Branchencheck

29.05.2018

Branchencheck - Polen (Mai 2018)

Inhalt

Unternehmen sind wieder in Investitionslaune / Von Michal Wozniak

Berlin (GTAI) - Polnische Unternehmen haben in der zweiten Jahreshälfte 2017 deutlich mehr investiert. Im Gesamtjahr wuchsen die Bruttoanlageinvestitionen um über 5 Prozent auf 82 Milliarden Euro. Analysten sehen die nächsten zwei Jahre noch optimistischer: Für 2018 liegt der Durchschnitt der Prognosen bei knapp 9 Prozent, Optimisten halten 10 Prozent für möglich. Im kommenden Jahr werden den Erwartungen zufolge 6 bis 7 Prozent erreicht werden.

Maschinenbauindustrie: Steigende Produktion

Mehr als die Hälfte der Umsätze der polnischen Maschinenbauindustrie entfällt auf Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung. In den kommenden Jahren dürften vor allem Bau- und Landwirtschaftsmaschinenbauer volle Auftragsbücher haben dank der Fördermittel der Europäischen Union (EU). Der steigende Kohlepreis und die Notwendigkeit, neue Schächte und Gruben zu erschließen, verheißen gute Chancen für Bergbauausrüster wie Famur und Kopex. Hersteller von CNC-Maschinen engagieren sich stark in Forschung und Entwicklung, greifen aber auch auf innovative Lösungen aus dem Ausland zurück. Bedingt durch den Fachkräftemangel ist eine stärkere Digitalisierung und Automatisierung der Branche unausweichlich. Die Nachfrage nach gebrauchten Maschinen - vor allem Werkzeugmaschinen - nimmt zu.

Weitere Informationen:

Industrie 4.0 steht in Polen noch vor dem Durchbruch

http://www.gtai.de/MKT201803028003

Polnischer Steinkohlebergbau plant Großinvestitionen

http://www.gtai.de/MKT201802148001

Maschinen sind Wachstumsmotor für polnisches Leasing

http://www.gtai.de/MKT201802088011

Chemieindustrie: Kapazitätsausbau und Forschungsaktivitäten

Die polnische Chemiebranche investiert auf breiter Front. Anwil, Tochterfirma des größten einheimischen Erdölkonzerns Orlen, will neue Anlagen zur Düngemittelherstellung errichten. Europas zweitgrößter Düngemittelhersteller Grupa Azoty plant einen Ausbau seiner Kunststoffkapazitäten und forscht an neuen, vor allem ökologischen Chemieprodukten. Orlen wie auch die Grupa Azoty zählen zu den großen Chemiebetrieben, die in eigene Strom- und Wärmekapazitäten investieren. Dank der guten konjunkturellen Lage erweitern auch Zulieferer wie zum Beispiel aus der Kfz-, Bau-, Haushaltsgeräteindustrie und im besonderen Maße Verpackungshersteller ihre Kapazitäten.

Weitere Informationen:

Polens Kunststoffbranche befindet sich im Auftrieb

http://www.gtai.de/MKT201804048004

Polen will mehr Kosmetika herstellen

http://www.gtai.de/MKT201712118007

Polen erhöht Kapazitäten für Kunstdünger

http://www.gtai.de/MKT201711148001

Energiewirtschaft: Die schleichende Energiewende

Die staatlichen Energiekonzerne Enea und PGE sowie der Erdölkonzern Orlen prüfen den Bau von Offshore-Windanlagen. Die private Polenergia will bereits 2022 die ersten Anlagen in Betrieb nehmen. Die Regierung kommt mit der geplanten Überarbeitung der derzeitigen unattraktiven Förderung erneuerbarer Energien nicht voran. Die unter Druck geratenen Wärmeproduzenten wollen zunehmend von Kohle auf Gas umsatteln. Sie hoffen zudem, dass die vom Energieministerium angekündigte Förderung für die Modernisierung und den Bau von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen umgesetzt wird. Der staatliche Stromnetzbetreiber PSE plant, bis 2027 etwa 3 Milliarden Euro zu investieren. Der Bau des bereits lange angekündigten Kernkraftwerks verzögert sich weiter: Die geplanten Kosten steigen, Termine werden nach hinten verschoben.

