Branchencheck

07.08.2019

Branchencheck - Portugal (Juli 2019)

Inhalt

Unternehmen investieren mehr und setzen auf Digitalisierung / Von Karl-Heinz Dahm

Lissabon (GTAI) - Die gute Konjunktur der portugiesischen Wirtschaft sorgt für mehr Investitionen und positive Impulse in vielen Industriebereichen.

Maschinenbauindustrie: Produktion und Investitionen legen zu

Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen wuchsen in den ersten drei Monaten 2019 um 12,4 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal. Die Dynamik spiegelt sich auch in den Importen, die im genannten Zeitraum mit 17 Prozent zulegten. Die Produktion von Maschinen und Ausrüstungen stieg laut Fachverband Aneme von Januar bis April 2019 um 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Umsätze ließen in den ersten vier Monaten 2019 um 5,1 Prozent nach. Grund dafür war das schwache Binnengeschäft. Die Betriebe investieren in die Digitalisierung.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Solide Wachstumserwartungen sorgen in Portugal für steigende Investitionen in Maschinen

http://www.gtai.de/MKT201707278009

Chemieindustrie: Stabile Entwicklung

Die Chemieindustrie wird sich laut Fachverband APQuimica 2019 stabil entwickeln. Der Rückgang der Binnennachfrage konnte 2018 durch höhere Exporte ausgeglichen werden. Investitionen in neue Produktionslinien wurden jedoch zurückgefahren. Risiken für die Branche sieht der Verband in den zu hohen Energiekosten in Europa im weltweiten Vergleich. Dies könnte Entscheidungen zu Standortverlagerungen beschleunigen, mit Konsequenzen für den portugiesischen Chemiesektor. Der Energiekonzern Galp erweitert seine Produktion 2019 durch Kauf einer Terephtalsäureanlage für die Raffinerie in Sines.

Energiewirtschaft: Bis 2050 klimaneutral

Das portugiesische Ministerium für Umwelt und Energiewende plant bis 2030 Investitionen über 6 Milliarden Euro in die Solarenergie. 80 Prozent des erzeugten Stroms sollen bis 2030 aus erneuerbaren Energien stammen. Das Land will bis 2050 klimaneutral sein. Nach der Ausschreibung über Photovoltaikkapazitäten von 1,35 Gigawatt im Juni 2019 kündigte die Regierung eine weitere Ausschreibung über 700 Megawatt für Januar 2020 an. Mitte 2019 hat ein Konsortium unter Leitung des Energieunternehmens EDP mit dem Bau des ersten schwimmenden Windparks "Windfloat" begonnen.

Weitere Informationen:

Portugal konnte Strombedarf im März 2018 mit erneuerbaren Energien decken

http://www.gtai.de/MKT201805258005

Portugal genehmigt immer mehr Solarparks ohne Subventionen

http://www.gtai.de/MKT201710268002

Bauwirtschaft: Wohnungsbau ist 2019 Wachstumstreiber

Die Bauwirtschaft entwickelt sich dank der sehr dynamischen Nachfrage am Immobilienmarkt auch 2019 weiter positiv. Impulse kommen vor allem aus dem Wohnungsbau. Im 1. Quartal 2019 wurden 5.887 Neubauwohnungen genehmigt, 27,9 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Der Anstieg der Bruttowertschöpfung im Bausektor betrug nach jüngsten Zahlen des nationalen Statistikamtes INE im genannten Zeitraum 7,6 Prozent. Der Sanierungsbau legte im 1. Quartal 2019 um 8,2 Prozent zu. An Infrastrukturprojekten stehen unter anderem der Ausbau der U-Bahnen in Lissabon und Porto an.

Branche kompakt: Wohnungsbau in Portugal erwartet kräftiges Wachstum

http://www.gtai.de/MKT201703088001

Touristenstrom sorgt in Portugal für Hotelinvestitionen

http://www.gtai.de/MKT201705178000

Gesundheitswirtschaft: Modernisierung und Neubau von Krankenhäusern

Portugals Gesundheitsausgaben sind 2018 auf 5,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) gestiegen (2017: 3,1 Prozent). Sowohl bei den öffentlichen (+5,3 Prozent) als auch privaten Ausgaben (+4,6 Prozent) gab es deutliche Anstiege. Die Regierung plant bis 2021 Investitionen in moderne Krankenhausausrüstungen im Umfang von 500 Millionen Euro. Ein neues Zentralkrankenhaus für die Region Alentejo in Evora sowie weitere Krankenhausprojekte in Seixal und Sintra stehen an. Mit einem Kostenaufwand von 40 Millionen Euro wird auf Madeira das erste private Krankenhaus der Insel errichtet.

