Branchencheck

11.02.2019

Branchencheck - Kongo (Dem.) (Februar 2019)

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Frischer Optimismus durch steigende Kupferpreise / Von Carsten Ehlers

Kinshasa (GTAI) - Schon 2018 wurde die Stimmung in der kongolesischen Wirtschaft besser, vor allem in Katanga. Unklar bleibt, ob der neue Präsident Tshisekedi für mehr politische Stabilität sorgt.

Chemieindustrie: Kinshasa ist eine Hochburg für Kosmetikhersteller

Die Absatzchancen für deutsche Lieferanten von chemischen Zusätzen für die in der Hauptstadt Kinshasa produzierenden Kosmetikhersteller sind derzeit gut und dürften dies auch in naher Zukunft bleiben. Die Unternehmen wie Angel Cosmetics, Ghandour, Dover oder Femco gehören überwiegend indischen oder libanesischen Familien. Darüber hinaus existiert im Kongo so gut wie keine chemische Industrie.

Energiewirtschaft: Inga III soll nun eine Kapazität von 11.000 Megawatt erhalten

Chancen im Stromsektor sind vorhanden. In Katanga beauftragen die Minenbetreiber Subkontraktoren mit dem Ausbau der Stromproduktion. Dort dürften vor allem kleinere thermische Kraftwerke gebaut werden. In der Provinz Kasai finanziert die KfW Entwicklungsbank den Bau kleinerer Wasserkraftwerke. Ausschreibungen hierzu werden 2019 erwartet. Beim seit Jahren geplanten Bau des Staudamms Inga III wollen die spanische ACS und die chinesische Three Gorges nun kooperieren. Das 14 Milliarden US-Dollar (US$) teure Projekt soll ab 2021 gebaut werden und eine Kapazität von 11.000 Megawatt erhalten.

Bauwirtschaft: Wieder besseres Geschäft in Katanga

Deutsche Zuliefermöglichkeiten im Bausektor dürften zunehmen, auch wenn inzwischen die Chinesen einen Großteil des Geschäfts übernommen haben. Der Bausektor kommt insbesondere in Katanga wieder in Schwung, wo die zahlreichen Bergbaugesellschaften vom zuletzt deutlich gestiegenen Kupferpreis profitieren. Sie fragen viele Erdbewegungsmaschinen nach. In Kinshasa fließt immer noch Geld in private Apartmenthäuser, die allerdings überwiegend mit niedriger Qualität gebaut werden.

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: DEM soll drei Farmen aufbauen

Absatzchancen für deutsche Firmen in der Landwirtschaft sind aktuell gering und dies dürfte auch vorerst so bleiben. Deutsche Marken sind nicht gut vertreten. Potenzial für Zulieferungen ist nur punktuell bei einzelnen Großprojekten vorhanden, wie der seit dem Jahr 2014 aufgebauten Großfarm Bukanga Lonzo. Die belgische DEM-Gruppe plant den Aufbau und Betrieb von drei Farmen, für die die alte Regierung die Finanzierung übernehmen wollte. Unter dem "Projet Volontariste Agricole" soll je eine Farm bei Kinshasa (Anbau von Kassava), Bas Congo (Reis) und Katanga (Mais) die lokale Bevölkerung versorgen.

Bergbau: Aufschwung in Katanga

Für deutsche Unternehmen bestehen zahlreiche Zulieferchancen, da Bergbaugesellschaften und Subkontraktoren wieder neues Gerät kaufen. Im Kupfer- und Kobaltabbaugebiet Katanga herrscht aufgrund zuletzt gestiegener Mineralienpreise seit 2018 wieder bessere Stimmung. Allerdings drückt das im Jahr 2018 eingeführte neue Bergbaugesetz mit deutlich höheren Abgaben auf die Investitionslaune. Eines der größten Projekte ist der Aufbau der Mine in den Kamoa-Kakula-Kupfervorkommen seitens Ivanhoe Mines und Zijin. Auch Glencore investiert in seine Mopani-Mine. Weitere Großinvestitionen deuten sich an.

Öl/Gas: Im Osten liegen scheinbar interessante Vorkommen

Öl- und Gasförderung findet bislang auf sehr geringem Niveau statt. Vor Muanda an der Kongomündung fördern Chevron und Perenco offshore in kleinem Umfang. Potenzial besteht in der Provinz Équateur an der Grenze zur Republik Kongo, wo die britische Soco International bohrt. Auch in der Region des Albertsees und des Eduardsees wird gesucht. Dort sind unter anderem Total sowie Foxwhelp und Caprikat des israelischen Geschäftsmanns Dan Gertler aktiv.

Nahrungsmittelindustrie: Ausbau der Produktion in Kinshasa

Zulieferchancen für die Nahrungsmittelindustrie sind vorhanden. Im Jahr 2017 wurden nach Angaben des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) Nahrungsmittelmaschinen im Wert von etwa 2,2 Millionen Euro von Deutschland geliefert. Auch für Chemikalien bestehen Absatzchancen. Vor allem in Kinshasa gibt es einige Nahrungsmittelverarbeiter wie Brauereien oder Großbäckereien. Deren Investitionsfreude hat seit 2018 wieder zugenommen. Allerdings könnten sich durch die politische Unsicherheit Anschaffungen verzögern. Unter anderem plant die Zenufa-Gruppe neue Produktlinien.

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Geber finanzieren den Großteil

Aussichten auf Geschäfte im Umweltbereich gibt es regelmäßig im Rahmen von Geberprojekten. Das von der Weltbank finanzierte Projet d'Alimentation en Eau Potable en Milieu Urbain (PEMU) konzentriert sich auf den Ausbau der Wasserversorgung in den großen Städten Kinshasa, Lubumbashi und Matadi. Die KfW Entwicklungsbank engagiert sich zudem beim Aufbau eines Wassernetzes in der Millionenstadt Mbuji-Mayi. Mit Ausschreibungen ist noch im 1. Quartal 2019 zu rechnen. In Kinshasa will die Agence Francaise de Développement (AFD) den Aufbau einer Müllabfuhr voranbringen.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Vodacom führt 4G ein

Da beim Ausbau der kongolesischen Telekommunikationsnetze vor allem chinesische Technologie verwendet wird, sind Lieferchancen für deutsche Unternehmen in diesem Bereich sehr begrenzt. Gleichwohl werden die Mobilfunknetze von den großen Betreibern Vodacom, Orange oder Airtel weiter ausgebaut. Die südafrikanische Vodacom führte im Jahr 2018 erstmals 4G-Technologie in Kinshasa ein. Das digitale Übertragungsnetz für Radio und Fernsehen wird derzeit von Seiten der chinesischen StarTimes verlegt.

Nahrungsmittelmarkt: Fleisch, Milchprodukte und Weizen werden in großen Mengen nachgefragt

Perspektiven für Lebensmittellieferungen bestehen, da fast alles importiert werden muss. Speziell Getreide, Milchprodukte oder Fleisch müssen in großen Mengen eingeführt werden. Der Großraum Katanga wird von südafrikanischen Lieferanten bedient, Kinshasa aus Übersee und Ostkongo zum Teil aus Kenia oder Übersee. In den vor allem von Indern und Libanesen betriebenen Supermärkten kommen deutsche Produkte bislang so gut wie nicht vor.

Kfz-Markt: Aufschwung bei Lkw

Der Aufschwung in der Bergbauregion Katanga schlägt sich in steigenden Verkäufen von Lkw nieder. Mercedes, Volvo, MAN und chinesische Marken dominieren. In Katanga werden Lkw in großer Zahl für den Transport von und zum südafrikanischen Hafen Durban benötigt. In geringerem Umfang gilt dies auch für den Transport zwischen der Hafenstadt Matadi und Kinshasa. Hingegen ist der Markt für neue Pkw weiter rückläufig. Hier liegt der Schwerpunkt bei Botschaften und Ministerien in Kinshasa. Der Trend geht jedoch weg von der Limousine hin zum SUV (hier vor allem Toyota Land Cruiser oder Nissan Patrol).

Dieser Artikel ist relevant für:

Kongo, Demokratische Republik Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Öl, Gas

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