Branchencheck

10.06.2019

Branchencheck - Katar (Mai 2019)

Inhalt

Lebhafte Projektaktivitäten in vielen Sektoren / Von Robert Espey

Dubai/Doha (GTAI) - Der Wirtschaftsboykott bremst die Investitionen nicht. Die zahlreichen Infrastrukturprojekte, Vorhaben im Gassektor und in der verarbeitenden Industrie geben starke Impulse.

Chemieindustrie: Neues Großprojekt in Vorbereitung

Qatar Petroleum plant nach Jahren ohne große Projektstarts im Chemiesektor für 5 Milliarden US$ einen neuen Petrochemie-Komplex am nördlichen Industriestandort Ras Laffan. Das Projekt soll das durch eine steigende Gasproduktion gewonnene Ethan als Feedstock nutzen. Es sind unter anderem ein Ethan-Cracker mit einer Jahresleistung von 1,6 Millionen Tonnen, eine Derivaten-Anlage und ein Ethylenglykol-Werk vorgesehen. Mit den Design-Arbeiten soll in Kürze begonnen werden. Fertigstellung ist für 2025 angestrebt. Die Qatar Fertiliser Company plant eine siebte Ausbauphase. Für das 500 Millionen US$ Projekt haben sich vier Unternehmen präqualifiziert, darunter ThyssenKrupp. Die Ausschreibung läuft.

Weitere Informationen:

Katar investiert in seine Petrochemie

https://bit.ly/2VTyiLe

Energiewirtschaft: Erstes großes Solarprojekt in Planung

Katar will bis 2030 den Anteil der erneuerbaren Energien an den Kraftwerkskapazitäten auf 20 Prozent erhöhen. Bislang erzeugen gasbetriebene Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 11 Gigawatt fast ausschließlich den Strom. In Planung ist ein weiteres konventionelles Kraftwerk (Facility E; Kapazität: 2 Gigawatt). Als erstes großes Solarprojekt will Siraj Solar Energy, ein 2017 gegründetes Joint Venture aus der Qatar Electricity & Water Company und Qatar Petroleum, für 600 Millionen US$ in Al Kharsaah eine 350 Megawatt Photovoltaik-Anlage errichten lassen. Zu den präqualifizierten Unternehmen der Ausschreibung gehört die RWE-Tochter Innogy.

Katar will neue Kraftwerke bauen lassen

https://bit.ly/30wdsjz

Golfstaaten mit ehrgeizigen Projekten für erneuerbare Energien

https://bit.ly/30Banio

Bauwirtschaft: Weiterhin rege Bautätigkeit

Der Bausektor ist mit einem Anteil am Bruttoinlandsprodukt von 12 Prozent der zweitwichtigste Wirtschaftszweig nach der Gas- und Ölförderung. Über 40 Prozent der Erwerbspersonen sind in der Baubranche tätig. Infrastrukturinvestitionen (Straßenbau, Metro etc.), Städtebauvorhaben und die vielen Projekte im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft 2022 sorgen für eine lebhafte Baukonjunktur. Das starke Wachstum der Bauwirtschaft verlangsamte sich allerdings 2018 real auf 11,6 Prozent (2017: 17,5 Prozent). Der Zeitraum 2013 bis 2016 hatte Zuwächse von über 20 Prozent verbucht. Auf den Gebäudebau entfielen 2018 geschätzt über 45 Prozent des Bauvolumens.

Gesundheitswirtschaft: Hohe staatliche Investitionen

Die Entwicklung des Gesundheitswesens wird auch künftig von staatlichen Investitionen abhängen. Der Staatshaushalt sieht 2019 Gesundheitsausgaben in Höhe von 6,2 Milliarden US$ vor. Das Budget veranschlagt Mittel für den Ausbau und die Modernisierung von Einrichtungen des zentralen staatlichen Krankenhausbetreibers (Hamad Medical Corporation), für medizinische Laboratorien sowie für die Fertigstellung von vier ambulanten Gesundheitszentren und für den Baustart von fünf weiteren Gesundheitszentren. Im Bereich der stationären Versorgung hat der staatliche Sektor zwischen 2010 und 2018 die Bettenkapazitäten von rund 1.600 auf geschätzte 3.200 gesteigert. Langfristig werden 4.500 Betten angestrebt.

Weitere Informationen:

Gesundheitswirtschaft in Katar expandiert

https://bit.ly/2EjixCf

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Investitionen in die Selbstversorgung

Der Mitte 2017 gegen Katar verhängte Wirtschaftsboykott führte kurzfristig zu erheblichen Problemen bei der Nahrungsmittelversorgung. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate waren vorher die führenden Nahrungsmittellieferanten gewesen. Obwohl recht schnell andere Lieferanten gefunden wurden, bemüht sich die Regierung um eine größere lokale Agrarproduktion. Offizielle Daten zeigen im Bereich Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei 2018 ein Plus von 8,3 Prozent. Das Wachstum beschleunigte sich nicht (2017: 8,2 Prozent, 2016: 9,0 Prozent). Dennoch wird von spektakulären Erfolgen in verschiedenen Agrarsparten berichtet. Beispielsweise soll die Selbstversorgungrate bei Milch und Milchprodukten von 27 Prozent (2017) auf 90 Prozent (2018) gestiegen sein.

