Branchencheck

11.03.2019

Branchencheck - Togo (März 2019)

Inhalt

Konsum und Infrastruktur bilden die Motoren der Wirtschaft / Von Carsten Ehlers

Lomé (GTAI) - Eine mäßige Konjunktur in einem kleinen Markt sorgen für begrenzte Geschäftsmöglichkeiten. Gleichwohl steigt der Bedarf in vielen Produktsegmenten deutlich an.

Chemieindustrie: Vereinzelte Absatzmöglichkeiten bei Kosmetika und Pharma

Zulieferchancen an togoische Hersteller chemischer Produkte sind begrenzt. Es gibt einige Unternehmen, die kosmetische und pharmazeutische Produkte herstellen. So ist bei deutschen Zulieferern die libanesische Dodo Cosmetics in Lomé ein Begriff. Darüber hinaus stellen die britische Sprukfield unter anderem Tabletten sowie die chinesische Tongmei "Large Volume Parentals - LVP" für den westafrikanischen Markt her.

Energiewirtschaft: Siemens am Bau eines thermischen Kraftwerks beteiligt

Der Ausbau der Stromversorgung dürfte für zahlreiche Geschäftschancen sorgen. Siemens (Neubau Kékéli-Efficient-Power, Eranove) und Voith Hydro (Modernisierung Nangbeto-Wasserkraftwerk, CEB) sind an größeren Kraftwerksprojekten beteiligt. Die EU und die KfW Entwicklungsbank stellen Mittel in Höhe von 47,8 Millionen Euro für den Ausbau des Stromnetzes bereit. Solarstrom soll in entlegenen ländlichen Gebieten zum Einsatz kommen (Mini-Grids mit Hybrid-Kraftwerken, Solarpumpen für die Landwirtschaft). Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt die Regierung bei der Schaffung besserer Rahmenbedingungen hierfür.

Bauwirtschaft: Vor den Wahlen 2020 dürften Aufträge wieder zunehmen

Zuletzt haben die staatlichen Infrastrukturmaßnahmen aufgrund der hohen Staatsverschuldung abgenommen. Jedoch werden derzeit mehrere Aufträge für Studien vergeben, sodass im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im Jahr 2020 mit einer Zunahme von Bauaufträgen zu rechnen ist. Umfangreiche geberfinanzierte Maßnahmen sind unter anderem im Küstenschutz, im Straßenbau (Verbreiterung der Küstenstraße in Richtung Benin sowie Überlandstraße nach Burkina Faso) geplant. Den Bausektor dominieren französische Unternehmen wie Sogea-Satom, Colas und Eiffage.

Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: Kaum Bewegung trotz steigenden Bedarfs

Trotz guten Potenzials passiert in der togoischen Landwirtschaft wenig. Größere Investitionen gibt es derzeit keine. Unter anderem schreckt die fehlende Rechtssicherheit ausländische Investoren ab. Für lokale Bauern stellen Kreditzinsen von bis zu 18 Prozent ein Hindernis für die Beschaffung von Landmaschinen und Input-Gütern dar. Experten sehen Potenzial beim Anbau von Bioprodukten (Ananas, Mango, Baumwolle, Sesam, Cashew) für den Export, da die Böden nur gering belastet sind. Für den lokalen Markt werden vor allem Reis, Yams und Kassava nachgefragt.

Bergbau: Im Norden wird nach Mangan gesucht

Da es derzeit keine größeren Investitionen im togoischen Bergbau gibt, sind auch die Lieferchancen begrenzt. Potenzial für Bergbau ist jedoch gegeben, insbesondere bei Phosphat und Mangan. Seit dem Jahr 2018 entnimmt der in London gelistete Junior-Miner Kera Resources Proben in seiner Nayega-Mangankonzession. Nach wie vor privatisieren will die togoische Regierung ihren Phosphatabbau in Kpémé. Im Jahr 2015 kündigte das Konsortium Elenilto/Wengfu Investitionen in Höhe von 1,4 Milliarden US-Dollar (US$) an. Getan hat sich bislang jedoch wenig.

Nahrungsmittelindustrie: Zweite Brauerei für Lomé im Gespräch

Für die lokale Nahrungsmittelindustrie bestehen regelmäßig Lieferchancen. In Lomé gibt es einige Produzenten wie BB, Topfood, Fanmilk (alle Getränke) oder Unifood (Mayonnaise/Bouillonwürfel). Derzeit plant BB lokal geernteten Reis für sein Bier zu verwenden und will dafür eine Verarbeitungsanlage bauen. Scheinbar Fortschritte macht der seit mehreren Jahren im Gespräch befindliche Bau einer zweiten Brauerei in Lomé mit deutscher Beteiligung. Neben Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen werden seitens der Industrie auch Zusatzstoffe und Verpackungsmaterial nachgefragt.

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Geber engagieren sich in Wasserversorgung

Diverse Maßnahmen sind beim Ausbau der Wasserversorgung geplant. Diese werden überwiegend von ausländischen Gebern finanziert. Eine dominierende Rolle hierbei nehmen die Agence Francaise de Développement (AFD) und die EU ein. Im Jahr 2017 wurden 15 Millionen Euro für den weiteren Ausbau des Wasserversorgungsnetzes von Lomé auf 16.000 Kubikmeter pro Tag bereitgestellt. Kürzlich stellte auch der Kuwait Fund for Arab Economic Development (KFAED) 18 Millionen Euro für den Ausbau der Netze in der nördlichen Stadt Kara zur Verfügung. Die Wasseraufbereitungskapazität soll damit von derzeit 7.500 Kubikmeter auf dann 17.500 Kubikmeter erhöht werden.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: 4G kommt nach Lomé

Lieferchancen für deutsche Unternehmen sind im togoischen Telekommunikationssektor begrenzt, weil größtenteils chinesische Technologie verwendet wird. Nachdem Mitte 2018 der staatliche Regulierer Autorité de Réglementation des secteurs de Postes et de Télécommunications (ART&P) den beiden Mobilfunknetzbetreibern Togo Cellulaire (Togocel) und Moov (Atlantique Télécom) die 4G-Lizenzen gewährt hat, werden beide Gesellschaften in den kommenden Jahren in den Ausbau der 4G-Netze investieren. Moov hat bereits 42,7 Millionen Euro bereitgestellt.

Medizintechnik: Staat schaut bei Beschaffungen nur auf den Preis

Der Markt ist derzeit schwierig für deutsche Produkte. Beim Staat scheint der Gesundheitssektor keine Priorität zu genießen. Die dem Gesundheitsministerium unterstehende Beschaffungsbehörde Centrale d'Achat de Médicaments Essentiels Génériques (CAMEG) sieht als Hauptkriterium den Preis. Der private Sektor beschafft auch gute Qualität. Er ist klein, könnte aber wachsen. Lukrative Teilbereiche der staatlichen Krankenhäuser sollen privatisiert werden. Mit Biasa, Saint Joseph und anderen gibt es mehrere gut ausgestattete Kliniken in Lomé.

Nahrungsmittelmarkt: Chancen für günstige und haltbare Produkte

Für Lebensmittellieferungen besteht in Togo allein aufgrund der jährlich um 200.000 Menschen zunehmenden Bevölkerung ein wachsender Markt. Importiert werden Nahrungsmittelbestandteile wie Weizen, Milchpulver und Zucker, die vor Ort mitunter zu Endprodukten verarbeitet werden. Auch fertige Nahrungsmittel werden eingeführt, darunter Fleisch, Getränke oder Süßwaren. Um den Markt in voller Breite bedienen zu können, muss die Ware günstig und haltbar sein. Auf den offenen Märkten werden die Waren meistens in sehr kleinen Verpackungsgrößen (zum Beispiel Sachets bei Getränken) verkauft.

Kfz-Markt: Nur wenige Neuwagen werden verkauft

Der Markt für Neuwagen ist in Togo äußerst klein und beschränkt sich weitgehend auf die Hauptstadt Lomé, wo togoische Behörden, private Unternehmen, Botschaften und Geberorganisationen die größten Kunden darstellen. Über den größten Marktanteil verfügen asiatische Marken, allen voran Toyota, die von der Handelsfirma Compagnie Francaise de l'Afrique Occidentale (CFAO) vertrieben werden. Aus Deutschland ist nur Mercedes über die libanesische Groupe Fayoul in Togo vertreten. Im Gegensatz zu anderen westafrikanischen Ländern ist auch der togoische Absatzmarkt für Lkw sehr klein und es dominieren französische (Renault) und zunehmend chinesische Modelle.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Togo finden Sie unter http://www.gtai.de/togo

Dieser Artikel ist relevant für:

Togo Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung

Funktionen

Kontakt

Samira Akrach

‎+49 228 24 993 238

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche