Branchencheck

05.07.2018

Branchencheck - Senegal (Juli 2018)

Inhalt

Ein Markt voller Chancen / Von Carsten Ehlers

Dakar (GTAI) - Die Konjunktur Senegals kommt ins Rollen. Mit einem Wirtschaftswachstum von über sechs Prozent in den kommenden Jahren sticht das Land positiv heraus in Afrika. Das Fundament der Wirtschaft ist recht breit und daher bestehen zahlreiche Geschäftschancen in dem westafrikanischen Land. Zu den interessanten Sektoren zählen unter anderem Infrastrukturbau, Landwirtschaft, Nahrungsmittelindustrie, Bergbau, Energie sowie die Lieferung von Nahrungsmitteln.

Energiewirtschaft: Größere Solarparks entstehen

Die Aktivitäten in Senegals Energiesektor sind umfangreich und bringen eine große Zahl von Geschäftschancen für ausländische Unternehmen mit sich. Insbesondere seit dem Jahr 2012, als erstmals auch private Stromproduzenten (Independent Power Producer, IPP) erlaubt wurden, stieg die installierte Kapazität von 660 Megawatt im Jahr 2010 auf 1.000 Megawatt im Jahr 2017 an. Weiterhin wird das Netz ausgebaut, sodass 2019 insgesamt 1.260 Megawatt erreicht werden sollen. Mehrere Solarparks wie Senergy und Malicounda sind in dem sonnenreichen und zugleich trockenen Sahelland bereits in Betrieb gegangen. Weitere Projekte sind geplant. Bei der Finanzierung der Projekte spielen Geberorganisationen eine wichtige Rolle. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit will Fotovoltaik-Aufdachanlagen für die Eigenversorgung der Industrie fördern.

Bauwirtschaft: Stadt Dakar setzt an zum Sprung ins Umland

Senegal durchläuft einen Bauboom. Derzeit werden mehrere Großprojekte in verschiedenen Infrastrukturbereichen durchgeführt. Neue Baufirmen kommen ins Land, um an den Projekten partizipieren zu können. Ein Großteil der Investitionen konzentriert sich auf den schnell wachsenden Großraum Dakar. Weil die auf einer Halbinsel gelegene Hauptstadt aus allen Nähten platzt, verfolgt die Regierung mit dem Bau der Vorstadt Diamniadio etwa 30 Kilometer außerhalb Dakars ein ambitioniertes Stadtentwicklungsprojekt. Die Bereitschaft ausländischer Geber, Kapital für Infrastrukturprojekte in Senegal zu geben, ist aufgrund der politischen Stabilität hoch. Mit dem Plan Sénégal Emergent (PSE) hat die Regierung eine Art Projektplan für die nächsten Jahre ausgearbeitet.

Gesundheitswirtschaft: Dakar bleibt regionales Gesundheitszentrum

Angesichts der guten wirtschaftlichen Gesamtlage dürften auch die Chancen für den Absatz von Medizintechnik und Pharmaprodukten in Senegal steigen. Dakar ist mit seinen Privatkliniken Clinique de la Madeleine oder Clinique du Cap ein renommiertes regionales Gesundheitszentrum. Die beiden Kliniken bestellen regelmäßig hochwertige Produkte. Von privater Seite dürfte es zum Bau von Laboren und Diagnostikzentren vor allem in Dakar kommen. Auch das Gesundheitsministerium schreibt regelmäßig für die Beschaffung der staatlichen Gesundheitseinrichtungen aus. In diesem Bereich verfügt das Hôpital Principal über vergleichsweise gute Standards. Deutsche Lieferanten für den Gesundheitsbereich sind in Senegal nicht vertreten, weder direkt noch über Distributoren.

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Gute Erfolge beim Ausbau der Agrarproduktion

In der senegalesischen Landwirtschaft gibt es zahlreiche Aktivitäten. Hieraus erwachsen auch für deutsche Zulieferer Geschäftsmöglichkeiten. Insbesondere der Anbau von Gemüse und Reis für den lokalen Markt im Norden des Landes zieht Kapital an. Gesteigert werden konnte die Produktion bei Zwiebeln, Kartoffeln und Karotten. Ebenfalls investiert wird in Hühnerfarmen, nachdem im Jahr 2005 ein Importverbot für Geflügel verhängt wurde. Die Marktführer Sedima, NMA Sanders und Avisen bauen ihre Produktionen ständig aus. Weitere Investitionen sind möglich, allerdings drängen nach Angaben der senegalesischen Behörden insbesondere die EU und Brasilien darauf, die Importbeschränkungen aufzugeben. In Verarbeitungsanlagen investiert der Zuckerproduzent Compagnie Sucrière du Sénégal (CSS) in Richard Toll.

Bergbau: Randgold kündigt Entscheidung für Massawa-Projekt an

Aktivitäten sind in der Goldbergbauregion im Osten Senegals zu verzeichnen. Unter anderem will die südafrikanische Randgold Resources bald eine Entscheidung treffen, ob und wann der Abbau von Gold im Massawa-Reservoir beginnen soll. Randgold exploriert dort seit mehreren Jahren. Weitere Konzessionen, in denen derzeit nach Gold gesucht wird, sind Boto von Iamgold und Makabingui von Bassari Resources. Zulieferchancen für Bergbautechnik bestehen wieder zunehmend. Senegal ist noch neu auf der Bergbaukarte; erst im Jahr 2011 hat die erste Goldmine eröffnet. Inzwischen sind weitere hinzugekommen, zuletzt die Mako-Mine im Jahr 2017 von Toro Gold in Sabodala. Deutsche Zulieferer von Bergbautechnik sind mit Liebherr (über einen Handelsvertreter) und Bauer Resources (eigenes Büro) in Senegal präsent.

Öl/Gas: Produktion frühestens ab dem Jahr 2021

Nachdem jahrelang vor der senegalesischen Küste nach Öl- und Gasvorkommen gesucht wurde, scheint sich nun die Förderung in größerem Umfang zu konkretisieren. Experten rechnen ab dem Jahr 2021 mit deren Beginn.. Dem müssten vermutlich Investitionen im Wert von mehr als 1 Milliarde US-Dollar (US$) vorausgehen. Im Zuge der Projekte dürfte es zu umfangreichen Bestellungen von technischen Ausrüstungen kommen. Derzeitige Konzessionäre sind unter anderem Total (seit 2017 in Rufisque Offshore Profond; ROP), Kosmos und BP (kooperieren in den Grand-Tortue-Gasfeldern) und Cairn Energy (Ölfeld Sangomar Profond, Rufisque Offshore, Sangomar Offshore). Im Jahr 2017 kam auch die China National Offshore Oil Corporation (CNOOC) hinzu, welche in AGC Profond eine Konzession hält.

Nahrungsmittelindustrie: Weiter hohes Wachstum erwartet

Die Nahrungsmittelindustrie wächst in hohem Tempo und sorgt für gute Zulieferchancen. Im Jahr 2016 erreichte das Liefervolumen von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen aus Deutschland einen Rekordwert von 18,4 Millionen Euro. Im Folgejahr waren es mit etwa 4,7 Millionen Euro deutlich weniger, aber diese Zahl spiegelt keinen Rückgang der Investitionen in der Nahrungsmittelindustrie wider. Ganz im Gegenteil: Diverse Vorhaben dürften auch in den nächsten Jahren durchgeführt werden. Dakar ist neben Lagos, Accra und Abidjan eines der großen Konsumgüterindustriezentren Westafrikas. Bei den Produkten handelt es sich vor allem um einfache Nahrungsmittel wie Milchprodukte, Getränke, Backwaren oder Bouillonwürfel.

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Erstmals Meerwasserentsalzung geplant

In Senegal wird mit Hilfe von Gebern wie der EU massiv in den Ausbau der Wasserversorgungsinfrastruktur investiert. Die Hauptstadt Dakar leidet unter Wasserknappheit. Größtes Projekt ist Keur Momar Sarr 3 (KMS3) welches mehr als eine halbe Milliarde Euro kostet und die Wasserversorgung Dakars verbessern soll. Im Rahmen von KMS3 wird in der am Binnensee Lac de Guiers gelegenen Ortschaft Keur Momar Sarr eine dritte Trinkwasseraufbereitungsanlage mit einer Kapazität von 200.000 Kubikmetern pro Tag gebaut. Von dort aus wird eine Pipeline über etwa 200 Kilometer über die Städte Louga und Thiès bis nach Dakar verlegt. Ein weiteres Großprojekt soll der Bau der "Mamelles"-Meerwasserentsalzungsanlage mit japanischer Unterstützung werden.

Weitere Informationen:

Senegals Wasserbedarf nimmt rasant zu, http://www.gtai.de/MKT201806218006

Nahrungsmittelmarkt: Deutsche Produkte bislang kaum präsent

Obwohl Senegal es geschafft hat, in einigen Bereichen Nahrungsmittelimporte durch lokale Produktion zu ersetzen, ist das Land für eine Reihe von Erzeugnissen immer noch ein interessanter Liefermarkt. Gerade europäische Hersteller milchhaltiger Produkte buhlen um den Markt. Auch bei einigen Fleischwaren, Getränken oder Back- beziehungsweise Teigwaren bestehen gute Absatzmöglichkeiten. Allerdings sind die lokalen Konsumenten stark an französische Marken gewöhnt. Daher müsste der Markteintritt deutscher Markenproduzenten von professionellem Marketing begleitet werden. Der Einzelhandel bietet inzwischen diverse Plattformen an. Insbesondere in Dakar investieren Supermarktketten wie Casino oder Auchan in neue Filialen.

Kfz-Markt: Gebrauchtwagen dominieren weiterhin

In Senegal dürfen die Automobilverkäufer weiterhin positiv in die Zukunft blicken. Die gute Konjunktur bildet ein vielversprechendes Umfeld, allerdings ist der Markt mit etwa 6.500 verkauften Neuwagen im Jahr 2017 klein. Es dominieren nach wie vor Gebrauchtwagen. Lastkraftwagen dürften vermehrt von den Baufirmen bestellt werden sowie von Transportunternehmen, welche Binnenmärkte wie Mali beliefern. MAN will über seinen neuen Distributoren VAS Africa Marktanteile gewinnen. Bei Mittelklasse-Pkw haben deutsche Fabrikate aufgrund der vergleichsweise hohen Preise geringe Chancen gegenüber asiatischen und französischen Marken. Luxuskarossen von BMW (Distributeur: Carrefour Automobiles), Mercedes (La Sénégalaise de l'Automobile) und VW (L'Africaine de l'Automobile) sind in geringen Mengen gefragt.

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick--senegal-juli-2018,did=1940884.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Senegal Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Öl, Gas

Funktionen

Kontakt

Samira Akrach

‎+49 228 24 993 238

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche