Branchencheck

24.06.2019

Branchencheck - Mexiko (Juni 2019)

Inhalt

Mexikanische Industrie blickt wenig optimistisch in die Zukunft / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - In vielen Branchen macht sich die neue Politik der seit Dezember amtierenden Regierung bemerkbar. Andere Sektoren spüren die langsam abnehmende Nachfrage aus den USA.

Maschinenbauindustrie: Branche krankt an hohen Zinsen

Der mexikanische Maschinenbau ist schwach ausgeprägt und konzentriert sich auf die Fertigung von Teilen und Komponenten für den Export sowie auf einfache Ausrüstungen. Marktkennern zufolge gibt es im Land zwar fähige Unternehmen, die Importmaschinen integrieren und komplette Produktionsanlagen bei den Endkunden installieren können. Sie haben aufgrund des hohen Zinsniveaus im Land (Leitzins derzeit bei 8,25 Prozent) jedoch nicht die Möglichkeiten, eigenes Equipment samt eines attraktiven Finanzierungspakets anzubieten.

Weitere Informationen:

Industrie 4.0 nimmt in Mexiko Fahrt auf

http://www.gtai.de/MKT201903278003

Chemieindustrie: Weniger Nachfrage aus der Industrie

Angesichts der sich abkühlenden Produktion des verarbeitenden Gewerbes müssen Hersteller von Basischemikalien für die Kunststoff-, Pharma- und Metallindustrie ein geringeres Wachstum in Kauf nehmen als in den Vorjahren. Ein Hemmschuh ist auch die knappe Versorgung mit Ausgangsstoffen durch den staatlichen Ölkonzern Pemex. Einzelne Unternehmen - besonders aus dem pharmazeutischen Bereich - beklagen zudem, dass der Import von Vorprodukten sich ebenfalls verzögere, da die Zulassungsbehörde Cofepris nach dem Regierungswechsel in einem Umbruchprozess stecke.

Weitere Informationen:

Mexikos Kunststoffindustrie zögert neue Investitionen hinaus

http://www.gtai.de/MKT201904108006

Energiewirtschaft: Kleinere Anlagen werden interessant

In der Elektrizitätswirtschaft verschieben sich die Chancen für deutsche Unternehmen weg von großen Fotovoltaik- und Windparks hin zu kleineren Anlagen für Unternehmenskunden sowie konventionellen Energien. Grund dafür ist die Strategie der neuen Regierung, den staatlichen Stromversorger CFE zu stärken. Dieser ist traditionell stark bei thermoelektrischen Kraftwerken, hat aber nur wenig Erfahrung im Bereich erneuerbarer Energien. Letztere werden aufgrund der hohen CFE-Tarife jedoch für kommerzielle Abnehmer interessanter, beispielsweise in Form kleiner Fotovoltaik-Anlagen für Industrieparks.

Weitere Informationen:

Mexikanischer Stromnetzbetreiber muss digitalisieren

http://www.gtai.de/MKT201904108001

Energiepolitischer Umbruch erschwert Netzausbau in Mexiko

http://www.gtai.de/MKT201904108002

Geschäfte mit Erneuerbaren in Mexiko werden schwieriger

http://www.gtai.de/MKT201903068007

Bauwirtschaft: Optimismus für die kommenden Jahre

Die Bauwirtschaft hofft für 2019 auf eine weitere Belebung. Nachdem der Sektor bereits 2018 erste Zeichen der Besserung zeigte, steigt der Umsatz dem Bauverband CMIC zufolge 2019 um rund 2 Prozent. In den Folgejahren seien auch 3 Prozent und mehr möglich. Angetrieben wird der Sektor momentan vom Gebäudebau, insbesondere von Wohngebäuden. Für die Folgejahre hoffen CMIC-Vertreter, dass die geplanten Großprojekte in der Infrastruktur für zusätzlichen Schwung sorgen. Dazu gehören unter anderem die neue Großraffinerie in Tabasco sowie der Tourismuszug Tren Maya auf der Yucatán-Halbinsel.

Weitere Informationen:

Mexiko geht neue Wege im Hafenbau

http://www.gtai.de/MKT201904048001

Gesundheitswirtschaft: Umstrukturierung hat begonnen

Die Regierung sieht gravierende Schwächen im mexikanischen Gesundheitssystem und drängt auf eine Umstrukturierung. Dazu werden zunächst die öffentlichen Gesundheitseinrichtungen in einigen Bundesstaaten vollständig dem Gesundheitsministerium auf Bundesebene unterstellt. Um die Missstände in zahlreichen Kliniken und Krankenhäusern zu beheben, nimmt der Staat zusätzliche 1,3 Milliarden US-Dollar für die Modernisierung in die Hand. Im Hintergrund der Pläne steht die Vision der neuen Regierung, alle öffentlichen Gesundheitsinstitutionen bis zum Ende ihrer Legislatur 2024 zusammen zu führen.

