Branchencheck

23.10.2018

Branchencheck - Tschechische Republik (Oktober 2018)

Inhalt

Viele Investitionsprojekte zum Ausbau der Kapazitäten / Von Gerit Schulze

Prag (GTAI) - Die wichtigen Wirtschaftszweige in Tschechien entwickeln sich weiterhin sehr gut. Viele Unternehmen investieren in neue Kapazitäten und rüsten sich für mehr Wettbewerb durch Importwaren.

Maschinenbauindustrie: Großer Technologiebedarf im verarbeitenden Gewerbe

Tschechiens Maschinenbau profitiert stark vom Investitionsboom in der Industrie, die besonders an Automatisierungstechnik interessiert ist. Auch Hersteller von Schienenfahrzeugen und Kraftwerkstechnik sind dank internationaler Aufträge gut im Geschäft. Der Produktionsindex der Branche ist in den ersten acht Monaten 2018 um 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Zugleich verzeichneten die Betriebe einen Orderzuwachs um 4 Prozent. Viele Maschinenbauer investieren in neue Ausrüstungen und Software, um den Kunden hochwertigere Produkte anbieten zu können. Maschinenbauer ZDAS zum Beispiel rechnet dafür mit Ausgaben von fast 12 Millionen Euro, ebenso Slovacke strojirny aus Mähren. Amtech plant einen Robotik-Inkubator in Brno. Tox Pressotechnik baut Produktionskapazitäten in Brno auf.

Weitere Informationen:

Gummi- und Kunststoffverarbeiter erweitern ihre Werke in Tschechien (Juli 2018)

http://www.gtai.de/MKT201807238004

Tschechien ist weltweit vorn bei automatisierter Produktion (Februar 2018)

http://www.gtai.de/MKT201802198001

Chemieindustrie: Schwache Entwicklung wegen Konkurrenz aus dem Ausland

Die Hersteller von Chemieerzeugnissen wachsen derzeit nur halb so stark wie die Industrieproduktion insgesamt. Dabei ist die Nachfrage dank der Konjunkturlage sehr hoch. Sie wird aber häufig durch Importwaren gedeckt, wie die Einfuhrzuwächse bei Kosmetika zeigen. Unter den einheimischen Herstellern entwickeln sich lediglich Pharmabetriebe positiv. Ihre Produktion stieg von Januar bis August 2018 um 5 Prozent, der Auftragseingang um 8 Prozent. Kunststoffverarbeiter leiden unter der nachlassenden Dynamik im Automobilbau. Central Glass Czech kündigte an, bei Pardubice ein Werk für Batterie-Elektrolyte zu bauen. Nafigate und Bochemie planen eine Fabrik für Biopolymere. Die chinesische Wanhua investiert in Ostrava fast 100 Millionen Euro in den Chemiebetrieb BorsodChem.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Steigende Löhne und Boom der Autoindustrie beflügeln Tschechiens Chemiebranche (August 2017) http://www.gtai.de/MKT201708228000

Energiewirtschaft: Anteil der alternativen Stromquellen stagniert

Die Nettostromproduktion ist im 1. Halbjahr 2018 um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, der Verbrauch stabil geblieben. Erneuerbare Energiequellen wie Wasserkraft, Wind und Photovoltaik hatten einen Anteil von 8 Prozent, neue Anlagen werden aber kaum noch installiert. Dafür gibt es Investitionen in konventionelle Kraftwerke. Der Energiedienstleister CEZ ESCO plant für mehrere Industriebetriebe Blockheizkraftwerke und ersetzt Heizkessel, unter anderem in der Papierfabrik Olsany und im Chemiebetrieb Spolana. Übertragungsnetzbetreiber CEPS erneuert das Stromnetz und verstärkt Doppelleitungen von 200 auf 400 Kilovolt Spannung. Die Innogy-Tochter GridServices modernisiert Gasleitungen, indem sie Polyamid-Rohre in alte Stahlröhren einsetzen lässt.

