Branchencheck

16.04.2019

Branchencheck - Kenia (April 2019)

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Importgeschäfte meist lohnender als Produktionsausweitung / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Kenias industrielles Wachstum lässt zu wünschen übrig. Im Regionalvergleich droht Kenia gegenüber dem Niedriglohnland Äthiopien ins Hintertreffen zu geraten.

Maschinenbauindustrie: Kleiner Markt mit hoher Importabhängigkeit

Kenia hat bislang mangels Marktgröße keine nennenswerte Maschinenbauindustrie. Dem Vernehmen nach gibt es ein überschaubares chinesisches Interesse am Aufbau von lokalen Montageeinheiten. Zu konkreten Projekten dürfte es allerdings erst kommen, wenn angedachte Industriezonen realisiert werden können. Kenia ist ansonsten im ostafrikanischen Kontext ein führender Importeur von Maschinen, die vornehmlich aus China, Indien und den USA kommen. Deutschland lieferte 2018 für 109 Millionen Euro Maschinen, Apparate und mechanische Geräte (WA84) nach Kenia.

Chemieindustrie: Wenig mehr als Mischen und Abfüllen

Kenia hat nur eine sehr kleine Chemiebranche, die importierte Einsatzmittel mischt und verpackt. Für den Aufbau einer eigenen nennenswerten Chemieindustrie ist der Markt zu klein und die Produktionskosten sind zu hoch. Das Land bleibt damit auf Importe angewiesen. Die Einfuhren erreichten 2017 nach Comtrade-Zahlen rund 2,3 Milliarden US-Dollar (US$). Kenias wichtigste Chemielieferanten sind Indien, China und Saudi-Arabien. Nach den noch vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes lieferte Deutschland 2018 für 67 Millionen Euro chemische Erzeugnisse (SITC 5) nach Kenia.

Energiewirtschaft: Teure und mangelhafte Stromversorgung behindert Wirtschaft

Kenia verfolgt seit Jahren höchst ambitionierte Stromerzeugungsziele. Zur Realität gehören aber Stromabschaltungen und hohe Erzeugungspreise. Potenzial hat äthiopischer Strom aus konkurrenzlos günstiger Wasserkraft. Damit verbunden ist der Aufbau eines regionalen Stromverbunds. Deutschland lieferte 2018 für 55 Millionen Euro elektrotechnische Erzeugnisse (WA 85) nach Kenia.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Kenia plant Ausbaustopp für neue Windkraftwerke

http://www.gtai.de/MKT201902208001

Bauwirtschaft: Abkühlung auf hohem Niveau

Kenias heißgelaufene Bauwirtschaft kühlt wieder ab. Zum Beispiel ist die Nachfrage nach Zement auf einem Vier-Jahres-Tief. Im oberen Preissegment ist der Bedarf zunehmend gedeckt, im unteren Preissegment besteht noch Nachfrage. Dem Staat geht derweil für seine ambitionierten Infrastrukturprojekte zunehmend das Geld aus - nicht zuletzt weil Politiker und öffentlich Bedienstete sich aus der Staatskasse bedienen. Deutsche Firmen haben, wenn überhaupt, nur als Zulieferer für anspruchsvolle Immobilienprojekte eine Beteiligungschance sowie als Berater.

Gesundheitswirtschaft: Kein nennenswerter Markt für deutsche Unternehmen

Der öffentliche Gesundheitssektor ist in einer Dauerkrise: Missmanagement und institutionalisierte Veruntreuung sind die Norm. Der Staat kann so seinen gesundheitspolitischen Aufgaben nicht gerecht werden. Nutznießer der Entwicklung sind private Gesundheitseinrichtungen sowie Anbieter im Ausland. Deutsche Firmen verkauften 2018 medizinische Geräte (EGW871) für 12 Millionen Euro nach Kenia. Hinzu kamen für knapp 10 Millionen Euro pharmazeutische Erzeugnisse (EGW834).

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Kenia investiert wenig in sein Gesundheitssystem

http://www.gtai.de/MKT201811278000

Öl/Gas: Schnelle Nutzung schwierig

Kenia verfügt über kommerziell nutzbare Ölvorkommen, die das Land und die in Vorlage getretenen Ölfirmen so schnell wie möglich zu Geld machen wollen. Erste Barrel werden per Lastwagen nach Mombasa transportiert, um die Marktchancen für das wachsartige kenianische Öl zu testen. Die seit längerem geplante Rohölpipeline wird nach letztem Stand kleiner (und preiswerter) ausfallen. Eine Investitionsentscheidung steht allerdings noch aus, weil die antizipierte Strecke durch den unsicheren Norden des Landes als fragwürdig gilt.

Nahrungsmittelindustrie: Autarkieziel unerreichbar

Wie in Südafrika gibt es viele moderne Lebensmittelgeschäfte in Kenia. Ausländische Ketten wie Carrefour setzten neue Standards. Die landwirtschaftlich produktive Anbaufläche nimmt derweil ab, während der Klimawandel für unberechenbare Niederschläge sorgt. Auf die Herausforderung sollte es nur eine Antwort geben: Modernisierung, künstliche Bewässerung, Treibhäuser sowie mehr Verarbeitung, um die hohen Verluste nach der Ernte zu mindern. Mehr als leere Versprechungen schafft die Politik aber nicht. Das erklärte Autarkieziel ist so nicht zu erreichen.

Textil- und Bekleidungsindustrie: Arbeitskräfte und Strom zu teuer

Wurde die einst prosperierende kenianische Textil- und Bekleidungsindustrie durch Importe von Gebrauchtkleidung verdrängt, will die Regierung nun umsteuern. Sonderwirtschaftszonen mit fiskalischen Anreizen sollen die Wende bringen - hier gibt es erste Erfolge. Doch sind die Arbeits- und Stromkosten hoch und der Standort Äthiopien ist preiswerter. Deutschland lieferte 2018 für 2,1 Millionen Euro Maschinen für das Textil-, Bekleidungs- und Ledergewerbe (EGW847).

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Thema rückt auf die politische Agenda

Die Themen Wasser, Abfall und Luftverschmutzung rücken zunehmend auf die politische Agenda. Städte wie Nairobi können die Wasserversorgung nicht mehr garantieren, Flüsse werden durch Abwässer verunreinigt, die städtische Luftqualität wird schlechter. Mit Wasserversorgungsprojekten, Stadtreinigungsinitiativen, einem Plastiktütenverbot und einer Importbegrenzung für alte Autos soll gegengesteuert werden. Recycling wird diskutiert. Die Entwicklung eines Umweltbewusstseins hat aber erst begonnen und wenn Geld für technische Lösungen ausgegeben wird, dann kommt es bislang vornehmlich von Gebern.

Weitere Informationen:

Wasserversorgung wird in Kenia zum Streitthema

http://www.gtai.de/MKT201811148002

Nahrungsmittelmarkt: Lieferchancen für deutsche Erzeugnisse

Die kenianische Landwirtschaft kann die schnell wachsende Bevölkerung längst nicht mehr ernähren. Gegen Dürren, Überschwemmungen, den Verlust von fruchtbarem Agrarland durch Bebauung, Umweltsünden sowie die Konkurrenz von Futtermitteln kommen die Produktivitätsfortschritte nicht mehr an. Kenia muss deshalb immer mehr Grundnahrungsmittel importieren. Gleichzeitig fragen ausländische Supermarktketten nach einer breiteren Palette importierter Produkte. Deutschland lieferte 2018 für 24 Millionen Euro Nahrungsmittel (SITC 0) nach Kenia, vornehmlich Getreide.

Kfz-Markt: Subvention lokaler Montage

Kenia setzt auf eine lokale Montage importierter Bausätze, die durch günstige Zölle subventioniert werden. Die öffentliche Hand soll nach dem Willen des Staatspräsidenten nur noch solche Fahrzeuge kaufen. Die private Nachfrage konzentriert sich vornehmlich auf gebrauchte Kfz japanischer Marken. Doch eine begrenzte Kreditvergabe sowie hohe Zölle wirken sich negativ aus. Deutschland exportierte 2018 für 28 Millionen Euro Straßenfahrzeuge (SITC 78) nach Kenia, 2015 waren es noch 70 Millionen Euro.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Kenia finden Sie unter http://www.gtai.de/kenia

Dieser Artikel ist relevant für:

Kenia Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

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Katrin Weiper

‎+49 228 24 993 284

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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