Branchencheck

02.07.2019

Branchencheck - Neuseeland (Juni 2019)

Inhalt

Kleiner, aber chancenreicher Markt / Von Heiko Stumpf

Sydney (GTAI) - Die Bauwirtschaft in Neuseeland ist voll ausgelastet, und der IT-Sektor verzeichnet hohes Wachstum. Auch der Gesundheitsmarkt und die Landwirtschaft versprechen gute Geschäfte.

Maschinenbauindustrie: Hoher Spezialisierungsgrad

Die Maschinenbauindustrie in Neuseeland ist durch kleine und mittelständische Unternehmen geprägt, die sich meist auf hochwertige Nischenprodukte spezialisieren. Insgesamt dürfte sich der Sektor weiterhin positiv entwickeln. Im Finanzjahr 2018/19 (April bis März) legte der Produktionsindex des nationalen Statistikamtes für den Bereich Machinery and Equipment um 5,5 Prozent zu. Der Branchenumsatz stieg im selben Zeitraum um real 4,6 Prozent. Mit einem Anteil von 17,7 Prozent bildet der Sektor das zweitgrößte Standbein des verarbeitenden Gewerbes nach der Nahrungsmittelherstellung.

Energiewirtschaft: Ausbaupotenzial bei Windkraft und Geothermie

Regenerative Quellen tragen über 80 Prozent zur Stromerzeugung bei. Bis 2035 sollen 100 Prozent erreicht werden. Bei der dominierenden Wasserkraft gibt es kaum Potenzial für neue Projekte. Mercury Energy arbeitet jedoch an der Modernisierung des Waikato River Staudammsystems mit insgesamt neun Kraftwerken. Im Bereich der Windkraft sind Anlagen mit einer Gesamtkapazität von etwa 2.500 Megawatt genehmigt. Zu den Entwicklern gehört die Firma Tilt Energy, die die Projekte Kaiwera Downs (240 Megawatt), Mahinerangi (160 Megawatt) und Waverly (130 Megawatt) vorantreibt. Im Bereich der Geothermie exploriert Contact Energy für ein neues Kraftwerk in Tauhara (250 Megawatt).

Bauwirtschaft: Wohnungsbau befindet sich in einer Boomphase

Die Bauwirtschaft zählt zu den wichtigsten Wachstumstreibern. Die Investitionen im Wohnungsbau sollen 2019 nach Prognosen von Westpac um 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen. Im Jahr 2018 wurde mit 32.996 genehmigten Wohnungen ein neuer Rekord erzielt (+6,1 Prozent). Der National Construction Pipeline Report erwartet bis 2023 einen Anstieg auf 43.000 erteilte Baugenehmigungen pro Jahr. Die Hauptstadt Auckland erlebt einen Boom bei Apartments. Die Regierung will im Rahmen des KiwiBuild-Programms in den kommenden zehn Jahren 100.000 erschwingliche Wohneinheiten schaffen. Bislang wurden rund 10.400 Aufträge erteilt, darunter Vorhaben von Housing NZ.

Gesundheitswirtschaft: Modernisierung von Gesundheitseinrichtungen

Im Gesundheitssektor hat sich ein großer Investitionsstau gebildet. Rund 19 Prozent aller Gesundheitseinrichtungen befinden sich in einem schlechten Zustand. Nach Regierungsangaben müssen im Zeitraum 2018 bis 2028 umgerechnet 9,5 Milliarden US-Dollar (US$) investiert werden. Für die Haushaltsjahre 2019/20 und 2020/21 werden zunächst 1,2 Milliarden US$ für Modernisierungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt. Prestigeobjekt ist der Neubau des Krankenhauses in Dunedin. Die Nachfrage nach Medizinprodukten wird auch von der wachsenden Bevölkerung gestützt. Das Marktvolumen für Medizintechnik dürfte 2018/19 bei etwa 911 Millionen US$ gelegen haben.

Weitere Informationen:

Medizintechnikmarkt in Neuseeland im Aufschwung

http://www.gtai.de/MKT201811078010

Landwirtschaft: Anbaufläche für Obst und Gemüse wächst

Die Nachfrage nach Landtechnik dürfte nach Prognose von Branchenkennern im Zeitraum 2019/20 bis 2022/23 um durchschnittlich gut 1 Prozent pro Jahr steigen. Das Marktvolumen lag 2018/19 bei umgerechnet rund 962 Millionen US$. Die Verkaufszahlen für Traktoren erzielten 2018 mit 4.640 Stück einen neuen Rekord. Für 2019 rechnet der Branchenverband NZ Tractor and Machinery Association mit 4.300 bis 4.500 Einheiten. Die Milchbauern dürften von guten Preisen in der Saison 2019/20 profitieren. Im Obst- und Gemüseanbau steigen die Produktion und Anbaufläche, so dass sich die Nachfrage nach Inputs mittelfristig auf hohem Niveau bewegen dürfte.

