Branchencheck

20.06.2018

Branchencheck - Türkei (Juni 2018)

Inhalt

Währungsverfall, Inflation und schwindende Kaufkraft verunsichern Verbraucher und Unternehmen / Von Necip C. Bagoglu

Istanbul (GTAI) - Die Branchen in der Türkei entwickeln sich derzeit sehr unterschiedlich. Während in der Bauwirtschaft weiterhin viele Projekte realisiert werden, leidet der Maschinenbau unter der schwachen Investitionsnachfrage. Der Verfall der türkischen Lira trifft vor allem die Branchen, die auf importierte Vorerzeugnisse angewiesen sind.

Maschinenbauindustrie: Mehr Exporte sollen schwache Inlandsnachfrage ausgleichen

Die Maschinenbauindustrie leidet unter der schwachen Investitionskonjunktur. So erhöhten sich bei einem Wirtschaftswachstum von 7,4 Prozent im Jahr 2017 die Investitionen in Maschinen und Anlagen nur um 0,7 Prozent. Um die schwache Inlandsnachfrage auszugleichen, verstärken türkische Maschinenbauer vor allem in der Provinz Konya ihre Exportanstrengungen und investieren in neue Kapazitäten und Produkte. Das Industrieministerium startete 2018 ein "Programm zur Transformation in Hochtechnologien", womit die Entwicklung des nationalen Maschinenbaus gefördert wird. Nach dem Gesetz Nr. 7103 sind beispielsweise bestimmte Maschinenkäufe in der verarbeitenden Industrie zwischen dem 1. Mai 2018 und dem 31. Dezember 2019 von der Mehrwertsteuer befreit.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Türkischer Maschinenbau hat Grund zum Optimismus,

https://www.gtai.de/MKT201803068001

Chemieindustrie: Investitionen in petrochemische Anlagen

In der Chemieindustrie ist rege Projekttätigkeit zu beobachten. Das Unternehmen MedCap investiert zusammen mit der katarischen Firma Fusion Dynamics 3 Milliarden Euro in ein Petrochemiewerk. Dort sollen jährlich 400.000 Tonnen Polyethylen und 600.000 Tonnen Polypropylen produziert werden. Das Unternehmen SASA investiert 5,6 Milliarden Euro in die Fertigung von Terephthalsäure (PTA) und Mono-Ethylen-Glykol (MEG). Das Joint Venture DowAksa will 400 Millionen Euro in den Ausbau der Kapazitäten für Kohlefasern investieren. Das türkisch-katarische Unternehmen Siirt Bakir investiert 420 Millionen Euro in die jährliche Produktion von 400.000 Tonnen Elektrolysekupfer ab 2020. Die türkische Regierung subventioniert diese Projekte teilweise.

Weitere Informationen:

Wirtschaftsboom in der Türkei beflügelt chemische Industrie,

https://www.gtai.de/MKT201805078004

Energiewirtschaft: Solarenergieprojekte gewinnen an Fahrt

Die Diversifizierung der primären Energieträger und der Ausbau der erneuerbaren Energien sind wesentliche Ziele der türkischen Energiepolitik. Bis zum Jahr 2030 sollen die Solarkraftkapazitäten auf 10 Gigawatt und die Windkraftkapazitäten auf 16 Gigawatt erhöht werden. Nachdem in den letzten Jahren vor allem in den Ausbau der Windenergie investiert wurde, gewinnen Solarenergieprojekte an Bedeutung. Größtes Vorhaben ist das laufende Projekt in Konya. Dort baut das türkisch-südkoreanische Firmenkonsortium Kalyon Holding/Hanwha Q-Cells ein Solarkraftwerk mit einer Kapazität von 1.000 Megawatt. Gemeinsam mit der Errichtung einer Fabrik für Solarpaneele kostet das Projekt 1,3 Milliarden US$. Ferner werden in der Türkei mehrere Kohlekraftwerke gebaut. Die Bauarbeiten am ersten Kernkraftwerk in Akkuyu/Mersin wurden im März 2018 aufgenommen.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Türkei erhöht Investitionen in die Solarenergie,

https://www.gtai.de/MKT201802158003

Bauwirtschaft: Gefahr der Blasenbildung am Wohnungsmarkt

Die Bauwirtschaft ist ein Wachstumsmotor der türkischen Wirtschaft. Die Bauinvestitionen stiegen im vergangenen Jahr real um 12 Prozent. Während die großen Projekte im Infrastruktur- und Industriesektor weiterhin für hohe Nachfrage nach Bauleistungen sorgen werden, macht sich im Wohnungsbau eine Marktsättigung bemerkbar. Mehr als 2 Millionen neue Wohnungen stehen in der Türkei derzeit leer. Um den Verkauf zu fördern, hat die Regierung die Mehrwertsteuer für Immobilien bis zum 31. Oktober 2018 von 18 auf 8 Prozent gesenkt und die Staatsbanken angewiesen, ihre Zinsen für Wohnungskredite zu senken. Der Immobilienverband KONUTDER startete Mitte Mai 2018 eine einmonatige Verkaufskampagne mit einem Preisnachlass von 20 Prozent.

Weitere Informationen:

Branchenanalyse: Türkische Bauwirtschaft erwartet 2018 etwas geringeres Wachstum

http://www.gtai.de/MKT201805308002

Gesundheitswirtschaft: Steigende Beteiligung des Privatsektors an Krankenhausprojekten

Beim Ausbau und bei der Verbesserung des Gesundheitssektors spielt der Privatsektor eine wachsende Rolle. Neben den Vorhaben der großen privaten Krankenhausketten wie Acibadem, Memorial, MLP und Medicana stehen Projekte im Rahmen der öffentlich-privaten Partnerschaft (PPP) im Mittelpunkt der Investitionen. Nach den Plänen des Gesundheitsministeriums sollen 31 sogenannte Stadtkrankenhäuser nach dem BOT-Betreiber-Modell errichtet und betrieben werden. Es handelt sich um große Krankenhäuser mit 500 bis 4.000 Betten. Das gesamte Marktvolumen für Medizintechnik wird für das Jahr 2018 auf rund 3 Milliarden US$ geschätzt; der Importanteil beträgt über 80 Prozent. Bei Hochtechnologiegeräten herrscht komplette Importabhängigkeit.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Türkischer Markt für Medizintechnik hat hohes Wachstumspotenzial,

https://www.gtai.de/MKT201801098004

Landwirtschaft: Mittelfristig gute Chancen für den Einsatz von modernen Landmaschinen

Die Türkei gehört mit einer landwirtschaftlich nutzbaren Fläche von 38 Millionen Hektar weltweit zu den bedeutenden Agrarländern. Die günstigen klimatischen Bedingungen erlauben eine große Anbauvielfalt. Für Hersteller von moderner Landtechnik dürfte der türkische Agrarmarkt zukünftig lukrativer werden, weil die Regierung mehrere regionale Programme vorantreibt, um die landwirtschaftliche Bewässerung zu verbessern und die vielen kleinen Ackerböden zusammenzulegen. Knapp 80 Prozent der türkischen Agrarbetriebe sind kleine Subsistenzwirtschaften, die ausschließlich eigene Äcker bewirtschaften. Solche Betriebsstrukturen stellen das größte Hindernis für den Einsatz großer Landmaschinen dar. Stattdessen kommen meistens kleinere Maschinen und Traktoren mit einer Motorleistung von unter 100 PS zum Einsatz.

Weitere Informationen:

Türkische Landtechnikhersteller gut aufgestellt,

https://www.gtai.de/MKT201805088001

Nahrungsmittelindustrie: Investitionen in die Fleisch- und Milcherzeugung

(abs)Die Lebensmittel- und Getränkeindustrie zählt zu den größten Branchen der Türkei. Gemessen am Umsatzvolumen folgt sie gleich hinter dem Energiesektor und dem Fahrzeugbau. Die Nachfrage nach Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen beläuft sich jährlich auf rund 1,3 Milliarden US$. Am Inlandsmarkt besteht ein großes Defizit bei Fleisch- und Milchprodukten, was entsprechende Investitionen nach sich zieht. Das bekannte Milchunternehmen Sütas wird im Rahmen eines staatlich geförderten Tierzuchtprojektes in der südostanatolischen Provinz Bingöl 150 Millionen Euro in die Produktion von Milch und Molkereierzeugnissen investieren. Der Konzern Nestle will bis 2023 in der Türkei weitere 20 Millionen Euro investieren. Von Bedeutung ist auch die Getreideverarbeitung. Die Mühlenbetriebe benötigen moderne Ausrüstungen für die Erzeugung von Mehlsorten hoher Qualität.

