Branchencheck

21.11.2018

Branchencheck - Nigeria (November 2018)

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Im Konsumgüterbereich wird weiter investiert / Von Carsten Ehlers

Lagos, Abuja (GTAI) - Deutsche Zulieferchancen in Nigeria bleiben aufgrund der Wirtschaftskrise durchwachsen. Gut läuft der Konsumgüterbereich. Der Infrastrukturausbau stockt hingegen.

Chemieindustrie: Nigeria vervielfacht seine Produktion von Dünger

Die chemische Industrie wird in einigen Bereichen ausgebaut. Dort bestehen Chancen für deutsche Zulieferer. Das derzeit größte Projekt ist der Bau einer Ölraffinerie in Lekki bei Lagos durch die nigerianische Dangote. Außerdem entstehen zwei weitere Düngemittelfabriken: Indorama Eleme baut seine erst 2016 eröffnete Produktionsstätte für 1,1 Milliarden US-Dollar (US$) weiter aus, unter anderem mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG). Auch Dangote errichtet nahe der neuen Raffinerie eine Düngemittelfabrik für 2 Milliarden US$.

Energiewirtschaft: Weiterhin warten auf umfassende Investitionen

Das Geschäftspotenzial im Strommarkt ist groß. Von den etwa benötigten 20.000 Megawatt werden derzeit nur etwa 4.000 Megawatt bereitgestellt. Zwar werden derzeit mehrere Kraftwerke geplant (unter anderem Mambilla-Wasserkraftwerk), aber bei der Energieübertragung und -verteilung passiert kaum etwas. Der Markt für Dieselgeneratoren ist nach wie vor riesig. Ins Gespräch kommen Off-Grid-Lösungen mit Solarenergie, insbesondere im sonnigen Norden des Landes, wo das Stromnetz noch grobmaschiger ist. Auch energieeffiziente Maßnahmen gewinnen an Popularität, insbesondere am Industriestandort Lagos.

Bauwirtschaft: Nur Lagos sticht noch positiv heraus

Weiterhin in einer Krise befindet sich die nigerianische Bauwirtschaft. Chancen für deutsche Zulieferer sind geringer als noch vor einigen Jahren. In Nigeria aktive Baufirmen mit deutschem Management wie Julius Berger und Dantata & Sawoe haben ihre Kapazitäten deutlich reduziert. Chinesische Baufirmen kommen verstärkt auf den nigerianischen Markt. Im Vorfeld der im Februar 2019 anstehenden Präsidentschaftswahlen wurden staatliche Infrastrukturausschreibungen zurückgefahren. Kommt es zu einem Regierungswechsel, ist erst ab dem 2. Halbjahr 2019 mit neuen Ausschreibungen zu rechnen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt Bauwirtschaft: Nigerias Bausektor wartet auf ein Ende der Krise

http://www.gtai.de/MKT201812038006

Gesundheitswirtschaft: Pharmasektor bietet hohe Absatzchancen

Die Chancen im Gesundheitssektor sind bei einer Bevölkerung von derzeit rund 195 Millionen bei gleichzeitiger medizinischer Unterversorgung grundsätzlich groß. Aktuell sind Patienten sowie der Staat beim Kauf von Medikamenten kostensensibel, sodass deutsche Anbieter von Originalpräparaten derzeit kein gutes Geschäft verzeichnen. Generika werden bevorzugt beschafft. Auch Investitionen in staatliche Krankenhäuser werden zurzeit vermindert durchgeführt. Kapital fließt in den Bau privater Krankenhäuser sowie Diagnostikzentren und Labore mit internationalen Standards.

Weitere Informationen:

Private Investoren entdecken den Gesundheitssektor in Nigeria

http://www.gtai.de/MKT201809128004

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Agrarinvestitionen für die Eigenversorgung

Derzeit wird in der Landwirtschaft investiert, vor allem in den Anbau und die Weiterverarbeitung von Mais, Kassava, Reis, Zuckerrohr, Palmöl und Tomaten sowie in die Geflügel- und Fischzucht. Viel Potenzial wird auch Sojabohnen für Tierfutter sowie Yams zugesprochen. Neben nigerianischen Unternehmen wie Dangote, Stallion, Wicklow, PZ Wilmar oder Presco kommen auch vermehrt ausländische Agrarinvestoren ins Land, darunter die US-amerikanische Kellogg's oder Olam aus Singapur. Geografisch konzentrieren sich die Investitionen auf den Norden (bei Kano), den Middle-Belt (Abuja, Kaduna, Jos) sowie den Großraum Lagos.

