Branchencheck

09.01.2019

Branchencheck - Italien (Dezember 2018)

Inhalt

Viele Branchen profitieren vom guten Exportgeschäft / Von Oliver Döhne

Mailand (GTAI) - Italiens Gesamtwirtschaft schwächelt, aber in einigen Sektoren bieten sich trotzdem gute Geschäftsmöglichkeiten. Hier eine Übersicht über die Lage in den wichtigsten Branchen.

Maschinenbauindustrie: Ein Förderinstrument für Investitionen entfällt

Der Maschinenbau erwartet für 2019 etwas weniger Geschäft als 2018, bleibt aber grundsätzlich eher positiv gestimmt. Zum einen ist die Nachfrage nach italienischen Maschinen im Ausland ungebrochen hoch, zum anderen wird in Italien trotz der Konjunkturflaute auch 2019 weiter investiert. Kritisch sehen Branchenvertreter den Wegfall des Förderinstruments Superammortamento, die Superabschreibung. Hinzu komme, dass der Staat die Ausbildung der Mitarbeiter im Bereich Digitalisierung nicht genügend unterstützt. Die Förderung für Industrie 4.0-Equipment wird fortgesetzt.

Weitere Informationen:

Italienischer Maschinenbau im Aufschwung

http://www.gtai.de/MKT201807048000

Chemieindustrie: Gute Importnachfrage

Die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen wird in Italien 2019 etwas stärker wachsen als die Gesamtkonjunktur. Für die Inlandsnachfrage erwartet der Fachverband Federchimica in seiner jüngsten Prognose von August 2018 für das Jahr 2019 ein Plus von 1,8 Prozent, für den Import ein Plus von 3 Prozent. Der Import deckte 2017 rund 60 Prozent der Inlandsverkäufe ab. Auch das Ausland fragt weiter chemische Erzeugnisse aus Italien nach, wenn auch nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren. Die einheimische Produktion wird 2019 voraussichtlich um 1,4 Prozent wachsen.

Energiewirtschaft: Neue Ausschreibungen

Die besten Wachstumsaussichten bestehen für Fotovoltaik und Windkraft. Die Regierung will im Zeitraum von 2019 bis 2021 insgesamt sieben technologieoffene Ausschreibungsrunden durchführen, die erste am 31. Januar 2019 Diese könnten besonders der Fotovoltaik in Italien neue Dynamik verleihen. Zugelassen werden in den Ausschreibungen Fotovoltaikanlagen über 20 Kilowatt, außerdem wird es ein Kontingent für Fotovoltaikanlagen geben, die Asbestdächer ersetzen. Im Süden entstehen große Solaranlagen und Windparks. Großes Potenzial besteht bei Biogas, allerdings liegt der Fokus der Regierung hier momentan bei der Kraftstoffgewinnung.

Weitere Informationen:

Wendejahr für die Energieeffizienz in Italien

http://www.gtai.de/MKT201807028003

Startschuss für die Biomethan-Produktion in Italien

http://www.gtai.de/MKT201804178003

Bauwirtschaft: Bessere Zeiten in Sicht

In der italienischen Bauwirtschaft mehren sich, nach mehreren Jahren Flaute, die Anzeichen für bessere Zeiten. Baugenehmigungen für Wohnhäuser und Gewerbeanlagen legten 2018 deutlich zu, ebenso Planungsaufträge und Vergaben öffentlicher Bauprojekte. Auch die Kreditvergabe und der Baustoffverbrauch zeigen nach oben. Das Studienzentrum für die Bauindustrie Cresme sieht für 2019 ein Branchenwachstum über alle Segmente von insgesamt 2,5 Prozent, bei öffentlichen Projekten sogar von 3,2 Prozent. Bei stabilen Rahmenbedingungen könnte die neue Wachstumsphase bis 2021 anhalten.

Weitere Informationen:

Italiens vernachlässigte Infrastruktur rückt in den Mittelpunkt http://www.gtai.de/MKT201810188008

Italiens Hochbau erholt sich leicht

http://www.gtai.de/MKT201810158000

Gesundheitswirtschaft: Bürokratie bremst die Entwicklung

Der Bedarf an moderner Medizintechnik ist hoch, besonders in den öffentlichen Krankenhäusern. Im Haushalt der Regierung steht das Thema nicht im Fokus. Immerhin sollen die staatlichen Gesundheitsausgaben in den kommenden Jahren schrittweise steigen, im März 2019 soll eine Arbeitsgruppe eine Prioritätenliste erstellen. Immer mehr Italiener nutzen private Dienstleister. Italien importiert jährlich rund 7,5 Milliarden Euro an Medizintechnik. Bei Arzneimitteln stieg das Land 2018 zu Europas größtem Produzenten auf, ist aber als Absatzmarkt etwas weniger expansiv.

