Branchencheck

26.03.2019

Branchencheck - Mosambik (März 2019)

Inhalt

Anziehende Investitionen bei Erdgas und im Bergbau / Von Fausi Najjar

Johannesburg (GTAI) - In Mosambik haben die dramatischen Auswirkungen des Zyklons Idai die moderat positiven Tendenzen gestoppt. Die im Folgenden skizzierten Branchenentwicklungen werden sich verzögern.

Chemieindustrie: Erste Pläne in der Petrochemie

Mit der ab circa 2024 im großen Stil anlaufenden Erdgasförderung sind gute Voraussetzungen für die Petrochemie gegeben. Es gibt chinesisch-mosambikanische Pläne für die Erdgasverarbeitung. Darüber hinaus entwirft Royal Dutch Shell eine kleinere Gasverflüssigungsanlage. Dennoch: Der Aufbau einer Petrochemie aus der Gasförderung steht derzeit nicht auf der Tagesordnung. Die britische Regius Synfuels hat Ende 2018 eine Machbarkeitsstudie für die Herstellung von Diesel und Düngemitteln aus Kohle abgeschlossen. Anfang 2019 hat die norwegische Yara International offiziell eine Düngemittelfabrik eröffnet. In diesem Bereich könnte es weitere Projekte geben.

Energiewirtschaft: Kraftwerke in Planung

In der Planungspipeline sind zwei Gaskraftwerke, eines in Temane (400 Megawat) und eines in Nacala (250 Megawatt). Kohlekraftwerke unabhängiger Stromerzeuger sind für Benga (150 bis 300 Megawatt) und Tete (300 Megawatt) vorgesehen. Die Phanes-Gruppe (Dubai) plant drei Fotovoltaik-Anlagen mit 50 bis 100 Megawatt. Im Oktober 2018 hat die Regierung die Umsetzung eines Energieplans für den Zeitraum 2018 bis 2043 beschlossen. Die Stromerzeugungskapazitäten sollen von gegenwärtig 2.638 Megawatt auf 17.720 Megawatt steigen. Lediglich 28 Prozent der Bevölkerung verfügen über einen Stromanschluss. Bis 2030 soll die Quote bei 100 Prozent liegen.

Bauwirtschaft: Hafenprojekt Nacala könnte umgesetzt werden

Seit 2017 belasten hohe Außenstände beim staatlichen Auftraggeber und fehlende Aufträge die Branche. Es ist eine Pleitewelle zu erwarten. Zu rechnen ist mit dem Ausbau des Hafens von Nacala. Für das völlig unzureichende Straßennetz gibt es fortlaufend Instandsetzungsprojekte. Nicht auf der Agenda befinden sich: die Eisenbahnlinie von der Tete-Provinz zum geplanten Tiefseehafen Macuse, die Umsetzung des Mphanda Nkuwa Damms mit Wasserkraftwerk und der Tiefseehafen Techobanine.

Weitere Informationen:

Deutsch-Chinesischer Brückenbau in Mosambik

http://www.gtai.de/MKT201902118001

Gesundheitswirtschaft: Versorgung in desolatem Zustand

Der Bau von Bezirkskrankenhäusern hinkt den Regierungszielen weit hinterher. Auch die Fertigstellung des Provinzhospitals in Inhambane verzögert sich. Im Zuge eines Skandals um illegale Kredite und des darauffolgenden Rückzugs internationaler Geber ist das Geld knapp. Bei einer weniger angespannten Finanzierungslage und angesichts der bevorstehenden Wahlen (Oktober 2019) ist vorsichtig mit mehr Engagement beim Krankenhausbau zu rechnen. China will den Bau eines neuen Zentralkrankenhauses in Maputo unterstützen. Die einzige Pharmafabrik will mit Unterstützung Brasiliens die Produktion ausweiten.

Bergbau: Grafitabbau im Kommen

Die wichtigsten geförderten Mineralien sind Kohle, Eisen, Mineralsande, Grafit und Gold. Bedingt durch eine unzureichende Infrastruktur können die Produktionskosten hoch ausfallen. Es sind aber Fortschritte bei der verkehrstechnischen Erschließung gemacht worden. Zunehmend abgebaut wird Grafit, das für die Herstellung von Elektroden zum Einsatz kommt. Ab 2020 ist mit dem großdimensionierten Abbau von Mineralsanden in der Inhambane-Provinz (Mutamba Konsortium) zu rechnen. Auch bei der Erschließung neuer Goldminen sind die Aussichten gut. Seltene Erden gibt es im Grenzgebiet zu Malawi.

