Branchencheck

05.07.2018

Branchencheck - Irland (Juni 2018)

Inhalt

Wachstum erhöht in vielen Sparten den Bedarf an Ausrüstungen / Von Torsten Pauly

Dublin (GTAI) - Irlands verarbeitendes Gewerbe hat 2017 etwa 5,2 Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahr, doch im 1. Quartal 2018 war das Niveau wieder um 2 Prozent höher als im selben Zeitraum 2017. Der Dienstleistungsindex hat sich 2017 um 4,1 Prozent und im 1. Quartal 2018 sogar um 40,7 Prozent verbessert, jeweils gegenüber demselben Vorjahreszeitraum. Die Aussichten sind meist gut, und die Ausrüstungsinvestitionen sollen 2018 preisbereinigt um 4 Prozent steigen.

Maschinenbauindustrie: Brexit kann britische Lieferstellung schwächen

Hochwertige Maschinen und Anlagen muss Irland fast ausschließlich importieren, denn die inländische Branche ist kein führender Industriezweig und hat 2014 laut neuesten verfügbaren Zahlen nur 2,2 Prozent zur Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe beigetragen. Viele Maschinen werden über britische Händler eingeführt, aber nicht im Vereinigten Königreich hergestellt. Im Jahr 2017 kamen 41 Prozent der Importe über Großbritannien und Nordirland und nur 14 Prozent aus Deutschland nach Irland. Der geplante britische Austritt aus der Europäischen Union kann ab 2019 jedoch zu deutlich höheren deutschen Direktlieferungen führen. Der irische Maschinenbau kann durch Industrie-4.0-Lösungen an Bedeutung gewinnen: Einer Studie von Roland Berger zufolge ist Irland hierfür im europäischen Vergleich mit am besten gerüstet.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Irland bietet für Maschinenbau exzellente Geschäftschancen

http://www.gtai.de/MKT201612148006

Maschinen: Briten liefern Waren im Wert von rund 20 Milliarden Euro in die EU

http://www.gtai.de/MKT201805308017

Irland bei Industrie 4.0 europaweit mit führend

http://www.gtai.de/MKT201702228010

Chemieindustrie: Britischer EU-Austritt kann deutsche Anbieter zu neuen Lieferketten zwingen

Die von multinationalen Investoren geprägte und sehr stark exportorientierte Pharmaindustrie ist der bei weitem größte irische Industriezweig und hat 2016 allein 43,7 Prozent aller Nettoverkaufserlöse im verarbeitenden Gewerbe und Bergbau erwirtschaftet. Weitere 12 Prozent haben die Chemieunternehmen generiert. Die in Irland für den Weltmarkt fertigenden ausländischen Investoren kommen überwiegend aus dem angelsächsischen Raum, teilweise aber auch aus Deutschland. Irische Entscheidungsträger verfolgen daher mit großer Aufmerksamkeit die Bestrebungen der US-Regierung, Investitionen und Produktionsstätten zurück in die USA zu holen. Der Brexit kann für einige Lieferanten zur logistischen Herausforderung bei der Belieferung des irischen Marktes werden, da die Versorgung oft über britische Standorte verläuft.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Irlands Pharma- und Chemieindustrie rechnet 2017 mit anhaltend positiver Nachfrage

http://www.gtai.de/MKT201704208006

Chemische Erzeugnisse: Briten liefern Waren im Wert von 36 Milliarden Euro in die EU

http://www.gtai.de/MKT201805308019

Energiewirtschaft: Große Windparks sind in der Planung

Bis 2020 entstehen in Irland Onshore-Windparks im Umfang von 1,1 Gigawatt, so der Verband Wind Europe im Herbst 2017. Insgesamt sind Anfang 2018 sogar Planungen in Höhe von 1,3 Gigawatt erfasst. Zu den größten Projekten zählen dabei die Windparks in Oweninney (199 Megawatt), Castletownmoor (120 Megawatt) und Grousemount (114 Megawatt). Mit Rotoren zur See ist frühestens ab 2019 nach Inkrafttreten der ersten Einspeiseregelungen hierfür zu rechnen. In der Planung ist unter anderem aber schon der Offshore-Windpark Oriel (330 Megawatt). Für diverse Fotovoltaikstandorte will der Investor Lightsource laut den Medien 500 Millionen Euro aufwenden. Diese sollen bis 2020 eine Gesamtkapazität von 1,5 Gigawatt erreichen.

