Branchencheck

14.06.2019

Branchencheck - Oman (Juni 2019)

Inhalt

Private Investoren sollen Diversifizierung vorantrieben / Von Robert Espey

Dubai/Maskat (GTAI) - Die angestrebte Diversifizierung der Wirtschaft bietet in Sektoren wie Chemie, Energie, Gesundheit, Umwelttechnik oder Metallindustrie interessante Perspektiven.

Chemieindustrie: Hohe Investitionen in neue Sonderwirtschaftszone Duqm

Die Chemieindustrie bildet in der Sonderwirtschaftszone Duqm den Investitionsschwerpunkt. Mit dem Bau der dritten Raffinerie des Landes (Kapazität: 0,23 Millionen bpd) wurde 2018 in Duqm begonnen. Sie soll einen geplanten 9 Milliarden US$ Petrochemiekomplex mit Vorerzeugnissen beliefern. Ein 326 Megawatt-Kraftwerk wird die Raffinerie und den Petrochemiekomplex mit Strom versorgen, Siemens liefert die Turbinen. China will in Duqm in eine weitere Raffinerie und in eine 2,8 Milliarden US$ MTO-Anlage (Methanol to Olefine) investieren. Die emiratische Ghantoot Group prüft die Errichtung eines 700 Millionen US$ Bio-Dünger-Werks. Shell und die Oman Oil Company diskutieren über ein GTL-Projekt (Gas to Liquids).

Weitere Informationen:

Megaprojekte in der Region Duqm in Oman machen Fortschritte, März 2019

https://bit.ly/2TZYJOq

Omans Downstream-Sektor macht Fortschritte, Juli 2018

https://bit.ly/2XyvuQg

Oman setzt auf Wirtschaftssonderzone Duqm, März 2018

https://bit.ly/2WuQ6N7

Energiewirtschaft: Zweites großes EE-Projekt läuft an

Das im Bau befindliche, durch Abu Dhabi finanzierte 50 Megawatt Windkraftwerk in der Provinz Dhofar ist Omans erstes großes Erneuerbare Energien Projekt. Im April 2019 wurde mit der saudi-arabischen Acwa Power Company außerdem ein 500 Megawatt PV-Kaftwerks (Photovoltaik) in der Region Ibri auf BOO-Basis (Build Own Operate) vereinbart. Das 400 Millionen US$ Projekt ist das erste von vier geplanten 500 Megawatt PV-Kraftwerken. Die Sohar Port and Freezone Authority hat angekündigt, eine 25 Megawatt PV-Anlage bauen zu wollen. Auch weitere Windkraftwerke sind in Planung. In Dhofar sollen drei Wind-Projekte mit insgesamt 400 Megawatt entstehen. Ein 200 Megawatt Windkraftwerk für die neue Wirtschafssonderzone Duqm ist im Gespräch. Zwei in Duqm geplante Kohlekraftwerke werden hingegen möglicherweise nicht realisiert, so Insider.

Weitere Informationen:

Oman setzt auf Erneuerbare Energien und Kohlekraft, Oktober 2018

https://bit.ly/2wEgip8

Bauwirtschaft: Talfahrt setzt sich fort

Der Bausektor schrumpfte 2017 real (preisbereinigt) um 6,7 Prozent (nominal: -7,7 Prozent) und verbuchte 2018 einen nominalen Rückgang von 6,1 Prozent. Eine Rückkehr auf einen Wachstumspfad gilt als unwahrscheinlich, im günstigsten Fall könnte es 2019 ein leichtes Plus geben. Die Investitionszurückhaltung der öffentlichen Hand verursacht den negativen Trend. Die seit 2014 hohen Haushaltsdefizite haben die Regierung zu einer deutlichen Drosselung der öffentlichen Bautätigkeit veranlasst. Auch mittelfristig werden die öffentlichen Investitionen eher nicht anziehen. Die möglicherweise steigenden privaten Investitionen werden vorerst keinen vollen Ausgleich bieten können.

Weitere Informationen:

Omans Bauwirtschaft hofft auf neue Aufträge, März 2019

https://bit.ly/2WuPdUx

Megaprojekte in der Region Duqm in Oman machen Fortschritte, März 2019

https://bit.ly/2TZYJOq

Oman hat große Pläne im Tourismus, Februar 2019

https://bit.ly/2WmqsFd

Gesundheitswirtschaft: Ausweitung der Krankenversicherung wird Impulse geben

Der derzeit wachstumsschwache Gesundheitssektor wird durch die geplante arbeitgeberfinanzierte Krankenversicherungspflicht für alle Beschäftigten des Privatsektors kräftige Impulse erhalten. Die Versicherungspflicht sollte ursprünglich ab Anfang 2018 gelten. Eine schrittweise Einführung ab Herbst 2019 ist im Gespräch, weitere Verzögerungen sind wahrscheinlich. Der Versicherungsschutz soll auch Familienmitglieder einschließen. Damit würden insgesamt etwa 2 Millionen Ausländer und über 1 Million Omaner erfasst. Aktuell sollen 0,45 Millionen Ausländer über eine freiwillige Krankversicherung verfügen. Die als Regulator für das Versicherungswesen zuständige Capital Market Authority (CMA) legte Ende März 2019 die verbindlichen Mindeststandards der Pflichtkrankenversicherung (Unified Health Insurance Policy) vor.

Weitere Informationen:

Omans Gesundheitswesen erwartet zusätzliche Gelder, Februar 2019

https://bit.ly/2WPsqlT

Fischerei: Fischfang und -verarbeitung mit Perspektiven

Die Fischerei und Fischverarbeitung gehören zu den Branchen mit erheblichem Wachstumspotenzial. In der Sonderwirtschaftszone Duqm wird seit 2017 für 157 Millionen US$ ein Fischereihafen gebaut, der 2020 fertiggestellt werden soll. Die Finanzierung stellt der Saudi Fund for Development. Der Duqm Fisheries Industrial Complex bietet in einer ersten Ausbauphase Platz für etwa 60 Verarbeitungsbetriebe. Die Dhofar Fisheries and Food Industries Company will in Duqm für 26 Millionen US$ eine Fischfabrik errichten, die Auftragsvergabe wird noch 2019 erwartet. Die Fabrik soll über eine Jahreskapazität von 30.000 Tonnen verfügen. Es ist die Produktion von Tunfisch- und Sardinenkonserven sowie von Fischmehl und -öl vorgesehen.

Öl/Gas: Ölförderung schrumpft, Gassektor expandiert

Die Ölproduktion erreichte 2016 mit 1,0 Millionen bpd (Rohöl und Kondensat) einen Höhepunkt und ist seit 2017 rückläufig (2018: 0,98 Millionen bpd). Der sinkenden Rohölförderung steht ein Plus bei Kondensaten gegenüber. Obwohl der Kondensatausstoß deutlich zulegen wird, dürfte die Ölproduktion insgesamt kein signifikantes Wachstum mehr erzielen. Die Gasförderung stieg 2018 durch die Inbetriebnahme der von BP entwickelten Khazzan & Makarem Felder um 12 Prozent auf 120 Millionen Kubikmeter/Tag. Für 2021 plant BP die Fertigstellung des Ghazeer Gasfeld Projektes (Kapazität: 14 Millionen Kubikmeter/Tag). Das Gemeinschaftsunternehmen Petroleum Development Oman will 2020 das Rabab Harweel Projekt (6 Millionen Kubikmeter/Tag) und 2021 das Yibal Khuffin Projekt (5 Millionen Kubikmeter/Tag) in Betrieb nehmen.

Weitere Informationen:

Oman erhöht Gasförderung, Oktober 2018

https://bit.ly/2Zd6OgB

Metallindustrie: Ausbau der Aluminiumproduktion wieder in der Diskussion

Die Firma Sohar Aluminium hatte 2015 die Planung zur Erweiterung der Kapazitäten der seit 2008 produzierenden Schmelze um 1 Million auf 1,38 Millionen Tonnen aufgegeben. Jetzt wurde das 1,2 Milliarden US$ Projekt wieder reaktiviert, eine Ausschreibung ist 2020 zu erwarten. Das Unternehmen ist ein Joint Venture aus Oman Oil, der Abu Dhabi National Energy Company (TAQA) und der kanadischen Rio Tinto Alcan. Neben Exporten beliefert Sohar Aluminium die Unternehmen Oman Aluminium Processing Industries Limited (OAPIL) und die Oman Aluminium Rolling Company (OARC). Als weiterer Abnehmer kommt zukünftig Synergy Castings hinzu. Das indische Unternehmen plant in Sohar ein 100 Millionen US$ Werk zur Produktion von Aluminiumfelgen.

Weitere Informationen:

Omans Industrie vor Wachstumsschub, März 2018

https://bit.ly/2XxOtdI

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Bus-Montage soll 2020 beginnen

Der Aufbau einer Kfz- und Zulieferindustrie gehört zur omanischen Diversifizierungsstrategie. In der Sonderwirtschaftszone Duqm soll 2020 mit der Montage von Bussen begonnen werden. Der Investor (Karwa Automobiles) ist ein Joint Venture aus der Qatar National Transport Company (Mowasalat) und dem Staatsfonds Oman Investment Fund. Der 300 Millionen Auftrag zum Bau des Montagewerks soll an die lokale Baufirma Premier International Projects gehen, ein Vertrag wurde aber noch nicht unterzeichnet. Das Werk soll chinesische Busse der Marke "Higer" bauen. Eine Jahreskapazität von zunächst 1.000 und später 3.000 Fahrzeugen ist vorgesehen. Zwei weitere in Duqm geplante Kfz-Montage-Projekte wurden gestoppt.

Umwelttechnik: Erweiterung der Klärwerkskapazitäten

Die vor allem für die Hauptstadtregion zuständige Oman Wastewater Services Company (Haya Water) hat zwei Klärwerksprojekte im Bau: Im Bezirk Darsait wird eine zusätzliche Kapazität von 50.000 Kubikmeter/Tag geschaffen, in Amerat von 18.000 Kubikmeter. Für zwei weitere Projekte liegen Angebote vor. In Seeb ist für 50 Millionen US$ eine Erweiterung um 20.000 auf 80.000 Kubikmeter vorgesehen. In Liwa soll für 25 Millionen US$ eine neue Anlage (14.000 Kubikmeter) entstehen. Fünf weitere Projekte sind in Planung: Erweiterung in Amerat um 9.000 auf 27.000 Kubikmeter, weiteres Klärwerk in der Amerat Region (10.000 Kubikmeter), Erweiterung in Al Ansab um 56.000 auf 140.000 Kubikmeter, Kläranlage in Misfah (70.000 Kubikmeter) sowie ein Klärwerk in Quriyath (15.000 Kubikmeter).

Weitere Informationen:

Oman investiert in Meerwasserentsalzungsanlagen, Oktober 2018

https://bit.ly/2Ita6We

Oman investiert in Umwelttechnik, April 2018

https://bit.ly/2ZiR4sJ

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Harter Kampf um Markanteile

Eine hohe Durchdringungsrate, eine Wachstumsschwäche und zunehmender Wettbewerbsdruck kennzeichnen den Mobilfunkmarkt. Die Zahl der Mobilfunkanschlüsse sank 2018 um 7 Prozent auf 6,4 Millionen. Ende 2018 hatte der Anbieter Omantel einen Marktanteil von 45 Prozent, einschließlich Reseller waren es 57 Prozent. Der Konkurrent Ooredoo kam auf 43 Prozent. Seit Mai 2019 kooperiert Ooredoo mit dem bisherigen Omantel-Reseller Friendi und dürfte damit auf einen Marktanteil von etwa 50 Prozent kommen. Als neuer Omantel-Reseller ist seit April 2019 Red Bull Mobil aktiv. Ende 2018 wurden 4,1 Millionen Mobilfunk-Anschlüsse für Breitband-Internet genutzt (Ende 2017: 4,4 Millionen). Die Zahl der Festnetz-Breitbandanschlüsse stieg 2018 um 21 Prozent auf 0,42 Millionen.

Kfz-Markt: Asiatische Hersteller dominieren

Die Zulassungsstatistik weist 2018 einen Anstieg der registrierten Kfz um 3,8 Prozent auf 1,49 Millionen aus. Davon entfielen 1,16 Millionen auf private Fahrzeuge (+4,6 Prozent) und 0,25 Millionen auf Lkw (+1,8 Prozent). Die restlichen 0,08 Millionen waren vor allem Miet- und Dienstwagen. Der Absatz neuer Pkw und leichter Lkw (SUV) ging 2018 das fünfte Jahr in Folge zurück. Der Informationsdienst Best Selling Cars meldet einen Rückgang um 15 Prozent auf 123.983 Einheiten. Die Absatzdaten schließen Fahrzeuge ein, die re-exportiert werden. Marktführer Toyota/Lexus kam 2018 auf einen Marktanteil von rund 55 Prozent, es folgten Nissan (21 Prozent) und Hyundai/Kia (10 Prozent).

Dieser Artikel ist relevant für:

Oman Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Öl, Gas

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