Branchencheck

19.10.2018

Branchencheck - Südafrika (Oktober 2018)

Inhalt

Wirtschaftsabschwung setzt Branchen zu / Von Fausi Najjar

Johannesburg (GTAI) - Die Regierung Südafrikas hat wichtige Schritte zur Überwindung korrupter Strukturen eingeleitet. Zumeist prägt aber das gegenwärtig schwache Wachstum die Branchenentwicklung.

Maschinenbauindustrie: Im Minensektor Bedarf an neuen Maschinen

Der Maschinenbau konzentriert sich stark auf Bergbau- und Baumaschinen. Daneben sind einige Unternehmen in Bereichen wie Pumpen und Armaturen, Landtechnik sowie Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen aktiv. Die Produktionsindizes für den Maschinenbau entwickeln sich seit Jahren seitwärts. Angesichts einer fallenden Produktivität und vieler Unfälle hat der Bergbau (Gold und Platin) einen großen Bedarf für Industrie 4.0. Davon können südafrikanische Maschinenbauer gemeinsam mit deutschen Anbietern profitieren. Wegen befürchteter Arbeitsplatzverluste gibt es starke Widerstände.

Chemieindustrie: Weiterhin Unklarheit in der Petrochemie

Die chinesische Sinopec kämpft derzeit mit dem Rohstoffkonzern Glencore um die Übernahme des südafrikanischen Petrochemiegeschäfts von Chevron SA. Sinopec hat bereits angekündigt, im Falle eines Zuschlages 515 Millionen US-Dollar (US$) in die Raffinerie in Kapstadt zu investieren. Die Einführung des Kraftstoffstandards Euro V verzögert sich bis mindestens 2022. Die Umrüstung aller Raffinerien würde rund 8,5 Milliarden US$ kosten. In Richards Bay ist noch 2018 der Baubeginn einer Titanoxid-Anlage geplant. Hohe Energiekosten und fehlende Investitionen schränken die Wettbewerbsfähigkeit der Branche ein.

Energiewirtschaft: Regierung legt Energieplan vor

Der im August 2018 für weitere Konsultationen vorgelegte Energieplan sieht bis 2030 eine Stärkung der erneuerbaren Energien (EE; zusätzlich 13.770 Megawatt) und von Erdgas (8.100 Megawatt) vor. Dennoch bleibt der Kohleanteil an der Stromerzeugung mit rund 65 Prozent hoch. Im Rahmen bereits laufender oder schon festgelegter Projekte werden Kapazitäten zugebaut. Im Gegenzug sollen alte Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Bei Erdgas gibt es Pläne zur Offshore-Erschließung, zum stärkeren Import aus Mosambik und zum Bau von Erdgasverflüssigungsanlagen. Unklar bleibt, wann die schon vor dem Energieplan beschlossenen Ausschreibungen für EE-Großanlagen von 1.800 Megawatt umgesetzt werden. Der EE-Markt für Anlagen bis 10 Megawatt entwickelt sich gut.

Weitere Informationen:

Südafrika legt neuen Energieplan vor

http://www.gtai.de/MKT201809108000

Bauwirtschaft: Krise wird nur langsam überwunden

Bessere Rahmenbedingungen werden vor allem nach einer Konsolidierung wichtiger Auftraggeber (Staat, Bergbaukonzerne) für eine schrittweise Erholung sorgen. Die Branche leidet unter Überkapazitäten, säumigen Zahlungen und fehlenden Aufträgen. Die staatliche Transnet hat eine Machbarkeitsstudie für eine Schienenstrecke zum Hafen in Richards Bay (14 Milliarden US$) abgeschlossen. Ebenfalls fertiggestellt wurden Studien für den Ausbau des Gautrain-Schnellzuges. Staatliche Investitionen konzentrieren sich gegenwärtig vor allem auf Schulen, nationale Straßen, Wohnungen und die Wasserversorgung.

Weitere Informationen:

Südafrikas Transportsektor kommt in Bewegung

http://www.gtai.de/MKT201802288002

Gesundheitswirtschaft: Medizintechnikmarkt wächst

Private Klinikbetreiber haben Expansionspläne angekündigt. Schwerpunkte sind die Radiologie und die Onkologie. Bis 2022 will die Regierung circa 2,7 Milliarden US$ für den Ausbau der Gesundheitsinfrastruktur bereitstellen. Der bei niedrigem Wachstum geringere Spielraum für staatliche Beschaffungen und die währungsbedingte schwache Kaufkraft beim Geräteimport trüben den insgesamt positiven Branchenausblick etwas ein. Für 2018 und 2019 ist bei Medizintechnik aus Deutschland mit einem Absatzplus von rund 9 Prozent zu rechnen. Von 2013 bis 2017 konnten die deutschen Ausfuhren im Schnitt um 8,7 Prozent zulegen.