Weitere Informationen:

Onshore-Windfarmen in Polen stehen zum Verkauf

http://www.gtai.de/MKT201802228001

Polen will stärker Erdgas nutzen

http://www.gtai.de/MKT201802228003

Elektromobilität Polen: Ladeinfrastruktur wird ausgebaut

http://www.gtai.de/MKT201805178002

Bauwirtschaft: Über 8 Prozent Wachstum 2018

Die Nachfrage nach Bauleistungen nimmt in Polen weiter zu. Anfang 2018 befanden sich etwa 2 Millionen Quadratmeter Büroflächen im Bau. Die Anzahl der Baugenehmigungen für Wohnungen ist im ersten Quartal 2018 um 11 Prozent gewachsen. Dank der starken Investitionsdynamik im Unternehmenssektor steigt die Nachfrage nach Gewerbebauten. Zudem gehen immer mehr EU-gestützte Vorhaben in die Bauphase über, sodass der Tiefbau an Schwung gewinnt. Allerdings muss die Branche mit zahlreichen Hürden kämpfen: Fachkräfte- und Zuschlagstoffmangel, steigende Löhne und Preise von Baumaterial. Für Wohnungs- und Büroinvestitionen werden in den größten Städten zudem attraktive Grundstücke selten und teuer.

Weitere Informationen:

In Polen entstehen neue Logistikflächen

http://www.gtai.de/MKT201804138001

Bahninvestitionen laufen in Polen auf Hochtouren

http://www.gtai.de/MKT201802088010

Straßenbau in Polen erhält neuen Auftrieb

http://www.gtai.de/MKT201801118004

Gesundheitswirtschaft: Staatliche Ausgaben steigen deutlich

Ende 2017 wurde in Polen eine Gesetzesnovelle verabschiedet, die bis 2025 eine schrittweise Anhebung der staatlichen Gesundheitsausgaben von derzeit 4,7 auf 6,0 Prozent des Bruttoinlandproduktes vorsieht. Ab 2019 soll der Rettungsdienst verstaatlicht werden, was Flotteninvestitionen nach sich ziehen könnte. Unaufhaltsam wächst der etwa 9 Milliarden Euro große Pharmamarkt, alleine 2017 um 5 Prozent. Treiber sind vor allem rezeptfreie Präparate. Dies begünstigt Investitionen der Branche. Biomed plant ein Werk für 35 Millionen Euro, fast die Hälfte der Summe ist für die technische Ausstattung vorgesehen. Den Umsätzen der Gesundheitsdienstleister kommt der Alterungsprozess der Gesellschaft zugute: 2030 soll die Gruppe der Übersechzigjährigen etwa 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen (2014: 19 Prozent).

Weitere Informationen:

Telemedizin macht Polens Gesundheitssektor effizienter

http://www.gtai.de/MKT201805038011

Polen will Pharma-Innovationen ankurbeln

http://www.gtai.de/MKT201804198001

Branche kompakt: Polens Markt für Medizintechnik erwartet ab Mitte 2018 einen Investitionsboom

http://www.gtai.de/MKT201712148008

Nahrungsmittelindustrie: Effizienz ist oberstes Gebot

Nach Jahren hoher Zuwachsraten und großer Investitionen stehen der polnischen Nahrungsmittelindustrie schwierigere Zeiten bevor. Sinkende Milchpreise, die Afrikanische Schweinepest, das drohende Verbot der rituellen Tierschlachtung, der Brexit oder der - durch den Lohnanstieg bedingte - kleinere Preisvorteil gegenüber ausländischen Konkurrenten lassen Unternehmen vorsichtiger agieren. Statt in den Kapazitätsausbau investieren die Firmen in Maßnahmen, die die Produktivität steigern und Kosten senken. Rund 2 Milliarden Euro investierte die Branche 2017, vor allem in die Milch-, Geflügel- sowie Nudelproduktion. Ein Trend bleibt das steigende Kundeninteresse an lokalen Produkten und Betrieben, wovon Kleinstverarbeiter profitieren.

