Branchencheck

21.12.2018

Branchencheck - Griechenland (Dezember 2018)

Inhalt

Energie- und Gasbranche im Fokus der Investoren / Von Michaela Elena Balis

Athen (GTAI) - In Griechenland wurden zuletzt mehrere Infrastruktur- und Energieprojekte angestoßen. Investoren interessieren sich für den Tourismus- , den Erdölverarbeitungs- und Gesundheitssektor.

Chemieindustrie: Mehrheitsanteil am griechischen Erdölunternehmen vor dem Verkauf

Das staatliche griechische Erdölunternehmen Hellenic Petroleum steht zum Verkauf. Bis Ende Januar 2019 können Interessenten ihre Angebote für den Erwerb des Mehrheitsanteils von 50,1 Prozent abgeben. Es wird erwartet, dass sich die internationale Rohstoff-Gesellschaft Glencore Energy mit Sitz in der Schweiz und das internationale Rohstoff-Handelshaus Vitol Holding aus den Niederlanden beteiligen. Der Staatliche Verwertungsfonds für das öffentliche Privatvermögen veräußert seinen Anteil von 20 Prozent; die Gesellschaft Paneuropean Oil and Industrial Holding mit Sitz in Luxemburg verkauft ihren Anteil von 30,1 Prozent.

Energiewirtschaft: Neue Ausschreibungsrunde für EE-Projekte

Griechenland will den Anteil erneuerbarer Energien (EE) an der Stromerzeugung bis 2030 auf 60 Prozent ausbauen (Stand 2017: 27 Prozent). Das geht aus einem Entwurf zum griechischen Energie- und Klimaplan bis 2030 hervor. Das Interesse an EE ist groß: Bei der letzten Ausschreibungsrunde (insgesamt 423 Megawatt) im Dezember 2018 gab es so viele Teilnehmer, dass im Vergleich zu einer vorherigen Ausschreibung im Juli deutlich niedrigere Durchschnittspreise erzielt wurden. Über 80 Prozent der 245 Anträge betrafen Fotovoltaikanlagen bis 1 Megawatt. Die Ausschreibung für Solaranlagen zwischen 1 und 20 Megawatt annullierte die Energieregulierungsbehörde RAE allerdings wegen einer zu geringen Beteiligung. Die Kapazitäten in dieser Kategorie werden 2019 erneut ausgeschrieben.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Ausschreibungen beleben Griechenlands Solarenergiebranche, https://www.gtai.de/MKT201810238001

Bauwirtschaft: Neue Hotels kurbeln Bauwirtschaft an

Athen gewinnt stetig an Bedeutung für die Hotelbranche. Bis Mitte Dezember 2018 liefen drei Ausschreibungen für den Umbau zwei älterer Hotels und eines weiteren historischen Gebäudes zu Luxushotels. Die Immobilien gehören griechischen Krankenkassen. Das griechische Immobilienunternehmen Dimand Real Estate und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung investieren gemeinsam als Joint Venture rund 18 Millionen Euro in den Umbau eines weiteren Hotels in Athen. Dank des Tourismusbooms werden griechenlandweit immer mehr Hotels modernisiert oder von internationalen Hotelketten und anderen Investoren übernommen.

Weitere Informationen:

Athener Hotels werden modernisiert, http://www.gtai.de/MKT201810128011

Gesundheitswirtschaft: Luxemburger Fonds kauft griechische Krankenhäuser

Der Fonds CVC Capital Partners mit Sitz in Luxemburg kauft sich weiter in Griechenlands privaten Krankenhaussektor ein. Im Mai 2018 erwarb er über seine Zweckgesellschaft Hellenic Healthcare 84,09 Prozent am Aktienkapital der Krankenhausgruppe Hygeia Hospital. Zum Klinikkonzern gehören ferner die Geburtskliniken Mitera und Leto. CVC Capital Partners hält über Hellenic Healthcare bereits 97,2 Prozent des Krankenhausbetreibers Iaso General und ist im Besitz des Unternehmens Metropolitan. Griechische Privatkliniken sind zum Teil hochverschuldet. Internationale Fonds kaufen sie auf, um sie im sanierten Zustand weiterzuverkaufen.

