Branchencheck

18.06.2018

Branchencheck - Iran (Juni 2018)

Inhalt

US-Sanktionen bringen Wirtschaft auf Talfahrt / Von Robert Espey

Teheran (GTAI) - Auswirkungen der reaktivierten US-Sanktionen werden sich in fast allen Branchen negativ bemerkbar machen. Besonders die großen Industriesektoren sind betroffen. Die Öl- und Gasförderung sowie die Petrochemie müssen nun ohne großes europäisches Engagement auskommen. Der Rückzug der französischen Autobauer macht eine Neuorientierung des Kfz-Sektors notwendig, vermutlich Richtung China. Irans Metallherstellern droht ein Exportrückgang. Auch der geplante Ausbau der Infrastruktur wird stocken.

Maschinenbauindustrie: Sanktionen könnten lokale Hersteller stärken

Die geplante Modernisierung der großen iranischen Maschinenbauindustrie in Zusammenarbeit mit westlichen Partnern hatte nach der Anfang 2016 erfolgten Sanktionslockerung zumindest langsame Fortschritte gemacht. Jetzt werden begonnene Kooperationen gecancelt und es dürfte nur wenige neue geben. Wie in der Sanktionsphase vor 2016 wird der lokale Maschinenbau nun seinen Marktanteil angesichts des beschränkten ausländischen Angebots wieder ausbauen können. Allerdings könnte die Maschinennachfrage aufgrund der sich wieder verschlechternden Wirtschaftslage erneut zurückgehen. Nach einer mehrjährigen Talfahrt hatten sich die Ausrüstungsinvestitionen 2016/17 (iranisches Jahr: 21.3 bis 20.3.) und 2017/18 real um 1,8 beziehungsweise 3 Prozent (Schätzung) erhöht. Diese Zuwächse wurden vor allem durch den Nachholbedarf bei ausländischen Maschinen verursacht.

Weitere Informationen:

Irans Maschinenbaumarkt setzt stärker auf Lieferungen aus Europa

http://www.gtai.de/MKT201703138016

Chemieindustrie: Viele geplante Projekte auf Eis

Für Irans petrochemische Industrie bedeuten die nun weitgehend ausbleibenden europäischen Investitionen sowie die Behinderungen beim Petrochemie-Export einen schweren Rückschlag. In die Planung von Petrochemie-Projekten hatten ausländische Firmen viel Geld und Zeit investiert. Jetzt liegen die meisten Vorhaben auf Eis. Nach iranischen Angaben werden für 63 begonnene Projekte, die bereits zu 60 bis 90 Prozent fertiggestellt sind, insgesamt 25 Milliarden US-Dollar (US$) benötigt, für weitere 42 neue Projekte 58 Milliarden US$. Aktuell liegt die Produktionskapazität der 57 petrochemischen Komplexe bei 62 Millionen Tonnen. Der Ausstoß erreichte 2017/18 rund 54 Millionen Tonnen, davon wurden 22 Millionen Tonnen exportiert. Die Kapazität soll sich bis 2022 verdoppeln, für 2025 werden 180 Millionen Tonnen angestrebt. Diese Ziele erscheinen nun völlig unerreichbar.

Weitere Informationen:

Iran Chemische Industrie benötigt Auslandskapital

https://www.gtai.de/MKT201805088002

Chemische Industrie profitiert von langsamer Erholung der iranischen Wirtschaft

http://www.gtai.de/MKT201711298005

Iran baut seine chemische Industrie aus

http://www.gtai.de/MKT201705238011

Energiewirtschaft: Starker Kapazitätsausbau geplant

Der Stromverbrauch zeigt weiterhin kontinuierliches Wachstum. Prognosen erwarten für 2018 eine Erhöhung der in den heißen Sommermonaten erreichten Spitzenlast auf 58 GW (2017: 55,4 GW, 2016: 53,2 GW). Aktuell verfügt Iran über 80 GW installierte Kraftwerkskapazitäten, davon entfallen 67 GW auf Gas- und Ölkraftwerke, auf Wasserkraft 11,5 GW, auf die Atomanlage in Bushehr 1 GW und auf erneuerbare Energien 0,5 GW. Bis 2025 ist eine Erweiterung der Kapazitäten auf 120 GW geplant. Das Energieministerium erklärte im Februar 2018, mit ausländischen Investoren seien Kraftwerksprojekte in Höhe von 12,3 Milliarden US$ vereinbart worden. Darunter sollen Solarprojekte mit einer Gesamtkapazität von 2 GW für 2,5 Milliarden US$ sein. Beobachter gehen davon aus, dass ein Großteil der mit ausländischer Beteiligung geplanten Projekte vorerst nicht umgesetzt wird.