Weitere Informationen:

Mexikanische Regierung will Gesundheitssystem umbauen

http://www.gtai.de/MKT201904038003

Chronische Krankheiten beflügeln Mexikos Pharmaabsatz

http://www.gtai.de/MKT201902228009

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Fokus auf Kleinbauern

In der Landwirtschaft finden unter der AMLO-Regierung die Kleinbauern mehr Beachtung. Sie werden künftig über ein Garantiepreissystem für Weizen, Bohnen, Reis, Mais und Milch gefördert. Auch will das Agrarministerium kostenlos Düngemittel an kleine Betriebe abgeben und ihnen einen vereinfachten Kreditzugang ermöglichen. Im Export dürften jedoch weiter die Großbetriebe aus dem Norden und dem Bundesstaat Jalisco vorherrschen. Ihre Ausfuhrmöglichkeiten werden sich durch die neuen Handelsabkommen mit den USA und Kanada sowie mit der Europäischen Union verbessern. Beide Verträge sind jedoch noch nicht ratifiziert.

Bergbau: Investitionen auf Tiefststand

Nachdem sich der Bergbau in den Vorjahren erholt hatte, war 2018 erneut ein schwieriges Jahr. Die Investitionen nahmen um 34 Prozent auf 383 Millionen US-Dollar ab - der niedrigste Wert der letzten zehn Jahre. Grund dafür waren soziale Konflikte, die grassierende Unsicherheit sowie hohe Finanzierungskosten. Da die Probleme vermutlich bestehen bleiben, ist auch das Panorama für die Jahre 2019 und 2020 durchwachsen. Mexiko ist der weltweit größte Silberproduzent und verfügt über großes Potenzial. Bislang sind nur rund 25 Prozent des Landes auf Mineralvorkommen hin untersucht worden.

Öl/Gas: Riskanter Kurs der Regierung

Vordergründig kündigt sich in der mexikanischen Öl- und Gaswirtschaft ein Boom an: Das Haushaltsbudget für den staatlichen Ölförderer Pemex steigt 2019 um 28 Prozent auf 13,6 Milliarden US-Dollar, erste Arbeiten an der 8 Milliarden US-Dollar teuren Raffinerie im Bundesstaat Tabasco beginnen und weitere Investitionen in Speicherung und Transport stehen an. Das Wiedererstarken von Pemex ist jedoch mit Risiken verbunden: Den Staatskonzern belasten Schulden von über 100 Milliarden US-Dollar, weshalb Kritiker bezweifeln, dass er in der Lage sein wird, die ihm angetragenen Projekte tatsächlich umzusetzen.

Weitere Informationen:

Ölkonzern Pemex erlebt unter Mexikos neuer Regierung eine Renaissance

http://www.gtai.de/MKT201901238005

Mexiko baut zusätzliche Kraftstoffterminals

http://www.gtai.de/MKT201902208002

Nahrungsmittelindustrie: Herausforderungen angesichts schwachen Konsums

Das schlechtere Konsumklima dürfte 2019 auf die Nahrungsmittelindustrie durchschlagen. Nachdem die Umsätze in Supermärkten in den beiden Vorjahren real um jeweils 3 Prozent stiegen, geht der Einzelhandelsverband Antad für das laufende Jahr von einer Stagnation aus. Der Export Richtung USA hingegen wird 2019 voraussichtlich zunehmen. Mexikanische Nahrungsmittelproduzenten versuchen darüber hinaus, neue Märkte zu erschließen, insbesondere in Ostasien und dem Mittleren Osten. Kleine und mittelständische Anbieter leiden jedoch darunter, dass die Förderung von Messebeteiligungen gekürzt wurde.

Weitere Informationen:

Mexikos Nahrungsmittelverkäufe ziehen 2019 wieder an

http://www.gtai.de/MKT201902228008

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Unsichere Handelsbedingungen

Noch immer ist das neue Handelsabkommen USMCA zwischen den USA, Mexiko und Kanada nicht ratifiziert, weshalb sich Kfz-Zulieferer mit Neuinvestitionen stark zurückhalten. Einzig chinesische Branchenfirmen zeigen mehr Interesse, da sie durch eine Produktion in Mexiko die US-Zölle gegen China vermeiden können. Die mexikanische Pkw-Produktion wird 2019 dank neuer Werke um knapp 8 Prozent auf 4,2 Millionen Einheiten anziehen, in den Folgejahren sind jedoch nur noch kleine Zuwächse zu erwarten.

Weitere Informationen:

Mexikos Kfz-Industrie bleibt auch mit USMCA optimistisch

http://www.gtai.de/MKT201904038002

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Anbindung ländlicher Bereiche

Ähnlich wie in der Landwirtschaft steht auch im Telekommunikationsbereich die Entwicklung ländlicher Gebiete im Vordergrund. Ende Juni 2019 will das Kommunikationsministerium SCT die Nutzung von zwei Leitungen des bestehenden Glasfasernetzes des Stromversorgers CFE ausschreiben. Für die Nutzung muss der Ausschreibungsgewinner öffentliche Einrichtungen und Plätze in ländlichen Gebieten kostenlos anbinden. Die Kosten dafür schätzt die CFE auf 1,5 Milliarden US-Dollar. Der Ausschreibungsgewinner kann Einnahmen erzielen, indem er anderen Telekomfirmen überschüssige Kapazitäten des Netzes offeriert.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Öl, Gas

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