Weitere Informationen:

Tschechien investiert in den Ausbau von Kraftwerken und Stromnetzen (Juli 2018) http://www.gtai.de/MKT201807048011

Bauwirtschaft: Fehlende Handwerker bremsen die Branche aus

Der Bau von Wohnungen, Büros und Industriehallen erlebt einen Höhenflug. Von Januar bis August 2018 war der Wert der Bauleistungen um 12 Prozent gestiegen. Für 2019 ist die Branche skeptischer. Laut Befragung von CEEC Research rechnen die Baumanager nur noch mit einem Wachstum von 3 Prozent, weil es zu wenig Handwerker für den hohen Orderbestand gibt. Die Kapazitäten vieler Bauunternehmen sind ausgelastet, Firmen müssen Aufträge ablehnen oder verschieben. Der Hochbau profitiert besonders vom Bedarf an Wohnraum. Im 1. Halbjahr 2018 wurden landesweit fast 15.000 Wohnungen fertiggestellt - 17 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Geschäftschancen bestehen beim Bau von Pflegeheimen und Mikroapartments für Studenten sowie bei der Sanierung von Krankenhäusern, Schulen und Sportstätten.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Hochbau in Tschechien auf steilem Wachstumskurs (September 2018) http://www.gtai.de/MKT201809248003

Aktuelle Ausbauprojekte in der tschechischen Schieneninfrastruktur (September 2018) http://www.gtai.de/MKT201809048006

Viele Brücken in Tschechien und der Slowakei sind baufällig (September 2018) http://www.gtai.de/MKT201808318006

Gesundheitswirtschaft: Viele Krankenhäuser modernisieren ihre Abteilungen

Der Bedarf an importierter Medizintechnik steigt, denn die Krankenhäuser investieren. Dank der guten Wirtschaftslage geben Staat, Bezirke und Krankenversicherungen mehr Geld für die Gesundheitsversorgung aus. Die zusätzlichen Mittel fließen überwiegend in Gehaltserhöhungen, aber auch in neue Technik. Die Abschöpfung der Gelder der Europäischen Union (EU) kommt besser in Gang. Über das Integrierte regionale operationelle Programm (IROP) werden zurzeit rund 100 Projekte zur Modernisierung von Krankenhäusern finanziert. Auch die privaten Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen expandieren. Große Ketten wie die Agel-Gruppe erweitern ihr Filialnetz für stationäre Behandlungen. Bei den Herstellern von Medizintechnik laufen etliche Investitionsprojekte, so bei Hartmann-Rico, Tescan und Teleflex.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Tschechiens Krankenhäuser investieren in Medizintechnik (Dezember 2017) http://www.gtai.de/MKT201712188016

Mehr Geld für Tschechiens Gesundheitswesen (Dezember 2017)

http://www.gtai.de/MKT201712138009

Nahrungsmittelindustrie: Hersteller wappnen sich für Importkonkurrenz

Die Lebensmittelverarbeitung gehört zu den investitionsfreudigsten Branchen. In den letzten fünf Jahren haben sich die Investitionen nahezu verdoppelt - auf fast 700 Millionen Euro. Weitere 210 Millionen Euro gaben 2017 Brauereien und Getränkehersteller aus. Besonders viel Geld in Modernisierung und Ausbau der Kapazitäten stecken Back- und Teigwarenbetriebe sowie die Süßwarenindustrie. Die Unternehmen müssen sich rüsten für die wachsende Importkonkurrenz, die von der Aufwertung der Krone und steigenden Haushaltseinkommen profitiert. Das zeigt auch der Erfolg von Fairtrade-Produkten. Bei fair gehandeltem Kaffee sind die Verkäufe 2017 um 16 Prozent gestiegen. Große Investitionen laufen in den Brauereien Prazdroj Plzen und Budvar Ceske Budejovice. Intersnack baut ein Werk in Hradec Kralove.

Weitere Informationen:

Tschechien hat Bedarf an hochwertigen Lebensmitteln (Mai 2018) http://www.gtai.de/MKT201805078000

Metallindustrie: Volle Auftragsbücher dank Bauboom und Autobranche

Die Metallerzeugung und -verarbeitung befindet sich weiter im Aufschwung. Von Januar bis August 2018 stieg die Produktion um über 5 Prozent. Noch besser entwickelte sich die Auftragslage mit einem Zuwachs der Neubestellungen um mehr als 9 Prozent. Es gibt viele neue Investitionsvorhaben in der Branche. Die MTX Group steckt 80 Millionen Euro in den Ausbau des nordmährischen Aluminiumwerkes AL Invest Bridlicna. Der Hersteller von Präzisionsstahlteilen, Advanex, will bis Frühjahr 2019 in Prag ein Werk eröffnen und investiert dafür 5 Millionen Euro. AW Tools aus Brno plant eine neue Eloxieranlage für Aluminiumteile. Vitkovice Steel in Ostrava und das Stahlwerk Trinec setzen die Modernisierung ihrer Produktion fort und konzentrieren sich dabei vor allem auf mehr Energieeffizienz und Automatisierung.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Personalmangel beflügelt Automatisierung

