Branchencheck

13.05.2019

Branchencheck - Nigeria (Mai 2019)

Inhalt

Agrarsektor und Ölförderung mit neuem Schwung / Von Carsten Ehlers

Lagos (GTAI) - Trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten lohnt ein differenzierter Blick: Nach wie vor bietet der nigerianische Markt in einigen Branchen umfangreiche Geschäftsmöglichkeiten.

Chemieindustrie: Produktion von Konsum- und Industriechemikalien steigt

Die Herstellung chemischer Erzeugnisse in Nigeria bringt regelmäßig Lieferchancen mit sich, denn einzelne Industriezweige erweitern ihre Fertigung. Die im Bau befindliche Ölraffinerie von Dangote stellt eine Investition von mehreren Milliarden US-Dollar (US$) dar. Zudem bauen einige Unternehmen ihre Düngemittelproduktion aus. Und der Standort Lagos empfiehlt sich für Konsumchemikalien: So füllt Beiersdorf hier seit 2017 Körperpflegeartikel ab. Die zur TGI-Gruppe gehörende Cormart plant einen Ausbau ihrer lokalen Produktion von Industriechemikalien.

Energiewirtschaft: Die Industrie nutzt vermehrt Solar-Aufdachanlagen

Nigerias Elektrizitätssektor birgt Potenzial für deutsche Unternehmen. Strom wird in großen Mengen benötigt und das Netz kann diesen nur unzureichend liefern. Hoch ist der Bedarf daher bei individuellen Lösungen zum Beispiel mit Generatoren und immer häufiger auch mit Solar-Aufdachanlagen. Seit der Privatisierung des Strommarktes im Jahr 2013 können private Unternehmen Kraftwerke bauen und betreiben. Gleichwohl stocken hier die Investitionen aufgrund der unsicheren Rahmenbedingungen. Ein Beispiel ist das sich verzögernde Projekt "Qua Iboe Power Plant" von Black Rhino.

Bauwirtschaft: Warten auf neue Infrastrukturaufträge

Der Bausektor zählt zu den aussichtsreichsten Branchen in Nigeria, durchläuft aber aufgrund der stark reduzierten staatlichen Aufträge seit Längerem eine schwierige Phase. Zum Beispiel verzeichneten deutsche Lieferungen von Baumaschinen in den vergangenen Jahren einen deutlichen Rückgang. In Nigeria aktive Firmen mit deutschem Management wie Julius Berger und Dantata & Sawoe haben ihre Kapazitäten spürbar reduziert. Auch von privater Seite haben die Aufträge abgenommen, wobei die Auftragslage in der Metropole Lagos noch positiver ist als im Rest des Landes.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Nigerias Bausektor wartet auf ein Ende der Krise

http://www.gtai.de/MKT201812038006

Gesundheitswirtschaft: Dem Staat fehlt das Geld für neue Einrichtungen

Aktuell sind die Aktivitäten im nigerianischen Gesundheitswesen vergleichsweise gering, da dem Staat das Geld für Ausbaumaßnahmen fehlt. Das Gesundheitssystem befindet sich in weiten Landesteilen in einem maroden Zustand. Einzig in Lagos gibt es Investitionen. Dort stecken private Unternehmen Kapital in neue Kliniken, Praxen oder Diagnostikzentren. Beim Kauf von Pharmazeutika verhalten sich die Patienten sowie der Staat derzeit kostensensibel, sodass deutsche Anbieter von Originalpräparaten zurzeit kein gutes Geschäft verzeichnen. Generika werden bevorzugt beschafft.

Weitere Informationen:

Private Investoren entdecken den Gesundheitssektor in Nigeria http://www.gtai.de/MKT201809128004

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Agrarsektor erlebt Aufschwung

In der Landwirtschaft bestehen steigende Geschäftsmöglichkeiten. Von privater Seite werden Investitionen durchgeführt. Geld fließt in den Anbau von Mais, Kassava, Reis, Zuckerrohr, Tomaten und Palmöl sowie in die Fischzucht. Äußerst umfangreich sind auch die Investitionen in die Geflügelwirtschaft. Nicht von ungefähr hat der Hersteller von Legebatterien, Big Dutchman, vor einigen Jahren eine Niederlassung in Lagos eröffnet. Der lokale Absatzmarkt ist derart groß, dass das Potenzial für deutlich mehr Investitionen gegeben wäre.