(abs)

Weitere Informationen:

Inflation belastet Nahrungsmittelhersteller in der Türkei, http://www.gtai.de/MKT201802218004

Textil- und Bekleidungsindustrie: Investitionen in die Produktionserhöhung und Produktentwicklung

Die Textil- und Bekleidungsfirma Bossa investiert im Jahr 2018 insgesamt 40 Millionen Euro, um ihre Textilproduktion von 36 Millionen auf 50 Millionen Meter pro Jahr zu erhöhen. Mittelfristig ist eine weitere Erhöhung auf 60 Millionen Meter vorgesehen. Mehrere exportorientierte Bekleidungsfirmen wie LC Waikiki, Mavi, Sarar, Ramsey und Avva weiten ihre E-Commerce-Aktivitäten aus und eröffnen Filialen im Ausland, vor allem in Ländern des westlichen Balkans. Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist erster Devisenbringer des Landes. Die Ausfuhren von Textilien und Textilrohstoffen sollen 2018 um fast 20 Prozent auf 12 Milliarden US$ steigen.

Kfz-/Kfz-Teile-Produktion: Pläne für ein nationales Auto werden vorangetrieben

Das türkische Industrieministerium treibt die Pläne für die Entwicklung eines nationalen Autos voran. Ein aus fünf Firmen bestehendes Konsortium wird dafür eine eigene Gesellschaft gründen. Der Prototyp soll bis Ende 2019 vorgestellt und ab 2021 die Serienfertigung aufgenommen werden. Der Hersteller OYAK-Renault investiert in der Provinz Bursa knapp 100 Millionen Euro in die Herstellung von Hybrid-Motoren. Diese sollen bei der fünften Generation des Renault-Clio eingesetzt werden, mit dessen Produktion der Autobauer Ende 2018 beginnen will. Das Unternehmen Vestel wird zusammen mit dem chinesischen Partner GSR Capital ein Werk für E-Auto-Batterien im Wert von umgerechnet 5,7 Milliarden Euro errichten. Die türkische Kfz-Industrie produziert vorrangig für den Export.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Exportboom freut türkische Automobilindustrie,

https://www.gtai.de/MKT201802278008

Schienenfahrzeuge: Lokale Fertigung von Hochgeschwindigkeitszügen angestrebt

Die Türkei will bis 2023 in den Eisenbahnsektor insgesamt 39 Milliarden Euro investieren, davon 80 Prozent in Hochgeschwindigkeitsstrecken. Die Staatsbahn TCDD plant im Zusammenhang mit dem Ausbau des Streckennetzes die lokale Produktion von 96 Hochgeschwindigkeitszügen. Zusammen mit einem internationalen Technologiepartner sollen mit zunehmendem lokalen Zulieferanteil im Werk des Lokherstellers Tülomsas (TCDD-Tochter) Züge mit einer Geschwindigkeit von 250 Kilometern pro Stunde produziert werden. Die erste Phase dieses Plans soll mit dem Import von 20 Zügen mit einem lokalen Montageanteil von 10 Prozent beginnen. In der zweiten Etappe sollen 60 Züge mit einem lokalen Anteil von 53 Prozent gebaut werden. In der dritten Phase ist die Herstellung von 16 weiteren Zügen mit einem lokalen Integrationsanteil von 74 Prozent vorgesehen.