Das Zugpferd der tschechischen Wirtschaft stagnierte 2018. Von Januar bis August wurden 942.000 Pkw produziert und damit nur ungefähr so viele wie im Vorjahreszeitraum. Das Hyundai-Werk verzeichnete starke Rückgänge, weil die Nachfrage in Westeuropa sinkt. Da sich die Zulieferer weiter positiv entwickeln, stieg der Produktionsindex der Automobilindustrie bis August 2018 dennoch um knapp 2 Prozent. Das Volumen der Neubestellungen legte sogar um 16 Prozent zu. Die Kfz-Branche leidet besonders stark unter dem Personalmangel und versucht die Engpässe zunehmend durch Automatisierung zu kompensieren. Investitionen für neue Werke oder Erweiterungen haben zuletzt AAS Automotive (Aluminiumteile), Jacobs Vehicle Systems (Motorbremsen) und Mitsubishi Electric (Anlasser) angekündigt.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Tschechiens Fahrzeugindustrie steht vor großen Herausforderungen (September 2018) http://www.gtai.de/MKT201809188011

Kfz-Markt: Absatz von neuen Pkw wächst kaum noch

Am tschechischen Neuwagenmarkt zeigen sich nach vier Rekordjahren in Folge erste Anzeichen einer Konsolidierung. In den ersten drei Quartalen 2018 stieg die Zahl der neu registrierten Pkw nur um 1 Prozent. Der Septemberwert lag um mehr als ein Viertel unter dem Vorjahresmonat. Damit deutet sich trotz guter Wirtschafts- und Einkommensentwicklung eine Sättigung des Marktes an. Deutsche Premiummarken wie Audi, BMW und Mercedes verzeichneten im Jahresverlauf zweistellige Rückgänge ihrer Verkaufszahlen. Drei Viertel der Neuwagenverkäufe entfallen auf Firmenwagen. Der Anteil von Dieselfahrzeugen ist bis September 2018 um 8 Prozentpunkte auf 30 Prozent gesunken. Die Verkäufe von Elektroautos sind weiterhin niedrig, sie kamen von Januar bis September auf einen Anteil von 0,2 Prozent (396 Stück).

Weitere Informationen:

Neuwagenverkäufe in Tschechien erreichen Rekordwert (Januar 2018)

http://www.gtai.de/MKT201801108003

Umwelttechnik: Sanierung von Trinkwasserleitungen und Kläranlagen im Fokus

Mit Umwelttechnik lässt sich gutes Geld verdienen. Besonders in der Wasserwirtschaft gibt es laufend neue Projekte mit EU-Finanzierung. Schwerpunkte sind die Sanierung der Trinkwasserleitungen und Kläranlagen. Allein die Stadt Prag plant dafür 2019 fast 80 Millionen Euro ein. Außerdem muss Tschechien in eine effizientere Bewässerung der Landwirtschaft und in Rückhaltebecken für Regenwasser investieren. Da freie Gewerbeflächen knapp werden, interessieren sich Developer zunehmend für die Sanierung von Industriebrachen, die häufig eine Beseitigung von Altlasten einschließt (unter anderem Panattoni in Ostrov bei Karlovy Vary). In der Abfallwirtschaft stellt der Staatliche Umweltfonds über 50 Millionen Euro für Projekte zur Wiedergewinnung von Kommunalabfällen bereit. Damit sollen die Deponien entlastet werden.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Viele Investitionsvorhaben in der tschechischen Abfallwirtschaft (Mai 2018) http://www.gtai.de/MKT201805148000

Tschechien bleibt ein spannender Markt für Umwelttechnik (Dezember 2017)

http://www.gtai.de/MKT201712188003

Dieser Artikel ist relevant für:

Tschechische Republik Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

Funktionen

Regina Wippler Regina Wippler | © GTAI

Kontakt

Regina Wippler

‎+49 228 24 993 416

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche