Branchencheck

27.03.2019

Branchencheck - Marokko (März 2019)

Inhalt

Industrielle Entwicklung steigert deutsche Lieferchancen / Von Peter Schmitz

Tunis (GTAI) - Ausländische Investitionen stärken Marokkos Industriebranchen. Der Staat konzentriert sich auf Gesundheits-, Energie- sowie Verkehrsinfrastruktur und etabliert sich im IT-Offshoring.

Bauwirtschaft: Marokko setzt den Ausbau der Infrastruktur fort

Für 2019 sind Investitionen von etwa 3,7 Milliarden Euro vorgesehen. Schwerpunkte sind der Straßen- und Hafenbau, auf die jeweils mehr als 1 Milliarde Euro entfallen. Beispielsweise steht der Ausbau des Hafens in Jebha und der Baubeginn des neuen Hafens Dakhla Atlantique (Westsahara) auf dem Programm. Bis 2026 sind etwa 10 Milliarden Euro für den Bau von 1.000 Stauvorrichtungen vorgesehen. Im Hotelbau gilt Marokko wegen steigender Touristenzahlen zu den wichtigsten Märkten des Kontinents. Im Jahr 2018 waren mehr als 30 Hotels mit insgesamt etwa 5.500 Betten im Bau.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Marokkanische Bauwirtschaft erwartet niedriges Wachstum, http://www.gtai.de/MKT201807048001

Chemieindustrie: Steigerung der Phosphatproduktion

Das Investitionsprogramm des Office Chérifien des Phosphate (OCP) umfasst von 2018 bis 2028 umgerechnet circa 9,3 Milliarden Euro. Ziel ist die Steigerung der Düngemittelproduktion von 12 Millionen auf 26 Millionen Tonnen. OCP-Tochter Phosboucraa hat bereits Projekte im Umfang von etwa 1,85 Milliarden Euro lanciert. Bis 2022 sollen eine Aufbereitungsanlage und neue Silos entstehen. Eine Trocknungsanlage ist in der Designphase. Noch 2019 soll die Produktion der Saudi Pharmaceutical Industries and Medical Appliances Corporation (Spimaco) in Berrechid anlaufen, mit zunächst 350 Mitarbeitern und einer Palette von 50 Wirkstoffen für den lokalen Markt. Marokko ist trotz Bemühungen zur Entwicklung der Pharmaindustrie auf Importe angewiesen.

Energiewirtschaft: Rascher Ausbau der Erneuerbaren Energien

Marokko hat sich mit Spanien auf den Bau einer dritten Stromverbindung geeinigt. Die Fertigstellung des 150 Millionen-Euro-Projekts ist für 2026 vorgesehen. Zudem wurde eine Studie angekündigt, um die Richtlinien für die Eigenerzeugung von Strom festzulegen. Zwischen 2018 und 2023 sollen die Kapazitäten zur Stromproduktion um mehr als 6 Gigawatt gesteigert werden, davon etwa 1,4 Gigawatt durch Windenergie, 2,5 Gigawatt durch Solar- und 550 Megawatt durch Wasserkraft. Marokko deckt den Primärenergiebedarf zu etwa 80 Prozent aus Kohle und Erdöl. Neben den Erneuerbaren soll auch Erdgas in Zukunft eine größere Rolle spielen. Bis 2030 sind Investitionen in den Energiesektor von etwa 35 Milliarden US-Dollar (US$) vorgesehen.

Weitere Informationen:

Marokko treibt Ausbau der Erdgasinfrastruktur vorwärts, http://www.gtai.de/MKT201802028006

Flugzeugindustrie: Immer mehr Zulieferer investieren in Marokko

Marokko hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Standort der internationalen Flugzeugteileindustrie entwickelt. Der Trend scheint sich fortzusetzen. Bis 2020 soll der Umsatz auf etwa 2,5 Milliarden Euro steigen und die Branche mehr als 200.000 Beschäftigte haben. Im Jahr 2018 kamen unter anderem die französische SATYS sowie das französisch-marokkanische Logistikunternehmen SFML hinzu. Inzwischen sind mehr als 200 Unternehmen der Flugzeugteileindustrie in Marokko aktiv, darunter Alcoa, Bombardier und die Airbustochter Stelia. Auch Boeing ist seit 2016 sehr aktiv und baut ein Netz mit bis zu 120 Boeing-Zulieferern auf.

Gesundheitswirtschaft: Steigende Absatzchancen für deutsche Technik

Im Jahr 2018 war es zu Protesten von Ärzten wegen schlechter Ausstattung und Arbeitsbedingungen im Gesundheitssektor gekommen. Die Regierung erhöht die Ausgaben für die Gesundheitsversorgung im Haushalt 2019 um etwa 10 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Mit dem neuen Haushalt sind Medikamente ab einem Preis von 588 Marokkanische Dirham (rund 54 Euro) von der Mehrwertsteuer ausgenommen. Mehrere Provinz- und Universitätskrankenhäuser sind im Bau. Größtes Projekt ist das Universitätsklinikum Laayoune mit einem Budget von etwa 2,8 Milliarden Euro, der Hauptauftrag soll im Mai 2019 vergeben werden. Die deutschen Lieferungen von Diagnosegeräten verdoppelten sich 2018 auf 13,4 Millionen Euro.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Der Medizintechnikmarkt in Marokko entwickelt sich gut, http://www.gtai.de/MKT201807248000