Weitere Informationen:

Irland plant weitere Windparks

http://www.gtai.de/MKT201804038000

Bauwirtschaft: Boom dauert mindestens bis 2019 an

Die Bauinvestitionen sollen 2018 preisbereinigt um 15,3 Prozent und 2019 um 13,7 Prozent steigen, so die Prognose der EU-Kommission im Mai 2018. Im 1. Quartal 2018 waren die ausgeführten Bauleistungen real um 20,6 Prozent höher als im selben Vorjahreszeitraum. Einen besonders starken Anstieg gab es dabei beim Wohnungsbau (+30 Prozent). Aber auch der Tiefbau und die Errichtung von sonstigen Gebäuden zeigten gute Wachstumsraten von 10,1 sowie 8,1 Prozent. Von 2018 bis 2027 sollen öffentliche Mittel in Höhe von 14,5 Milliarden Euro in den Wohnungsbau fließen, weitere 7,3 Milliarden Euro sind für Überlandstraßen vorgesehen. Die gute Konjunktur und der Zuzug von Arbeitskräften hat in irischen Zentren zuletzt zu einem Mangel an Wohn- und anderen Gebäuden und zu stark steigenden Immobilienpreisen geführt.

Weitere Informationen:

Irland investiert in die Verkehrsinfrastruktur

http://www.gtai.de/MKT201801028000

Branche kompakt: Irlands Hochbau legt starkes Wachstum vor

http://www.gtai.de/MKT201612088003

Immobilienpreise in Irland ziehen vielerorts kräftig an

http://www.gtai.de/MKT201709198005

Gesundheitswirtschaft: Fast elf Milliarden Euro an Investitionen bis 2027

Der Markt für Medizintechnik soll in Irland zwischen 2016 und 2020 insgesamt um 23 Prozent auf ein Volumen von dann 832 Millionen Euro wachsen. Dies erwartet das Analyseinstitut BMI. Zwischen 2018 und 2027 will Irlands Regierung 10,9 Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln in das Gesundheitswesen investieren. Das größte Einzelvorhaben ist dabei der Neubau einer Dubliner Kinderklinik mit 39 medizinischen Fachrichtungen. Diese kostet 916 Millionen Euro und soll 2021 ihre Pforten öffnen. Weitere 295 Millionen Euro fließen bis 2022 in eine neue Entbindungsklinik in Dublin. Darüber hinaus sind unter anderem 64 Millionen sowie 55 Millionen Euro für Tumorbehandlungszentren in den Universitätskliniken von Galway und Cork vorgesehen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Irland plant neue Klinikprojekte

http://www.gtai.de/MKT201802078002

Dublin errichtet bis 2020 neues Kinderkrankenhaus

http://www.gtai.de/MKT201606088004

Nahrungsmittelindustrie: Branche will Export nach Deutschland steigern

Die exportorientierten Nahrungsmittel- und Getränkeverarbeiter bilden Irlands zweitgrößten Industriezweig und haben 2016 zusammen 18,1 Prozent aller Nettoverkaufserlöse im verarbeitenden Gewerbe inklusive Bergbau erwirtschaftet. Dabei dominieren irischstämmige Hersteller in dieser Branche weit mehr als in anderen führenden Wirtschaftszweigen. Der Umsatz war in der Nahrungsmittelverarbeitung 2017 preisbereinigt um 2 Prozent gestiegen. Im 1. Quartal 2018 war der Index allerdings um 2,6 Prozent geringer als im selben Vorjahreszeitraum. Der wichtigste Auslandsmarkt ist für die irischen Hersteller das Vereinigte Königreich. Der geplante britische EU-Austritt und die jüngste Abwertung des Pfund Sterling sind für die Branche Herausforderungen, die zu einem stärkeren Markteintritt in Deutschland führen können.

Weitere Informationen:

Irland: Brexit beeinträchtigt Unternehmen in vielerlei Hinsicht

http://www.gtai.de/MKT201805308022

Nahrungsmittel und Getränke: Briten liefern Waren im Wert von rund 15 Milliarden Euro in die EU

http://www.gtai.de/MKT201805308025

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Abwasser-Großprojekte stehen an

Irlands öffentliche Hand will von 2018 bis 2027 insgesamt 8,8 Milliarden Euro in die Umweltsysteme investieren. Es gibt insbesondere in den Frisch- und Abwassernetzen einen erheblichen Modernisierungsstau. In der Wasserversorgung haben sich die landesweiten Leitungsverluste 2017 auf 47 Prozent summiert. Allein um diese Rate bis 2021 auf 38 Prozent zu senken, plant das landesweit zuständige Unternehmen Irish Water 500 Millionen Euro ein. Von 2018 bis 2027 investiert Irish Water insgesamt 8,5 Milliarden Euro. Unter anderem soll das Dubliner Klärwerk Ringsend für 190 Millionen Euro vergrößert werden und nochmals 500 Millionen Euro sollen in die weitere Infrastruktur zur Abwasserbehandlung in der Hauptstadtregion fließen. Eine andere Anlage für 160 Millionen Euro in Cork-Ringaskiddy befindet sich noch im Genehmigungsverfahren.

