Branchencheck

10.12.2018

Branchencheck - Kasachstan (November 2018)

Inhalt

Zahlreiche Branchen setzen auf mehr lokale Fertigung / Von Jan Triebel

Almaty (GTAI) - Der Aufwärtstrend in der kasachischen Industrie hält an. Sie wächst auf mittlere Sicht um etwa 3 Prozent pro Jahr. Mehrere staatliche Investitionsprogramme sorgen für Impulse.

Maschinenbauindustrie: Abhängigkeit von Importen soll sich verringern

Bei Maschinen und Anlagen ist Kasachstan stark importabhängig. Lokale Unternehmen fertigen vor allem Ausrüstungen für den Rohstoffsektor, Schienenfahrzeuge oder elektrische Ausrüstungen. In anderen Segmenten soll die Vor-Ort-Produktion deutlich wachsen. Bei Landmaschinen strebt Kasachstan an, langfristig ein Drittel der Inlandsnachfrage nach Traktoren, Mähdreschern und landtechnischem Zubehör aus heimischen Quellen zu bestreiten. Der kasachische Maschinenbau legt laut einer Regierungsprognose 2018 um real 7 Prozent zu. Das Wachstum im Zeitraum bis 2023 wird sich bei 5 bis 6 Prozent bewegen.

Chemieindustrie: Kapazitäten bei Vorprodukten sollen ausgebaut werden

Trotz einer breiten Rohstoffbasis muss Kasachstan zahlreiche Vorprodukte für die Chemieindustrie importieren. Für Abhilfe sollen mehrere Großprojekte sorgen, die aber häufig auf der Stelle treten. Mit dem ersten Spatenstich für die Polyethylen-Produktion als Teil eines Großkomplexes für Gaschemie in Atyrau wird kaum vor 2020 gerechnet. Für Werke zur Herstellung von Methanol, Harnstoff, Polyurethane oder Kaliumsulfat werden Partner gesucht. Die Modernisierungen der drei Raffinerien des Landes sind aber abgeschlossen, was der Produktion der Petrochemie 2018 ein Plus von gut 8 Prozent beschert.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Erholung der Nachfrage nach Chemieprodukten in Kasachstan erwartet (Juni 2017),

http://www.gtai.de/MKT201706278012

Projekte in Kasachstans Petrochemie kommen langsam voran (Dezember 2017),

http://www.gtai.de/MKT201712068008

Energiewirtschaft: Zuwachs bei erneuerbaren Energien erwartet

Im Zuge der wirtschaftlichen Erholung erwartet die Regierung für den Energiesektor 2018 ein reales Plus von 1,9 Prozent. Kohle hat einen Anteil von rund 70 Prozent an der Stromerzeugung. Dagegen lag der Beitrag erneuerbarer Energien mit 428 Megawatt installierter Kapazität im 1. Halbjahr 2018 nur bei 1,15 Prozent. Im Jahr 2018 wurden bereits Standorte für Anlagen mit insgesamt 1.000 Megawatt ausgeschrieben. Internationale Geber bringen sich verstärkt bei den Erneuerbaren ein: Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) prüfte im 2. Halbjahr 2018 die Finanzierung von vier Projekten für Fotovoltaik und einem für Wind.

Weitere Informationen:

Kasachstan führt Auktionen für erneuerbare Energien durch (März 2018),

http://www.gtai.de/MKT201803288002

Bauwirtschaft: Hauptaugenmerk liegt auf dem Ausbau der Infrastruktur

Staatliche Investitionsprogramme sorgen hauptsächlich dafür, dass Kasachstans Bauwirtschaft 2018 real um 3,6 Prozent zulegt. Zwischen 2019 und 2023 sieht die Regierung das Bauvolumen mit zwischen 3,8 und 4,6 Prozent pro Jahr noch deutlicher wachsen. Für Impulse sorgen das bis 2025 verlängerte Infrastrukturprogramm "Nurly Zhol" und das Engagement internationaler Geber. Nutznießer sind vor allem Projekte zu Modernisierung und Ausbau von Verkehrswegen im Land. Im Rahmen des Programms "Nurly Zher" entsteht innerhalb von 15 Jahren staatlich gefördert Wohnraum für etwa 1,5 Millionen Familien.

Weitere Informationen:

Kasachstans Hauptstadt macht sich für weiteren Zuzug fit (Oktober 2018),

http://www.gtai.de/MKT201810308010;

Kasachstan baut Logistikkapazitäten aus (Oktober 2018),

http://www.gtai.de/MKT201810248001;

Almaty sucht Partner für Stadtbahn-Vorhaben (Oktober 2018),

http://www.gtai.de/MKT201810118010

Gesundheitswirtschaft: Modernisierungsbedarf bleibt hoch

Der kasachische Gesundheitssektor muss umfassend modernisiert und ausgebaut werden: Der Investitionsbedarf beläuft sich auf umgerechnet mehr als 3 Milliarden US$. Eine neue Pflichtkrankenversicherung, die auch bessere Finanzierungsmöglichkeiten verspricht, startet ab 2020 in vollem Umfang. Für mehrere neue Vorhaben sucht die öffentliche Hand nach privaten Partnern. Größere Projekte, die als öffentlich-private Partnerschaften umgesetzt werden sollen, sind zum Beispiel ein neues Klinikum in Almaty sowie drei größere Krankenhäuser für die Hauptstadt Astana, Karagandy und Almaty.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Kasachstan investiert wieder mehr in Medizintechnik (August 2018),

http://www.gtai.de/MKT201809138000

Landwirtschaft: Agrarsektor setzt auf steigende Produktion

Der Agrarsektor zählt zu den prioritären Bereichen der kasachischen Regierung. Seit 2017 läuft ein staatliches Förderprogramm mit einer Laufzeit von zunächst vier Jahren. Im Fokus steht unter anderem die Steigerung der lokalen landwirtschaftlichen Produktion. Der Ausstoß des Sektors, der nach Regierungsprognosen 2018 auf ein Plus von 3,6 Prozent zusteuert, soll mittelfristig um gut 6 Prozent im Jahresdurchschnitt wachsen. Lokale Landwirte können etwa mit Zinsvergünstigungen für das Leasing moderner Landtechnik rechnen. Zudem subventioniert der Staat Kleinst- und Kleinbetriebe für die Verwendung hochwertigen Saatguts und besonders wirksamer Düngemittel.

