Branchencheck

15.05.2019

Branchencheck - Südafrika (Mai 2019)

Inhalt

Moderate Erholung setzt ein / Von Fausi Najjar

Johannesburg (GTAI) - In Südafrika sorgt die Parlamentswahl im Mai 2019 für bessere Wirtschaftsaussichten. Vor allem im Raffineriebau und bei den erneuerbaren Energien ist mit Investitionen zu rechnen.

Maschinenbauindustrie: Bedarf an neuen Maschinen im Minensektor

Der Maschinenbau konzentriert sich stark auf Bergbau- und Baumaschinen. Daneben sind einige Unternehmen in Bereichen wie Pumpen und Armaturen, Landtechnik sowie Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen aktiv. Die Produktionsindizes für den Maschinenbau entwickeln sich seit Jahren nur seitwärts. Angesichts einer fallenden Produktivität und vieler Unfälle gibt es im Gold- und Platinbergbau einen großen Bedarf für Industrie 4.0. Davon können südafrikanische Maschinenbauer gemeinsam mit deutschen Anbietern profitieren. Wegen befürchteter Arbeitsplatzverluste gibt es starke Widerstände.

Chemieindustrie: Bewegung bei Investitionen in Raffinerien

Investitionen in Erdölraffinerien sind überfällig, sollen die Benzin- und Dieselimporte nicht steigen. Die saudi-arabische Aramco verhandelt mit der Regierung über den Bau einer Raffinerie und petrochemischer Anlagen von insgesamt 10 Milliarden US-Dollar (US$). Astron Energy will unter anderem in seine Raffinerie in Kapstadt investieren. BP steckt laut eigener Angaben von 2019 bis 2023 rund 1 Milliarde US$ in die Modernisierung der Raffinerie Sapref und das Tankstellennetz. Unklar ist, inwieweit das Offshore-Gasfeld Brulpadda zukünftig Impulse für den Ausbau der petrochemischen Industrie geben kann.

Energiewirtschaft: Versorgungskrise schiebt die Erneuerbaren an

Überschuldung des staatlichen Stromversorgers Eskom, Stromausfälle und ein Anstieg bei den Gestehungskosten für Kohlestrom setzen den Ausbau der erneuerbaren Energien (EE) auf die politische Agenda. Die Regierung hat eine neue Ausschreibungsrunde von 1.800 Megawatt für EE-Großanlagen im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften angekündigt. Auflagen für heimische Produktionsanteile (local content) werden die südafrikanische Industrie stützen. Bei Privaten und Unternehmen ist mit einem kräftigen Wachstum bei der Fotovoltaik zu rechnen. Bürokratische Hürden bremsen noch. Zudem bleiben die Stromtarife im internationalen Vergleich niedrig.

Weitere Informationen:

Südafrika legt neuen Energieplan vor

https://www.gtai.de/MKT201809108000

Branche kompakt: Versorgungskrise begünstigt Solarstrom in Südafrika

https://www.gtai.de/MKT201905088009

Bauwirtschaft: Krise wird nur langsam überwunden

Vom Abschwung nach der Fußball-WM 2010 hat sich der Bausektor bislang nicht mehr erholen können. Mittlerweile muss die einst stolze Branche wegen Pleiten und Fachkräfteabwanderung um ihre Substanz fürchten. Der Bau leidet an Überkapazitäten, säumigen Zahlern und fehlenden Aufträgen. Nur schrittweise dürfte sich das Investitionsklima für den Bausektor verbessern. Zu rechnen ist mit einer wachsenden Dynamik bei Projekten zur Stadtentwicklung, vor allem in dem großen Ballungsgebiet Pretoria-Johannesburg. Präsident Ramaphosa hat versprochen, verstärkt in die Infrastruktur zu investieren.

Gesundheitswirtschaft: Medizintechnikmarkt wächst noch

Private Klinikbetreiber setzen ihre Investitionspläne um. Schwerpunkte sind die Radiologie und die Onkologie. Für 2019 ist bei der Medizintechnik aus Deutschland ein Absatzplus von rund 8 bis 10 Prozent zu erwarten. Im Jahr 2020 dürfte der Investitionszyklus bei den privaten Kliniken abebben. Bis 2022 will die Regierung rund 2,7 Milliarden US$ für die Gesundheitsinfrastruktur bereitstellen. Dies scheint Landeskennern zu optimistisch. Die Finanzierung der angekündigten nationalen Krankenversicherung dürfte schwierig sein. Der Privatsektor befürchtet einen hohen Grad an Bürokratisierung und Qualitätsverluste.

Weitere Informationen:

Medizintechnik sehr gefragt in Südafrika

https://www.gtai.de/MKT201809128006

Bergbau: Sektor bleibt hinter seinem geologischen Potenzial zurück

Der Bergbau ist schwach ins Jahr 2019 gestartet. Die Nachfrage nach Kupfer, Eisenerzen und Kohle - rund 24 Prozent der Wertschöpfung im Bergbau - könnte noch anziehen. Mit Minen, die oftmals am Ende ihres Lebenszyklus stehen, bleiben die Aussichten bei Gold und Platin trübe, wobei es vor allem bei Platin Potenzial gibt. Im Zinkbereich hat Vedanta im März 2019 die Gamsberg-Mine in Betrieb genommen. Die Rahmenbedingungen für den Bergbau wurden seit 2018 deutlich verbessert. Wegen der jüngst wieder aufgekommenen Diskussion um die Beteiligungsvorgaben für schwarze Akteure im Rahmen des Broad-based Black Economic Empowerment, gestiegener Strompreise und Stromausfälle haben Risiken zugenommen.

Landwirtschaft: Markt für Landtechnik bleibt stabil

Aufgrund des schwachen Abschneidens der links-populistischen Oppositionspartei Economic Freedom Fighters bei den Wahlen im Mai 2019 dürfte die Debatte um die entschädigungslose Enteignung von Land weiter abebben. Angesichts geringerer Unsicherheiten rechnen Branchenexperten damit, dass die Investitionen in die Landtechnik wieder zunehmen. Geringe Regenfälle während der Aussaatzeit und ein schwacher südafrikanischer Rand bremsen hingegen den Markt. Deutschland ist mit einem Anteil von 20 Prozent vor den USA wichtigstes Lieferland bei Traktoren. Bei weiterem landwirtschaftlichem Gerät folgt Deutschland auf die USA.

Nahrungsmittelindustrie: Rückgang bei Nachfrage für Maschinen

Die Nahrungsmittelverarbeitung hat trotz Belastungen für die Konsumenten im 1. Quartal 2019 moderat zugelegt. Dennoch werden die Investitionen frühestens ab Mitte 2020 wieder anziehen. Von wachsender Bedeutung sind der Aufbau intelligenter Produktionssysteme und neuer Verpackungskonzepte mit recycelten Materialien (zum Beispiel PET-Flaschen). Im Jahr 2018 sind die deutschen Ausfuhren von Maschinen für das Ernährungsgewerbe mit 24,5 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent eingebrochen. Dennoch bleibt Deutschland mit Abstand wichtigster Lieferant vor Italien und China.

Weitere Informationen:

Für Südafrikas Nahrungsmittelhersteller hält die Durststrecke an

https://www.gtai.de/MKT201904018003

Metallindustrie: Chinesen wollen Stahlkomplex bauen

Ungünstige Rahmenbedingungen und billige Stahlimporte setzen der Metallindustrie schon seit mehr als einem Jahrzehnt zu. Dabei ist Südafrika gut mit Metallerzen ausgestattet und der afrikanische Markt bietet ein großes Absatzpotenzial. Nach Rückgängen im 1. Quartal 2019 ist mit einer moderaten Erholung der Metallindustrie zu rechnen. Chinesische Investoren haben im Juli 2018 Verträge für den Bau eines 10 Milliarden US$ teuren Metallkomplexes in Musina-Makhado, Provinz Limpopo, geschlossen. In diesem sollen Edelstahl, Ferrochrom und Silizium-Mangan herstellt werden. Das Vorhaben umfasst auch ein Kohlekraftwerk.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Pkw-Exporte ziehen an

Vor allem VW- und BMW-Werke sorgen 2019 und 2020 - nach Investitionen in neue Modelle - für kräftig steigende Kfz-Ausfuhren. Weitere Kfz-Unternehmen ziehen nach. Während die Inlandsnachfrage nach Pkw schwächelt, nimmt die Nachfrage nach Lkw moderat zu. Anstehende Tarifverhandlungen erhöhen das Streikrisiko. Die Regierung will bis 2035 den Local-Content zugunsten schwarzer Unternehmenseigner von 37 auf womöglich zu ehrgeizige 60 Prozent erhöhen. Im afrikanischen Abnehmermarkt liegt das größte Ausbaupotenzial. Noch blockiert aber die massenhafte Einfuhr von Gebrauchtwagen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Südafrikas Automobilindustrie baut die Kapazitäten aus

https://www.gtai.de/MKT201809278001

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Wasseraufbereitung immer drängender

Investitionen in die Abwasserreinigung sind sträflich vernachlässigt worden. In Zukunft dürfte mehr Kapital in diesen Bereich fließen. Der Investitionsbedarf liegt bei deutlich über 1 Milliarde Euro. Knappe öffentliche Mittel erlauben aber keine groß angelegten Vorhaben. Die Regierung investiert unter anderem circa 20 Millionen Euro in die Kläranlagen am Vaal-Fluss. Kapstadt will in zehn Jahren umgerechnet 342 Millionen Euro in den Bereichen Meerwasserentsalzung, Mobilisierung von Grundwasser und Wasseraufbereitung ausgeben. Der Platz auf Müllhalden wird knapp. Kontaminationen aus dem Goldabbau und Kohleasche sind ein Problem.

Weitere Informationen:

"Wasser marsch" in Kapstadt

https://www.gtai.de/MKT201808158003

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Südafrika finden Sie unter http://www.gtai.de/suedafrika

Dieser Artikel ist relevant für:

Südafrika Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

Funktionen

Kontakt

Edith Mosebach

‎+49 228 24 993 288

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche