Branchencheck

03.12.2018

Branchencheck - Kuwait (November 2018)

Inhalt

Viele Projekte, aber unklare Zeitpläne / Von Robert Espey

Dubai/Kuwait Stadt (GTAI) - Der Ausbau der Chemieindustrie, des Gesundheitswesens und der Infrastruktur bieten eigentlich Lieferchancen. Die ambitionierten Projekte werden aber nur schleppend umgesetzt.

Chemieindustrie: Bau der dritten Olefin-Anlage verzögert sich

Der Chemiesektor hatte 2017 einen Anteil an der industriellen Wertschöpfung von 62 Prozent. Nach Fertigstellung laufender Großprojekte dürften es 70 bis 80 Prozent werden. Die größten Vorhaben sind der 17 Milliarden US$ Raffineriekomplex in Az Zour und das 16 Milliarden US$ Clean Fuel Project, beide sollen bis 2020 abgeschlossen sein. Die Planungsfortschritte bei Kuwaits dritter Olefin-Anlage verlangsamen sich indes. Der an den Anlagenbauer Amec Foster Wheeler vergebene Auftrag für das Front End Engineering Design (FEED) wird erst Ende 2019 abgeschlossen.

Weitere Informationen:

Kuwait treibt Megaprojekte im Downstream-Sektor voran

http://www.gtai.de/MKT201807198003

Kuwaits Industrie weiterhin ohne Wachstum

http://www.gtai.de/MKT201802278002

Energiewirtschaft: Starker Kapazitätsausbau in Vorbereitung

Bis 2030 sollen 17 GW an neuen Kraftwerkskapazitäten entstehen. Es laufen Interessenbekundungen für die zweite Phase der Independent Water and Power Plant Az Zour North (2,7 GW) und Al Khiran (1,8 GW). In Nuwaiseeb ist ein 3 GW Gas-Dampfturbinen-Kraftwerk geplant. Die Vorhaben werden meist als Private Public Partnership-Projekte realisiert. An Erneuerbaren Energien sind bis 2030 circa 5 GW vorgesehen. Im Shagaya Renewable Energy Complex sind 2.000 MW an EE-Anlagen geplant, davon wurden 70 MW installiert. Die Kuwait National Petroleum Company hat 1.500 MW an Photovoltaik-Anlagen ausgeschrieben.

Weitere Informationen:

Kuwait steigert die Kraftwerkskapazitäten

http://www.gtai.de/MKT201704118003

Bauwirtschaft: Viele Projekte, aber schleppende Realisierung

Die Bauindustrie schloss 2017 mit einem Minus von über 12 Prozent ab. Auch im ersten Halbjahr 2018 schrumpfte die Branche um 7 Prozent. Der negativen Baukonjunktur stehen ambitionierte Plänen in den Bereichen Verkehr, Wohnungs- und Städtebau gegenüber. Oft verzögern sich staatliche Großprojekte infolge von Spannungen zwischen Regierung und Parlament, das die Vergaben und Ausführungen von öffentlichen Aufträgen kritisiert und prüfen lässt.

Weitere Informationen:

Kuwait plant Megastadtentwicklungsprojekte

https://www.gtai.de/MKT201801048000

Kuwait investiert in Verkehrsinfrastruktur

http://www.gtai.de/MKT201802068006

Gesundheitswirtschaft: Krankenhaussektor wird stark ausgebaut

Für 3,9 Milliarden US$ sind zusätzliche staatliche Krankenhäuser mit insgesamt 3.900 Betten im Bau. Mit der vollständigen Inbetriebnahme des Al Jaber al Ahmed al Jaber al Sabah Hospital sowie des neuen Al Jahra Hospital mit jeweils 1.200 Betten wird die gesamte Bettenkapazität auf über 11.000 steigen. Davon entfallen etwa 10.000 auf das Gesundheitsministerium und andere staatliche Träger. Die öffentlichen Einrichtungen werden grundsätzlich nur noch Kuwaitern zur Verfügung stehen. Zur Versorgung der über 3 Millionen Ausländer sollen drei Krankenhäuser mit insgesamt 900 Betten errichtet werden.

Weitere Informationen:

Kuwait baut Gesundheitssystem aus

https://www.gtai.de/MKT201802078008

Landwirtschaft: Derzeit ohne Wachstumstrend

Die Wertschöpfung der Landwirtschaft und Fischerei machte 2017 mit 570 Millionen US nur 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Von 2015 bis 2017 schrumpfte der Sektor durchschnittlich um 0,5 Prozent und wuchs im ersten Halbjahr 2018 immerhin wieder um 1,3 Prozent. Schwerpunkte sind Grünfutter, der Gemüseanbau, die Fleischerzeugung und die Eierproduktion. Im Fiskaljahr 2016/17 lag die Ernte bei 0,8 Millionen Tonnen. Auf Feldfrüchte entfielen 0,6 Millionen Tonnen und auf Gewächshauspflanzen 0,2 Millionen Tonnen.