Bergbau: Goldvorkommen werden erschlossen

Neuseeland verfügt nur über eine kleine Bergbauindustrie. Neben dem Abbau von Kohle werden auch mehrere Goldminen betrieben. Der Produzent Oceana Gold will in den kommenden Jahren weiter in die Goldvorkommen des Landes investieren. Bereits genehmigt ist das Martha Underground Project in Waihi. Dort sollen Vorkommen von bis zu 667.000 Unzen gefördert werden. Zudem gibt es Planungen für die Golden Point Untergrundmine in Macraes auf der Südinsel. In Wharekirauponga laufen umfangreiche Explorationsarbeiten, die zu einer weiteren Goldmine im Untertagebau führen könnten.

Öl/Gas: Neue Explorationsbohrungen geplant

Die Vergabe neuer Explorationslizenzen in den Offshore-Gebieten wurde durch die Regierung auf Eis gelegt. Lediglich im Rahmen bereits erteilter Bohrrechte kann weiter nach Gas gesucht werden. Wichtigster Gasproduzent ist die österreichische OMV, welche die Offshore-Gasfelder Maui und Pohokura betreibt. In den kommenden Jahren sollen über 340 Millionen US$ in die Lebenszeitverlängerung der Förderstätten investiert werden. Zudem könnte die OMV noch 2019 mit einem ambitionierten Explorationsprogramm im Great South Basin vor der Küste von Otago beginnen. Chevron und Equinor zogen sich 2019 hingegen von der Gasexploration in Neuseeland zurück.

Nahrungsmittelindustrie: Produktionsvolumen dürfte stagnieren

Die Lebensmittelindustrie ist mit einem Anteil von rund 32 Prozent das wichtigste Standbein des verarbeitenden Gewerbes. Im Kalenderjahr 2018 legte der Produktionsindex der Branche um 0,9 Prozent zu. Eine dominierende Rolle spielt die Molkereiindustrie. Die verarbeitete Milchtrockenmasse dürfte 2019 um 2,3 Prozent steigen, sich mittelfristig aber seitwärts bewegen. Nach umfangreichen Investitionen in den vergangenen Jahren ist in den Betrieben kein nennenswerter Kapazitätsausbau mehr zu erwarten. Auch die Produktion von Rindfleisch dürfte stagnieren. Der Fokus richtet sich auf Effizienzsteigerungen, um strengere Klima- und Umweltvorgaben zu erfüllen.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Lokale Unternehmen wachsen schnell

Der IT-Sektor zählt zu den erfolgreichsten Wirtschaftszweigen Neuseelands. In Städten wie Auckland und Wellington konnte sich eine innovative Unternehmenslandschaft entwickeln. Nach Angaben des Technologieverbandes TIN legten die Umsätze der großen Softwarefirmen im Zeitraum 2013 bis 2018 um durchschnittlich 10 Prozent pro Jahr zu. Noch rasanteres Wachstum verzeichneten die Bereiche Fintech (+37,6 Prozent) und digitale Medien (+16,7 Prozent). Die IT-Investitionen sollen nach Prognose von Gartner bis 2022 um durchschnittlich 3,2 Prozent pro Jahr wachsen. Für 2018 wird das Marktvolumen für Software mit umgerechnet 1,3 Milliarden US$ angegeben.

Kfz-Markt: Verkaufszahlen lassen Rekordwert hinter sich

Nachdem 2018 mit 161.519 verkauften Fahrzeugen (+1 Prozent) ein Absatzrekord erzielt wurde, wird für 2019 ein Rückgang erwartet. In den ersten fünf Monaten des Jahres lag das Minus bei 4,9 Prozent. In Neuseeland erfreuen sich Pick-ups großer Beliebtheit. Der Ford Ranger und der Toyota Hillux sind die am häufigsten verkauften Modelle. Der Markt für reine Elektrofahrzeuge kommt nur langsam in Gang. Im Jahr 2018 wurden nur 768 Einheiten abgesetzt. Die Regierung will die Anzahl von Elektroautos bis 2021 auf 64.000 Stück steigern. Bislang sind jedoch nur 10.638 reine Elektrofahrzeuge registriert, mit Hybriden sind es 14.229.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Neuseeland können Sie unter http://www.gtai.de/neuseeland abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Neuseeland Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Straßenfahrzeuge, allgemein, Öl, Gas

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