Weitere Informationen:

Medizintechnik sehr gefragt in Südafrika

http://www.gtai.de/MKT201809128006

Landwirtschaft: Markt für Landtechnik erholt sich trotz Unsicherheiten

Die Verkaufszahlen für Traktoren konnten in den ersten sieben Monaten 2018 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 10,5 Prozent auf 6.836 Einheiten zulegen. Der positive Trend könnte sich bei weiteren guten Erntejahren fortsetzen, auch wenn ein schwacher südafrikanischer Rand Importe bremst. Die Debatte zur Einführung der Möglichkeit von Eigentumsenteignung ohne Entschädigung hat zu großer Verunsicherung bei weißen Landbesitzern geführt. Panikverkäufe von Land und Desinvestitionen sind allerdings nicht zu verzeichnen. Der Markt für Landtechnik unterliegt einem längerfristigen Trend zu größeren Maschinen.

Weitere Informationen:

Für Südafrikas Landwirtschaft geht es etwas aufwärts

http://www.gtai.de/MKT201804068001

Bergbau: Schritte zugunsten besserer Rahmenbedingungen

Das Ende September 2018 veröffentlichte Bergbaugesetz und die Ankündigung, sich aus Plänen zur Stärkung einer staatlichen Beteiligung zurückzuziehen, sorgen für bessere Rahmenbedingungen. Auch bei der Korruptionsbekämpfung sind Erfolge zu verzeichnen. Neue Lizenznehmer müssen dennoch eine Mindestbeteiligung von 30 Prozent schwarzer Eigentümer aufweisen. Die Exploration ist von der Vorgabe ausgenommen. Trotz Fortschritten bleiben die Rahmenbedingungen in konkurrierenden Ländern attraktiver. Die Investitionen in den Minensektor fallen beispielsweise in Australien achtmal höher aus.

Weitere Informationen:

Südafrikas Gold- und Platinminen müssen modernisieren

http://www.gtai.de/MKT201709068001

Nahrungsmittelindustrie: Starker Rückgang bei Nachfrage nach Maschinen

Der Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel liegt bei knapp 45 Milliarden US$. Supermärkte expandieren in die Nachbarländer. Wegen eines schwachen Konsums und Unterauslastung dürften die Investitionen frühestens Mitte 2019 wieder anziehen. Im Jahr 2017 konnten sich die deutschen Ausfuhren von Maschinen für das Ernährungsgewerbe mit knapp 33 Millionen Euro (+13,4 Prozent) gegenüber den zwei schwachen Jahren 2015 und 2016 noch deutlich erholen. Für 2018 zeichnet sich aber ein klarer Negativtrend ab. Es gab bis einschließlich Juli gegenüber dem gleichen Zeitraum 2017 einen Rückgang von 43,8 Prozent.

Weitere Informationen:

Schwierige Zeiten für Südafrikas Nahrungsmittelindustrie

http://www.gtai.de/MKT201804068002

Metallindustrie: Sektor behauptet sich

Im August 2018 konnte der Produktionsindex des Metallsektors (Herstellung und Verarbeitung) gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres um 2,1 Prozent zulegen und sich bislang von der schwachen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung leicht positiv abheben. Dennoch ist zu erwarten, dass die niedrige interne Nachfrage bei Infrastrukturprojekten, steigende Energiekosten und billige Stahlimporte den Geschäftsverlauf trüben werden. Südafrika ist von den ab 23. Mai 2018 verhängten Strafzöllen auf Stahl und Aluminium betroffen. Im Jahr 2017 hat Südafrika rund 5 Prozent seiner Stahlproduktion in die USA geliefert.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Deutsche Automobilbauer investieren kräftig

Mercedes-Benz plant Investitionen zum Bau der neuen C-Klasse in East London. BMW steckte rund 444 Millionen US$ in die Fertigungsstätte bei Pretoria, wo seit Anfang 2018 der neue X3 gebaut wird. VW lässt in Port Elizabeth seit Jahresbeginn 2018 den neuen Polo und Polo Vivo vom Band laufen und hat dafür ebenfalls rund 444 Millionen US$ ausgegeben. Bis 2019 will VW das Produktionsvolumen von 110.000 auf 160.000 Fahrzeuge pro Jahr steigern. Die für 2018 prognostizierte Zunahme der Kfz-Verkäufe um 2,6 Prozent dürfte wegen der schwachen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu optimistisch ausfallen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Südafrikas Automobilindustrie baut die Kapazitäten aus

http://www.gtai.de/MKT201809278001

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Platz auf Müllhalden wird knapp

Nach einer schweren Dürre setzt Kapstadt verstärkt auf die Mobilisierung von Grundwasser, die private und kommunale Meerwasserentsalzung und Brauchwassernutzung. Die Recyclingquote liegt in Südafrika bei 10 Prozent. Sie ist vor allem bei organischen Abfällen und Bauschutt gering. Plastik, Papier und Metall hingegen sammeln die 60.000 bis 90.000 informellen Abfallsammler. Der Platz auf Müllhalden wird zunehmend knapp. Kapstadt und die Kleinstadt Stellenbosch suchen aktiv nach Lösungen. Es gibt lediglich ein Ersatzbrennstoffkraftwerk. Eine tickende Zeitbombe sind die kontaminierten Halden aus dem Goldabbau.

Weitere Informationen:

"Wasser marsch" in Kapstadt

http://www.gtai.de/MKT201808158003

Südafrika muss den Investitionsstau im Wassersektor dringend abbauen

http://www.gtai.de/MKT201710168008

Einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Wirtschaftsklima/wirtschaftsausblick,t=wirtschaftsausblick--suedafrika-september-2018,did=2150286.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Südafrika Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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