Branchencheck

31.05.2018

Branchencheck - Tschechische Republik (Mai 2018)

Inhalt

Investitionen und Privatkonsum als Wachstumstreiber / Von Gerit Schulze

Prag (GTAI) - Tschechiens Industrie profitiert von der steigenden Kaufkraft im Inland und der hohen Auslandsnachfrage. Während die Automobilindustrie ihren Zenit erreicht zu haben scheint, entwickeln sich Pharma- und Kosmetikhersteller sowie Bauwirtschaft und Metallverarbeiter dynamisch. Mit Investitionen werden die Arbeitsproduktivität erhöht und Personalengpässe überbrückt. Fonds der Europäischen Union bleiben im Geschäft mit medizinischen Ausrüstungen und Umwelttechnik ein wichtiger Marktfaktor.

Maschinenbauindustrie: Produktionsbetriebe automatisieren ihre Linien

Investitionen in Maschinen und Anlagen gehören zu den Wachstumstreibern in Tschechien. Die Unternehmen kompensieren Personalengpässe und steigende Löhne mit neuer Automatisierungstechnik. Erhöhten Bedarf an Ausrüstungen haben neben dem Fahrzeugbau die Lebensmittelbranche, Elektronikhersteller, Metallverarbeiter und die Textilindustrie. Davon profitiert auch der einheimische Maschinenbau. Seine Ordereingänge aus dem Inland stiegen 2017 um 13 Prozent, stagnierten dann allerdings im ersten Quartal 2018. Die starke tschechische Krone verbilligt die Einfuhr von Maschinen. Laut einer Analyse von CEEC Research erwarten Tschechiens Maschinenbauer 2018 ein Umsatzplus von 5 Prozent und 2019 von 3 Prozent. Gut im Geschäft sind Hersteller von Schienenfahrzeugen und Werkzeugmaschinen.

Weitere Informationen:

Tschechien ist weltweit vorn bei automatisierter Produktion (Februar 2018)

http://www.gtai.de/MKT201802198001

Tschechiens Maschinenmarkt in bester Verfassung (Oktober 2017)

http://www.gtai.de/MKT201710248004

Chemieindustrie: Kosmetika und Bauchemie stark gefragt

Die Produktion chemischer Erzeugnisse ist 2017 um über ein Fünftel gestiegen. Ebenso stark haben die Ordereingänge zugelegt. In den ersten drei Monaten 2018 verzeichnete das Statistikamt ein Produktionsplus von 6 Prozent. Grund ist die große Inlandsnachfrage nach Bauchemie, Farben und Lacken für den boomenden Wohnungs- und Gewerbebau, die Nachfrage der Privathaushalte nach Kosmetika und die gute Lage der Landwirtschaft, die den Bedarf an Agrarchemie antreibt. Auch die Pharmaindustrie entwickelt sich positiv. Nach 10 Prozent Zuwachs 2017 stieg der Ausstoß im ersten Quartal 2018 um 14 Prozent. Die Investitionen der Chemiebranche gehen zurzeit vor allem in die Verbesserung der Energieeffizienz (Kraftwerkstechnik) und den Emissionsschutz (Entschwefelungsanlagen) sowie in Logistikprojekte.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Steigende Löhne und Boom der Autoindustrie beflügeln Tschechiens Chemiebranche (August 2017)

http://www.gtai.de/MKT201708228000

Energiewirtschaft: Industrie nutzt Energie immer effizienter

Tschechiens Wirtschaft ist auf dem Weg zu mehr Energieeffizienz. Das zeigt der aktuelle Konjunkturboom, der nur zu einem geringen Anstieg des Energieverbrauchs führt: Die Bruttostromproduktion 2017 stieg um fast 5 Prozent, der Verbrauch nur um 2 Prozent. Die Energieversorger modernisieren derzeit vor allem alte Heizkraftwerke oder ersetzen sie durch Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung. Im Heizkraftwerk Karvina plant Veolia einen Blockheizkessel für fast 40 Millionen Euro, in dem Biomasse, Kohle und Abfälle verbrannt werden können. Im Kraftwerk Energocentrum Vitkovice will CEZ zwei Steinkohlekessel durch Gaskessel und ein Blockheizkraftwerk ersetzen. Hohe Investitionen planen die Netzbetreiber. CEZ Distribuce will 2018 umgerechnet 420 Millionen Euro für Stromleitungen, Trafostationen und Abnahmestellen ausgeben.

Weitere Informationen:

Luftverschmutzung zwingt Tschechien zu mehr Investitionen (Februar 2017)

http://www.gtai.de/MKT201702028000

Bauwirtschaft: Wohnungs- und Gewerbebau ziehen die Branche nach oben

Tschechiens Bauwirtschaft ist 2017 saisonbereinigt um fast 3 Prozent gewachsen, im ersten Quartal 2018 um 6 Prozent. Dank Wohn- und Gewerbebauten entwickelt sich der Hochbau besonders positiv, während der Tiefbau weiter schrumpft. Laut CEEC Research erwarten Tschechiens Bauunternehmen 2018 einen Umsatzzuwachs von 4 Prozent. Angesichts der hohen Nachfrage können sie kräftige Preissteigerungen durchsetzen. Die Auslastung lag im Februar 2018 bei 88 Prozent, der Auftragsbestand reichte durchschnittlich für neun Monate. Potenzial besteht weiter im Wohnungsbau, der Staat will jungen Familien mehr billige Kredite bereitstellen. Private Investoren planen Projekte für barrierefreie Wohnungen und Altersheime. Im Straßenbau soll ein Pilotvorhaben an der Autobahn D4 den Weg für Public Private Partnerships ebnen.

Weitere Informationen:

Prag baut sein Park-and-Ride-System aus (März 2018)

http://www.gtai.de/MKT201803228002

Tschechien investiert viel Geld in seine Sportstätten (März 2018)

http://www.gtai.de/MKT201803168003

Tschechiens Hersteller von Baumaterialien in bester Laune (Januar 2018)

http://www.gtai.de/MKT201801308004

Gesundheitswirtschaft: Röntgengeräte und Medizinmöbel stark nachgefragt

Das Geschäft mit Medizintechnik verläuft in Abhängigkeit der Förderaufrufe für Gelder der Europäischen Union (EU). Große Zuwächse gibt es zurzeit bei Röntgen- und ophthalmologischen Geräten sowie medizinischen Möbeln. Viele Kliniken haben neue Investitionsprogramme angekündigt. Ein großes Vorhaben ist ein 160 Millionen Euro teurer Neubau im Bezirk Zlin. Vor der Anschaffung teurer Medizintechnik wie OP-Roboter brauchen Krankenhäuser neuerdings die Empfehlung einer Expertenkommission, wenn der Kauf durch Krankenkassen vergütet wird. Ziel: Hochwertige Geräte werden gleichmäßig im Land verteilt. Außerdem müssen staatliche Kliniken für Bonuszahlungen, die sie bei der Beschaffung von Medikamenten und medizinischem Material bekommen, Verträge abschließen und öffentlich machen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Tschechiens Krankenhäuser investieren in Medizintechnik (Dezember 2017)

http://www.gtai.de/MKT201712188016

Mehr Geld für Tschechiens Gesundheitswesen (Dezember 2017)

http://www.gtai.de/MKT201712138009

Nahrungsmittelindustrie: Staat hilft bei Modernisierung der Produktion

Dank der steigenden Einkommen geben Tschechiens Konsumenten mehr Geld für hochwertige Lebensmittel aus. Das drückt sich in der Absatzentwicklung von Fleisch, Biolebensmitteln, fair gehandelten Lebensmitteln und Lifestyle-Getränken aus. Um die einheimische Lebensmittelindustrie zu stärken, zahlt die Regierung jährlich 15 Millionen Euro Subventionen für die Modernisierung der Produktion. Onlinehändler investieren in kleine Agrarbetriebe und Verarbeiter, um sich so Qualitätslieferungen lokaler Hersteller zu sichern. Ähnlich wie andere Industriezweige steckt auch die Lebensmittelbranche Geld in die Automatisierung ihrer Fertigungslinien. Die Importe von Produktionsausrüstungen sind 2017 zum Teil deutlich gestiegen, besonders bei Maschinen für die Getreideverarbeitung, für Brauereien und für die Süßwarenindustrie.

Weitere Informationen:

Tschechien hat Bedarf an hochwertigen Lebensmitteln (Mai 2018)

http://www.gtai.de/MKT201805078000

Metallindustrie: Stahlwerke und Gießereien modernisieren Fertigungslinien

Die Metallindustrie profitiert von der Nachfrage der Automobilbranche, aber auch vom Aufschwung der Bauwirtschaft. Das Ordervolumen ist 2017 zweistellig gestiegen. Vitkovice Steel plant bis 2020 fast 30 Millionen Euro für neue Anlagen, Emissionsschutz und Energieeffizienz. Das Stahlwerk Trinec will ab Herbst 2018 eine Veredelungsanlage für Metallstäbe bauen, neue Glühöfen installieren und die Standorte Stare Mesto, Bohumin und Kladno modernisieren. Die Walzwerke Bilstein kündigten an, die Produktion von Walzstahlbändern bis 2021 um 37.000 Jahrestonnen zu erhöhen. Kupferverarbeiter Med Povrly steckt 4 Millionen Euro in neue Pressen. Die schwedische Ljunghäll baut in Caslav eine Aluminium-Gießerei. ArcelorMittal verhandelt über den Verkauf seines Stahlwerks in Ostrava.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Zeit der Produktionsrekorde vorerst vorbei

