Branchencheck

03.09.2019

Branchencheck - Namibia (August 2019)

Inhalt

Entwicklung bleibt bei geringem Marktumfang uneinheitlich / Von Fausi Najjar

Windhuk (GTAI) - Die für Namibia wichtige Landwirtschaft leidet unter einer schweren Dürre. Dagegen dürften der Bergbau, aber auch der Energie- und Wassersektor, mehr Ausrüstungsgüter nachfragen.

Energiewirtschaft: Namibia stärkt unabhängige Stromerzeuger

Bis 2022 will die Regierung die Importquote für Strom von 60 auf ehrgeizige 20 Prozent senken. Dies sollen insbesondere unabhängige Stromerzeuger (Independent Power Producer; IPP) bewerkstelligen. Im Jahr 2018 betrugen die Erzeugerkapazitäten 557 Megawatt (MW). Auf IPP entfielen 117 MW. Ab September 2019 dürfen diese direkt an den Abnehmer liefern. Investitionen in die erneuerbaren Energien werden anziehen. Natura Energy plant ein Solarkraftwerk mit 50 MW; die staatliche NamPower eine 20 MW-Biomasse-Anlage. Xaris hat Pläne für den Bau eines Gaskraftwerks (250 MW) bei Walvis Bay vorgelegt.

Bauwirtschaft: Leichte Erholung

Die Regierung gibt wieder mehr Geld für Bauprojekte aus und hat zugesichert, die lokale Bauindustrie besser zu schützen. Projekte gibt es im sozialen Wohnungsbau, im Tourismus und im Straßenbau. Der sich erholende Bergbau gibt dem Sektor neuen Schwung. Gestartet ist das Entwicklungsvorhaben Tsumeb Smart City; es umfasst bei kompletter Fertigstellung Hotels, eine medizinische Hochschule, ein Krankenhaus und Apartments. Geplant ist die Modernisierung des Flughafens bei Windhuk und der Schienenstrecke Walvis Bay-Kranzberg (209 Kilometer). Von 2016 bis 2018 ist die Branche um knapp 70 Prozent geschrumpft.

Gesundheitswirtschaft: Bestandserhaltung als Ziel

Die Gesundheitsausgaben im Haushalt 2019/20 beschränken sich auf die Anschaffung von Pharmazieprodukten, Einstellung von zusätzlichem Personal, Maßnahmen gegen den Ausbruch von Epidemien und die Erhaltung der gesundheitlichen Infrastruktur. Aufgrund der Rezession in den Jahren 2017 und 2018 wird sich der ursprünglich bis 2023 geplante Bau von vier neuen Bezirkskrankenhäusern, von Gesundheitszentren und -stationen sowie die Modernisierung weiterer Kliniken nochmals verschieben. Zu den größeren privaten Krankenhausbetreibern zählen Medfam, Pathcare und Medicare.

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Dürrenotstand ausgerufen

Ende Juni 2019 hat Präsident Hage Geingob wegen der anhaltenden Dürre den Staatsnotstand ausgerufen. Bereits im dritten Jahr durchlebt Namibia eine schwere Trockenheit. Die Regierung hat versprochen, den Abbau der ohnehin reduzierten Viehbestände zu subventionieren und Brunnen zu restaurieren. Auch der gegenüber der Viehzucht weitaus kleinere Feldanbau ist von großen Ernteeinbrüchen betroffen. Im Rahmen des Green Schemes Programms gibt es erhebliche Finanzierungsengpässe. Das Programm hat bislang elf große Farmen entwickelt, auf denen auch Parzellen an kommerzielle Farmer und Kleinbauern verpachtet werden.