Weitere Informationen:

Besseres Umfeld für Investitionen in Nigerias Landwirtschaft

http://www.gtai.de/MKT201810028000

Öl/Gas: Shell und Total starten zwei Großprojekte

Deutlich zunehmende Aktivitäten verzeichnet nach Jahren der Stagnation der Ölsektor, einhergehend mit Lieferchancen. Zwei Offshore-Großprojekte stehen im Mittelpunkt. Total will in Kürze mit der Ölförderung im Egina-Feld beginnen. Hierbei kommt ein FPSO-Schiff (floating production storage and offloading facility) zum Einsatz. Die Produktion in Egina soll bei 200.000 Barrel pro Tag (bpd) liegen. Shell hat Anfang 2019 die Ausschreibungen für sein 10-Milliarden-US$-teures "Bonga South West/Aparo Project" veröffentlicht. Auch lokale Onshore-Ölproduzenten wie Oando planen den Ausbau ihrer Förderung.

Nahrungsmittelindustrie: Firmen haben Vertrauen in steigende Nachfrage

Immer wieder investieren Unternehmen in den Ausbau ihrer örtlichen Produktion. Gleichwohl fiel das Liefervolumen für deutsche Nahrungsmittelmaschinen 2018 auf einen für Nigeria sehr niedrigen Stand von etwa 38,0 Millionen Euro. Im Vergleich zum Jahr 2017 ist dies ein Minus von fast 47 Prozent. Dies dürfte kein Trend, sondern eher ein Zwischentief sein. Unternehmen wie TGI kündigen weitere Investitionen an. Auch gibt es eine Menge interessanter, kleinerer und oft neuer Kunden im Bereich der Nahrungsmittelindustrie, die hochwertiges Gerät und Inputmaterialien bestellen.

Weitere Informationen:

Besseres Umfeld für Investitionen in Nigerias Landwirtschaft

http://www.gtai.de/MKT201810028000

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Private Großverbraucher bringen Geschäft

Trotz großen Bedarfs fällt der Umfang der Geschäftsmöglichkeiten im Umweltsektor derzeit gering aus. Dem Staat fehlt das Geld für den dringend benötigten Ausbau der Wasser- und Abwassernetze. Selbst in Lagos, wo Geld für eine geordnete Stadtentwicklung bereitstünde, werden neu entstehende Stadtgebiete wie Lekki nicht an das Netz der staatlichen Lagos Water Corporation (LWC) angeschlossen. Industrieunternehmen mit hohem Wasserbedarf fragen individuelle Lösungen bei der Wasserversorgung nach. Diese Kunden dürften auch für deutsche Unternehmen von Interesse sein.

Nahrungsmittelmarkt: Das Massengeschäft läuft weiter

Trotz der mäßigen wirtschaftlichen Situation findet der Import von Nahrungsmitteln in großem Umfang statt. Nach wie vor werden Milchpulver, Teigwaren, Säfte oder Fleisch in nennenswerten Mengen verkauft. Alleine der jährliche Bevölkerungszuwachs von mehr als 5 Millionen Menschen sorgt für einen steigenden Bedarf. Bei hochwertigen importierten Nahrungsmitteln ist die Nachfrage seit einigen Jahren geringer. Viele Expats haben das Land seit 2016 verlassen und auch die nigerianische Mittelschicht hat Kaufkraft eingebüßt.

Kfz-Markt: Absatz immer noch niedrig

Weiterhin sind die Absatzzahlen für Neuwagen niedrig. Sie dürften bei um die 10.000 Fahrzeugen pro Jahr liegen. Durch die Wirtschaftsflaute fehlt die Kaufkraft, sodass auf gebrauchte Pkw umgestiegen wird. Auch Lkw werden weniger gekauft, weil Öl- und Baufirmen bei ihren Beschaffungen vorsichtig sind. Sobald sich die wirtschaftliche Lage verbessert, dürften die Neuwagenverkäufe deutlich anziehen. In wirtschaftlich guten Zeiten sind 30.000 bis 50.000 Einheiten möglich. Dann dürfte das Interesse der Hersteller an einer Montage in Nigeria wieder steigen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Nigeria finden Sie unter http://www.gtai.de/nigeria

Dieser Artikel ist relevant für:

Nigeria Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Öl, Gas

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