Branchencheck

21.06.2018

Branchencheck - Kroatien (Juni 2018)

Inhalt

Wirtschaftsaufschwung zieht viele Branchen mit / Von Waldemar Lichter

Zagreb (GTAI) - Die kroatische Industrieproduktion nimmt seit 2014 wieder zu. Das Wachstum hat sich allerdings zuletzt verlangsamt. Angaben von Eurostat zufolge wurde das Produktionsniveau des Vorkrisenjahres 2010 erst 2016 wieder erreicht. Ungewiss ist nach wie vor, wie sich die Schieflage des Agrokor-Konzerns auf die lokale Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie auswirken wird. Ungeachtet ihrer relativ geringen Größe bietet Kroatiens Industrie einige interessante Möglichkeiten für Zulieferungen und Kooperationen.

Maschinenbauindustrie: Impulse durch Investitionen in die Infrastruktur

Die kroatische Maschinenbauindustrie schien von einer langjährigen Rezession erholt. Die Produktion hatte 2016 um 8,6 und 2017 um 4,5 Prozent zugenommen. In den ersten drei Monaten 2018 musste die Branche allerdings einen deutlichen Rückgang hinnehmen. Impulse für den Maschinenbau gehen von Investitionsvorhaben im Infrastrukturbereich aus, wie etwa der geplanten Errichtung des Flüssiggasterminals auf der Insel Krk (LNG Krk). Ein anderes Beispiel sind Projekte im Verkehrssektor, wie etwa der Ausbau und die Modernisierung der Bahninfrastruktur. Einige Unternehmen arbeiten erfolgreich für den Weltmarkt, wie beispielsweise der Hersteller von Maschinen für die Reifenindustrie, Harburg-Freudenberger Belisce d.o.o.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Höhere Investitionen lassen steigende Nachfrage auf Kroatiens Maschinenmarkt erwarten

http://www.gtai.de/MKT201609138014

Chemieindustrie: Produktion dreht 2018 kräftig ins Minus

Nach zwei guten Vorjahren rutschte die Chemieindustrie 2017 wieder kräftig ins Minus. Die Produktion von Chemikalien und Chemieerzeugnissen nahm um 14,1 Prozent ab. Der Rückgang setzte sich auch im 1. Quartal 2018 mit einem Minus von 14,8 Prozent fort. Die Pharmaindustrie - und hier vor allem die Kunststoff- und Kautschukbranche -entwickelten sich dagegen weiter positiv. Nach wie vor ungewiss ist die Zukunft des Mineraldüngerherstellers Petrokemija Kutina. Gleiches gilt für die Raffinerien Rijeka und Sisak des Mineralölkonzerns INA. Die Regierung plant den Rückkauf der INA-Anteile, die derzeit dem ungarischen Konzern MOL gehören.

Energiewirtschaft: Regierung will eine neue Strategie zur Energieversorgung

Die Regierung arbeitet derzeit an einer neuen Energiestrategie für den Zeitraum bis 2030. Sie soll bis Ende 2018 verabschiedet werden. Mit der neuen Strategie will das Land seine Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren und die Energieversorgung diversifizieren. Zu den wichtigsten Vorhaben gehört derzeit der Bau des LNG-Terminals auf der Halbinsel Krk. Gearbeitet wird an Projekten für eine Anlage zur Kraft-Wärme-Kopplung in Zagreb und zur Modernisierung des Kraftwerks TE-TO Osijek. Beträchtliche Investitionen finden im Bereich Stromübertragung statt. In der Vorbereitungsphase sind einige Großvorhaben im Wasserkraftsektor. Großes Potenzial sehen Experten bei der Nutzung erneuerbarer Energiequellen, wie etwa der Solarenergie.

Bauwirtschaft: Erholung nach der schweren Krise

Die Bauwirtschaft hatte 2016 mit einem Plus von 3,3 Prozent erstmals seit 2008 einen Anstieg der Produktion erzielt. Die Erholung setzte sich 2017 (+1,7 Prozent) fort. Dabei konnte der Hochbau um 8,7 Prozent zulegen, der Tiefbau musste ein Minus von 2,5 Prozent verkraften. Die Zahl der Baugenehmigungen nimmt zu, ist aber immer noch deutlich geringer als 2012. Zur besseren Baukonjunktur tragen vor allem die hohen Investitionen im Tourismussektor bei. Nach einer Prognose von Ernst&Young (E&Y) sind zwischen 2017 und 2022 Investitionen von 1,2 Milliarden Euro zu erwarten. Die Hälfte der von E&Y identifizierten Projekte wird dabei 2018 realisiert. Erheblicher Investitionsbedarf besteht nach wie vor bei der Energieeffizienz im Gebäudebereich. Die Branche leidet unter dem hohen Fachkräftemangel.

Gesundheitswirtschaft: EU-finanzierte Projekte treiben Nachfrage nach Medizintechnik an

Der kroatische Markt für Medizintechnik soll von 2017 bis 2022 um jährlich 7,9 Prozent gemessen in US-Dollar (US$) wachsen, so die Marktforscher von Business Monitor International (BMI). Bis 2022 wird sein Volumen auf 496 Millionen US$ steigen. Umgerechnet zum aktuellen Wechselkurs sind das rund 427 Millionen Euro. Der Markt profitiert von der konjunkturellen Erholung und von EU-finanzierten Investitionsprojekten. Nachfrageimpulse gehen vom privaten Sektor aus. Ein großes Problem stellen die nach wie vor hohen Schulden der Krankenhäuser dar. Diese beliefen sich Ende 2017 auf umgerechnet 637 Millionen Euro.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Privater und öffentlicher Sektor beflügeln Kroatiens Medizintechnikmarkt

http://www.gtai.de/MKT201801158006

Nahrungsmittelindustrie: Produktion wächst ungeachtet der Agrokor-Krise kräftig

Die kroatische Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie hat sich von den schweren Krisenjahren zu Anfang des Jahrzehnts erholt. Die Produktion nimmt seit 2015 stabil zu. Daran hat auch die Krise um den Agrokor-Konzern, dem eine Reihe großer Branchenunternehmen gehören, nichts geändert. Nach einem Plus von 3,6 bis 5,2 Prozent in den Jahren 2015 bis 2017 legte die Produktion von Nahrungsmitteln in den ersten drei Monaten 2018 nochmals kräftig um 4,4 Prozent zu.

Kfz-Markt: Verkaufszahlen steigen auch 2018 weiter stark

Der kroatische Automobilmarkt bleibt auch 2018 weiter im Aufwind - auch dank der zu Jahresanfang eingeführten Abgabenentlastung für Pkw-Neuerwerbungen. In den ersten fünf Monaten 2018 stiegen die Pkw-Verkäufe gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 17 Prozent - nach einem Plus von 15,1 Prozent 2017. Der Pkw-Absatz hatte sich 2017 gegenüber 2013 auf 56.770 Fahrzeuge mehr als verdoppelt, ist aber von den Rekordwerten des Vorkrisenjahres 2008 weit entfernt. Auf Autos mit Dieselmotoren entfiel ungeachtet aller Imageprobleme über die Hälfe (54,8 Prozent) aller verkauften neuen Pkw. Elektro- und Hybridfahrzeuge spielen auf dem Markt eine nur untergeordnete Rolle.

Kfz-Teile-Produktion: Erfolgreiche Zulieferer und ein High-Tech-Start-up

Kroatien ist zwar nicht als großer Automobil- oder Kfz-Teile-Hersteller bekannt. Das Land verfügt allerdings über einige sehr erfolgreiche Branchenunternehmen, die sich seit Jahren als Zulieferer großer europäischer Automobilhersteller einen Namen gemacht haben. Dazu gehört vor allem das Unternehmen AD Plastik (Split), das unter anderem Ford, die PSA-Gruppe und die slowenische Renault-Tochter Revoz (Clio, Edison-Projekt) beliefert. Zu einem der innovativsten kroatischen Unternehmen gehört ferner Rimac Automobili. Das junge Start-up baut hochwertige E-Autos ("Concept One"), produziert vor allem aber auch Hightech-Komponenten für andere Automobilhersteller.

Umwelttechnik: Erheblicher Investitionsbedarf bei Abfall und Abwasser

Die neue Richtlinie der Europäischen Kommission zur Kreislaufwirtschaft dürfte die kroatische Umweltpolitik zusätzlich unter Druck setzen und die Notwendigkeit zur Beschleunigung von Investitionen im Abfall- und Recyclingbereich erhöhen. Kroatien stehen dafür in der Förderperiode bis 2020 EU-Mittel in Höhe von 475 Millionen Euro zur Verfügung. Die Schließung und Sanierung von Deponien wird 2018 fortgesetzt. Schlüsselthema bleibt die Trennung von Siedlungsabfällen. Eine Reihe großer, vor allem von der EU kofinanzierter Projekte, wird derzeit zur Sanierung und zum Bau von Abwasseranlagen in einigen großen Städten durchgeführt.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Kroatiens Abfallwirtschaft erreicht EU-Ziele bis 2018 nicht: http://www.gtai.de/MKT201707258005

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Nachfrage nach Cloud-Diensten beflügelt IT-Markt

Der IT-Markt hat sich von der Krise der Jahre 2009 bis 2014 erholt. Experten von BMI erwarten bis 2021 ein durchschnittliches Wachstum von 4,5 Prozent pro Jahr auf einen Umsatz von dann 1,2 Milliarden US$, gut 1,0 Milliarden Euro. Der Markt wird durch Investitionen in Software und Dienstleistungen angetrieben. Nach BMI-Einschätzung wird dabei die Nachfrage der Unternehmen nach Cloud-Lösungen zunehmen. Im Telekommunikationssektor sorgten der Markteintritt und hohe Investitionen des schwedischen Anbieters Tele2 für mehr Wettbewerb. Marktführer T-HT investiert in den Ausbau des Glasfasernetzes. Die Regierung strebt den Ausbau des Breitbandnetzes an.

Nahrungsmittelmarkt: Nachfrage wächst dank steigendem privaten Verbrauch

Der Nahrungsmittelmarkt profitiert von der starken Zunahme des privaten Verbrauchs. Experten von BMI erwarten für die Jahre von 2018 bis 2022 ein Wachstum von durchschnittlich 3,9 Prozent pro Jahr auf rund 5,9 Milliarden Euro Umsatz. Das größte Segment bildet Fleisch und Geflügel, auf das 35 Prozent der Marktumsätze entfällt. Der Verbrauch von alkoholfreien Getränken wird um 3,7 Prozent pro Jahr zulegen. Der Handel reagiert auf die positive Entwicklung des Marktes mit Investitionen. Die Handelskette Spar, der drittgrößte Player auf dem Markt, hat 2017 rund 50 Millionen Euro in den Ausbau des Supermarktnetzes investiert und plant weitere Investitionen. Die Schwierigkeiten des bisherigen Branchenprimus Konzum (Agrokor-Konzern) eröffnen anderen Unternehmen Geschäftschancen in Kroatien.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kroatien Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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