Bergbau: Prospektion von Lithium wird verstärkt

Portugal verfügt über die größten Lithiumvorkommen in Europa. Die Schätzungen gehen von rund 30 Millionen Tonnen aus. Die Regierung plant den großflächigen Abbau des Erzes und dessen Weiterverarbeitung zu Lithiumhydroxid in Portugal. Letzteres wird zur Batterieherstellung, insbesondere für Elektroautos, benötigt. Die Regierung hatte im Mai 2019 die Lithiumprospektion in neun von zwölf ausgewiesenen Regionen angestoßen. Das Bergbauunternehmen Somincor will 2020 seine Zinkförderung in der Region Alentejo auf 130.000 Tonnen verdoppeln.

Nahrungsmittelindustrie: Branche wächst nach Rekordjahr weiter

Portugals Nahrungsmittelindustrie ist 2018 robust gewachsen und wird auch 2019 weiter expandieren. Nach jüngsten Prognosen des Nahrungsmittelverbandes FIPA dürften die Umsätze der Branche auf 17 Milliarden Euro steigen (2018: 16 Milliarden Euro). Die Auslandsumsätze lagen 2018 bei rund 5 Milliarden Euro. Die Branche ist laut FIPA für 8,6 Prozent der gesamten portugiesischen Ausfuhren verantwortlich. Wichtigste Abnehmerländer waren 2018 Spanien (25 Prozent), Frankreich (9 Prozent) und Brasilien (6 Prozent). Bei den rund 11.100 Betrieben besteht hoher Bedarf an Modernisierungsmaßnahmen.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Weiterhin starkes Wachstum

Die Autoproduktion in Portugal wächst zweistellig. Im 1. Halbjahr 2019 wurden rund 184.000 Fahrzeuge hergestellt, ein Plus von 19,5 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Auf Pkw entfiel ein Anteil von 152.166 Fahrzeugen (+22,3 Prozent). Der zur deutschen Schnellhecke-Gruppe gehörende Komponentenhersteller KWD investiert 2019 rund 13 Millionen Euro in die Automatisierung seiner Produktion im Werk Palmela. Continental Reifen gibt 100 Millionen Euro für die Modernisierung und Erweiterung seiner Spezialreifenfertigung für Erdbewegungs- und Hafenanwendungen im portugiesischen Lousado aus.

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Zahl der Deponien soll sinken

Im März 2019 stellte das portugiesische Umweltministerium in Zusammenarbeit mit den Wasserversorgern des Landes einen Aktionsplan vor. Danach sollen 10 Prozent des Abwassers der 50 größten kommunalen Kläranlagen des Landes bis 2025, zum Beispiel in der Landwirtschaft, wiederverwendet werden. Bis 2030 sollen es 20 Prozent sein. Der Bedarf an Klär-, Entsorgungs- und Bewässerungstechnik ist nach wie vor hoch. Darüber hinaus bestehen Defizite beim Abfallrecycling und Deponieabbau. Bis Ende 2020 soll das Abfallaufkommen pro Einwohner gegenüber dem Wert von 2012 um 10 Prozent reduziert werden.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Hightechstandort Portugal

Der portugiesische Markt für Informations- und Kommunikationstechnik wird laut Studie des Beratungsunternehmens für Informationstechnologie (IT) IDC-Technologies 2019 voraussichtlich um 2,2 Prozent auf 8,8 Millionen Euro wachsen. Rund 70 Prozent der Unternehmen werden laut IDC 2019 verstärkt in Digitalisierung investieren. Portugal profiliert sich zunehmend als Hightechstandort und Lissabon als Start-up-Hotspot. Technologie- und Softwarezentren, insbesondere für die Kfz-Industrie haben sich in den letzten Jahren im Land angesiedelt.

Weitere Informationen zu Portugal finden Sie unter http://www.gtai.de/portugal

Dieser Artikel ist relevant für:

Portugal Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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