Tschechiens Automobilproduktion hatte 2017 mit 1,41 Millionen Pkw wieder einen Rekord aufgestellt. Der Zuwachs ging allein auf das Konto von Skoda Auto; Hyundai und TPCA mussten ihre Produktion drosseln. Hyundai erwartet auch 2018 einen Rückgang, weil die Nachfrage im Vereinigten Königreich schrumpft. Im ersten Quartal 2018 produzierte Tschechien fast 3 Prozent weniger Pkw als im Vorjahreszeitraum. Dafür investiert die Branche kräftig weiter. Dura Automotive plant Komponenten für Elektromobile, AGC erweitert die Autoglasproduktion, Skoda Auto sein Teile-Center am Stammsitz Mlada Boleslav, Borgers baut eine weitere Halle bei Rokycany und Faurecia automatisiert sein Werk bei Plzen. Immobilienentwickler Accolade will in Westböhmen eine Teststrecke für autonomes Fahren bauen. Auch BMW plant ein solches Zentrum.

Weitere Informationen:

Neue Impulse für Elektromobilität in Tschechien (Oktober 2017)

http://www.gtai.de/MKT201710268004

Autoland Tschechien befindet sich im Umbruch (Oktober 2017)

http://www.gtai.de/MKT201710108007

Kfz-Markt: Neuwagengeschäft nähert sich der Marke von 300.000 Fahrzeugen

Die Einkommenszuwächse befeuern den Pkw-Markt. Nach einem Absatzplus von 5 Prozent (auf 270.000 Neuwagen) ging es von Januar bis April 2018 erneut um 1,5 Prozent nach oben. PriceWaterhouseCoopers erwartet für das Gesamtjahr einen Zuwachs zwischen 3 und 8 Prozent, sodass ein Volumen von 300.000 Fahrzeugen näher rückt. Damit ist das Potenzial nach Expertenmeinung ausgeschöpft. Trotz der vielen Neuzulassungen steigt das Durchschnittsalter des Pkw-Bestandes. Es beträgt laut Importeursverband SDA 14,6 Jahre und gehört zu den höchsten in Europa. Reine Elektrofahrzeuge finden kaum Käufer. Ihr Anteil an den Neuzulassungen lag 2017 bei 0,1 Prozent (307 Einheiten). Dafür wurden über 2.800 Hybrid-Pkw verkauft. Beim Autohandel setzen sich allmählich Onlineangebote durch. Skoda ist einer der Vorreiter.

Weitere Informationen:

Neuwagenverkäufe in Tschechien erreichen Rekordwert (Januar 2018)

http://www.gtai.de/MKT201801108003

Umwelttechnik (Wasser/Abfall/Luft): Projektpipeline ist prall gefüllt

In der Abfallwirtschaft finanziert das Umweltministerium mit EU-Mitteln laufend Förderprogramme für Sammel-, Trenn- und Weiterverarbeitungsprojekte sowie Vorhaben zur Energiegewinnung aus Müll. Zuständig ist der staatliche Umweltfonds SFZP, der aktuell Finanzierungszusagen für mehrere Hundert Projekte gegeben hat. Potenzial bietet die Nutzung von Bioabfällen. Derzeit sind sieben Anlagen in der Planung. In den Emissionsschutz investieren vorrangig Großbetriebe der Metallurgie und Energiewirtschaft. Die Wasserwerke Ostrava sanieren die Kläranlage Nova Ves, inklusive automatischem Steuersystem. Prag plant im Stadtzentrum einen großen Regenwassersammler und die Sanierung der Kanalisation für über 30 Millionen Euro. Der staatliche Forstbetrieb Lesy CR saniert kleine Wasserläufe für 12 Millionen Euro.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Viele Investitionsvorhaben in der tschechischen Abfallwirtschaft (Mai 2018)

http://www.gtai.de/MKT201805148000

Zahlreiche Umweltschutzprojekte stehen in Tschechien an (Dezember 2017)

http://www.gtai.de/MKT201712188004

Tschechien bleibt ein spannender Markt für Umwelttechnik (Dezember 2017)

http://www.gtai.de/MKT201712188003

Dieser Artikel ist relevant für:

Tschechische Republik Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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