Weitere Informationen:

Besseres Umfeld für Investitionen in Nigerias Landwirtschaft

http://www.gtai.de/MKT201810028000

Öl/Gas: Total startet Offshore-Produktion im Egina-Feld

Total will in Kürze mit der Ölförderung im Egina-Feld mit einem FPSO-Schiff (floating production storage and offloading facility) beginnen. Die Produktion in Egina soll bei 200.000 Barrel pro Tag liegen. Auch Shell plant die Installierung eines FPSO in seinem Ölfeld Bonga-South-West mit einer Kapazität von 150.000 Barrel pro Tag. Bei beiden Projekten handelt es sich um Investitionen in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar. Die Aufträge für die FPSO gehen zumeist an koreanische Unternehmen wie Samsung oder Hyundai. Deutsche Zulieferer können unter Umständen bei Teilaufträgen partizipieren.

Nahrungsmittelindustrie: Hohe Nachfrage nach deutschen Maschinen

Trotz Wirtschaftskrise finden Investitionen in Nigerias Nahrungsmittelproduktion statt. Kürzlich verkündeten die Tolaram Group sowie Flour Mills of Nigeria größere Vorhaben. Das Bevölkerungswachstum sorgt für steigende Nachfrage. Zu den gegenwärtig rund 195 Millionen Einwohnern kommen jährlich etwa fünf Millionen Menschen hinzu. Produziert werden lokal vor allem günstige Nahrungsmittel wie Getränke, Teigwaren, Milchprodukte oder Bouillonwürfel. Die deutschen Zulieferchancen sind bedeutend und steigend. Krones, KHS, GEA und Symrise sind mit Niederlassungen in Nigeria vertreten.

Weitere Informationen:

Besseres Umfeld für Investitionen in Nigerias Landwirtschaft

http://www.gtai.de/MKT201810028000

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Hoffnung auf das Jahr 2019

Trotz großen Bedarfs sind die Lieferchancen für deutsche Anbieter von Lösungen im Umweltbereich begrenzt. Immerhin ist der Pumpenlieferant Wilo seit dem Jahr 2018 in Lagos präsent. Interessant als Kunde ist vor allem die in Lagos ansässige Konsumgüterindustrie, welche in ihre eigene Wasserversorgung investiert. Im staatlichen Infrastrukturausbau ist seit dem Jahr 2014 nicht mehr viel passiert. Auch in Lagos werden neu entstehende Stadtgebiete wie Lekki kaum an das Netz der staatlichen Lagos Water Corporation (LWC) angeschlossen.

Nahrungsmittelmarkt: Die Supermärkte leiden

Aktuell sind die Verkaufschancen für Nahrungsmittel der gehobenen Preisklasse deutlich gesunken, weil im Zuge der Wirtschaftskrise viele Expats das Land verlassen haben und die Mittelschicht die Gürtel enger schnallen muss. Die zuvor noch vollen Supermärkte und Malls verzeichnen seit 2015 deutliche Umsatzeinbußen. Hingegen läuft das Massengeschäft weiterhin gut. Auf den offenen Märkten des Landes werden nach wie vor importierte Nahrungsmittel wie Milchpulver, Teigwaren, Säfte oder Fleisch in großen Mengen verkauft.

Kfz-Markt: Volkswagen stellt Montage in Aussicht

Im Rahmen des Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Nigeria im August 2018 wurde eine Übereinkunft zwischen Volkswagen und der nigerianischen Regierung unterzeichnet. In dieser bekennt sich Volkswagen dazu, seine Aktivitäten in Nigeria in Richtung einer lokalen Montage auszubauen. Im Gegenzug erwartet das Unternehmen Maßnahmen der nigerianischen Regierung, die den Neuwagenmarkt fördern. Derzeit werden in Nigeria überwiegend Gebrauchtwagen verkauft. Peugeot ist dabei, seine Montagefabrik in Kaduna zu modernisieren. Das französische Unternehmen plant die lokale Montage des Peugeot 301 ab dem Jahr 2019.

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick--nigeria-november-2018,did=2175564.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Nigeria Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Öl, Gas

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