Umwelttechnik: Strengere Recycling-Vorschriften für Verpackungsabfälle

Das steigende Umweltbewusstsein und neue Vorschriften stützen die Investitionen im Umweltsektor. Nach einer Anfang 2018 in Kraft getretenen Verordnung des Umweltministeriums wurden Industriebetriebe dazu verpflichtet, mindestens 54 Prozent ihrer Verpackungsabfälle wiederzugewinnen. In Istanbul soll mit der für Ende 2018 geplanten Fertigstellung des Melen-Staudamms die Wasserversorgung der Metropole bis zum Jahr 2071 gesichert werden. Aus diesem Staudamm wird Istanbul jährlich 1 Milliarde Kubikmeter Wasser erhalten. Des Weiteren führt die Generaldirektion für Wasserwirtschaft DSI in verschiedenen Regionen Anatoliens großangelegte Bewässerungs- und Staudammprojekte durch, deren Verwirklichung sich über mehrere Jahre erstrecken.

Weitere Informationen:

Wassermanagement und Abfallmanagement stellen die Türkei vor Herausforderungen,

https://www.gtai.de/MKT201608228003

Elektroindustrie: Absatzchancen für energieeffiziente Etagenheizungen

Die zahlreichen Wohnungsbauprojekte, die in den kommenden Monaten fertiggestellt werden, lassen neue Impulse am Inlandsmarkt für elektrische Hausgeräte erwarten. Im Mai 2018 nahm die italienische Candy Hoover Group ihr Werk für Geschirrspüler mit einer Jahreskapazität von 800.000 Maschinen in Eskisehir in Betrieb. Mitsubishi eröffnete im Februar 2018 eine neue Fabrik für Haushaltsklimageräte in Manisa. Gute Absatzchancen ergeben sich mit den im April 2018 eingeführten neuen Energieeffizienzvorschriften (ErP-Direktive der EU) für Etagenheizungen. Der Hersteller Baymak, ein Unternehmen der niederländischen BDR Thermea Group, wird 2018 seine neue Produktionslinie für Etagenheizungsgeräte mit moderner Brennwerttechnik in Betrieb nehmen. Baymak plant für den Zeitraum 2018 bis 2020 Investitionen von insgesamt 16 Millionen Euro.

Informations- und Kommunikationswirtschaft: Vorbereitungen für den 5G-Mobilfunkstandard

Der Ausbau des Glasfasernetzes und die Vorbereitungen zur Einführung des 5G-Standards bestimmen die Aktivitäten in der Telekommunikationssparte. Türk Telekom (TT) will 2018 rund 3,5 Milliarden TL investieren (umgerechnet etwa 700 Millionen Euro), hauptsächlich um die Glasfaserinfrastruktur auszubauen. Der Übergang zum 5G-Standard soll bis 2020 umgesetzt werden. Anfang 2018 vereinbarten der größte türkische Mobilfunkbetreiber Turkcell und das südkoreanische Unternehmen Samsung eine enge Zusammenarbeit bei der 5G-Einführung.

Kfz-Markt: Abwrackprämie für alte Fahrzeuge soll Konjunktur beleben

Der lokale Kfz-Markt stagniert wegen der schwindenden Kaufkraft der Menschen infolge der Währungsabwertung. Der gesamte Absatz ging in den ersten vier Monaten 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,4 Prozent zurück (Pkw: +2 Prozent). Allerdings ist die Nachfrage nach Hybridfahrzeugen deutlich gestiegen (Absatzmenge 1. Quartal 2018: +122 Prozent). Um die Nachfrage zu beleben, führte die Regierung Mitte Mai 2018 beim Kauf eines Neufahrzeugs eine Abwrackprämie von bis zu 2.000 Euro pro Auto ein, das älter als 16 Jahre alt ist. Die Prämie wird beim Kauf eines Neufahrzeugs durch Abzug von der Sonderverbrauchsteuer (ÖTV) verrechnet. Die Zahl der Autos, die über 16 Jahre alt sind, beläuft sich in der Türkei auf 5,7 Millionen, davon sind 4,3 Millionen Pkw.

Weitere Informationen:

Branche kompakt: Exportboom freut türkische Automobilindustrie,

https://www.gtai.de/MKT201802278008

Dieser Artikel ist relevant für:

Türkei Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Chemische Industrie, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Straßenfahrzeuge, allgemein, Schienenfahrzeuge, Elektronik, allgemein

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