Branchencheck

19.12.2018

Branchencheck - Iran (Dezember 2018)

Inhalt

US-Sanktionen verursachen Niedergang auf breiter Front / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - Die vermutlich mehrjährige Rezessionsphase wird kaum eine Branche aussparen. Ein Großteil der in den letzten drei Jahren diskutierten Entwicklungspläne ist jetzt nur noch Makulatur.

Maschinenbauindustrie: Lokale Hersteller jetzt wieder im Vorteil

In der Sanktionsphase vor 2016 konnte der lokale Maschinenbau seinen Marktanteil angesichts des beschränkten ausländischen Angebots ausbauen. Gleichzeitig schrumpfte aber die Maschinennachfrage insgesamt. Mit einer ähnlichen Entwicklung ist nun wieder zu rechnen. Die Rezession wird zu einem spürbaren Rückgang der Investitionen in Maschinen und Anlagen führen. Viele ausländische Maschinenbauer haben aufgrund der US-Sanktionen und/oder angesichts des Nachfragerückgangs ihre Iran-Aktivitäten zurückgefahren. Nach mehrjähriger Talfahrt hatten sich die Ausrüstungsinvestitionen 2016/17 und 2017/18 wieder etwas erholt.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Irans Maschinenbaumarkt setzt stärker auf Lieferungen aus Europa

http://www.gtai.de/MKT201703138016

Chemieindustrie: Expansionspläne mit großen Fragezeichen

Nach Lockerung der Sanktionen gehörte Irans petrochemische Industrie zu den Branchen, die bei westlichen Unternehmen auf großes Interesse stießen. Innerhalb von zehn Jahren sollten sich die Produktionskapazitäten auf 180 Millionen Tonnen verdreifachen. Als Reaktion auf die US-Sanktionen haben die meisten westlichen Firmen Pläne für Beteiligungen an den zahlreichen Projekten auf Eis gelegt. Für 2018/19 wird ein Kapazitätsanstieg um 8,1 Millionen auf 72,3 Millionen Tonnen angestrebt, davon entfallen 4 Millionen Tonnen auf Methanol. Die Einhaltung der Zeitplanung erscheint allerdings fraglich.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Irans chemische Industrie in schwierigem Fahrwasser

https://www.gtai.de/MKT201810308005

Iran: Chemische Industrie benötigt Auslandskapital

https://www.gtai.de/MKT201805088002

Iran baut seine chemische Industrie aus

http://www.gtai.de/MKT201705238011

Energiewirtschaft: Kapazitäten werden kontinuierlich ausgebaut

Zu den Spitzenlastzeiten im Sommer gerät Irans Stromnetz regelmäßig an seine Leistungsgrenzen. Um Stromausfälle zu vermeiden, sind hohe Investitionen in neue Kraftwerke und den Netzausbau erforderlich. In den ersten acht Monaten 2018/19 gingen neue Kraftwerke mit 1,1 Gigawatt ans Netz. Insgesamt ist 2018/19 die Inbetriebnahme von Anlagen mit 3,5 Gigawatt geplant, davon sollen 0,5 Gigawatt auf erneuerbare Energien entfallen. Die Regierungsplanung sieht bis 2025 eine Steigerung der installierten Kraftwerkskapazitäten von aktuell 80 auf über 120 Gigawatt vor. Der Rückzug westlicher Partner dürfte den Ausbau deutlich verzögern.

Weitere Informationen:

Zukunft der Erneuerbaren Energien in Iran ungewiss

http://www.gtai.de/MKT201808218008

Iran baut Kraftwerkskapazitäten weiter aus

http://www.gtai.de/MKT201806298006

Irans Stromwirtschaft erwartet hohe Investitionen

https://www.gtai.de/MKT201706308003

Bauwirtschaft: Belebung vorerst nicht zu erwarten

Nach einer fünfjährigen Rezession mit einer realen Schrumpfung um insgesamt 38 Prozent konnte der Bausektor 2017/18 ein Plus von 1 Prozent verbuchen. Im 1. Quartal 2018/19 stagnierte die Branche. Die im vergangenen Jahr im Wohnungsbau zu verzeichnende leichte Belebung hat sich nicht fortgesetzt. Ein nachhaltiger Aufschwung in der Baubranche wäre bei Realisierung der vielen, nun fraglichen beziehungsweise gestoppten Infrastruktur- und Industrieprojekte möglich. Dazu gehören die Erweiterung des Schienennetzes, der Flughafen- und Hafenbau sowie Großprojekte in der Petrochemie und der Metallindustrie.

Weitere Informationen:

Branchenanalyse: Irans Bauwirtschaft steht vor ungewisser Zukunft

http://www.gtai.de/MKT201811088003

Irans Zementindustrie kämpft mit schwacher Nachfrage

http://www.gtai.de/MKT201807138003

Irans Neue Städte wachsen nur langsam

https://www.gtai.de/MKT201805178003

Gesundheitswirtschaft: Investoren für Krankenhäuser gesucht

Obwohl der Gesundheitssektor von den US-Sanktionen direkt nicht erfasst ist, dürfte jetzt das erhoffte große Engagement westlicher Investoren ausbleiben. Viele der mit europäischen, südkoreanischen und japanischen Firmen unterzeichneten Absichtserklärungen und Vorverträge über Investitionen in Krankenhäuser und Behandlungszentren dürften derzeit kaum Chancen auf Realisierung haben. Die Planungen für den Krankenhaussektor sehen eine Steigerung der Kapazitäten von derzeit etwa zwei auf drei Betten pro 1.000 Einwohner vor. Dies würde eine Erhöhung der Bettenkapazitäten auf über 250.000 erfordern.

Weitere Informationen:

Irans Gesundheitssektor bietet weiterhin Chancen

https://www.gtai.de/MKT201806298007

Branche kompakt: Irans Medizintechnikmarkt expandiert

https://www.gtai.de/MKT201801158005

Exportschlager Gesundheitswirtschaft - Weltweite Wachstumsmärkte Pharma, Medizin und Labortechnik

http://www.gtai.de/PUB201612068000

Öl/Gas: Schwerer Rückschlag für Öl- und Gasprojekte

Die US-Sanktionen verhindern die Realisierung der meisten mit ausländischen Firmen geplanten etwa 50 Öl- und Gasprojekte. Das einzige mit einem westlichen Unternehmen bereits vereinbarte Großprojekt war die Entwicklung eines Gasfeldes unter Führung von Frankreichs Total. Da die US-Administration keine Ausnahmegenehmigung erteilt hat, ist Total aus dem Projekt ausgestiegen. Ob das Vorhaben nun mit chinesischer Hilfe umgesetzt werden kann, ist noch nicht geklärt. Irans Ölförderung könnte in der zweiten Hälfte 2019 auf weit unter 3 Millionen barrel per day sinken, fast 4 Millionen barrel per day waren es im Frühjahr 2018.

Weitere Informationen:

Wirtschaftslage in Iran immer schwieriger

http://www.gtai.de/MKT201811198010

Irans Gasproduktion expandiert kräftig

http://www.gtai.de/MKT201708078008

Irans Öl- und Gasprojekte verzögern sich weiter

http://www.gtai.de/MKT201703308007

Nahrungsmittelindustrie: Kaufkraftverlust lässt Nachfrage sinken

Die Auswirkungen der US-Sanktionen sind auch auf dem iranischen Nahrungsmittelmarkt zu spüren. Die rasante Inflation und die weitere Verschlechterung der Arbeitsmarktlage haben die Kaufkraft deutlich gesenkt und zu einer Abschwächung der Lebensmittelnachfrage geführt. Trotz deutlich angehobener Preise ist die Ertragslage vieler Hersteller zunehmend kritisch. Die Branche versucht, den Export auszuweiten. Dazu wären aber Investitionen zur Verbesserung der Produkt- und Verpackungsqualität erforderlich. Mit dem erhofften verstärkten Engagement europäischer Investoren ist jetzt nicht zu rechnen.

