Branchencheck

07.01.2019

Branchencheck - Mongolei (Dezember 2018)

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Entwicklung der Rohstoffmärkte sorgt für Impulse / Von Jan Triebel

Ulan Bator/Almaty (GTAI) - Die Wirtschaft der Mongolei lebt vor allem vom Rohstoffsektor. Gleichwohl zielt die Regierung auf eine stärkere Diversifizierung der Wirtschaft ab.

Maschinenbauindustrie: Vor allem Bergbautechnik ist gefragt

Angesichts der seit 2017 wieder anziehenden Bruttoanlageinvestitionen fragt die Mongolei auch wieder Maschinen und Anlagen stärker nach. Die Inlandsnachfrage wird ausschließlich durch Importe gedeckt. Die Maschineneinfuhren legten bereits 2017 um gut ein Drittel zu. Im Zeitraum Januar bis November 2018 stiegen sie im Vorjahresvergleich um 46 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden US-Dollar (US$). Darin schlägt sich vor allem die zweite Ausbauphase der Mine Oyu Tolgoi nieder, deren Ausrüstungs- und somit Importbedarf vor allem für Bergbautechnik auch in den kommenden Jahren hoch bleiben wird.

Chemieindustrie: Baustart für erste Ölraffinerie

Die Mongolei kaufte im Zeitraum Januar bis November 2018 Chemieerzeugnisse und Kunststoffe für 548 Millionen US$ im Ausland ein, ein Importplus von etwa 22 Prozent gegenüber dem Stand ein Jahr zuvor. Parallel dazu zog auch die Einfuhr von Kraftstoffen um etwa 30 Prozent auf 794 Millionen US$ an. Bislang deckt die Mongolei ihren Bedarf bei Benzin und Diesel vor allem durch Importe aus Russland. Mitte 2018 begann im Aimag Dornogobi der Bau der ersten mongolischen Raffinerie. Der Start der Produktion mit einer Verarbeitungskapazität von 1,5 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr soll 2022 erfolgen.

Energiewirtschaft: Wind und Solar gewinnen zunehmend Beachtung

Im mongolischen Stromsektor stehen viele Projekte an. Neben einer Reihe neuer kohlebefeuerter Kraftwerksblöcke, etwa an den Standorten Tavan Tolgoi und Baganuur, sind auch zwei größere Wasserkraftwerke geplant. Hinzu kommen mehrere Vorhaben zur Nutzung von Windkraft und Solarenergie. Die Asiatische Entwicklungsbank fördert ein rund 65 Millionen US$ teures Projekt in der Westmongolei zur dezentralen Stromversorgung abgelegener Gebiete durch zahlreiche kleine Solar- und Windanlagen. Die Weltbank finanziert aktuell in mehreren Regionen Arbeiten zur Instandsetzung der Stromverteilungssysteme.

Bauwirtschaft: Nur noch verhaltene Zuwächse

Der Bausektor der Mongolei entwickelt sich derzeit recht tempoarm. Nach einer Steigerung 2017 um knapp 1 Prozent im Vorjahresvergleich, lag die erbrachte Bauleistung in den ersten neun Monaten 2018 nominal um 1,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Der Wert der erbrachten Bauleistungen betrug umgerechnet 986 Millionen US$. Für die Teilbereiche Nichtwohngebäude und Tiefbau gab es jeweils Zugewinne. Weniger stark nachgefragt wurden hingegen Bauleistungen im Wohnungsbau. Wichtige Impulsgeber des Bausektors auf längere Sicht sind der Ausbau von Oyu Tolgoi und mehrere größere Infrastrukturprojekte.

Gesundheitswirtschaft: Zuwendungen internationaler Geber sorgen für Impulse

Fortschritte im mongolischen Gesundheitswesen stehen in der Regel eng im Zusammenhang mit Hilfsprogrammen von multi- und bilateralen Geberorganisationen. So unterstützt etwa die Japan International Cooperation Agency eines der größeren sektoralen Projekte: Eine neue Universitätsklinik mit Lehrkrankenhaus in Ulan Bator, die nach ihrer Fertigstellung 2020 jährlich rund 180.000 Patienten behandeln soll. Finanzielle Unterstützung für einen Neubau des nationalen Behandlungszentrums für Herzgefäßkrankheiten in Ulan Bator leistet zudem die luxemburgische Entwicklungshilfeagentur LuxDev.

Landwirtschaft: Hoffnungsträger für mehr Importsubstitution

Die einst dominierende Landwirtschaft trug 2017 nur noch knapp 11 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Schwerpunkt ist die Tierhaltung. Der Agrarsektor spielt eine wichtige Rolle bei der Importsubstitution. In Jahren mit guten Ernten versorgt sich die Mongolei mittlerweile selbst mit Weizen, Kartoffeln und einigen Gemüsesorten. Für den Anbau von Tomaten und Gurken werden zunehmend Gewächshäuser genutzt. Bei Fleisch und Milch soll das Exportpotenzial mit internationalen Zertifikaten zukünftig besser genutzt werden. Die Mongolei ist weltweit der zweitgrößte Produzent von Kaschmirwolle.

Bergbau: Kupfer und Kohle im Fokus

Der Bergbau ist der wichtigste Wirtschaftszweig der Mongolei. Das zwischenzeitliche Wiederanziehen der Weltmarktpreise schlägt sich in einem deutlichen Förderplus nieder: Zwischen Januar und November 2018 übertraf die Branche beim Ausstoß mit umgerechnet 4,7 Milliarden US$ ihr Vorjahresergebnis nominal um gut 17 Prozent. Davon entfielen 58 Prozent auf metallische Erze, vor allem Kupfer, und etwa ein Drittel auf Kohle. Derzeit sorgen im Bergbau vor allem die Arbeiten zur Einrichtung des Untertagebaus von Oyu Tolgoi für nennenswerte Investitionszuflüsse und einen hohen Ausrüstungsbedarf.

Umwelttechnik: Ausgesprochen großer Bedarf an modernen Lösungen

Der Nachholbedarf der Mongolei bei moderner Umwelttechnik ist groß. Als Dreh- und Angelpunkt gilt Ulan Bator, wo aufgrund von Landflucht bereits rund die Hälfte der Gesamtbevölkerung lebt. Die Hauptstadt zählt weltweit zu den Städten mit der höchsten Luftverschmutzung. Angesichts knapper staatlicher Mittel ist das Land bei Investitionen in Umwelttechnik auf die Hilfe internationaler Geber angewiesen. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung unterstützt aktuell den Bau einer Großdeponie mit einer Anlage zur Aufbereitung von Bauschutt sowie die Modernisierung des Fernwärmenetzes.

Tourismus: Branche mit guten Entwicklungschancen

Die Mongolei bietet großes Potenzial für den Fremdenverkehr. Trotz der recht kurzen Saison, Infrastrukturmängeln, recht hoher Preise und weniger direkter Flugverbindungen nimmt die Zahl der ausländischen Touristen zu. Sie stieg in den ersten drei Quartalen 2018 im Vorjahresvergleich um 13 Prozent auf 432.000. Dem Welttourismusverband WTTC zufolge könnten 2028 bereits gut 1 Million Reisende ins Land kommen. Für Verbesserungen sorgen der in Angriff genommene Ausbau der Straßen, künftig der neue Hauptstadtflughafen sowie der geplante Bau von zunächst sechs Flugplätzen in regionalen Zentren.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in der Mongolei können Sie unter http://www.gtai.de/mongolei abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mongolei Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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