren deutlich wächst. Die technischen Ausrüstungen müssen komplett importiert werden. Im Mai 2019 meldete Eni neue Gasfunde in seiner Konzession CTP-Block 4. Im Jahr 2018 gab die norwegische Aker Energy signifikante Ölfunde in ihrer Konzession Deep Water Tano Cape Three Points (DWT-CTP) bekannt. Aker möchte im Jahr 2021 mit der Produktion beginnen.

Nahrungsmittelindustrie: Wertverfall des Cedi verteuert Investitionen

Insbesondere größere Nahrungsmittelhersteller planen für die Jahre 2020 und 2021 Erweiterungsinvestitionen. Kleinere Produzenten hingegen haben finanzielle Probleme und investieren nicht. Sie leiden unter dem Wertverlust des Ghana-Cedi im Vergleich zum Euro. Die deutschen Nahrungsmittelmaschinenexporte nach Ghana erreichten im Jahr 2018 einen Umfang von 7,3 Millionen Euro. Dies ist der niedrigste Wert seit vielen Jahren. Mittelfristig bestehen gute Perspektiven: Produkte wie Softdrinks, Backwaren und Süßwaren lassen sich Ghana sehr gut verkaufen.

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Fokus liegt auf Wasserversorgung in Accra

Die Umweltprobleme insbesondere entlang der dichtbesiedelten Küste nehmen drastisch zu. Die Ursachen liegen im steigenden Wasserbedarf sowie in der Verschmutzung durch Abfall (insbesondere Plastik) und Abwasser. Geschäftsmöglichkeiten bestehen aufgrund der Unterfinanzierung der staatlichen Umweltsektoren allerdings nur in begrenztem Maße. Investitionen konzentrieren sich vor allem auf die Wasserversorgung. Im Großraum Accra muss Ghana Water in den kommenden Jahren seine Netze ausbauen und die Wasseraufbereitungskapazität erweitern. Häufig übernehmen Geberorganisationen die Finanzierung.

Nahrungsmittelmarkt: Bedarf an Grundnahrungsmitteln steigt weiter

Solange es keine massive Ausdehnung der landwirtschaftlichen Produktion in Ghana gibt, wird der Bedarf an importierten Nahrungsmitteln drastisch ansteigen. Die jedes Jahr um etwa 600.000 Menschen zunehmende Bevölkerung fragt insbesondere importiertes Fleisch, Getreide und Milchpulver nach, beziehungsweise daraus gefertigte Endprodukte. Vielfach findet die Verarbeitung inzwischen lokal statt. Hochpreisige Lebensmittel wie Käse, Wein, Gemüse oder Wurstwaren haben Verkaufschancen in den Supermärkten, die überwiegend in Accra eröffnet haben. Gleichwohl stagnierte dieser Markt zuletzt.

Kfz-Markt: Weiter Ernüchterung auf dem Markt für Neuwagen

Der Markt für Neuwagen in Ghana bleibt klein und musste zuletzt einen deutlichen Rückgang der Verkaufszahlen beklagen. Wurden in den wirtschaftlich guten Jahren bis zu 14.000 neue Fahrzeuge verkauft, erreichte der Absatz zuletzt weniger als die Hälfte davon. Bei Pkw wird der Markt ohnehin dominiert von asiatischen Modellen, allen voran Toyota, Kia und Nissan. Deutsche Kraftwagen sind für den Großteil der Kunden sowohl bei der Beschaffung als auch bei der Instandhaltung zu teuer. Zuletzt meldeten Nissan und Volkswagen, dass sie eine Montage in Ghana erwägen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Ghana finden Sie unter http://www.gtai.de/ghana

Dieser Artikel ist relevant für:

Ghana Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Öl, Gas

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