Weitere Informationen:

Irans Lebensmittelindustrie droht Absatzrückgang

https://www.gtai.de/MKT201807118007

Irans Nahrungsmittelindustrie bietet Chancen

https://www.gtai.de/MKT201701278008

Metallindustrie: Entwicklungsplanung kaum noch realistisch

Dem Industrieministerium zufolge stieg im 1. Halbjahr 2018/19 die Stahlerzeugung um 10 Prozent auf 11,2 Millionen Tonnen. Die Kathodenkupferproduktion expandierte um 70 Prozent auf 115.200 Tonnen, der Aluminiumausstoß um 5 Prozent auf 184.000 Tonnen. Die US-Sanktionen verhindern nun das notwendige Engagement westlicher Unternehmen beim Ausbau der Metallindustrie. Iran möchte die Kapazitäten des Stahlsektors bis 2025 von derzeit 30 Millionen auf 55 Millionen Tonnen erweitern. Für Aluminium liegt die Zielmarke bei 1,5 Millionen Tonnen, die Kupferproduktion soll 0,8 Millionen Tonnen erreichen.

Weitere Informationen:

Irans Metallindustrie muss neu planen

https://www.gtai.de/MKT201807118002

Irans Stahlindustrie blickt nach vorn

http://www.gtai.de/MKT201707118007

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Produktion ist eingebrochen

Die Pläne zur Modernisierung der Kfz-Industrie in Zusammenarbeit mit europäischen Automobilherstellern liegen jetzt auf Eis. Neben der chronisch schwierigen Finanzlage leiden die beiden großen iranischen Autobauer, Iran Khodro und Saipa, nun unter ausbleibenden Zulieferungen aus dem Ausland zur Fertigung der aktuellen, völlig überalterten Modellpalette. Irans Pkw-Fertigung erhöhte sich 2017/18 auf 1,44 Millionen Fahrzeuge. Die Produktionseinbrüche der letzten Monate waren dramatisch: Der Pkw-Ausstoß sank im Juli 2018 auf 93.000 Einheiten (Juli 2017: 121.000), im September waren es nur noch 55.000.

Weitere Informationen:

Irans Kfz-Industrie unter US-Sanktionen

https://www.gtai.de/MKT201806228008

Irans Kfz-Ausstoß erreicht neuen Spitzenwert

http://www.gtai.de/MKT201712158009

Branche kompakt: Irans Kfz-Industrie auf Modernisierungskurs

http://www.gtai.de/MKT201705228000

Sonstiger Fahrzeugbau: Westliche Partner sind ausgestiegen

Die angestrebte Modernisierung und starke Erweiterung der Schienennah- und Fernverkehrsnetze erfordert hohe Beschaffungen von rollendem Material, das möglichst lokal produziert werden soll. Die mit westlichen Partnern geplanten Projekte zur lokalen Fertigung von Schienenfahrzeugen werden vorerst nicht weiter verfolgt. Betroffen sind unter anderem die Produktion von Siemens-Lokomotiven in Zusammenarbeit mit Mapna, Irans führendem Maschinenbauer. Alstom, Siemens und Stadler Rail (Schweiz) beabsichtigten, Metrowaggons zu bauen. China und Russland wollen offensichtlich an ihren Kooperationen festhalten.

Weitere Informationen:

Iran setzt im Nah- und Regionalverkehr auf Schiene

http://www.gtai.de/MKT201711098004

Iran will Schienennetz stark erweitern und modernisieren

http://www.gtai.de/MKT201711098003

Umwelttechnik (Wasser): Starker Ausbau der Klärwerkskapazitäten

Nach offiziellen Angaben haben sich die Klärwerkskapazitäten zwischen August 2017 und August 2018 durch Fertigstellung von 23 Projekten um 149 Prozent auf 10,4 Millionen Kubikmeter/Tag erhöht. Es sollen nun 195 Kläranlagen in Betrieb sein. Die Planung bis 2025 sieht in den Städten eine Erhöhung des Anteils der an ein zentrales Abwassernetz angeschlossenen Haushalte auf 60 Prozent vor und 30 Prozent werden auf dem Land angestrebt, Ende 2017 waren es 48 beziehungsweise 0,5 Prozent. In Teheran soll die Menge des recycelten Abwassers bis 2023 um 50 Prozent auf jährlich 750 Millionen Kubikmeter steigen.

Weitere Informationen:

Irans Wasserwirtschaft muss investieren

http://www.gtai.de/MKT201801298010

Iran zeigt großes Interesse an Projekten mit deutschen Firmen im Wassersektor

http://www.gtai.de/MKT201703078005

Dieser Artikel ist relevant für:

Iran Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Schienenfahrzeuge, Öl, Gas

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