Weitere Informationen:

Irans Stromwirtschaft erwartet hohe Investitionen

https://www.gtai.de/MKT201706308003

Attraktive Einspeisevergütung soll Unternehmen in Irans Solarsektor locken

http://www.gtai.de/MKT201704128001

Windenergie in Iran mit neuem Schwung

http://www.gtai.de/MKT201703178000

Bauwirtschaft: Leichte Belebung, weitere Entwicklung ungewiss

Nach einer fünfjährigen Rezession mit einer realen Schrumpfung um insgesamt 38 Prozent konnte der Bausektor 2017/18 ein Plus von geschätzten 5 Prozent verbuchen. Im laufenden Jahr 2018/19 scheint die Baubranche Impulse durch eine Belebung der Wohnungsbauaktivitäten zu bekommen. Hintergrund sind der starke Wertverlust der lokalen Währung und die unsichere weitere Wirtschaftsentwicklung. Dadurch werden Anlagen in Immobilien wieder attraktiver. In einigen Teheraner Bezirken zeigen die Immobilienpreise derzeit einen starken Aufwärtstrend. Ein nachhaltiger Aufschwung in der Baubranche wäre aber nur bei Realisierung der vielen, nun sehr fraglichen Infrastruktur- und Industrieprojekte möglich. Dazu gehören unter anderem die Erweiterung des Schienennetzes, der Flughafen- und Hafenbau sowie Großprojekte in der Petrochemie und der Metallindustrie.

Weitere Informationen:

Irans neue Städte wachsen nur langsam

https://www.gtai.de/MKT201805178003

Irans Flughafensektor soll stark expandieren

https://www.gtai.de/MKT201804248001

Irans Bauwirtschaft hofft auf Ende der Rezession

https://www.gtai.de/MKT201801038001

Gesundheitswirtschaft: Starker Ausbau geplant, Finanzierung offen

Die Planungen für den Krankenhaussektor sehen eine Steigerung der Kapazitäten von derzeit etwa zwei auf drei Betten pro 1.000 Einwohner vor. Nach jüngsten Angaben der Statistikbehörde verfügte Iran Ende 2016/2017 (März 2017) in 954 Hospitälern über rund 157.500 Betten. Schätzungen zufolge besteht aber bei der Hälfte der registrierten Betten erheblicher Modernisierungsbedarf, über 30.000 Betten sollen faktisch nicht mehr nutzbar sein. Aktuell entfallen etwa 90 Prozent der Bettenkapazitäten auf staatliche/öffentliche Einrichtungen. Die mittelfristig angestrebte Betten-Einwohner-Relation würde eine Erhöhung der Bettenkapazitäten auf über 250.000 erfordern. Das gewünschte große Engagement europäischer Investoren dürfte aber ausbleiben. Im Dezember 2017 hat China eine 2 Milliarden US$ Finanzierung für fünf Krankenhäuser mit insgesamt 3.870 Betten zugesagt.

Weitere Informationen:

Irans Medizintechnikmarkt expandiert

https://www.gtai.de/MKT201801158005

Exportschlager Gesundheitswirtschaft - Weltweite Wachstumsmärkte Pharma, Medizin und Labortechnik