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Offshoring wächst zweistellig

Marokko lag 2018 bei der 4G-Netzabdeckung mit etwa 69 Prozent vor Côte d'Ivoire auf dem ersten Platz in Afrika. Die Übertragungsgeschwindigkeit lag laut einem Bericht von Open Signal bei 15,8 Megabit pro Sekunde. Bis 2022 soll laut Industrievereinigung GSM (Groupe Special Mobile) der 5G-Standard im Königreich verfügbar sein. Bereits 2021 soll der Anschluss an das Unterwasser-Glasfaserkabel WASACE 1 erfolgen, das von Europa über die Kanarischen Inseln nach Lateinamerika verlegt wird. Das IT-Offshoring wird laut Prognosen 2019 im zweistelligen Bereich zulegen, nachdem das Wachstum in den letzten Jahren bei etwa 7 Prozent lag. Demnach könnte der Umsatz 2020 rund 1,5 Milliarden Euro erreichen und 100.000 Menschen im IT-Offshoring beschäftigt sein.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Fertigungstiefe steigt

Nach dem Dacia-Werk in Tanger wird 2019 PSA Peugeot die Produktion in Kenitra starten. Es sollen 100.000 Fahrzeuge der Marken Citroën, DS Automobiles, Peugeot und Opel vom Band rollen, ab 2020 sogar 200.000. Langfristig ist eine vertikale Integration von 80 Prozent angestrebt. Die lokale Produktion von Batterien, Pkw-Innenausstattung, die Kunststoff-, Glas- sowie Metallverarbeitung nehmen zu. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung gab beispielsweise auf ihrer Internetseite bekannt, 2019 bereits vier Darlehen im marokkanischen Automobilsektor vergeben zu haben, eines davon an den lokalen Metallverarbeiter Tuyauto Gestamp für den Ausbau seiner Aktivitäten. Ford kündigte Ende 2018 an, seine Sourcing-Aktivitäten im Königreich auszuweiten.

Nahrungsmittelindustrie: Ausbaufähiger deutscher Lieferanteil

Nach der Verabschiedung des Landwirtschaftsabkommens zwischen der EU und Marokko stellen sich marokkanische Exporteure auf eine höhere Nachfrage ein. Sie fordern eine Stärkung der Infrastruktur durch Subventionen. Zudem visieren marokkanische Hersteller Märkte in Westafrika an. Bis 2020 möchte Marokko die Exporte der Fischereiindustrie auf etwa 2,6 Milliarden Euro steigern, 2017 lagen diese bei etwa 1,5 Milliarden Euro. Eine lokale Ausrüstungsindustrie für die Branche existiert kaum. Maschinen und Anlagen werden importiert. Die deutschen Lieferanteile könnten durchaus noch gesteigert werden. Hinter Frankreich und Italien liegt Deutschland auf Platz drei der Ausrüster.

Weitere Informationen:

Modernisierungsbedarf bei marokkanischen Nahrungsmittelherstellern, http://www.gtai.de/MKT201901098014

Öl/Gas: Karten im Erdgassektor werden neu gemischt

Ein Gas-to-Power-Projekt wird nach Angaben des Energieministeriums überarbeitet. Grund ist der überraschend große Erfolg der Erneuerbaren Energien. Bisher war vorgesehen, bis zum Auslaufen des Liefervertrages mit Algerien 2021 ein etwa 4 Milliarden Euro Flüssigerdgas-Terminal (Liquified Natural Gas, LNG) in Jorf Lasfar samt Infrastruktur zu bauen. Da der Anteil Erneuerbarer Energien am Energiemix aber schneller steigt als erwartet, reduziert sich der Importbedarf. Zudem meldete die britische Sound Energy Erfolge bei der Exploration im Tendrara-Gasfeld im Osten des Königreichs und verhandelt mit der Regierung über die Abnahme des dort gegebenenfalls zu fördernden Gases.

Textil- und Bekleidungsindustrie: Fast Fashion erhöht die Nachfrage

Die Textilindustrie Marokkos blickt wieder etwas optimistischer in die Zukunft. Steigende Produktionskosten in Asien und die zunehmende Bedeutung von Fast Fashion auf dem europäischen Markt rücken die nordafrikanischen Textilproduzenten stärker ins Rampenlicht. Marokko konnte die Ausfuhren von Bekleidung 2018 zwar nur leicht steigern. Der Branchenverband Association Marocaine des Industries du Textile et de l'Habillement (AMITH) möchte die Exporte nach Nord- und Mitteleuropa stärker erhöhen. Bisher gehen etwa drei Viertel nach Frankreich und Spanien. Laut AMITH beschäftigt die marokkanische Textilindustrie etwa 160.000 Menschen und trägt etwa ein Viertel zu den Industrieexporten bei. Die deutschen Lieferungen von Textil- und Ledermaschinen gingen 2018 leicht zurück und lagen nach vorläufigen Angaben bei 12,3 Millionen Euro.

Dieser Artikel ist relevant für:

Marokko Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Öl, Gas, Luftfahrzeuge

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