Öl/Gas: Katar will größter LNG-Produzent bleiben

Katar plant einen massiven Ausbau seiner LNG-Produktion (Liquefied Natural Gas) und will seine Position als weltweit größter Flüssiggashersteller behaupten. Die nominale LNG-Kapazität von 77 MTPA (Million Tons per Annum) ist zu mehr als 100 Prozent ausgelastet. Der Bau von vier Gasverflüssigungsanlagen im Gesamtwert von 2 Milliarden US$ soll die LNG-Kapazitäten auf 110 MTPA erhöhen. Drei internationale Konsortien wurden im April 2019 aufgefordert, Angebote für den Bau der neuen Anlagen vorzulegen. Die zusätzliche Gasförderung wird auch die Versorgung mit Kondensaten und Ethan deutlich erhöhen. Katars Rohölförderung ist wiederum gering und lag 2018 bei 0,6 Millionen bpd (barrel per day).

Metallindustrie: Derzeit keine größeren Investitionsprojekte

Die Metallindustrie ist die drittgrößte Branche im verarbeitenden Sektor. Derzeit werden keine größeren Investitionsprojekte durchgeführt oder geplant. Die beiden führenden Branchenunternehmen sind Qatar Steel (QS) und Qatar Aluminium (Qatalum). QS meldete 2017 einen leichten Anstieg des Rohstahlausstoßes auf 2,65 Millionen Tonnen. Die Produktion von Bewehrungsstahl ging um 10 Prozent auf 2,0 Millionen Tonnen zurück. QS ist an der Qatar Metals Coating Company sowie an Solb Steel beteiligt. Qatalum, ein 50/50 Joint Venture von Qatar Petroleum und Norwegens Norsk Hydro, betreibt eine Aluminiumschmelze mit einer Kapazität von 0,6 Millionen Tonnen/Jahr, Produktionsbeginn war 2010.

Umwelttechnik: Investoren für neue Kläranlage gesucht

Katar kann in seinen sechs großen und 17 kleinen Kläranlagen nahezu das gesamte Abwasser verarbeiten. Die Klärwerkskapazitäten wurden von 2012 bis 2018 auf 0,8 Millionen Kubikmeter/Tag mehr als verdoppelt. Sie verarbeiteten geschätzte 0,7 Millionen Kubikmeter/Tag. Etwa 85 Prozent des aufbereiteten Abwassers werden zur Bewässerung und zum Auffüllen der Grundwasserbestände verwendet. Derzeit ist ein 200 Millionen US$ Klärwerk in Al Wakrah geplant, das als PPP-Projekt (Public Private Partnership) realisiert werden soll. Die neue Kläranlage dürfte zunächst über eine Kapazität von 150.000 Kubikmeter/Tag verfügen. Die Infrastruktur wird für eine spätere Erweiterung auf 600.000 Kubikmeter ausgelegt.

Weitere Informationen:

Katar legt neue Wasserprojekte auf

https://bit.ly/2HKorgC

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Erste 5G-Netze schon in Betrieb

Auf dem Mobilfunkmarkt herrscht hoher Wettbewerbsdruck. Die beiden Netzbetreiber Ooredoo und Vodafone Qatar kämpfen mit schnellen Netzen und attraktiven Tarifen um Kunden. Katar gehört zu den Ländern mit dem schnellsten Mobilfunknetz. Ooredoo hatte Ende 2018 rund 3,28 Millionen Kunden (2017: 3,44 Millionen). Seit Mai 2018 betreibt Ooredoo ein erstes 5G Netz. Vodafone versorgte Ende 2018 etwa 1,42 Millionen Kunden, Anfang 2017 waren es noch über 1,5 Millionen gewesen. Im August 2018 nahm Vodafone sein erstes 5G Netz in Betrieb. Huawei wurde mit dem Ausbau des 5G Netzes beauftragt.

Nahrungsmittelmarkt: Importabhängigkeit bleibt hoch

Katar bemüht sich um den Ausbau seiner Nahrungsmittelerzeugung und -verarbeitung. Der Wüstenstaat muss aber weiterhin den Großteil seiner Lebensmittel importieren. Nach Angaben der Statistikbehörde wuchsen 2018 die Einfuhren von Nahrungsmitteln (SITC 0) um 7 Prozent auf 3,2 Milliarden US$. Die Lieferungen von Getränken und Tabak gingen um 21 Prozent auf 0,2 Milliarden US$ zurück. Indien war 2018 mit 400 Millionen US$ der größte Nahrungsmittellieferant. Es folgten Australien (319 Millionen US$), die USA (181 Millionen US$), Iran (161 Millionen US$) und die Türkei (147 Millionen US$). Für Deutschland wurden 42 Millionen US$ gemeldet. Eurostat gibt die deutsche Nahrungsmittelausfuhr nach Katar mit 25 Millionen Euro an (2017: 23 Millionen Euro).

Kfz-Markt: Weiter im Rückwärtsgang, aber Wende in Sicht

Die rasante Talfahrt des Pkw-Marktes verlangsamte sich 2018. Beobachter halten 2019 eine Stagnation oder sogar einen leichten Anstieg für möglich. Nach Angaben des Informationsdienstes Best Selling Cars schrumpfte der Absatz von Pkw und leichten Lkw (SUV etc.) 2016 um 26 Prozent und 2017 um 29 Prozent. Für 2018 wird ein Rückgang um 11 Prozent auf 45.653 Fahrzeuge gemeldet. Obwohl sich der private Konsum positiv entwickelt, zeigen Käufer im Kfz-Sektor eine deutliche Zurückhaltung. Der Absatz des Marktführers Toyota/Lexus stagnierte 2018 auf Vorjahresniveau (Marktanteil: 40,8 Prozent). Es folgten Nissan (15,2 Prozent), Kia/Hyundai (9,6 Prozent) und Mitsubishi (8,1 Prozent). Mehr als die Hälfte der verkauften Fahrzeuge waren SUV.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/katar

Dieser Artikel ist relevant für:

Katar Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Straßenfahrzeuge, allgemein, Öl, Gas

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