Weitere Informationen:

Irland investiert mehrere Milliarden Euro in Wassertechnik

http://www.gtai.de/MKT201707038005

Irlands Bedarf an Abwassertechnik steigt stark an

http://www.gtai.de/MKT201604278010

Irland weitet Hochwasserschutz aus

http://www.gtai.de/MKT201601088002

Elektro- und Elektronikindustrie: Cluster forcieren technologischen Fortschritt

Die Hersteller von EDV-, elektronischen, optischen und elektrischen Geräten haben 2016 zusammen 11 Prozent aller Nettoverkaufserlöse im irischen verarbeitenden Gewerbe generiert und bilden somit den drittgrößten Industriezweig. Auch in diesen Sparten spielen multinationale Investoren eine wichtige Rolle. Die irische Elektroindustrie konnte ihren Umsatz 2016 und 2017 preisbereinigt um insgesamt 30,3 Prozent steigern. Im 1. Quartal 2018 war der Index allerdings um 7 Prozent geringer als im Vorjahr. Große Wachstumschancen eröffnet die digitale Vernetzung von Produktions-, Logistik- und Dienstleistungsprozessen, nicht zuletzt, weil es in Irland hierzu eine Reihe von Clustern in der Industrie und in der Informations- und Kommunikationstechnologie gibt.

Weitere Informationen:

Irland bei Industrie 4.0 europaweit mit führend

http://www.gtai.de/MKT201702228010

Elektro- und IKT-Erzeugnisse: Briten liefern Waren im Wert von rund 14 Milliarden Euro in die EU

http://www.gtai.de/MKT201805308020

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Ausbau der Infrastruktur hält an

Die Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) haben in Irland große Bedeutung. Im Jahr 2016 hat die Branche 6,9 Prozent zur landesweiten Bruttowertschöpfung beigetragen. Der Wert der erbrachten IKT-Dienstleistungen hat sich 2016 und 2017 stetig um insgesamt 9,4 Prozent erhöht, und auch im 1. Quartal 2018 war der Index um 0,5 Prozent höher als vor Jahresfrist. Bis 2020 erhält jeder irische Haushalt, jedes Unternehmen, jeder Bauernhof und jede öffentliche Einrichtung einen Breitbandzugang zum Internet. Dies soll insgesamt 2,5 Milliarden Euro kosten, wobei die öffentliche Hand 275 Millionen Euro bereitstellt. Die Regierung plant, noch 2018 einen Auftrag zu Ausbau und Unterhalt der Infrastruktur auch in den dünn besiedelten Gebieten mit einer Laufzeit von 25 Jahren zu vergeben.

Weitere Informationen:

Irland investiert stark in IKT-Infrastruktur

http://www.gtai.de/MKT201801038006

Elektro- und IKT-Erzeugnisse: Briten liefern Waren im Wert von rund 14 Milliarden Euro in die EU

http://www.gtai.de/MKT201805308020

Irland erhält bis 2020 ein flächendeckendes Breitbandnetz

http://www.gtai.de/MKT201607118005

Kfz-Markt: Viele Käufer erwerben britische Gebrauchtwagen wegen günstigem Wechselkurs

Von Januar bis Mai 2018 wurden in Irland 85.900 neue Pkw zum Verkehr zugelassen, das waren 4,3 Prozent weniger als in den ersten fünf Monaten des Vorjahres. Bereits 2017 hatte es einen Rückgang um 10,4 Prozent gegeben. Gleichzeitig war aber die Zahl der importierten Gebrauchtwagen wegen des abgewerteten Pfund Sterling 2017 um 31,9 Prozent gestiegen. Zuvor hatte sich die Zahl der Neuwagen von 2013 bis 2016 fast verdoppelt (+97,2 Prozent) wegen der Konjunkturerholung und des Nachholbedarfs nach der Krise. Von 2007 bis 2009 waren die Anmeldungen neuer Autos um 69,2 Prozent eingebrochen und hatten danach auf niedrigem Niveau verharrt. Die registrierten neuen Nutzfahrzeuge (Nfz) sind zwischen Januar und Mai 2018 um 4,1 Prozent auf 15.500 Stück gestiegen. Noch 2017 gab es ein Minus von 13,7 Prozent.

Weitere Informationen:

Volkswagen ist wieder Pkw-Marktführer in Irland

http://www.gtai.de/MKT201801248012

(P.T.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Irland Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Elektronik, allgemein

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