Branchencheck

20.06.2018

Branchencheck - Katar (Juni 2018)

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Hohe Investitionen in Projekte für Fußballweltmeisterschaft und Gassektor / Ausbau lokaler Produktion angestrebt / Von Katrin Pasvantis

Dubai/Doha (GTAI) - Hohe staatliche Investitionen in Infrastrukturprojekte treiben die Wirtschaft an. Priorität genießen weiter insbesondere Projekte im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft. Außerdem plant Katar Milliarden in den Ausbau der Gasförderung zu investieren. Die anhaltende diplomatische Krise mit den Nachbarstaaten und niedrige Energiepreise trüben das Geschäftsklima. Andererseits wurden dadurch neue Handels- und Lieferwege aufgebaut und dem Bestreben nach lokaler Produktion Schwung verliehen.

Chemieindustrie: Mittelfristig keine größeren Investitionen

Bis 2023 erwartet BMI Research keine Investitionen in den Ausbau der Produktion von Basischemikalien oder Polymeren. Katars Petrochemie konzentriert sich auf ein kleines Spektrum an Basischemikalien mit geringer Wertschöpfung, was das Land anfällig für externe Schwankungen macht. Niedrige Ölpreise und ein Überangebot in wichtigen Exportmärkten schmälern die Wettbewerbsfähigkeit und machen zusammen mit höheren Kapitalkosten neue Projekte unwirtschaftlich. Der geplante Ausbau der Gasförderung im North Field könnte längerfristig den Ausbau der Petrochemie begünstigen. Dabei dürften Downstreamprodukte mit höherer Wertschöpfung in den Fokus rücken. Die Kapazitäten von Katars Chemieindustrie beliefen sich laut dem Fachverband GPCA 2016 auf 18,3 Millionen Tonnen im Jahr (Jato), davon 2,2 Millionen Jato Polymere.

Energiewirtschaft: Stromnetze werden ausgebaut

Katar investiert in den Ausbau der Stromerzeugung und -verteilung. Die Ausschreibung für den Bau der Anlage E des IWPP "Umm Al Houl Combined Power Plant" des staatlichen Strom- und Wassererzeugers Kahramaa ist für Ende 2018 geplant. Dem Vernehmen nach könnte eine Standortänderung den Zeitplan verzögern. Das Kraftwerk für rund 3 Milliarden US-Dollar (US$) hat eine geplante Kapazität von 2.500 Megawatt. Mehr als zehn Firmen sollen präqualifiziert sein, darunter Siemens. Anlage D soll 2018 komplett ans Netz gehen; Siemens lieferte die Turbinen und Generatoren. Die Präqualifizierung für eine 500-Megawatt-Solaranlage von Kahramaa in Doha läuft noch bis Ende Juni 2018. Eine Solaranlage mit 500 bis 1.000 Megawatt plant Siraj Power in Al Sheehaniya. Die Kapazität aller Kraftwerke des Landes betrug 2017 etwa 10,1 Gigawatt.

Bauwirtschaft: Befürchtete Engpässe blieben aus

Katar hat seine Bauprojekte seit dem Einbruch der Energiepreise 2014 deutlich zurückgefahren. Priorität genießen Projekte im Vorfeld der WM 2022, darunter Transportinfrastruktur wie Metro, Straßenbahn oder Straßen. Die Bauaufträge für zwei Stadien, Ras Abu Aboud und Ninth Precinct, gingen Anfang 2018 an die katarische HBK Contracting. Außerdem plant Katar einige Tourismusprojekte. Das wertmäßig größte jüngst begonnene Projekt ist aber die Erweiterung der künstlichen Pearl Insel um die sogenannte Gewan Island (mixed-use, rund 690 Millionen US$). Überdies hat Katar mit dem Ausbau seiner Gasproduktion begonnen. Der Projektdatenbank Meed zufolge wurden in den ersten fünf Monaten 2018 Aufträge im Wert von rund 3,6 Milliarden US$ vergeben, nur halb so viel wie in der Vorjahresperiode (Gesamtjahr 2017: 13 Milliarden US$; 2014: 36 Milliarden US$).

Gesundheitswirtschaft: Schwaches Wachstum

Krankenhausprojekte kommen nur langsam voran oder wurden gestoppt, die Nachfrage nach Medizintechnik stieg nur leicht an. Die Importe legten 2017 um nur drei Prozent auf 228 Millionen US$ zu (2016/2015: -14 Prozent). BMI Research blieb im Januar aber bei seiner Prognose, dass der Absatz von Medizintechnik von 2015 bis 2020 auf 360 Millionen US$ steigen wird (CAGR: 6 Prozent). Alpen Capital prognostiziert einen Anstieg der Gesundheitsausgaben von 5,8 Milliarden US$ in 2017 auf 6,6 Milliarden US$ in 2022. Etwa die Hälfte der Ausgaben entfällt auf stationäre Behandlungen. Bis 2022 will Katar die Anzahl der staatlichen Krankenhausbetten auf 4.700 ausbauen (Schätzung 2017: 3.023 Betten; privat: 641). Der Bedarf könnte stagnieren, wenn die zur Fertigstellung der WM-Projekte benötigten Arbeitskräfte das Land verlassen.

Öl / Gas: Katar startet Ausbau der Gasförderung

Milliardeninvestitionen im Gassektor sind in der Pipeline. Im Ölsektor stehen viele Projekte kurz vor der Fertigstellung und es gibt wenige neue Vorhaben. Katar kündigte Mitte 2017 an, seine LNG-Kapazitäten bis 2024 um 30 Prozent auf 100 Millionen Tonnen pro Jahr (Jato) zu erhöhen. Investiert wird in neue Förderkapazitäten im North Field und die Steigerung der Effizienz vorhandener Projekte. Durch das sogenannte Debottlenecking sollen zwölf Millionen Jato dazugewonnen werden können. Die japanische Chiyoda Corporation arbeitet an einer Studie. Chiyoda hat außerdem den FEED-Auftrag für drei LNG Trains (je 7,8 Millionen Jato) mit der Option auf einen vierten Train beim Ausbau des North Field gewonnen. Die zweite und dritte Phase des Barzan Gas Project, das Gas für den Inlandsbedarf produziert, sind dagegen auf Halt gesetzt.

Kfz-Markt: Talfahrt geht weiter

Nach zwei Jahren Talfahrt erwarten die Analysten von BMI Research für 2018 ein leichtes Wachstum des Kfz-Absatzes um 3,8 Prozent. Das Nutzfahrzeugsegment (+4,8 Prozent) soll angetrieben durch WM-Infrastrukturprojekte schneller zulegen als Pkw (+3,5 Prozent). Die geplante VAT-Einführung Ende 2018 könnte über Vorabkäufe den Absatz kurzfristig antreiben. Die Kauflaune trüben dürften dagegen weiter die diplomatische Krise und die niedrigen Energiepreise. Zudem haben zahlreiche ausländische Arbeitskräfte das Land verlassen. Der Pkw-Markt brach 2016 um 26 und 2017 um weitere 29 Prozent auf 51.135 Neuregistrierungen ein. Marktführer bei Pkw blieb 2017 trotz erheblicher Einbußen Toyota (Marktanteil: 32 Prozent), gefolgt von Nissan (16 Prozent) und Mitsubishi (8 Prozent). Bestseller seit sieben Jahren infolge war Toyotas Land Cruiser (13 Prozent).

Landwirtschaft: Neue Projekte sollen Selbstversorgung verbessern

Katar treibt den Ausbau der lokalen Produktion voran, seit es infolge der Lieferstopps aus Saudi-Arabien und den VAE zu Engpässen in der Versorgung kam. Bei Geflügel sei bereits eine Selbstversorgungsrate von 98 Prozent mit 21.500 Tonnen Hühnchen erreicht, bei Milch und -erzeugnissen von 82 Prozent. Hundert Prozent sind das Ziel. Bei anderen Produkten ist die Selbstversorgung noch geringer (Eier: 23 Prozent, Gemüse: 24 Prozent; Datteln: 86 Prozent, Grünfutter: 50 Prozent, Fisch: 80 Prozent), Projekte zur Produktionssteigerung aber in Planung. Private Investitionen werden gefördert. Kurz- und mittelfristig könnte die Nachfrage nach entsprechenden Ausrüstungen steigen.

Umwelttechnik (Wasser und Abfall): Projekte werden angeschoben

Katar setzt bei Projekten im Wassersektor auf Public Private Partnerships. Die Ausschreibung für Kahramaas nächste kombinierte Kraftwerks- und Meerwasserentsalzungsanlage, Anlage E des IWPP "Umm Al Houl Combined Power Plant", wird Ende 2018 erwartet (Kapazität: 60 bis 100 Millionen Gallonen Trinkwasser pro Tag). Siemens soll zu den präqualifizierten Firmen zählen. Ashghal hat den Hauptauftrag für eine Pumpstation (275 Millionen US$) für das dritte Paket des Abwasserprojekts Idris ausgeschrieben. Die Präqualifizierung für eine Pumpstation und Hauptleitungen von der Abwasseranlage in Doha South zum Staubecken New TSE Storage Lagoon (300 Millionen US$) läuft. Landesweit sollen außerdem bis 2026 rund 40 Trinkwasserreservoirs mit einer Gesamtkapazität von 3.800 Millionen Gallonen entstehen. Teils ist der Bau weit fortgeschritten, teils verzögert sich die Auftragsvergabe erheblich.

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick--katar-mai-2018,did=1923136.html

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Katar Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

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