Branchencheck

17.12.2018

Branchencheck - Kuba (November 2018)

Inhalt

Energie- und Bauwirtschaft bieten deutschen Unternehmen Chancen / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Die kubanische Wirtschaft ist derzeit von Finanzierungsengpässen gebeutelt, doch einige Sektoren können für deutsche Firmen von Interesse sein.

Energiewirtschaft: Neue Bioenergie- und Fotovoltaikprojekte

Kuba hält an dem Ziel fest, bis 2030 rund 24 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu generieren. In 25 Zuckerfabriken sollen Bioenergieanlagen installiert oder modernisiert werden; zusätzliche Kapazität: 930 Megawatt. Bislang bestehen fünf Kooperationen mit Beteiligung aus China, Indien und Brasilien. In der Fotovoltaikbranche unterzeichnete das deutsche Unternehmen Eff Management Ende 2017 einen Vertrag mit dem kubanischen Stromanbieter UNE, wodurch letzterer über 25 Jahre hinweg den Strom aus einem 45-Megawatt-Park abnehmen wird. Daneben erhielt MTU Friedrichshafen mehrere Aufträge für Dieselkraftwerke.

Weitere Informationen:

Umbau der kubanischen Energiewirtschaft geht weiter

http://www.gtai.de/MKT201810178003

Bauwirtschaft: Stabile Entwicklung dank Tourismus und Industrie

Während der Wohnungs- und Infrastrukturbau schwächeln, stärken Industrie und Tourismus die kubanische Bauwirtschaft. In Varadero, der wichtigsten Stranddestination des Landes, sollen von 2018 bis 2020 rund 3.000 neue Hotelzimmer entstehen. Die größten Projekte sind das Hotel International der spanischen Gruppe Meliá und der Komplex Oasis unter Beteiligung der französischen Bouygues Construcciones. Die Bautätigkeit der Industrie ist von neuen Produktionskapazitäten in der Sonderwirtschaftszone Mariel bestimmt. 13 Unternehmen haben sich bereits angesiedelt, die Investitionen von weiteren knapp 30 Firmen sind von kubanischer Seite bestätigt.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Industrie und Gewerbe treiben kubanische Bauwirtschaft an

http://www.gtai.de/MKT201811218009

Gesundheitswirtschaft: Wachstum bleibt beschränkt

Der kubanische Markt für Medizintechnik wird in den kommenden Jahren wachsen, seine Dynamik bleibt allerdings beschränkt. Das Analyseunternehmen BMI Research geht für 2016 bis 2021 von einem Absatzplus von durchschnittlich 5,7 Prozent jährlich aus. Momentan sorgt der drastische Devisenmangel dafür, dass der Zuwachs unter diesem Durchschnitt liegt. Deutschland ist zusammen mit China und verstärkt auch Japan der wichtigste Lieferant von Medizintechnik. Das Importvolumen schwankt allerdings stark von Jahr zu Jahr, da der Einkauf zentral gesteuert wird.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Absatz von Medizintechnik in Kuba schwächelt wegen leerer Kassen

www.gtai.deMKT201811168007/

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Landreform 2018 gestartet

Eine Mitte 2018 in Kraft getretene Landreform soll dazu führen, dass unproduktive landwirtschaftliche Flächen einfacher an private Landwirte verpachtet werden können. Dadurch erhofft sich die Regierung, die Nahrungsmittelproduktion zu erhöhen, denn aktuell müssen 60 bis 70 Prozent der Lebensmittel importiert werden - mit entsprechend negativen Folgen für die Devisenbestände. Die Analysefirma EIU ist skeptisch, ob sich dies in einer höheren Nachfrage nach moderner Landtechnik niederschlagen wird. Zu groß seien die finanziellen Restriktionen und mögliche Folgekosten in Form von Kraftstoffverbrauch und Wartung der Geräte.

Öl/Gas: Firmen treiben Exploration voran

Die bedeutendsten Fortschritte gibt es in den Explorationsblöcken 9 (onshore) und 10 (offshore). Block 9 wird vom australischen Unternehmen Melbana erforscht. Im September 2018 gab das Unternehmen bekannt, bis spätestens Ende 2019 zwei zusätzliche Bohrlöcher anzulegen. Bereits Mitte des Jahres veröffentlichte die kanadische Sherritt Pläne, im Block 10 ebenfalls neue Bohrungen durchzuführen. Die Kosten dafür belaufen sich auf 14 Millionen US-Dollar (US$). Sherrit ist ebenfalls führend in der Ausbeutung der kubanischen Nickelvorkommen, den wichtigsten Mineralvorkommen des Landes.

Nahrungsmittelindustrie: Neue Werke in Mariel

Die mangelnde Nahrungsmittelproduktion ist der Hauptgrund für das enorme Handelsbilanzdefizit Kubas von jährlich rund 8 Milliarden US$. Die Regierung drängt daher darauf, neue Produzenten anzusiedeln. Bislang haben sich einige Joint Venture mit ausländischer Beteiligung in der Sonderwirtschaftszone Mariel niedergelassen. Sie bieten einen potenziellen Absatzmarkt für deutsche Ausrüstungsanbieter. Dazu gehören TGT Caribe (Spanien; Milchprodukte), Vidrios Mariel (Italien; Glasgebinde), Richmeat (Mexiko; Fleischprodukte), Profood Service (Spanien; Getränke) und Nescor (Schweiz; Nahrungsmittel).

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Unterseekabel in Planung

In den Telekommunikationsmarkt kommt gegenwärtig Schwung. Google gab im November 2018 gegenüber Pressevertretern bekannt, ein Unterseekabel verlegen zu wollen, um den Internetzugriff in Kuba zu verbessern. Details zum Baustart und zur vorgesehenen Route wurden allerdings nicht bekannt. Auch die spanische Telefónica bot an, Kuba per Unterseekabel an das eigene weltweite Netz anzubinden. Die staatliche Telefongesellschaft Etecsa erweitert seit Jahresmitte 2018 die Verfügbarkeit von mobilem Internet mit 3G-Standard. Daneben will sie das stationäre Internet in ländlichen Gebieten fördern.

Nahrungsmittelmarkt: Großer Importmarkt dank schwacher Produktion

Kuba muss 60 bis 70 Prozent seines jährlichen Nahrungsmittelbedarfs importieren, darunter insbesondere Getreide wie Reis und Mais sowie Soja, Bohnen, Milchpulver und Hähnchenfleisch. Aufgrund der hohen Ansprüche der Touristen befinden sich unter den Einfuhren auch hochwertige verarbeitete Lebensmittel wie Käse, Soßen, Fleischprodukte, Bier und Spirituosen. Die deutschen Exporte an Nahrungsmitteln und Getränken (SITC-Gruppen 0 und 1) lagen 2017 bei gut 67 Millionen US$. Die wichtigsten Gruppen dabei waren Getreide und Erzeugnisse daraus, Milchprodukte und Eier sowie Getränke.

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Kuba Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Medizintechnik, allgemein, Öl, Gas

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