Weitere Informationen:

Medizintechnik in Italien ist überaltert

http://www.gtai.de/MKT201812198001

Nahrungsmittelindustrie: Rekordplus im Export

Die Nahrungsmittelindustrie leidet unter dem zurückhaltenden Konsumklima im eigenen Land und den zunehmenden Importen. Im Export erzielte Italien in den ersten sieben Monaten 2018 ein Plus von 3,3 Prozent. Eine weitere gute Nachricht war, dass die Vereinten Nationen nicht wie angedroht, typische italienische Produkte wie Parmesankäse, Schinken und Olivenöl als zu fett- oder salzhaltig brandmarken werden. Sorgen der Branchen betreffen einen möglichen Einbruch auf dem wichtigen Absatzmarkt USA sowie Produktpiraterie und die unrechtmäßige Verwendung von Herkunftsbezeichnungen.

Weitere Informationen:

Italienische Nahrungsmittelwirtschaft wächst

http://www.gtai.de/MKT201707108018

Textil- und Bekleidungsindustrie: Bei Männermode ganz vorne

Die Mode- und Textilindustrie fährt trotz schwacher Binnenkonjunktur gute Ergebnisse ein. Laut Statistikamt stieg 2017 die Produktion von Textilien um 7,9 Prozent und die von Kleidung um 7,2 Prozent. Diese Entwicklung dürfte sich 2018, wenn auch etwas schwächer, fortgesetzt haben. Der Branchenumsatz legte 2018 um 3 Prozent zu, der Export von Textilien stieg in den ersten sieben Monaten um 1,9 Prozent, der von Kleidung um 3 Prozent. Besonders gefragt ist international hochwertige Männerkleidung made in Italy, speziell im Segment der Unter-35jährigen, die besonders viel Geld für Kleidung ausgeben.

Weitere Informationen:

Italienische Modeindustrie auf Innovationskurs

http://www.gtai.de/MKT201805248004

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Fiat-Gruppe investiert 5 Milliarden Euro

Die Fiat-Chrysler Gruppe (FCA) will im Zeitraum von 2019 bis 2021 rund 5 Milliarden Euro in Italien investieren. Schwerpunkt ist der Übergang auf Hybrid- und Elektrofahrzeuge, der aber unter dem neuen FCA-Chef Mike Manley offenbar weniger abrupt ausfallen wird als bislang geplant. Zumindest schob dieser das Ende der Produktion von Dieselfahrzeugen vorerst auf und ist auch strikt gegen die von der Regierung geplante Extraabgabe für konventionelle Fahrzeuge. Während die Kfz-Produktion 2018 in Italien um etwa 6 Prozent sank, melden die Zulieferer guten Umsatz im Export. E-Fahrzeuge werden gefördert.

Weitere Informationen:

Schwacher Inlandsmarkt bremst Italiens Kfz-Industrie

http://www.gtai.de/MKT201810228004

E-Autos in Italien noch ein Nischenprodukt

http://www.gtai.de/MKT201803128029

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Mögliche Chancen nach Übergangsphase

Wasser- und Müllwirtschaft befinden sich in Italien in einer Umbruchphase. Die auf kommunaler und Provinzebene organisierte, kleinteilige Entsorgungswirtschaft soll, wie von der Europäischen Union gefordert, zu einer integrierten Kreislaufwirtschaft werden, mit größeren Unternehmen und den entsprechenden Skaleneffekten. Probleme bestehen offenbar noch bei der Professionalisierung der Mülltrennung und der Akzeptanz von Müllverbrennungsanlagen in der Bevölkerung und in Teilen der Regierung.

Weitere Informationen:

Italiens Abfallwirtschaft im Aufbruch

http://www.gtai.de/MKT201803068009

Elektroindustrie: Produktion von Haushaltsgeräten steigt wieder

Die Produktion von Haushaltsgeräten, die in Italien seit dem Jahr 2000 rückläufig ist, legte erstmalig wieder zu und stieg laut Fachverband Applia Italia im 3. Quartal 2018 um 1,3 Prozent. Grund ist die gute Entwicklung im Export, während in Italien nur noch der Absatz der erst wenig verbreiteten Trockner zulegt. Die Industrie konzentriert sich verstärkt auf die Produktion höherwertiger Produkte für europäische Nachbarmärkte. Wachsende Segmente sind unter anderem moderne Kochflächen, Restaurantküchen, Saugroboter und Dampföfen.

Weitere Informationen:

Steigende Nachfrage in der italienischen Elektroindustrie http://www.gtai.de/MKT201711038005

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Elektronik, allgemein

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