Öl/Gas: Erdgasförderung aus dem Rovuma-Becken rückt näher

Mosambik verfügt mit den Vorkommen im Rovuma-Becken über die drittgrößten Gasreserven Afrikas. Eni (25 Prozent), das gemeinsam mit ExxonMobil (25 Prozent) und den weiteren Anteilseignern des Bereichs 4 im Rovuma-Feld Lizenznehmer ist, errichtet eine kleinere Offshore-Gasverflüssigungsanlage (LNG) für die erste Förderung. Die Investitionsentscheidung für eine großdimensionierte Ausbeutung und Errichtung einer Onshore-LNG-Anlage ist für die 2. Jahreshälfte 2019 geplant. Im Hinblick auf die Erschließung ihres Bereiches (Area 1) wollen Anadarko und seine Partner noch im 1. Halbjahr 2019 entscheiden.

Nahrungsmittelindustrie: Geringe Investitionen bei niedrigem Entwicklungsstand

Wegen der gesamtwirtschaftlich schwierigen Lage sind kaum Impulse für die Nahrungsmittelverarbeitung zu erwarten. Der Entwicklungsstand des Sektors ist ohnehin gering. Einerseits gestaltet sich der Aufbau einer Produktion schwierig, andererseits kann mit Investitionen in moderne Anlagen eine marktbeherrschende Position erzielt werden. Anheuser-Busch hat im März 2019 eine neue Brauerei eröffnet. In der Fleisch- und Geflügelindustrie gibt es vereinzelt Investitionspläne. Der in Paris ansässige Beteiligungsfonds Amethis Fund investiert mit weiteren Kapitalanlegern in das Müllereiunternehmen Merec.

Metallindustrie: Bau eines Stahlwerks offen

In der Diskussion ist das Projekt Baobab Resources Iron & Steel zur Produktion und Verarbeitung von Eisen und Stahl, das eine Eisenerzmine sowie eine eigene Stromerzeugung umfasst. Die Investitionssumme liegt bei circa 900 Millionen US-Dollar. Auf die Aluminiumschmelze Mozal entfallen mit über 550 Millionen Tonnen im Jahr rund 40 Prozent der industriellen Mehrwertschöpfung des Landes. Es läuft ein Programm zum Kapazitätsausbau der Großanlage. Bei der gegebenen Wirtschaftslage sind bei den heimischen Unternehmen der Metallverarbeitung kaum Investitionen zu erwarten.

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Wasserversorgung vordringlich

Die Trinkwasserversorgung ist aufgrund der Trockenheit der letzten Jahre und wegen eines unzureichenden Netzes zentrales entwicklungspolitisches Thema. Internationale Geber unterstützen landesweit Wasserprojekte. Im Fokus war bislang die Versorgung des Großraums Maputo. Um die Bevölkerung bis 2030 mit Trinkwasser und Sanitäranlagen zu versorgen, seien Investitionen von rund 2,3 Milliarden Euro notwendig, so die mosambikanische Regierung. Eine vollumfängliche Finanzierung ist nicht gesichert. Zunehmend gewinnt die geregelte Feststoffentsorgung an Bedeutung.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Moderater Netzausbau

Mosambik rangiert bei einschlägigen Rankings zum Internetzugang, zur Netzabdeckung etc. weltweit im letzten Zehntel. Der Ausbau der Netzinfrastruktur ist weitgehend auf die Städte beschränkt, während die Datenübertragung vor allem über den Mobilfunk erfolgt. Dennoch ist mit einer moderaten Ausweitung auch in ländlichen Regionen zu rechnen. Vor allem in den Städten baut Vodacom Mozambique das 4G-Netz aus. Huawei und die mosambikanische Mcel haben im September 2018 eine Absichtserklärung für den Aufbau eines 4G- und 5G-Netzes unterschrieben. Weiterer Wettbewerber ist Movitel.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mosambik können Sie unter http://www.gtai.de/mosambik abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mosambik Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Öl, Gas

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