Öl/Gas: Steigerung der Ölproduktion mit Hindernissen, Gas hat Priorität

Die OPEC hatte im Juni 2018 entschieden, die Förderung wieder auszuweiten. Das OPEC Mitglied Kuwait steigerte daher im dritten Quartal die Förderung um 3 Prozent auf 2,8 Millionen barrels per day (bpd). Der wieder gesunkene Ölpreis veranlasste zu einer erneuten Drosselung der Produktion. Die Strategie des Staatskonzerns Kuwait Petroleum Corporation sieht einen Ausbau der Förderkapazitäten von 3,2 Millionen auf 4,0 Millionen bpd bis 2020 vor. Priorität hat zunächst die Steigerung der Produktion von nicht-assoziiertem Gas. Innerhalb von fünf Jahren wird eine Verdoppelung angestrebt.

Metallindustrie: Ausbau wahrscheinlich

Die Wertschöpfung der Metallindustrie wuchs 2017 um 3 Prozent auf 473 Millionen US$. In der Shuaiba Industrial Zone ging 2010 ein von Danieli gebautes Stahlwerk in Produktion (Kapazität: 0,8 Millionen Tonnen). Die Schmelze versorgt ein seit 1995 bestehendes Betonstahlwerk. Ein Ausbau des Sektors wird erwartet. Die Public Authority for Industry will ein weiteres Stahlwerk bauen lassen, Details sind aber noch nicht bekannt. Für die seit 2001 geplante Aluminiumoxid Raffinerie auf der Insel Boubyan ist zudem eine neue Durchführbarkeitsstudie in Arbeit.

Umwelttechnik (Wasser/Abfall): Investitionen in Kläranlagen

Mit dem Bau des Um Al Hayman Klärwerks dürfte 2019 begonnen werden. WTE Wassertechnik aus Essen und die International Financial Advisers aus Kuwait führen das 1,6 Milliarden Euro BOT-Projekt aus, das ein Klärwerk, das Kanalnetz und eine Pumpstation vorsieht. Drei weitere Klärwerksprojekte für insgesamt 1,1 Milliarden US$ sind in Vorbereitung. Eine seit Jahren geplante Waste to Energy Anlage liegt allerdings auf Eis. Das State Audit Bureau stoppte das 880 Millionen US$ Projekt Anfang 2018.

Weitere Informationen:

Kuwait investiert in die Wasserwirtschaft

http://www.gtai.de/MKT201704138006

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Kampf um die Gunst der Kunden

Kuwaits IT-Markt soll von 2018 bis 2021 von 1,5 Milliarden auf 1,8 Milliarden US$ wachsen, prognostiziert Business Monitor International. Die Hardware-Nachfrage werde langsam expandieren, bei Software und IT-Dienstleistungen erwarten die Experten kräftige Zuwächse. Die Zahl der Mobilfunkverträge sank 2017 um 6 Prozent auf 7,3 Millionen. In den ersten neun Monaten 2018 wurde eine Stagnation verzeichnet. Marktführer Zain (Marktanteil: 37 Prozent) und Katars Ooredoo (32 Prozent) konnten zulegen. Knapp dahinter liegt Viva mit 31 Prozent.

Nahrungsmittelmarkt: Lebensmitteleinfuhren wachsen kontinuierlich

Die hohe Kaufkraft und die starke Abhängigkeit von Lebensmittelimporten machen Kuwait zu einem attraktiven Nahrungsmittelmarkt. Nach Angaben der kuwaitischen Statistikbehörde stiegen die Einfuhren (SITC 0 und 1) von 2013 bis 2017 um insgesamt 24 Prozent auf 4,9 Milliarden US$. In den ersten acht Monaten 2018 lag das Plus bei 5 Prozent. Führende Lieferanten waren 2017 Saudi-Arabien (567 Millionen US$), Indien (521 Millionen US$), Australien (387 Millionen US$) und die Vereinigten Arabischen Emirate (323 Millionen US$). Deutschland lieferte Nahrungsmittel im Wert von 189 Millionen US$.

Kfz-Markt: Ende der Talfahrt

Nach vier Jahren mit stark rückläufigen Verkaufszahlen, der Pkw-Absatz schrumpfte von 2014 bis 2017 um insgesamt 34 Prozent auf 101.772 Fahrzeuge, legen die Verkäufe wieder zu. Er wuchs im ersten Halbjahr 2018 um 3 Prozent auf 47.729 Fahrzeuge. Auch 2019 dürfte es weiter bergauf gehen, berichtet der Informationsdienst Best Selling Cars. Marktführer Toyota meldet im ersten Halbjahr einen Anstieg um 16 Prozent auf 14.601 Fahrzeuge, es folgten Hyundai/Kia (5.888), Mitsubishi (4.894) und Nissan (4.773). Deutsche Marken dürften insgesamt etwa 2.000 Fahrzeuge verkauft haben.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuwait Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Öl, Gas

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