Öl/Gas: Griechisch-bulgarische Pipeline soll bis 2021 Betrieb aufnehmen

Elf Konsortien äußerten im September 2018 ihr Interesse am Bau der Pipeline Interconnector Greece-Bulgaria, darunter die griechische Baugesellschaft Terna gemeinsam mit dem deutschen Bauunternehmen Max Streicher. Geplante Fertigstellung der 182 Kilometer langen Pipeline ist das Jahr 2021. Eine weitere Erdgasleitung, die EastMed, steht ebenfalls kurz vor dem Baubeginn. Sie wird Erdgas aus dem östlichen Mittemeer nach Griechenland (Festland) über Zypern und Kreta befördern. Die Trans-Adria-Pipeline, die zu 80 Prozent fertiggestellt ist, wird in der griechischen Grenzstadt Kipoi mit der türkischen TANAP-Pipeline verbunden und soll ab 2020 Erdgas vom Kaspischen Meer nach Südeuropa transportieren. In der griechischen Hafenstadt Alexandroupoli sollen eine schwimmende Verdampfungsanlage, ein Erdgasspeicher und ein Erdgasleitungsnetz entstehen.

Metallindustrie: Mytilinaios weitet Produktion aus

Zwei große Konzerne beherrschen die Metallindustrie in Griechenland: das Unternehmen Viohalco mit Sitz in Belgien und der Mischkonzern Mytilinaios. Mytilinaios erwarb im Oktober 2018 das griechische Metallverarbeitungsunternehmen EPALME für 20 Millionen Euro. Darüber hinaus gibt das Unternehmen weitere 20 Millionen Euro für den Ausbau der Produktionslinie für Aluminiumplatten aus. Mytilinaios strebt an, seine Fertigung um 30 Prozent auszubauen.

Umwelttechnik: Grünes Licht für zwei Abfallverarbeitungsanlagen

Lange musste Griechenland auf integrierte Abfallverarbeitungsanlagen warten. Inzwischen sind einige bereits in Betrieb, zum Beispiel die Anlage in Westmakedonien. Zwei Nachzügler, die Projekte in Elis und auf dem Peloponnes, sollen jetzt rasch als öffentlich-private Partnerschaften umgesetzt werden. Das griechische Konsortium J&P Avax-Mesogeios-Aagis wird Anfang 2019 mit dem Bau der Anlage in Elis beginnen. Träger des rund 33 Millionen Euro teuren Projekts ist die Gemeinde von Ilida. Im Juni 2018 wurde auch der Vertrag für eine Abfallverarbeitungsanlage auf dem Peloponnes unterzeichnet. Das Investitionsvolumen liegt bei 168 Millionen Euro. Auftragnehmer ist das griechische Bauunternehmen Terna.

Elektroindustrie: Aufträge für Unterseekabel vergeben

Griechenland arbeitet an der Anbindung seiner Inseln an das kontinentale Stromnetz. Damit sollen unter anderem die Kosten, die durch die erdölbetriebenen Kraftwerke entstehen, gesenkt werden. Die Anbindung Kretas an das Stromnetz ist Teil dieses Projekts. Die griechischen Kabelproduzenten Fulgor und Hellenic Cables (gehört zum Metallindustriekonzern Viohalco) sowie der italienische Kabelhersteller Prysmian Powerlink werden die Unterseekabel- und Glasfaserverbindungen zwischen Kreta und dem Peloponnes übernehmen. Das griechische Bau- und Energieunternehmen Terna erhielt den Zuschlag für den Ausbau des Umspannwerkes auf Kreta. Das 325,7 Millionen Euro teure Projekt soll bis 2020 fertiggestellt sein.

Kfz-Markt: Kräftiges Wachstum für 2019 erwartet

Der griechische Kfz-Markt soll im Jahr 2019 um mehr als 20 Prozent wachsen. Vor allem die Nachfrage nach Firmenwagen steigt derzeit kräftig. Autovermietungsunternehmen müssen rund alle drei Jahre ihre Flotte erneuern. Der Tourismusboom setzt die Anbieter unter Druck, neue Fahrzeuge zu kaufen. In den ersten zehn Monaten 2018 wurden rund 20 Prozent mehr neue Pkw als in der Vorjahresperiode registriert. Trotzdem ist der Markt immer noch rund 60 Prozent unter dem Niveau der Vorkrisenzeit im Jahr 2009. Am ehesten gefragt sind kleine Pkw mit einem Hubraum bis 1.200 Kubikzentimeter.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Griechenland sind unter http://www.gtai.de/griechenland abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Griechenland Elektrotechnik/Elektronik allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Öl, Gas

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