Branchencheck

13.02.2019

Branchencheck - Katar (Januar 2019)

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Milliarden für Ausbau der Gasproduktion / Von Katrin Pasvantis

Dubai/Doha (GTAI) - Investitionen in die Fußball-WM und Gasförderung treiben mehrere Branchen an. Die diplomatische Krise und niedrige Energiepreise trüben in anderen Sektoren das Geschäftsklima.

Chemieindustrie: Wachstum in Sicht

Die Chemieproduktion konzentriert sich auf Basischemikalien. In den Fokus rücken nun Downstreamerzeugnisse mit höherer Wertschöpfung. Der bis 2024 geplante Ausbau der Gasförderung begünstigt Investitionen in die Petrochemie. In etwa fünf Jahren ist mit einem signifikanten Anstieg der Kapazitäten bei Basischemikalien und Polymeren zu rechnen. Qatar Petroleum plant einen Petrochemiekomplex in Ras Laffan, der 2025 fertiggestellt werden soll. Zu dem 5 Milliarden US$ Projekt gehören ein Ethancracker (1,6 Millionen Jato), Derivate Anlagen und eine Ethylenglykol Fertigung.

Energiewirtschaft: Projekte kommen langsam voran

Die Aufforderung zur Angebotsabgabe durch den Strom- und Wassererzeuger Kahramaa für eine Kraftwerks- und Meerwasserentsalzungsanlage (2.000 bis 2.500 Megawatt, 3 Milliarden US-Dollar (US$), Build-Own-Operate-Transfer) soll im ersten Quartal 2019 erfolgen. Mehr als zehn Firmen haben sich präqualifiziert, darunter Siemens. Die Ausschreibung der Qatar Electric & Water Company für eine Waste-to-Energy Anlage (1.500 Tonnen Abfall pro Tag, 100 Millionen US$, Design-Build-Operate) soll im ersten Quartal 2019 erfolgen. Die Mitte 2017 bei Qatar Gas präqualifizierten Firmen für eine Abwärmenutzungsanlage warten auf die Ausschreibung.

Bauwirtschaft: Hohe Investitionen in Infrastruktur

Die Datenbank Meed zeigt 91 Großprojekte im Gesamtwert von 11 Milliarden US$, bei denen der Hauptauftrag 2018 vergeben wurde. Im Jahr 2017 waren es noch 13 Milliarden US$ und 2014 sogar 36 Milliarden US$ gewesen. Dem Vernehmen nach zieht das Projektgeschäft in einigen Sektoren wieder an. Vorhaben für die Fußball-WM 2022 wie Stadien, Tourismusprojekte, neue Metro, Straßenbahn (Light Rail) und neue Straßen haben Priorität. Der Staatshaushalt sieht 2019 auch neue Wohnprojekte für Einheimische vor. Der Ausbau des Air Base Al Udeid für 1,8 Milliarden US$ zählt zu weiteren Großprojekten, deren Designarbeiten anlaufen.

Gesundheitswirtschaft: Schwaches Wachstum

Die Investmentbank Alpen Capital prognostiziert einen Anstieg der Gesundheitsausgaben von 5,8 Milliarden US$ im Jahr 2017 auf 6,6 Milliarden US$ im Jahr 2022. Die Medizintechnikimporte legten in den ersten neun Monaten 2018 gegenüber der Vorjahresperiode um 20 Prozent auf 185 Millionen US$ zu, obwohl seit dem Ölpreiseinbruch viele Gesundheitsprojekte gestoppt wurden oder langsam voranschreiten. Die staatliche Baubehörde Ashghal vergab im September 2018 Bauaufträge für sechs medizinische Zentren im Gesamtwert von 274 Millionen US$. Der Fokus liegt eher auf kleineren Krankenhäusern.

Öl/Gas: Massiver Ausbau der Gasförderung

QatarGas investiert 2 Milliarden US$ in die Gasförderung im North Field. Die Evaluierung von Geboten für die Installation von Offshore Jackets für circa 600 Millionen US$ läuft. Für das 700 Millionen US$ North Field Sustainability Project haben sich McDermott, Saipem, Subsea 7 und TechnipFMC präqualifiziert. Der Output an Flüssiggas soll bis 2024 um 43 Prozent steigen. Die Arbeiten am Front-End Engineering Design für drei Onshore LNG Trains mit je 7,8 Millionen Jahrestonnen laufen. Ein vierter Train mit 32 Millionen Jato soll dazukommen. Die Ölförderung ist vergleichsweise gering. Anfang 2019 trat Katar aus der OPEC aus.

Kfz-Markt: Trübe Aussichten

Der Pkw-Markt brach 2016 um 26 Prozent und 2017 um weitere 29 Prozent ein. Eine Der Pkw Absatz schwächte sich in den ersten zehn Monaten 2018 nochmals um 9 Prozent auf 37.616 Zulassungen gegenüber der Vorjahresperiode ab. Angaben sind ohne BMW- und VW-Fahrzeuge. Beide Firmen veröffentlichen ihre Zahlen nicht mehr. Die diplomatische Krise und niedrige Energiepreise trüben die Kauflaune. Zahlreiche gut bezahlte ausländische Arbeitskräfte verlassen das Land. Einige Firmen streichen ihre Fahrzeugflotte zusammen. Das Nutzfahrzeugsegment entwickeln sich dem Vernehmen nach etwas besser.

Landwirtschaft: Neue Projekte sollen Selbstversorgung verbessern

Lieferstopps aus Saudi-Arabien und den VAE führten zu Versorgungsengpässen. Die Regierung treibt daher die Agrarproduktion voran. Bei Geflügel liegt die Selbstversorgung bei 98 Prozent, bei Milch und -erzeugnissen bei 82 Prozent, Eier 23 Prozent, Gemüse 24 Prozent, Datteln 86 Prozent, Grünfutter 50 Prozent und Fisch 80 Prozent. Weitere Agrarprojekte sind in Planung und private Investitionen werden gefördert. Katar präsentierte sich im Januar 2019 zum zweiten Mal mit eigenen Erzeugnissen auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Die Nachfrage nach Agrar- und Lebensmitteltechnik dürfte steigen.

Umwelttechnik: Viele Wasserprojekte, einige verzögern sich

Die Behörde Ashghal plant den Bau einer Abwasserleitung entlang des Salwa International Highway für 300 Millionen US$. Landesweit sollen bis 2026 für 3 Milliarden US$ rund 40 Trinkwasserreservoirs mit einer Gesamtkapazität von 3.800 Millionen Gallonen entstehen. Teils ist der Bau der Reservoirs weit fortgeschritten, teils verzögert sich die Auftragsvergabe erheblich. Katar setzt im Wassersektor auf Public Private Partnerships. Die Ausschreibung für die nächste Kraftwerks- und Meerwasserentsalzungsanlage der Umm Al Houl Combined Power Plant wird im ersten Quartal 2019 erwartet.

Dieser Artikel ist relevant für:

Katar Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Öl, Gas

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