Bergbau: Erwartete Nachfrage schiebt den Sektor an

Bis auf den wichtigen Goldabbau zieht der Bergbau nach schwachen Jahren an. So wird die weltweit zweitgrößte, überwiegend von Chinesen gehaltene Husab Uranmine ihre Kapazität voll auslasten. Positive Signale gibt es bei den auf Halt gesetzten Uranminen Langer Heinrich, Norasa und Reptile. Explorationen für Uran und Kupfer sind im Gange. In der Diskussion sind darüber hinaus die Förderung von Zink, Zinn und Blei sowie der ökologisch umstrittene, unterseeische Phosphatabbau. Bis 2022 wird der Offshore-Diamantenabbau nach schwachen Jahren um 35 Prozent zulegen. Geplant ist eine Produktionssteigerung bei Mangan.

Öl/Gas: Günstige Rahmenbedingungen fördern die Exploration

Die Suche nach Erdgas- und Erdölfeldern vor der Küste Namibias ist schon seit einigen Jahren in vollem Gange. Besonders engagiert sind gegenwärtig die großen Energiekonzerne wie ExxonMobil, Total, Shell und die indische ONGC. Aktiv sind auch kleinere Unternehmen, etwa Tower Resources, Tullow Oil, New Age Energy Algoa und Chariot Oil & Gas. Die Chancen für Offshore-Funde gelten als günstig; ebenso die rechtlich-finanziellen Rahmenbedingungen. Weiterhin in der Diskussion sind die Förderung und Verstromung des Erdgases (zunächst 475 MW) aus dem Offshore-Feld Kudu. Laut Mehrheitseigner BW Kudu begünstigen technologische Neuerungen das Projekt.

Nahrungsmittelindustrie: Fischverarbeitung zieht Investitionen an

Die namibische Regierung hat das ehrgeizige Ziel ausgegeben, bis 2021/22 das Volumen des vor Ort verarbeiteten und verpackten Fischs und weiterer Meeresprodukte auf rund 40 Prozent des Fangs zu erhöhen. Anfang 2018 dürfte die Quote bei 10 Prozent gelegen haben. Zuletzt ist als größte Einzelinvestition in dem Bereich die Fischfabrik von Seaflower Pelagic Processing in Walvis Bay eröffnet worden. Ebenso in Walvis Bay haben Hangana Seafood und das größte Fischereiunternehmen im Land Tunacor im April beziehungsweise Juli 2019 den Grundstein für Fischverarbeitungsanlagen gelegt.

Weitere Informationen:

Namibias Nahrungsmittelindustrie in der Dauerkrise

http://www.gtai.de/MKT201904018002

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Großer Handlungsbedarf im Wassersektor

In der deutsch-namibischen Entwicklungszusammenarbeit nimmt die Wasserversorgung einen besonderen Stellenwert ein. Zu den wichtigsten Vorhaben gehört dabei die Modernisierung der Wasserinfrastruktur für Windhuk. Bei Walvis Bay ist im Rahmen eines Pilotprojektes eine solarbetriebene Meerwasserentsalzungsanlage in Betrieb gegangen. Der Bau weiterer solcher Anlagen und die Nutzung fossiler Wasservorkommen sind in der Diskussion. Im August 2019 hat die namibische Regierung mit deutscher Unterstützung ein neues Abfall-Programm zur Feststoffentsorgung und Wiederverwendung aufgelegt.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Sektor öffnet sich langsam

Mit Abstand größter Mobilfunkanbieter ist MTC, gefolgt von TN Mobile mit einem Marktanteil von 4,5 Prozent. Beide Anbieter sind in der Hand der staatlichen Telecom Namibia. Geplant ist der Verkauf von MTC-Anteilen. Weitere wichtige Akteure sind Paratus und der IKT-Konzern MTN. Die Regierung fördert den Zugang zur gemeinsamen Nutzung der Infrastruktur. MTN will die Netzinfrastruktur der Telecom Namibia für seinen mobilen Dienst nutzen, Paratus bedient sich des gut ausgebauten Glasfasernetzes des Stromversorgers Nampower. Im afrikanischen Vergleich bleibt die Internetdurchdringung bislang unter dem Durchschnitt.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Namibia können Sie unter http://www.gtai.de/namibia abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Namibia Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Elektronik, allgemein, Öl, Gas

Funktionen

Kontakt

Edith Mosebach

‎+49 228 24 993 288

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche