Branchencheck

29.10.2018

Branchencheck - Slowakei (Oktober 2018)

Inhalt

Nicht alle Industriezweige profitieren vom Aufschwung / Von Gerit Schulze

Bratislava (GTAI) - Das hohe Wachstum in der Slowakei sorgt in vielen Wirtschaftszweigen für gute Stimmung. Neben der Baubranche profitiert unter anderem das Gesundheitswesen von steigenden Einkommen.

Maschinenbauindustrie: Hoher Auftragseingang und Fabrikerweiterungen

Der Aufschwung im slowakischen Maschinenbau geht weiter. Der Produktionsindex ist in den ersten acht Monaten 2018 um über 6 Prozent gestiegen. Ähnlich gut sind die Zukunftsaussichten, denn die Ordereingänge nahmen in diesem Zeitraum um fast 8 Prozent auf einen Wert von 3,2 Milliarden Euro zu. Nachfrage besteht vor allem nach Automatisierungstechnik und Produktionsanlagen für die Automobil- und Kunststoffindustrie. Die deutsche KraussMaffei Technologies plant an ihrem Standort Martin eine dritte Produktionshalle. Dort sollen Komponenten für Spritzgussmaschinen und Schaltschränke gefertigt werden. Ein anderes deutsches Unternehmen, Vaillant, hatte im September 2018 neue Werkhallen in Trencin in Betrieb genommen und die Kapazitäten zur Heizkesselproduktion verdoppelt.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Slowakischer Maschinenbau profitiert vom Bedarf der Autoindustrie (Juli 2017)

http://www.gtai.de/MKT201707138003

Chemieindustrie: Raffineriekonzern will Produktpalette diversifizieren

Steigende Rohstoffpreise drücken die Gewinnmargen der Chemiebetriebe. Besonders die Petrochemie verzeichnete im Jahresverlauf 2018 Produktionseinbußen. Dagegen konnten die Pharmaunternehmen ihren Ausstoß von Januar bis August zweistellig steigern. Ebenso wie Anbieter von Bauchemie und Kosmetika profitieren sie von den höheren Einkommen privater Haushalte. Allerdings sind die Aussichten durchwachsen. Bei den Arzneimittelherstellern schrumpfte das Volumen der Neuaufträge in den ersten acht Monaten 2018, bei den Chemikalienherstellern stieg es um 4 Prozent. Dessen ungeachtet investieren die großen Chemiebetriebe weiter. Der Raffineriekonzern Slovnaft will mit der Strategie 2030 sein Portfolio diversifizieren und mehr Produkte für die Automobilindustrie, den Bausektor und die Elektronikbranche herstellen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Autobranche und Privathaushalte erhöhen Bedarf an Chemieprodukten in der Slowakei (Dezember 2016)

http://www.gtai.de/MKT201612028001

Energiewirtschaft: Abhängigkeit von Stromimporten steigt

Der Stromverbrauch in der Slowakei erreichte 2017 einen Rekordwert von 31 Terawattstunden. Ein Zehntel des Bedarfs musste importiert werden, daher wird ein Ausbau der Erzeugung angestrebt. Derweil verzögert sich die Inbetriebnahme des seit zehn Jahren in Bau befindlichen dritten Atommeilers am Kraftwerk Mochovce weiter. Neuer Starttermin ist das Frühjahr 2019. Ein Jahr später soll der vierte Block ans Netz gehen. Die ursprünglich veranschlagten Baukosten in Höhe von 2,8 Milliarden Euro werden sich bis dahin etwa verdoppeln. Einen Lichtblick gibt es bei der Förderung erneuerbarer Energien: kleinere Erzeuger (bis 500 Kilowatt Leistung), die ihren lokal produzierten Strom selbst nutzen, sollen nicht mehr zu einem Anschluss ans öffentliche Netz verpflichtet und von Umlagezahlungen für den Netzbetrieb befreit werden.

Weitere Informationen:

Slowakei will Energieerzeugung für den Eigenbedarf fördern (Februar 2018)

http://www.gtai.de/MKT201802068000

Bauwirtschaft: Stabiler Aufschwung dank neuer Infrastrukturprojekte

Die Bauwirtschaft erlebt einen kräftigen Aufschwung, der Wert der Bauleistungen ist im 1. Halbjahr 2018 um über 10 Prozent gestiegen. Der Auftragsbestand betrug zur Jahresmitte 3,7 Milliarden Euro und damit fast doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Drei Viertel davon entfallen auf Tiefbauarbeiten, die vor allem mit staatlichen Infrastrukturaufträgen zusammenhängen. Doch auch der Bau von Wohn- und Geschäftsgebäuden entwickelt sich gut. Schwerpunkt für Großprojekte bleibt Bratislava mit neuen Wohnvierteln, Bürokomplexen, zwei Krankenhäusern und dem Nationalstadion. In regionalen Industriegebieten werden Erweiterungsbauten realisiert. Aus der Automobilindustrie siedeln sich weitere Betriebe an. Geschäftschancen bieten die Denkmalsanierung und ein Sonderprogramm für Studentenwohnheime.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Bedarf an Straßen und Wohnungen kurbelt slowakische Bauwirtschaft an (Oktober 2018)

http://www.gtai.de/MKT201810048000

Aktuelle Brückenbauprojekte in Tschechien und der Slowakei (September 2018)

http://www.gtai.de/MKT201808318003

Gesundheitswirtschaft: Regierung gibt mehr Geld für medizinische Versorgung

Die Qualität des slowakischen Gesundheitssystems liegt immer noch weit hinter der medizinischen Versorgung in den Nachbarländern zurück. Beim aktuellen Health Care Index der globalen Datenbank Numbeo rangiert das Land nur auf Platz 49 von 76 untersuchten Ländern. Darum verstärkt die Regierung ihre Anstrengungen, das Niveau der Krankenhäuser und Polikliniken zu verbessern. Die Gesundheitsausgaben sollen 2019 um 300 Millionen Euro auf 5,2 Milliarden Euro steigen. Über ein Modernisierungsprogramm bekommen die Krankenhäuser neue Betten. In Bratislava und in der Stadt Martin entstehen neue Unikliniken für mehrere Hundert Millionen Euro. Das verstärkte Engagement wirkt sich positiv auf die Einfuhren von Medizintechnik aus. Sie stiegen im 1. Halbjahr 2018 um ein Zehntel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Warten auf den Start der vierten Autofabrik

Nach einem eher schwachen Frühjahr 2018 startet die Automobilindustrie seit der Jahresmitte wieder durch. Der Produktionsindex steigt seit Juni mit zweistelligen Wachstumsraten. Das Volumen der Neuaufträge ist im Zeitraum Juni bis August 2018 sogar um mehr als ein Viertel gestiegen. Der positive Trend wird sich fortsetzen, weil Jaguar Land Rover Ende des Jahres seine Produktion anfährt. Außerdem kommen weitere Zulieferer ins Land. Eines der größten Projekte plant die österreichische ZKW bei Nitra. Das Unternehmen will 155 Millionen Euro in den Ausbau der Kapazitäten für Kfz-Beleuchtung stecken. Nach Angaben der Regierung kündigten fünf neue Teilehersteller Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro an. Dazu gehört Mubea in Kezmarok. PSA plant in Trnava die Produktion von Batteriemodulen für Elektroautos.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Automobilsektor der Slowakei legt auf dem Weg zu neuen Rekorden eine Pause ein (Februar 2018)

http://www.gtai.de/MKT201802278011

Elektronikindustrie: Fernseherproduktion weiter auf Talfahrt

Bislang waren Fernseher nach Autos das zweitwichtigste Exportprodukt der Slowakei. Doch das ändert sich, weil die Elektronikindustrie weiter auf Talfahrt ist. Wichtige Hersteller haben Fabriken geschlossen und ins Ausland verlagert. Von Januar bis August 2018 sind die Umsätze der Hersteller von Flachbildschirmen, Monitoren und anderen elektronischen Geräten um mehr als ein Zehntel gegenüber der Vorjahresperiode geschrumpft. Auch die Aussichten sind nicht besser, wie der Orderbestand zeigt. Demnach lag der Wert der Neubestellungen bis August um ein Viertel unter dem Stand des Vorjahres. Besser entwickeln sich die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen. Sie konnten ihre Produktion von Januar bis August 2018 um 3 Prozent steigern, verzeichneten aber ein stagnierendes Ordervolumen.

Metallindustrie: Investitionen in Schadstoffsenkung und neue Produkte

Die Metallurgiebranche entwickelt sich positiv, Umsätze und Gewinne der großen Branchenbetriebe sind kräftig gestiegen. Für die ersten acht Monate 2018 ermittelte das Statistikamt einen Zuwachs der Produktion um rund 5 Prozent. Das Auftragsvolumen der Metallerzeuger stieg um 1 Prozent, das der Metallverarbeiter um 3 Prozent. Alle wichtigen Metallurgieunternehmen haben anspruchsvolle Investitionsprogramme und modernisieren ihre Fertigung, um den Schadstoffausstoß und die Energiekosten zu senken. Außerdem zielen die Investitionen auf Produkte mit höherer Wertschöpfung. Der drittgrößte Metallurgiebetrieb des Landes, Zeleziarne Podbrezova, plant ein automatisiertes Lager für seine Endprodukte. ArcelorMittal Gonvarri will in Nitra ein Presswerk für komplizierte Kfz-Blechteile bauen.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Softwarebranche boomt

Der IT- und Mediensektor ist eine der dynamischsten Wachstumsbranchen in der Slowakei. Seit Jahren wachsen die Umsätze der Softwareentwickler zweistellig. In den ersten acht Monaten 2018 stiegen ihre Erlöse um rund 17 Prozent. Auch die Betreiber von Datenzentren, Anbieter von Clouddiensten und Webportalen konnten ihre Geschäfte deutlich ausweiten. Nach Schätzungen der Wirtschaftszeitschrift Trend erzielen die IT-Unternehmen des Landes im Jahr 2017 Erlöse von mehr als 3 Milliarden Euro. Im Softwaresektor wachsen besonders Hersteller von Computerspielen, Analysetools und Sicherheitsprogrammen stark. Die Branche profitiert auch von Industrietrends wie Internet der Dinge (IoT), künstliche Intelligenz und Big Data, für die Softwarelösungen ebenso benötigt werden wie für autonomes Fahren.

Weitere Informationen:

Slowakei will Produktionsbasis im Land intelligenter machen (Januar 2017)

http://www.gtai.de/MKT201701308003

Slowakei macht Tempo bei Digitalisierung der Behörden (Februar 2017)

http://www.gtai.de/MKT201702018010

Weitere Informationen zur Slowakei finden Sie unter http://www.gtai.de/slowakei.

Dieser Artikel ist relevant für:

Slowakei EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Elektronik, allgemein

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