Branchencheck

29.05.2018

Branchencheck - Kuwait (Mai 2018)

Inhalt

Viele Projekte in der Pipeline / Private Investoren gesucht / Von Robert Espey

Kuwait Stadt/Dubai (GTAI) - Die Umsetzung der zahlreichen Projekte, die als Teil der Anfang 2017 präsentierten "New Kuwait Vision 2035" geplant sind, würde in vielen Branchen zu einem kräftigen Aufschwung führen. Hohe Investitionen sind unter anderem in den Bereichen Städtebau, Transport, Energie und Gesundheit vorgesehen. Ob jedoch private in- und ausländische Investoren das erwartete Kapital beisteuern, erscheint ungewiss. Zudem behindern interne politische Spannungen oftmals den Fortgang von Projekten.

Chemieindustrie: Weitere Olefin-Anlage geplant

Der Downstream-Sektor bleibt Kuwaits wichtigste Industriebranche. Nach Angaben der Kuwait Petroleum Corporation sollen im Zeitraum 2017 bis 2021 in Raffinerie- und Petrochemieprojekte insgesamt 36 Milliarden US$ investiert werden. Die größten laufenden Vorhaben sind der neue Raffineriekomplex in Az Zour mit einer Investition von etwa 17 Milliarden US$ und das "Clean Fuel Project" mit über 16 Milliarden US$, beide Projekte sollen bis 2020 abgeschlossen sein. Kuwaits petrochemische Industrie will sich diversifizieren und den weiterverarbeitenden Sektor entwickeln. Allerdings ist derzeit kein größeres Petrochemieprojekt im Bau. Die seit über zehn Jahren geplante dritte Olefin-Anlage befindet sich weiter in der Planungsphase, es wird an der Vorbereitung von drei Teilprojekten im Wert von 1,5 Milliarden US$ gearbeitet.

Weitere Informationen:

Kuwaits Industrie weiterhin ohne Wachstum

http://www.gtai.de/MKT201802278002

Energiewirtschaft: Viele Projekte, aber Realisierung unklar

Aktuell verfügt Kuwait über Kraftwerkskapazitäten von etwa 19 Gigawatt (GW). Zwei Kraftwerke werden derzeit zu kombinierten Gas- und Dampf-Anlagen umgebaut, dies bringt eine zusätzliche Kapazität von 1,2 GW. Private Public Partnership-Projekte mit insgesamt 18,6 GW sind in der Planung, zuständig ist die Kuwait Authority for Partnership Projects (KAPP). Im "Shagaya Renewable Energy Complex" sind als erste Phase insgesamt 70 Megawatt (MW) installiert worden (PV, CSP, Wind). Der Zeitplan für drei weitere Phasen ist unklar. In der zweiten Phase sollen für 1 Milliarde US$ eine PV-Anlage mit 380 MW und ein CSP-Kraftwerk mit 550 MW entstehen. Bis 2030 will Kuwait 5 GW erneuerbare Energien am Netz haben. Die Kuwait National Petroleum Company will zur Versorgung von Raffinerien eine 1,5 GW PV-Anlage bauen, 15 Firmen sollen sich präqualifiziert haben.

Weitere Informationen:

Kuwait steigert die Kraftwerkskapazitäten

http://www.gtai.de/MKT201704118003

Bauwirtschaft: Noch keine Belebung

Die Baubranche ist auch 2017 auf Talfahrt geblieben. Die möglicherweise wieder zunehmenden Verzögerungen bei der Umsetzung staatlicher Großprojekte machen eine Trendwende 2018 eher unwahrscheinlich. Ursache sind die steigenden Spannungen zwischen Regierung und Parlament, das Vergabe und Durchführung öffentlicher Bauaufträge häufig kritisiert und Prüfungen verlangt. Das in den letzten Jahren hohe Volumen vergebener Aufträge hat deshalb nicht zu einem entsprechenden Wachstum der Baubranche geführt. Im Zeitraum 2015 bis 2017 ist die Bauwirtschaft um insgesamt 13 Prozent geschrumpft. Angesichts der im Rahmen der "New Kuwait Vision 2035" geplanten Großprojekte unter anderem in den Bereichen Städtebau, Transport und Industrie hat die Baubranche aber erhebliches Wachstumspotenzial.

Weitere Informationen:

Kuwait plant Mega-Stadtentwicklungsprojekte

http://www.gtai.de/MKT201801048000

Kuwait investiert in Verkehrsinfrastruktur

http://www.gtai.de/MKT201802068006

Gesundheitswirtschaft: Starker Ausbau für einheimische Bevölkerung

Kuwait strebt mittelfristig eine Verdoppelung der Bettenkapazitäten an. Derzeit sind Krankenhausprojekte im Wert von etwa 12 Milliarden US$ im Bau oder in Planung. Aktuell liegt die Bettenkapazität bei 9.000. Bei planmäßiger Fertigstellung der neuen Hospitäler wären 2020 rund 18.000 Betten verfügbar. Die staatliche Planung kalkuliert aber lediglich mit einem Anstieg auf 15.000 Betten. Der Ausbau des staatlichen Gesundheitssystems soll im Wesentlichen nur noch den Kuwaitern zugutekommen. Für die mehrheitlich ausländische Bevölkerung wird ein getrenntes, durch eine Pflichtversicherung finanziertes Gesundheitssystem geschaffen. Nur etwa 900 Betten sind für die heute über 3 Millionen Ausländer geplant, Betreiber der Einrichtungen wird die 2014 gegründete Kuwait Health Insurance Company (Daman) sein.

Weitere Informationen:

Kuwait baut Gesundheitssystem aus

http://www.gtai.de/MKT201802078008

Landwirtschaft: Schwerpunkte sind Gemüse, Fleisch und Eier

Die Wertschöpfung der Landwirtschaft und Fischerei ist 2017 um 4 Prozent auf 650 Millionen US$ gestiegen, dazu trug die Fischerei mit nur 20 Millionen US$ bei. Der Agrarsektor kommt auf einen BIP-Anteil von 0,5 Prozent. Bei etwa 1 Million Tonnen dürfte 2017 der Ausstoß gelegen haben. Neben Grünfutter sind der Gemüseanbau, die Fleischerzeugung und die Eierproduktion Schwerpunkte. Kuwaits Viehzucht wird durch subventioniertes Tierfutter gefördert. Sehr hoch ist die Importabhängigkeit bei Milch beziehungsweise Milchprodukten (Saudi-Arabien ist ein wichtiger Lieferant) sowie bei Früchten und Getreide. Für die Förderung der Landwirtschaft ist die Public Authority for Agriculture and Fish Resources zuständig. Angesichts der klimatischen Bedingungen ist eine weitere Entwicklung der Landwirtschaft nur bei Einsatz moderner Agrartechnik möglich.

Öl/Gas: Ambitionierte Expansionsstrategie

Die Planung sieht eine Steigerung der Ölförderkapazität von gegenwärtig etwa 3,2 Millionen auf 4 Millionen bpd (barrel per day) bis 2020 vor. Neben der Erschließung neuer Vorkommen braucht es zur Stabilisierung der aktiven Felder hohe Investitionen in EOR-Technologien (Enhanced Oil Recovery). Gemäß der seit Anfang 2017 geltenden OPEC-Quote fördert Kuwait derzeit nur 2,7 Millionen bpd. Angesichts des steigenden lokalen Gasbedarfs soll die Förderung von nicht-assoziiertem Gas bis Ende 2018 auf 0,5 Milliarden cfd (cubic feet daily) erhöht werden, vor zwei Jahren lag die Förderkapazität bei unter 0,2 Milliarden cfd. Bis 2023 sollen es 1 Milliarde cfd werden, für 2040 sind 2,5 Milliarden angestrebt. Die gesamte Gasproduktion (einschließlich assoziiertem Gas) betrug 2016 rund 1,7 Milliarden cfd und soll bis 2030 auf 3 Milliarden steigen.

Metallindustrie: Aluminiumoxid-Projekt wieder im Gespräch

Kuwaits Metallindustrie galt einmal als Zukunftsbranche, aber seit einigen Jahren gibt es keine wesentlichen Neuinvestitionen. In der Shuaiba Industrial Zone ging 2010 eine 240 Millionen US$-EAF-Stahlschmelze (Electric Arc Furnace) mit einer Jahresleistung von 0,8 Millionen Tonnen in Produktion. Danieli hat das Werk gebaut, Eigentümer ist die private United Steel Industrial Company. Die Schmelze versorgt das seit 1995 bestehende Betonstahlwerk des Unternehmens (Jahreskapazität: 0,6 Millionen Tonnen). Seit 2001 ist eine 0,9 Millionen Tonnen Aluminiumoxid Raffinerie auf Boubyan Island in Planung. Projektbetreiber ist die private Kuwait Industries Holding Company. Das mit 1 Milliarde US$ veranschlagte Vorhaben lag in den letzten Jahren auf Eis, jetzt soll an einer neuen Durchführbarkeitsstudie gearbeitet werden.

Weitere Informationen:

Kuwaits Industrie weiterhin ohne Wachstum

http://www.gtai.de/MKT201802278002

Umwelttechnik (Abfall/Wasser): WTE-Kraftwerk gestoppt, Warten bei Kläranlage

In der "New Kuwait Vision 2035" wird die Implementierung eines modernen Müllentsorgungssystems als Priorität genannt, als wichtigstes Projekt der Bau einer WTE-Anlage (Waste to Energy) in Kabd. Nach fünfjährigen Vorhandlungen stand das als PPP geplante 880 Millionen US$-Projekt im Herbst 2017 kurz vor der Vertragsunterzeichnung. Im Januar 2018 wies das State Audit Bureau den Vertrag zurück, jetzt liegt das Projekt auf Eis. Im Abwassersektor wird weiterhin auf den Vertrag für das Um Al Hayman-Klärwerk gewartet. Das 1,55 Milliarden Euro-BOT-Projekt (Klärwerk, Kanalnetz, Pumpstation) soll ein Konsortium aus der WTE Wassertechnik GmbH (Essen) und International Financial Advisers (Kuwait) durchführen. Noch drei weitere Klärwerkprojekte für insgesamt 1,3 Milliarden US$ sind in Planung.

Weitere Informationen:

Kuwait investiert in die Wasserwirtschaft

http://www.gtai.de/MKT201704138006

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Harter Wettbewerb

Auf Kuwaits Mobilfunkmarkt steigt der Wettbewerbsdruck. 2017 ist die Zahl der Mobilfunkverträge um 6 Prozent auf 7,3 Millionen gesunken. Der Marktführer Zain meldet eine Verminderung des Vertragsbestandes um 8 Prozent auf 2,7 Millionen. Damit sank der Marktanteil auf 37 Prozent. Der katarische Betreiber Ooredoo musste in Kuwait einen Rückgang um 6 Prozent auf 2,2 Millionen Mobilfunkverträge hinnehmen, steigerte aber seinen Marktanteil auf 31 Prozent. Der dritte Mobilnetzbetreiber, das saudi-arabische Unternehmen Viva, hielt mit 2,4 Millionen Verträgen (-3 Prozent) seinen Marktanteil von 32 Prozent. Kuwaits IT-Markt (Hardware, Software, Dienstleistungen) soll im Zeitraum 2017 bis 2021 auf 1,3 Milliarden US$ (2017: 1,1 Milliarden US$) wachsen, so die jüngste Prognose von Business Monitor International.

Nahrungsmittelmarkt: Lebensmittelimport kräftig gestiegen

Kuwait muss mehr als 80 Prozent seines Nahrungsmittelbedarfs importieren. Nach kuwaitischen Angaben sind die Einfuhren 2017 um 10% auf 4,9 Milliarden US$ gestiegen. Eurostat zufolge exportierte die EU28-Gruppe 2017 Lebensmittel für 657 Millionen Euro (2016: 653 Millionen Euro) nach Kuwait, auf Deutschland entfielen 132 Millionen Euro (152 Millionen Euro). Die sehr kaufkräftige einheimische Bevölkerung ist an hochwertigen Lebensmitteln interessiert. Große regionale Super- und Verbrauchermarktketten (Geant, Carrefour, LuLu) gewinnen im Lebensmittelhandel zwar an Bedeutung. Aber kleine Nachbarschaftsläden wickeln weiterhin den Großteil des Lebensmitteleinzelhandels ab. Die kleinen Läden gehören oft zur Sultan Center Food Products Company oder zur Kuwaiti Union of Cooperative Societies.

Kfz-Markt: Weiterhin rückläufige Nachfrage

Der Absatz von Pkw und leichten Lkw (SUV, Pick-ups etc.) hat sich 2017 das vierte Jahr in Folge negativ entwickelt. Nach Berechnungen des Informationsdienstes "Best Selling Cars" ging der Absatz 2017 um 12 Prozent auf 101.772 Fahrzeuge zurück. Im Vergleich zum Spitzenjahr 2013 entspricht das einem Minus von 34 Prozent. Für 2018 wird eine Stagnation oder ein leichter Anstieg erwartet. Marktführer Toyota verzeichnete 2017 einen überdurchschnittlichen Absatzrückgang um 20 Prozent auf 34.771 Einheiten (einschließlich Lexus). Die Hyundai/Kia Gruppe meldet eine Schrumpfung um 17 Prozent auf 13.228 Fahrzeuge, um ebenfalls 17 Prozent auf 9.325 Fahrzeuge ging es bei Nissan zurück. Der Gewinner war Mitsubishi mit einer Steigerung um 18 Prozent auf 10.176 Einheiten. Die BMW-Gruppe verkaufte 2.081 Fahrzeuge, die Volkswagen-Gruppe 1.645.

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick--kuwait-mai-2018,did=1921992.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuwait Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Elektronik, allgemein, Öl, Gas

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