http://www.gtai.de/PUB201612068000

Irans Gesundheitspolitik setzt auf Privatsektor

http://www.gtai.de/MKT201602048014

Öl/Gas: Rohölproduktion soll stabil bleiben, die Gasförderung weiter steigen

Die Produktionssteigerungen in der Öl- und Gasindustrie nach Lockerung der Sanktionen waren eine Erfolgsgeschichte. Angesichts der reaktivierten US-Sanktionen droht nun ein Rückschlag. Iran will 2018/19 die Rohölproduktion bei 4 Millionen barrel per day (bpd) halten, aber die Gewinnung von Ölkondensaten (Nebenprodukt der Gasförderung) von 0,7 Millionen auf 1,0 Millionen bpd steigern Im Mai 2018 erreichten die Ölexporte einen neuen Spitzenwert von 2,75 Millionen bpd, davon entfielen 2,45 Millionen auf Rohöl und die restlichen 0,30 Millionen auf Ölkondensate. Die Ölexporte nach Europa werden mit 0,8 Millionen bpd angegeben. Iran gibt sich zuversichtlich, keine Exportrückgänge hinnehmen zu müssen. Beobachter halten aber eine deutliche Schrumpfung der Ölexporte für wahrscheinlicher. Irans Gasförderung ist durch die Inbetriebnahme weiterer Phasen der South Pars Felder deutlich gestiegen.

Weitere Informationen:

Irans Gasproduktion expandiert kräftig

http://www.gtai.de/MKT201708078008

Irans Öl- und Gasprojekte verzögern sich weiter

http://www.gtai.de/MKT201703308007

Metallindustrie: Auslandsabsatz gefährdet

Die iranische Metallindustrie dürfte durch die US-Sanktionen schwer getroffen werden: Es ist mit einem deutlichen Exporteinbruch zu rechnen. Irans Stahlproduzenten konnten ihren Ausstoß aufgrund einer anziehenden Auslandsnachfrage steigern, der Inlandsmarkt hingegen zeigte kein oder nur schwaches Wachstum. Nach Angaben der Iranian Steel Producers Association erhöhten sich 2017/18 die Stahlausfuhren um 53 Prozent auf 8,5 Millionen Tonnen. Die Rohstahlerzeugung (Slabs, Billets, Blooms) expandierte um 19 Prozent auf 21,9 Millionen Tonnen. Die Kapazitäten liegen derzeit bei 30 Millionen Tonnen. Hohe Investitionen in die gesamte Wertschöpfungskette sollen bis 2025 zu einer Kapazitätsausweitung auf 55 Millionen Tonnen führen. Mit ausländischen Anlagenbauern, darunter die SMS Gruppe und Italiens Danieli, wurde über Investitionsprojekte gesprochen.

Weitere Informationen:

Iran will Exporte stärker diversifizieren

http://www.gtai.de/MKT201802138004

Irans Stahlindustrie blickt nach vorn

http://www.gtai.de/MKT201707118007

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Ende des Aufschwungs, China gewinnt

Auch 2017/18 konnte die Kfz-Produktion um weitere 14 Prozent auf 1,53 Millionen Einheiten erhöht werden. Die Pkw-Fertigung stieg um 15 Prozent auf 1,44 Millionen Fahrzeuge. Daran hatten die beiden führenden Hersteller (Iran Khodro, Saipa) einen Anteil von 91 Prozent. Es folgten Modiran und Kerman Khodro mit 5 beziehungsweise 3 Prozent. Unter den Marken Peugeot und Renault wurden 2017/18 insgesamt 0,60 Millionen Pkw gefertigt. Mit neuen iranisch-französischen Joint Ventures wollten die französischen Hersteller den Pkw-Sektor modernisieren und ihre Marktposition weiter ausbauen. Anfang Juni hat jedoch PSA mitgeteilt, die Peugeot und Citroen Projekte auszusetzen. Jetzt dürfte es zu einer verstärkten Kooperation mit chinesischen Herstellern kommen, insgesamt 0,23 Millionen chinesische Fahrzeuge wurden 2017/18 in Iran montiert.

Weitere Informationen:

Iran im Fokus - Schwieriger Partner mit Potenzial

https://www.gtai.de/PUB201803158000

Irans Kfz-Ausstoß erreicht neuen Spitzenwert

http://www.gtai.de/MKT201712158009

Irans Kfz-Industrie auf Modernisierungskurs

http://www.gtai.de/MKT201705228000

Sonstiger Fahrzeugbau: Hoher Bedarf bei Schienenfahrzeugen

Der geplante Ausbau der lokalen Fertigung von Schienenfahrzeugen in Kooperation mit westlichen Unternehmen scheint nun nicht mehr realisiert werden zu können. China und Russland werden davon profitieren. Die angestrebte Modernisierung und starke Erweiterung der Schienennah- und Fernverkehrsnetze erfordert hohe Beschaffungen von rollendem Material, das möglichst lokal produziert/montiert werden soll. Im Juli 2017 hatte Alstom (zukünftig Siemens Alstom) gemeinsam mit zwei staatlichen iranischen Partnern die Gründung eines Joint Venture zum Bau von Metrowaggons vereinbart. Zudem wollte sich Alstom am iranischen Waggonbauer Arak Pars beteiligen. Das schweizerische Unternehmen Stadler Rail will ein 1,3 Milliarden US$ Projekt zum Bau von 960 Metrowaggons auf Eis liegen. Irans führender Maschinenbauer, Mapna, wollte die Produktion von Siemens-Lokomotiven wieder aufnehmen.

Weitere Informationen:

Iran setzt im Nah- und Regionalverkehr auf Schiene

http://www.gtai.de/MKT201711098004

Iran will Schienennetz stark erweitern und modernisieren

http://www.gtai.de/MKT201711098003

Umwelttechnik (Wasser): Hohe Investitionen in Kläranlagen erforderlich

Zur Sicherung der Versorgung der Landwirtschaft, auf die etwa 90 Prozent des Wasserverbrauchs entfällt, soll das Angebot an aufbereitetem Abwasser gesteigert werden. Nach offiziellen Angaben waren Ende 2017 nur rund 48 Prozent der städtischen Haushalte an ein zentrales Abwassersystem angeschlossen, im ländlichen Bereich lag der Anteil bei etwa 0,5 Prozent. Die Planung bis 2025 sieht in den Städten eine Erhöhung des Anteils der an ein zentrales Abwassernetz angeschlossenen Haushalte auf 60 Prozent vor und 30 Prozent werden auf dem Land angestrebt. Die Zahl der Kläranlagen ist zwischen März 2016 und Ende 2017 von 161 auf 185 gestiegen, die verarbeitete Abwassermenge erhöhte sich um etwa 10 Prozent auf durchschnittlich 3,3 Millionen Kubikmeter (cbm) am Tag. Die Kapazitäten der Kläranlagen sollen sich aktuell auf nominal 4,5 Millionen cbm/Tag belaufen.

Weitere Informationen:

Irans Wasserwirtschaft muss investieren

http://www.gtai.de/MKT201801298010

Iran zeigt großes Interesse an Projekten mit deutschen Firmen im Wassersektor

http://www.gtai.de/MKT201703078005

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Lebhaftes Wachstum

Der Mobilfunkmarkt zeigt in Iran unverändert kräftiges Wachstum. Der Investitionsbedarf zum Ausbau der Netze ist entsprechend hoch. Neue, seit April 2018 geltende Devisenkontrollen erschweren allerdings den Import von Endgeräten und anderen Ausrüstungen. Die südafrikanische MTN Group, die mit 49 Prozent an Irans zweitgrößtem Mobilfunkbetreiber (Irancell) beteiligt ist, meldet aufgrund von US-Sanktionen Probleme beim Gewinntransfer. Nach Angaben des Ministeriums für Kommunikation gab es Ende 2017/18 (März 2018) rund 88 Millionen aktive SIM-Karten (März 2017: 83 Millionen), dies entsprach einer Durchdringungsrate von fast 111 Prozent. Die Zahl der mobilen Internet-Nutzer lag im März 2018 bei 53 Millionen. Es gab 12 Millionen Internetfestnetzanschlüsse (ADSL, TD-LTE, Glasfaser). Die Internet-Zensur wird derzeit massiv verschärft, die Internet-Geschwindigkeit ist weiterhin gering.

Weitere Informationen:

Irans Internet- und Mobilfunkinfrastruktur wächst stark

http://www.gtai.de/MKT201612158010

E-Commerce in Iran entwickelt sich dynamisch

http://www.gtai.de/MKT201612208008

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick--iran-juni-2018,did=1929812.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Iran EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Straßenfahrzeuge, allgemein, Schienenfahrzeuge, Elektronik, allgemein, Öl, Gas

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