Weitere Informationen:

Verkaufsautomaten verbreiten sich in Polen

http://www.gtai.de/MKT201805048008

Polen will Verarbeitung von rotem Fleisch steigern

http://www.gtai.de/MKT201712158014

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Zulieferer bauen Kapazitäten aus

Die Stimmungslage in der polnischen Kfz-Industrie ist durchwachsen. Von den drei Pkw-Herstellern kann nur Volkswagen Produktionszuwächse vermelden und investiert in seine Werke um Poznan. Opel und Fiat kämpfen mit einer sinkenden Nachfrage für Modelle, die in Polen vom Band laufen. Für Lkw- und Busbauer zeigen die Produktionsstatistiken hingegen fast durchweg nach oben. Gute Geschäfte machen ebenfalls Teile-Zulieferer. Insgesamt werden die Umsätze der Branche 2018 um 6 Prozent auf knapp 37 Milliarden Euro steigen, erwarten Analysten. Die Zulieferer investieren in neue Werke und in den Ausbau bestehender Anlagen. Die Elektromobilität wird zunehmend zum Thema, vor allem für Bus- und Nfz-Hersteller.

Weitere Informationen:

Elektromobilität Polen: Die Ambitionen sind groß

http://www.gtai.de/MKT201805098009

Umwelttechnik (Abfall/Luft): Schlechte Luft in polnischen Städten

Anfang 2018 gingen zwei Ausschreibungen für Müllverbrennungsanlagen in Polen in die entscheidende Phase. In Gdansk (Danzig) bekam ein Konsortium um Astaldi den Zuschlag, in Warschau bewerben sich neben den Italienern auch Porr mit CNIM sowie die Shanghai Electric Power Construction. Im Rahmen der Smog-Bekämpfung gewähren zahlreiche Städte Fördergelder für den Austausch von Heizöfen. Die Regierung wird zudem über 40 Millionen Euro für die energieeffiziente Sanierung von Wohnhäusern zur Verfügung stellen. Der Nationale Fonds für Umweltschutz und Wasserwirtschaft (NFOSiGW) bietet zahlreiche Programme für Selbstverwaltungen und Unternehmen, die die Umweltverträglichkeit von Gebäuden und Betrieben steigern sollen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Polen muss mehr in seine Abfallwirtschaft investieren

http://www.gtai.de/MKT201804248010

Elektroindustrie: Fokus auf Haushaltsgeräte

Polen ist Europas bedeutendster Produktionsstandort für Haushaltsgeräte. Obwohl die jährlichen Zuwächse an Fahrt verlieren, investieren Hersteller weiterhin in den Kapazitätsausbau. Miele will bis Ende 2019 die Waschmaschinenproduktion in einem neuen Werk nahe Lodz (Lodsch) für 45 Millionen Euro starten. Electrolux plant bis Ende 2019 Ausbauvorhaben im Wert von über 10 Millionen Euro. Bosch-Siemens-Hausgeräte will nach der Fertigstellung zweier Werke in Wroclaw (Breslau) nun die bestehende Produktion nahe Lodz ausbauen. Auch Neueinsteiger versuchen am Markt Fuß zu fassen: Solgaz will Kunden für seine flammenlosen Gasherde gewinnen und arbeitet an innovativen Küchenhelfern, inklusive Internet-Anbindung.

Weitere Informationen:

Polen produziert mehr Haushaltsgeräte

http://www.gtai.de/MKT201805048001

Elektromobilität Polen: Ladeinfrastruktur wird ausgebaut

http://www.gtai.de/MKT201805178002

Kfz-Markt: Zweistellige Wachstumsraten

Mit über 486.000 Zulassungen überbot der Neuwagenmarkt 2017 das Vorjahresergebnis um 15 Prozent. Im ersten Quartal 2018 wurde ein Plus von 10 Prozent erreicht. Auch das Gesamtjahr verspricht positiv abzuschließen. Diesel-Gate beeinträchtigte die Kaufentscheidungen der Polen, die Auswirkungen sind aber geringer als in westeuropäischen Ländern. Bei alternativen Antrieben setzen Polen mangels Kaufförderung auf Hybride des Toyota-Konzerns. Auf Firmenkunden entfallen etwa Zweidrittel der Neuwagenverkäufe. Privatkunden bevorzugen importierte Gebrauchtwagen. Deren Verkäufe stiegen im ersten Quartal 2018 um ein Zehntel und übertrafen die der Neuwagenverkäufe um mehr als das Doppelte. Eine Änderung ist auf Jahre nicht in Sicht.

Weitere Informationen:

Elektromobilität Polen: Flottenbetreiber voller Energie

http://www.gtai.de/MKT201805098008

Elektromobilität Polen: Privatkunden fehlt das Geld

http://www.gtai.de/MKT201804308005

Polnische Firmen mieten mehr Kfz

http://www.gtai.de/MKT201802098001

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Elektrotechnik/Elektronik allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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Fabian Möpert

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