Weitere Informationen:

Landwirtschaft in Kasachstan: "Es bedarf mehr Nachhaltigkeit" (Juli 2017),

http://www.gtai.de/MKT201707178004

Bergbau: Positive Investitionsstimmung dank besserer Ertragslage

Die höheren Weltmarktpreise für Erze und Metalle stimulieren die Investitionen im kasachischen Bergbau. Vor allem in die Förderung von metallischen Erzen könnten bis 2021 etwa 2 Milliarden US$ pro Jahr fließen. So plant KAZ Minerals, eines der Schwergewichte im Bergbau, etwa 1,5 Milliarden US$ in den nächsten Jahren in zwei Ausbauprojekte im Bereich Kupfer (Aktogay-2 und Artem-2) zu stecken. Außerdem sucht der staatliche Bergbaukonzern Tau-Ken Samruk nach Partnern für Projekte zur Erschließung von Vorkommen mit Eisen-, Gold-, Kupfer-, Wolfram- und Molybdänerzen.

Weitere Informationen:

Kasachstans Bergbaubranche reaktiviert zahlreiche Projekte (November 2017),

http://www.gtai.de/MKT201711108010

Kasachstans Wirtschaft soll digitaler werden (Dezember 2017),

http://www.gtai.de/MKT201712048001

Öl/Gas: Ölförderung steigt weiter

Die Ölförderung bleibt ein wichtiger Wachstumstreiber. Einer Prognose der OPEC zufolge erzeugt Kasachstan 2018 mit durchschnittlich 1,82 Millionen Fass pro Tag gut 5 Prozent mehr Rohöl als im Vorjahr. Vor allem dank der intensiveren Nutzung des erst seit 2016 produzierenden Ölfelds Kaschagan rechnet die OPEC für 2019 mit einem Förderplus um knapp 3 Prozent auf 1,87 Millionen Fass pro Tag. Für die Großlagerstätten Tengiz und Karatschaganak gibt es umfangreiche Ausbaupläne. Allein Tengiz dürfte somit ab 2023 seine Förderung um rund 44 Prozent auf 39 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr hochschrauben.

Nahrungsmittelindustrie: Ausbau der lokalen Verarbeitung angestrebt

Trotz seines Potenzials im Agrarbereich importiert Kasachstan nach wie vor viele Lebensmittel. Die Regierung setzt auf einen merklichen Ausbau der lokalen Verarbeitung. Bis 2023 soll die Nahrungsmittelproduktion um 7 bis 9 Prozent pro Jahr zunehmen. Der Kapazitätsausbau soll auch steigende Exporte ermöglichen, vor allem nach Russland und China. Geplant sind etwa Fabriken zur Gewinnung von Rübenzucker und Kartoffelstärke sowie zur Sojaverarbeitung. Auch die Erzeugung von Geflügelfleisch sowie von Obst und Gemüse soll deutlich erhöht werden.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Kasachstans Ernährungswirtschaft überwindet die Krise (Mai 2018),

http://www.gtai.de/MKT201806138013

Kasachstan will Nahrungsmittelfertigung ausbauen (November 2017),

http://www.gtai.de/MKT201711138007

Metallindustrie: Deutsche Firma baut neue Anreicherungsanlage

Die Metallindustrie entwickelt sich weiter dynamisch. Der Ausstoß metallurgischer Erzeugnisse soll 2018 um 4,7 Prozent steigen. Bis 2023 rechnet die Regierung mit einem Plus von 3,1 Prozent im Jahresdurchschnitt. Die Metallurgie ist mit einem Anteil an der Industrieproduktion von rund 45 Prozent die wichtigste Stütze des verarbeitenden Gewerbes. Der staatliche Bergbaukonzern Tau-Ken Samruk plant mit einem chinesischen Partner ein Stahlwerk im Gebiet Akmola. Der Anlagenbauer Engineering Dobersek aus Mönchengladbach errichtet bis Ende 2020 die erste Stufe einer schlüsselfertigen Anlage für Blei- und Zinkkonzentrate im Gebiet Kysylorda.

Kfz-Markt: Lokale Montagewerke profitieren vom Nachfrageplus

Kasachstans Neuwagenmarkt erholt sich weiter. Die Verkäufe, die bereits 2017 um knapp 6 Prozent angezogen hatten, stiegen zwischen Januar und Oktober 2018 im Vorjahresvergleich um gut 27 Prozent auf 47.139 Einheiten. Für Impulse sorgt laut Automobilverband KazAvtoProm vor allem die staatliche Absatzförderung für lokal montierte Fahrzeuge: In den ersten zehn Monaten 2018 stammte nahezu jeder zweite im Land verkaufte Pkw aus kasachischer Fertigung. Demgegenüber hatten importierte Neu-Pkw noch 2017 mit einem Anteil von etwa zwei Dritteln den Absatz dominiert. Elektroautos werden kaum nachgefragt.

Weitere Informationen:

Pkw-Verkäufe in Kasachstan steigen (April 2018),

http://www.gtai.de/MKT201804268015

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Kasachstan sind unter http://www.gtai.de/kasachstan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kasachstan Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

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